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Corona-Land Part 3

„Kalli, du musst uns einfach helfen! Dieser Wahnsinn muss endlich ein Ende haben!“ Charly wirkte zu verzweifelt. Kalli nippte an seinem Corona und schaute uns ziemlich zweifelnd an. „Glaubst du, ich bin bescheuert, Charly? Ich besorg doch gerade euch keine gefälschten Impfpässe! Ihr seid deutschlandweit als absolute Volksverräter bekannt. Das kauft euch doch niemand ab, dass ausgerechnet ihr geimpft seid! Außerdem rettet euch das auch nicht mehr.“

Er zeigte mir eine aktuelle Ausgabe der „Treuen Welt“. Das Titelblatt war voll mit Leuten, die genauso anders dachten wie wir. Ehemals renommierte Wissenschaftler, Journalisten, die nicht den Vorgaben des Senders gefolgt waren und Leute wie Charly und ich. Überschrift: „Diese Menschen töten deinen Opa!“ Wahrscheinlich kamen wir erst auf Seite 3, für den Titel hatte es noch nicht gereicht.

Ich überlegte kurz, ob ich ihm kurz drohen sollte, ihn anzuspucken. Dieser Kalli war doch auch nur so ein aufgesetzter Andersdenker, der es hinbekommen hatte, aus dieser Pandemie Geld herauszuschlagen. Er war nicht einmal ein richtiger Arzt, er war früher Krankenpfleger gewesen und hatte sein armseliges Gehalt damit aufgebessert, indem er den Leuten auf der Hospizstation Gras verkauft hatte.

„Hilfst du uns jetzt oder nicht?“ Charly ließ nicht locker, aber sie klang dabei nicht sehr überzeugend. Kalli schüttelte den Kopf. „Sorry Süße, erstens seid ihr mir eine Spur zu heiß und zweitens könnt ihr nicht annähernd meine Forderungen erfüllen.“ Dieser kleine Wichtigtuer ging mir langsam auf die Nerven. „Und was heißt das jetzt?“ Er schielte mich schräg von der Seite an. „Das heißt, ich kann so rein gar nichts für euch tun und ich will es auch nicht. Meine Geschäfte laufen gut, diese Coronasache hat mir ein Einkommen beschert, was ich als Pfleger niemals gehabt hätte. Und ich muss kein Essen mehr verteilen und Fieber messen. Das lass ich mir von euch garantiert nicht kaputt machen. Also verschwindet endlich und lasst euch hier bloß nicht wieder blicken!“ Keine Minute später standen wir vor der Tür.

„Und jetzt?“ Ich schaute Charly fragend an. Sie machte nicht den Eindruck, als hätte sie eine zündende Idee. Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber wir sollten zusehen, dass wir hier weg kommen.“

„Nein!“

„Wie, nein?“

„Dieses ganze verstecken und weglaufen hat doch keinen Sinn! Wir haben keine Chance uns in irgendeiner Form zu vernetzen, alle Portale und Kommunikationswege werden 24 Stunden überwacht und für den Staat sind wir irgendwelche Schwurbler, die sich noch dazu strafbar gemacht haben.“

„Genau, wir haben die Maske nicht über die Nase gezogen und Klopapier geschmuggelt. Wirklich sehr kriminell!“

„Na ja, und das mit den Dosenravioli…und den Tütensuppen und die Coronasuppennudeln, die wir verkauft haben, war ja auch nicht ganz so gesetzestreu. Charly, verdammt! Wir stehen mit Bild in der Zeitung!“

„Aber man muss doch irgendwas tun! Wir müssen doch unsere Stimme erheben und für unsere Freiheit einstehen!“

„Aber ich glaube, es reicht nicht mehr, Friedensfahnen zu schwingen und zu brüllen `Wir sind das Volk´. Wir sind nämlich nicht mehr das Volk. Wir sind nur noch ein Infektionsrisiko.“

„Und was schlägst du vor?“

„Wir stellen uns. Das Schlimmste, was uns passieren kann ist, dass wir in eines dieser Lager kommen. Vielleicht sehe ich da meinen Sohn wieder.“

„Das ist dein Vorschlag?“

„Vielleicht können wir aus so einem Lager besser handeln, wenn wir auf mehr Gleichgesinnte treffen.“

Charly schaute mich zweifelnd an.

„Okay, dann lass uns mal ein paar Leute anhusten. ich glaube aber immer noch nicht, dass das eine gute Idee ist!“

Als sie mir später eine Nummer und ein Bild von dem Virus auf meinen Oberarm einbrannten, war ich mir da auch nicht mehr so sicher…

Fortsetzung folgt…

© Sunny Möller