Allgemein

MUTTERTAG

Ich habe gerade einen Text wiedergefunden, als mein Sohn Luke in der dritten Klasse war. Das Muttertagssgeschenk der Schüler war ein Skandal. Nix mit Gedicht und Schnörkeln. Kinder reden Tacheles! 

Wer erinnert sich nicht an seine Grundschulzeit, als man zum Ehrentag der Frau Mama ein allgemein gültiges Huldigungsgedicht auf ein Zeichenblockblatt schrieb und es anschließend noch mit Tulpen und Herzchen verzierte. 30mal die gleichen Worte von 30 verschiedenen Kindern.

Meine liebe Mutter du,

ich will dir Blumen schenken.

Was ich dir sagen will dazu,

das kannst du dir schon denken.
Ich wünsch dir Glück und Fröhlichkeit,
die Sonne soll dir lachen!

So gut ich kann und allezeit,

will ich dir Freude machen.
Denn Muttertage, das ist wahr,

die sind an allen Tagen.
Ich habe dich lieb das ganze Jahr,
das wollte ich dir sagen.

So erwartete ich auch in diesem Jahr wieder ein illustres Werk meiner Kinder, was ich mit 30 anderen Müttern teilen würde. Doch dieses Mal wurde ich überrascht. Ich bekam ein selbstgebundenes Heft meines Kindes. Wundervoll verpackt, in pastellfarbenem, frühlingshaftem Papier. Ich bemerkte, wie Freudentränen in mir aufstiegen. Ein ganzes Buch! Vielleicht eine Geschichte! Nur für mich! Mit Liebe geschrieben! Worte voller Dankbarkeit! Ich wusste doch, wie sehr sie schreiben hassen. Das waren mindestens 20 Seiten! Wie schön es doch war, Mutter zu sein.

Ich wollte mein Kind gerade an mein, vor Stolz überquellendes Herz pressen, da räusperte sich mein Kind.

Oh mein Gott, auch noch ein Gedicht?

„Du Mami?“

„Ja, mein Liebling?“

Nicht weinen, Sunny, nicht weinen! Das stört die Konzentration!

„Es ist nicht das, was du erwartest!“

Mein bescheidenen Kind. Alles richtig gemacht…..hach

„Ich weiß Schatz, die Mami ist so stolz auf dich! Fang nur an Mäuschen, ich bin ganz bei dir!“

„Also, das Buch ist von der ganzen Klasse!“

Was? Okay, ich wusste, ich war ganz beliebt bei seinen Mitschülern. Ich war nicht diese typische Twinset-Mami, die mit anderen Müttern Tortenrezepte auf dem Schulhof austauschte. Ich war eher die Chucks tragende, Gangnam-Style Mom mit leichten Aussetzern hin und wieder! Aber deswegen gleich Glückwünsche von der ganzen Klasse? Ich war überwältigt!

„Es ist ein Rätselbuch!“

Ich war überfordert!

„Wie Rätsel?“

„Na ja, wir sollten unsere Mütter beschreiben! Ohne Namen zu nennen. Jetzt musst du herausfinden, welche Beschreibung auf dich zutrifft.“

„Oh, das ist ja toll!“

Toll?

Ich schlug die erste Seite auf.

„Meine Mutter schreit mich immer an, deshalb brauche ich viel Ruhe. Dann ist sie sehr nett und kauft mir neue Switch-Spiele. Sie ist ein bisschen pummelig, aber das ist in Ordnung!“

Ich will sofort ein Dummbatzidoofgedicht!!!! Sofort! Keine ehrlichen Worte! Nächste Seite….

„Ich habe meine Mutter nur selten glücklich gesehen. Sie streitet sich sehr oft mit Papa.
Welche Mutter ist es?“

Ich musste schlucken. Welche Mutter möchte sich da erkennen? Ich las weiter.

„Meine Mutter hat schwarze Haare und wirkt viel älter, als sie ist. Sie versucht uns zu erziehen, aber das klappt nicht. Sagt sie. Sie kocht gutes Essen und ihr Sohn hat drei Konsolen.“

Jetzt kam endlich ein Gedicht!

Meine Mama hat nen Bauch, der schwabbelt hin und her, doch das mag ich sehr! Sie kocht sehr gutes Essen, was wir alle fressen. Abends geht sie mit Papa ins Bett, brüllt er laut, findet sie es nett!

Okay, ich bin alleinerziehend.

„Du bist auch gleich dran!“

Hatte ich noch einen letztes Wunsch frei, bevor man mich zum Schafott führte?

„Meine Mutter ist sehr schön, hat lange, braune Haare und blau-grüne Augen. Am liebsten schreibt sie und manchmal kriegt sie einen Kaffee von mir!  Sie liebt ihre Kinder über alles, aber der Alltag macht sie echt fertig! Manchmal weint sie, wenn sie denkt, dass sie alleine ist. Sie macht immer alles alleine und denkt, dass sie keine gute Mutter ist. Sie kann sehr laut rülpsen!“

Vor mir steht ein frischer Kaffee…

© Sunny Möller

Allgemein

Du bist mir gleichgültig

Ich liebte dich mit Leidenschaft,
ohne zu wissen, dass es Leiden schafft,
gleichgültig sei ich dir,
also genauso gut wie ich zu dir?
Die Bedeutung beider Worte sind verquer,
denn erkennt man sie, so ist´s nicht schwer,
das vermeintlich gute führt zum Schmerz,
die gleiche Gültigkeit zum Herz.

© Sunny Möller

Ursprüngliche Bedeutung: Leidenschaft

Aus mittellateinisch „liden“ = „durchmachen oder auch durchstehen“

Das Wort Leidenschaft ersetzte einst das französische Wort Passion und zählt seit dem zu unserem Sprachgebrauch. (wiki)

Ich häufiger denke ich bei dem Wort an : schafft Leiden

Ursprüngliche Bedeutung: Gleichgültigkeit

Die eigentliche Zusammensetzung des Wortes aus gleich und gültig hat vormals einen völlig anderen, eher konträren Sinn ergeben: Etwas besitzt die gleiche Gültigkeit. Es ist gültig, wie das andere auch.

Der Ausdruck beinhaltete damit sehr wohl eine Wertung im Sinne von etwas ist gleich gültig wie etwas anderes. Mit anderen Worten: Wir bewerten etwas als genau so gültig wie das andere. Dies zeugte von Respekt vor der Gültigkeit des Anderen. (wiki)

Also betrachten wir die Gleichgültigkeit nicht mit Desinteresse, sondern mir der gleichen Wertigkeit, wird es doch erheblich netter…

Interessant, dass diese beiden Worte jetzt völlig unterschiedlich in meiner persönlichen Wertigkeit stehen.

© Sunny Möller

Allgemein

Dunkel war´s, der Mond schien helle

Meiner nicht, es ist einfach nur dunkel. Das ist nicht schlimm, was im Dunkeln ist, das sieht man nicht. Doch finde ich keine dunkle Ecke, die mich verschwinden lässt.

Nur für eine Weile, einen kurzen Moment, das Gucken ins Leere, ohne Fragen, wohin. Kann einfach nur sitzen, reglos, keiner fragt nach dem Sinn.

Muss nichts schön finden, schlecht aber auch nicht, ich finde einfach mal nichts. Bin weder lustig noch traurig, wütend geht gar nicht, einfach nur nichts. Das hat doch auch Recht zum da sein, dieses Gefühl ohne Gefühl.

Reden ist morgen, vielleicht aber auch nicht, will nichts erklären über das, wie ich bin. Nicht immer, aber oftmals, nicht zeitlich begrenzt.

Suche den Ausgang, finde ihn nicht. Laufe in Kreisen, an Ecken, gebückt geradeaus. Verstecken ist schwierig, kann nicht hinaus.

Drinnen sitzen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft. Gefällt mir, frage mich, wo sind die nur?

© Sunny Möller

Allgemein

Leben leben

Ist es dunkel oder schnell,

langsam oder hell,

was mach ich nur,

steh ich hier gegangen bin,

Sinn sinnlos abgeschaltet,

in den Töpfen kocht das Eis,

Reis könnte man auch mal wieder essen,

fall nicht drüber über den zerrissnen Sack,

denken ist im Angebot, Tod nicht akzeptiert,

langsam wird es interessant,

Leben leben? Zu riskant.

© Sunny Möller

Allgemein

Was ich nicht sehe, ist nicht da.

Ich mach die Augen zu.

Eins und zwei, grüner Elefant mal vier.

Zwei Tage hat die Woche nur,

eine Spur in die Unendlichkeit,

zum Lieblingseismann gar nicht weit.

Was ich nicht sehe, ist nicht da.

Alle glücklich, tanzen, lachen.

Sachen machen ohne jemals aufzuhören.

Plötzlich alle wieder nah. Bist du da? Die Welt schreit Ja.

Ich mach die Augen zu, ist das wahr?

(c) Sunny Möller

Allgemein

Sie ist wieder da! Die Bärlauch-Saison!

Es gibt so Zeiten, die werden von mir jedes Jahr sehnlichst erwartet. der erste Rhabarber, die ersten Erdbeeren und natürlich der erste Bärlauch. Ich weiß, mittlerweile bekommt man diese Sachen teilweise das ganze Jahr über, doch bin ich ein absoluter Saisonverfechter.

Das Besondere an den eben Genannten, sie stehen nur einen bestimmten Zeitraum zur Verfügung. Jetzt ist es endlich soweit, die Bärlauch-Saison hat begonnen und wer schon einmal ein Bärlauch-Pesto mit seinen Spaghetti verbunden hat, wartet jedes Jahr wieder auf dieses milde Knoblaucharoma mit der besonderen Schärfe.

Bisher habe ich immer die klassischen Pesto-Zutaten wie Pinienkerne, Parmesan und gutes Olivenöl verwendet, heute habe ich noch ein paar geröstete Sonnenblumenkerne zur kulinarischen Mixer-Party eingeladen. Das nächste Mal sind die Walnüsse dran. Wie mögt ihr euer Pesto am liebsten?

Kulinarische Küsse Eure Sunny

Zutaten für mein Bärlauchpesto

200g Bärlauch (vom Markt, aus dem Garten oder direkt aus dem Wald)
1-2 Knoblauchzehen
375ml Olivenöl
50g Sonnenblumenkerne
50g Pinienkerne
4 Essl. Parmesan

Den Bärlauch waschen und in Stücke schneiden oder zupfen, mit dem Parmesan, angerösteten Pinien- und Sonnenblumenkernen, dem Knoblauch und dem Olivenöl, Salz und Pfeffer in den Mixer schmeißen und in die gewünschte Konsistenz befördern. In Gläser füllen und möglichst kühl und dunkel lagern und in zirka 1 bis 2 Monaten verbrauchen.

P.S.: statt den Pinienkernen sollten ihr es auch einmal mit anderen Nüssen probieren. Walnüsse zum Beispiel eignen sich hervorragend.

Was sind eure Bärlauch-Lieblinge? Her mit den Rezepten! ❤

© Sunny Möller

Allgemein

Ein Hoch auf die singenden Risikogruppen!❤️

Im Spiegel heißt es knapp und überheblich:

„Eine lebende Legende zu sein, schützt ja nicht davor, sich zum Deppen zu machen. Van Morrison und Eric Clapton zum Beispiel, beide 75 Jahre alt, fiel im Krisenjahr 2020 nichts Besseres ein, als verbitterte und letztlich ungenießbare Songs über die unbequemen, aber natürlich notwendigen, wenn nicht unzureichenden Corona-Maßnahmen der britischen Regierung zu veröffentlichen. Herrje.“

Die anderen Zeitungsausschnitte erspare ich euch lieber. Ich sage: Danke an alle Musiker, Künstler, Autoren und Kulturschaffenden und überhaupt alle wunderbaren Menschen die noch den Mut haben, laut zu werden!

Ich bin traurig über Bands wie Fanta 4, die auf den Anruf von Drosten und Spahn warten, um ein Super-Go für ihre Luca-App zu bekommen und ihr neuer Jaulesong „Irgendwann“ ist ein Schlag in die Fresse für jeden Fanta Fan.

Tschau Mann, ich bin die Frau mit dem dicken Pulli an und auf solche Songs nicht kann. MfG und es könnt alles so einfach sein.

Und ich bin weg.

Allgemein

Corona-Land Part 4

„Du musst etwas trinken!“ Irgendjemand hielt mir eine Plastikflasche mit einer undefinierbaren Flüssigkeit an den Mund. Nach Wasser sah es nicht aus, eher so etwas wie Cola, aber ich konnte erkennen, dass irgendetwas darin herum schwamm. Ich drückte die Flasche von mir weg. Dieser Irgendjemand war ein Typ, dem sie das Virus direkt auf die Stirn gebrannt hatten. Warum sollte der sich noch impfen lassen, er war für immer ein Schreckgespenst der Nation, es sei denn er würde für immer und ewig eine Mütze tragen. „Ich bin übrigens Karsten. Wir kennen dich übrigens alle und niemand hätte gedacht, dass sie dich kriegen würden!“ Ich versuchte mich aufzurichten. Ich lag auf so etwas wie einem Feldbett, ich trug nicht mehr meine Sachen, sondern etwas, was so aussah wie ein Maleranzug. „Wo ist meine Freundin?“ Karsten drehte den Verschluss der Flasche zu. „Sie haben sie mitgenommen, um sie von der Wichtigkeit der Impfung zu überzeugen.“

So langsam kam mir alles ins Gedächtnis zurück. Charly und ich waren ohne Maske in die Innenstadt gegangen. Provokatives Husten war überhaupt nicht nötig gewesen. Mittlerweile waren alle hörigen Bürger mit einer Denunzierungs-App ausgestattet, die man bedienen konnte, wie einen Alarmknopf bei der Bank. In Bruchteilen von Augenblicken kreiste uns eine Herde von Covid-Bereinigern ein, die uns unverzüglich festnahmen. Sie stülpten uns Hannibal Lecter ähnliche Masken über und zerrten uns in ein Quarantäne Fahrzeug. Keine halbe Stunde später kamen wir in einem Lager an, was sich am Stadtrand befand. Ohne groß zu fragen, brannte man uns eine Nummer in die Haut und brachte uns zum Duschen.“Das war eine bescheuerte Idee, Sunny! Ich hab dich lieb, aber das war eine echt bescheuerte Idee!“ Ich wusste nicht, ob Charly weinte, oder ihr einfach Wasser über das Gesicht lief. Dann trennten sie uns.

Ich hatte gleich das Aufklärungsgespräch für die Impfung. Na ja, Gespräch konnte man es kaum nennen. „Sie bringen alle Menschen in ihrer Nähe in Lebensgefahr! Sie töten alte Menschen! Sie werden ihre Kinder nie wiedersehen! Sie stehen an der Seite von Neonazis! Sie sind eine Feindin der Demokratie! Sie sind eine Corona-Leugnerin! Sie sind eine Last! Sie sind unsolidarisch! Sie sind asozial! Sie sind eine Gefahr!“ Das „Gespräch“ dauerte ungefähr vier Stunden und am Ende brachten sie mich in eine der Umerziehungsbaracken. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Das man mich hier vielleicht wie Johanna von Orléons feiern würde, nur weil ich ein paar Dosenravioli geschmuggelt hatte?

Ich schaute Karsten an. „Wie läuft das hier ab? Plant ihr irgendetwas?“ Er fing leicht irre an zu lachen. „Planen? Was sollen wir hier drin schon groß planen? Wir werden 24 Stunden überwacht. Zum Totlachen, dass sich irgendjemand mal über China aufgeregt hat. Es gibt keine Solidarität mehr, Sunny! Jeder will nur sein altes Leben zurück und das hat rein gar nichts mehr mit Corona zu tun. immer mehr von uns lassen sich impfen.“ Ich konnte es nicht fassen. Es konnte doch nicht sein, dass alle nach und nach ihren Verstand verloren. War ich jetzt die Verrückte? Ich dachte an George Orwell, der mit 1984 eine schaurige Zukunftsvision geschaffen hatte. Er sagte einmal:

„In der Minderheit zu sein, selbst in der Minderheit von einer Person, machte einen nicht verrückt. Es gab Wahrheit und es gab Unwahrheit, und wenn man sich an die Wahrheit klammerte, sei es auch gegen die ganze Welt, war man nicht verrückt.“

Ich schüttelte mich. Nein, ich war auf gar keinen Fall verrückt. Ich musste etwas tun und ich musste Menschen finden, die mit mir gehen, Egal, was es mich kosten würde!

„Sunny?“

Ich drehte mich um. Es war meine Charly. Ich sprang auf und wollte sie in den Arm nehmen, aber ihre Augen wiesen mich ab.

„Nein nicht, es tut mir wirklich leid, aber ich habe das nicht ausgehalten. Sie haben gesagt, ich sehe meine Kinder nie wieder. Nie wieder, Sunny!“

Mein Blick fiel auf ihren Arm. Auf ihm klebte ein kleines, weißes Pflaster.

Tränen liefen ihr übers Gesicht.

„Es tut mir wirklich leid!“

Fortsetzung folgt…

Allgemein

Corona-Land Part 3

„Kalli, du musst uns einfach helfen! Dieser Wahnsinn muss endlich ein Ende haben!“ Charly wirkte zu verzweifelt. Kalli nippte an seinem Corona und schaute uns ziemlich zweifelnd an. „Glaubst du, ich bin bescheuert, Charly? Ich besorg doch gerade euch keine gefälschten Impfpässe! Ihr seid deutschlandweit als absolute Volksverräter bekannt. Das kauft euch doch niemand ab, dass ausgerechnet ihr geimpft seid! Außerdem rettet euch das auch nicht mehr.“

Er zeigte mir eine aktuelle Ausgabe der „Treuen Welt“. Das Titelblatt war voll mit Leuten, die genauso anders dachten wie wir. Ehemals renommierte Wissenschaftler, Journalisten, die nicht den Vorgaben des Senders gefolgt waren und Leute wie Charly und ich. Überschrift: „Diese Menschen töten deinen Opa!“ Wahrscheinlich kamen wir erst auf Seite 3, für den Titel hatte es noch nicht gereicht.

Ich überlegte kurz, ob ich ihm kurz drohen sollte, ihn anzuspucken. Dieser Kalli war doch auch nur so ein aufgesetzter Andersdenker, der es hinbekommen hatte, aus dieser Pandemie Geld herauszuschlagen. Er war nicht einmal ein richtiger Arzt, er war früher Krankenpfleger gewesen und hatte sein armseliges Gehalt damit aufgebessert, indem er den Leuten auf der Hospizstation Gras verkauft hatte.

„Hilfst du uns jetzt oder nicht?“ Charly ließ nicht locker, aber sie klang dabei nicht sehr überzeugend. Kalli schüttelte den Kopf. „Sorry Süße, erstens seid ihr mir eine Spur zu heiß und zweitens könnt ihr nicht annähernd meine Forderungen erfüllen.“ Dieser kleine Wichtigtuer ging mir langsam auf die Nerven. „Und was heißt das jetzt?“ Er schielte mich schräg von der Seite an. „Das heißt, ich kann so rein gar nichts für euch tun und ich will es auch nicht. Meine Geschäfte laufen gut, diese Coronasache hat mir ein Einkommen beschert, was ich als Pfleger niemals gehabt hätte. Und ich muss kein Essen mehr verteilen und Fieber messen. Das lass ich mir von euch garantiert nicht kaputt machen. Also verschwindet endlich und lasst euch hier bloß nicht wieder blicken!“ Keine Minute später standen wir vor der Tür.

„Und jetzt?“ Ich schaute Charly fragend an. Sie machte nicht den Eindruck, als hätte sie eine zündende Idee. Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber wir sollten zusehen, dass wir hier weg kommen.“

„Nein!“

„Wie, nein?“

„Dieses ganze verstecken und weglaufen hat doch keinen Sinn! Wir haben keine Chance uns in irgendeiner Form zu vernetzen, alle Portale und Kommunikationswege werden 24 Stunden überwacht und für den Staat sind wir irgendwelche Schwurbler, die sich noch dazu strafbar gemacht haben.“

„Genau, wir haben die Maske nicht über die Nase gezogen und Klopapier geschmuggelt. Wirklich sehr kriminell!“

„Na ja, und das mit den Dosenravioli…und den Tütensuppen und die Coronasuppennudeln, die wir verkauft haben, war ja auch nicht ganz so gesetzestreu. Charly, verdammt! Wir stehen mit Bild in der Zeitung!“

„Aber man muss doch irgendwas tun! Wir müssen doch unsere Stimme erheben und für unsere Freiheit einstehen!“

„Aber ich glaube, es reicht nicht mehr, Friedensfahnen zu schwingen und zu brüllen `Wir sind das Volk´. Wir sind nämlich nicht mehr das Volk. Wir sind nur noch ein Infektionsrisiko.“

„Und was schlägst du vor?“

„Wir stellen uns. Das Schlimmste, was uns passieren kann ist, dass wir in eines dieser Lager kommen. Vielleicht sehe ich da meinen Sohn wieder.“

„Das ist dein Vorschlag?“

„Vielleicht können wir aus so einem Lager besser handeln, wenn wir auf mehr Gleichgesinnte treffen.“

Charly schaute mich zweifelnd an.

„Okay, dann lass uns mal ein paar Leute anhusten. ich glaube aber immer noch nicht, dass das eine gute Idee ist!“

Als sie mir später eine Nummer und ein Bild von dem Virus auf meinen Oberarm einbrannten, war ich mir da auch nicht mehr so sicher…

Fortsetzung folgt…

© Sunny Möller