Das XING-Ding

Da habe ich mich vor geraumer Zeit einmal vom Herdentrieb leiten lassen und mich bei XING angemeldet. Bis heute weiß ich nicht so wirklich, wie das eigentlich ausgesprochen wird. Die einen sagen ‚crossing’, die anderen ‚icksing’ und die ganz eingefleischten Kenner bezeichnen es einfach als ‚ksingggg’, so wie ‚rrriinnnngggg’ oder ‚binnngggg’.

Aufgrund meiner Profession kam ich weder zu vielen Kontakten, noch zu lukrativen Angeboten. Geschweige denn zu irgendeiner netten Kommunikation. Eins der wenigen Angebote war eine Stellung als Empfangsdame bei einem Tierfutterhersteller. „Sie schreiben doch auch über Tiere! Das könnte passen!“

Außerdem boten mir engagierte Vermögenshutzeltutzelmanager, Fond gebundene Lebensversicherungen mit einer Laufzeit von 40 Jahren an. Das, dadurch entstandene Kapital könnte ich anschließend gewinnbringend in Schnabeltassen und elektrisch betriebene Rollatoren investieren. Auf die Angebote dritter Art möchte ich nicht näher eingehen, die habe ich mit freundlichen Grüßen an youporn und Konsorten weitergeleitet. Ich schaute mir noch einmal die Profilfotos meiner Kontakte an. Während ich sie teilweise von ihren Facebook-Accounts mit einem Schlüpfer überm Kopf am Ballermann kannte, trugen sie hier Tweet und Twinset. Och nö, dann lieber Schlüpfer!

Ich wollte also mein Profil löschen. Aber XING wollte mich behalten. Nach einer halbstündigen Lösch-Button-Suche, fragte ich bei google nach und bekam Hilfe. Ich sollte in der Suchmaske lediglich ‚Rücktritt’ eingeben. Da würde mir geholfen. Ich fühlte mich gleich ein bisschen wichtiger. Ich musste von was zurücktreten. Wie ein Politiker nach einem ‚Dufickificki-Skandal’ oder ein Aufsichtsratsvorsitzender, nach der zehnten Koksparty im Firmenjet.

Mit großen Lettern empfing mich die Seite zur ewigen Verdammnis des Nicht-dazu-Gehörens!!!

PROFIL UNWIDERRUFLICH LÖSCHEN!!!!!!!!!!!!!!

Ich musste mich erklären! Ich konnte 10 verschiedene Gründe angeben, wobei sie bei der letzten eine persönliche Erklärung erwarteten. „Find ich doof“ war nicht dabei.

Ich wählte „XING passt einfach nicht zu mir“ und drückte den Button. Sollte man jetzt annehmen, damit wäre der Fisch gelutscht oder die Sache gegessen, der irrt. Umgehend ploppte ein Befehl auf! „Erkunden Sie unsere Gruppen, um Mitglieder mit ähnlichen Interessen kennenzulernen!“

Okayyyyy, will ich aber nicht. Doch es machte neugierig. Was würde wohl bei den anderen Tschüssi-Optionen verlangt?

Diesmal wählte ich „Meine Erwartungen an XING wurden nicht erfüllt“. Der nächste Vorschlag kam prompt. „Gerne unterstützen wir Sie dabei, die Größe und damit auch den Wert Ihres Netzwerkes zu steigen!“

So, so, Größe und Wert. Hatte sicherlich ein Mann geschrieben. Machen wir´s kurz. Es gab zu jedem Grund eine Hilfestellung, sich nicht unwiderruflich von XING zu trennen. Und jedes Mal war es meine Schuld. Ich hatte mich nicht genug engagiert! Ich hatte die vielen Möglichkeiten nicht erkannt, nicht richtig gedeutet. Ich konnte nicht erfolgreich sein auf bing bing XING. Ich war ein Loser!!! Nicht das, von Göttern erschaffene, heilige Business-Netzwerk der Schönen und Reichen, passte nicht zu mir. Ich passte nicht zu XING! Jetzt wollte ich schon gar nicht mehr mitmachen, sie nicht weiter belästigen, mit einem Nichts von Mir!

Ich wählte „andere Gründe“. Da darf man selber was schreiben. Und schreiben kann ich ja.

„Ich finde euch pipikackascheiße!“

XING antwortet nicht…..

(C) Sunny Möller

Ein Gedanke zu “Das XING-Ding

  1. kilian schreibt:

    🙂 epische ansicht von dir! man glaubt es ja nicht…ich versuch das nun auch mal 😉 vielleicht haben sie ja nun pipikaka, als mögliche option aufgenommen!?!? hihihi….you made my day!

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