Leben in Serie

Leben in Serie

Es ist wieder einmal soweit. Es heißt Abschied nehmen, von liebgewonnen Freunden und lästigen Nervtötern. Als man mir vor Jahren meine Freundin Carrie nahm, hat es mich 3 Nächte und unzählige Flaschen Prosecco gekostet, meine Lebensfreude wieder zu finden. Ich war Teil von „Sex and the City“.

Hasste Carrie für ihr Unvermögen die Richtigen von den Falschen zu unterscheiden. Und immer wieder dieser blöde Mr. Big, bei dem ich gar nicht wusste, was da eigentlich so big war. Ich erkannte alle Tricks, auf die ich selbst schon reingefallen war. Aber am Bildschirm schlug ich mir vor den Kopf und bedauerte die Protagonistin, wie man nur auf so viel Schwachsinn und Bauchpinselei reinfallen konnte.

Ich liebte Charlotte für ihr naives Selbstverständnis, der großen Liebe zu begegnen. Und dann hatte sie ihn endlich gefunden, den Schottenrock tragenden, schon etwas abgehalfterten, ehemaligen Twin Peaks-Darsteller mit Erektionsproblemen! Für Charlotte niemals ein Grund zur Resignation. Da wurde rausgeholt, was runterzuholen war. Am Ende wenigstens ein Cover für Homes & Gardens.

Ich bewunderte Miranda für ihre Hingabe zum eineiigen Steve. Obwohl sie endlich mal zwei Typen am Start hatte! Ich persönlich hätte mich ja für das afroamerikanische Sahneschnittchen entschieden. Die Auswahl ist schließlich nicht so groß bei einer lesbischen, kurzhaarigen Enddreißigerin!

Und Samantha stand meines Erachtens für die wahre Emanzipation der Frau. Sie benutzte Männer, die so eigentlich nur Frauen benutzten. Für viele einfach eine Schlampe, für mich eine wahre Poetin der Neuzeit.

“Das Land wird besser von einem gutaussehenden Mann regiert. Schaut euch Nixon an. Mit dem wollte niemand ins Bett und dafür versaute er das Land”.

“Ich habe mit ihm gevögelt. Ich bin sechsmal gekommen. Mehr muss ich nicht von ihm wissen.”

“Du kannst zu einem Mann sagen: “Ich hasse dich” – und du bekommst den besten Sex deines Lebens. Aber sagst Du zu ihm: “Ich liebe dich” – siehst du ihn niemals wieder!”

Nur einige von vielen „Ergüssen“, die mein Leben bunter gemacht haben.

Ich habe es verkraftet. Junkies ersetzen eine Droge durch eine andere. Mein neues Koks waren „Desperate Housewives“. Naheliegend, weil ich inzwischen selbst zu Mann und Kind gekommen war. Und schon wieder hatte ich die perfekte Identifikationsquelle. Gut, ich würde ebenso wenig von ihnen lernen, wie von den New Yorkerinnen, doch man fühlt sich einfach nicht so allein in seinem Alltagsorbit…und sie machen Dinge! Spezielle Dinge. Sie tragen Twinsets und führen Kriege mit Muffins, sie vögeln den Gärtner und mähen nachts im Cocktailkleid den Rasen, um nicht aufzufliegen, sie lästern, manipulieren, töten und betrügen, zum Wohl des großen selbst inszenierten Ganzen. Und wieder lache, leide, hoffe und bange ich mit ihnen. Bis zum Schluss. Und jetzt?

Keine Dealer in Sicht, mit dem nächsten „Kick“…HILFE!!!!!

© Sunny Möller

Ein Gedanke zu „Leben in Serie“

  1. du sprichst mir aus der Seele und aus dem Herzen,nur hätte ich es nie so treffend ausdrücken können – ich habe diese Serien aufgesogen wie ein „nasser Schwamm“ und nun?? Danke fürs Teilhaben lassen an deine Sicht der Dinge, liebe Sunny 🙂

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