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Nathan der Weise und richtig guter Kaffee

Als Lessing „Nathan der Weise“ in dem kleinen Renaissance Städtchen Wolfenbüttel verfasste, ahnte er bestimmt noch nicht, was für guten Kaffee man eines Tages dort genießen kann. Ich übrigens auch nicht, ich wollte einfach nur nett meinen Tag vertrödeln und wusste eigentlich gar nichts über diese Stadt zwischen Harz und Heide. Auf der verzweifelten Suche nach einem Parkplatz, landete ich in einer kleinen Seitenstraße und fühlte mich direkt in eine andere Zeit versetzt. Viele, wunderschöne Fachwerkhäuser und kleine Läden an einem kalten Novembermorgen. Ich wollte mir ein nettes Café suchen und mich erst einmal aufwärmen. Plötzlich schaute mich ein kleiner Holzkopf an, den ich aus der Toskana noch in guter Erinnerung hatte.

Kaffeerösterei, das hörte sich schon einmal gut an. Obwohl das mittlerweile schon so ein hipper Begriff geworden ist wie Privatbrauerei. Wer mich kennt, der weiß wie wichtig mir guter Kaffee ist. Ein Versuch kann nicht schaden, dachte ich und betrat das Café. Was mich erwartete war nicht ein Nullacht fünfzehn Cafébetrieb, man spürte gleich, da steckt Herzblut drin. Überall war das Kaffeethema spürbar, ob es nun Kaffeesäcke aus aller Welt an den Wänden war, Kaffeemühlen, seltene Espressotassen oder das Herzstück, die Röstmaschine, die, für jedermann sichtbar, direkt im Café steht.

Ich wurde begrüßt, als würde ich jeden Morgen hier meinen ersten Espresso genießen. Man war gleich beim Du und Jo Weigmann servierte mir kurze Zeit später einen Espresso, der seinesgleichen sucht.

Da hatte ich noch nicht die Absicht einen Blog über dieses kleine Café in Wolfenbüttel zu schreiben. Vielleicht über Lessing, nein nicht einmal über den. Nach fünf Minuten mit Jo Weigmann, Besitzer des „Pinocchio“, Barista und gelernter Schreiner aus dem Frankenland, änderte sich das schnell. Das war hier so viel mehr als einfach nur Kaffee trinken. Ich lernte Lilith kennen, Jo´s beste Freundin, eine Hundedame, die jeden gleich begeistert begrüßte, einen Zukunftsforscher von VW und diverse andere Gäste, die im Minutentakt in dem kleinen Café ein und aus gingen.

5 Minuten später hielt ich einen Zeitungsbericht von Eva in der Hand, eine 95jährige Barista aus Umbrien, der Jo einer seiner Espressossorten gewidmet hat. „Ich fahre nächstes Jahr wieder hin und besuche sie. Schau doch mal wie schön sie aussieht. Eine tolle Frau!“

Ich konnte mir nicht einmal die Hälfte der Geschichten merken, die er in kürzester Zeit zum Besten gab. Nach einer halben Stunde hatte ich schon nicht mehr das Gefühl, hier fremd zu sein. Es wurde mit den anderen Gästen gefachsimpelt, gescherzt und geschnackt, als wenn man sich mit Freunden zum Kaffeetrinken verabredet hatte. „Willst du mit mir Kaffee rösten?“ Ich schaute Jo an und kurze Zeit später erklärte er mir schon den Röstvorgang an seiner Maschine und worauf ich achten muss.

Als ich gehen musste, hatte ich Eva´s Mischung in der Hand und das Gefühl, mich von guten Freunden zu verabschieden. Jo nahm mich herzlich in den Arm und sagte:“Vergiss nicht die 5 M´s!“ ich schaute ihn fragend an. Er grinste.

Mensch
Maschine
Mühle
Mahlgrad
Mischung

Mensch an der ersten Stelle, genau wie in diesem besonderen Café in Wolfenbüttel. Also macht euch auf, Wolfenbüttel ist definitiv eine Reise wert. Und wenn es nur für Jo und sein bezauberndes Café ist.

Privatrösterei Pinocchio, Kornmarkt 14, Wolfenbüttel

http://www.pinocchio-kaffee.com

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19 Gedanken zu „Nathan der Weise und richtig guter Kaffee“

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