Stimmungslage

Vom Hinfallen und Aufstehen

Für meine kleine Schwester

….rannten durch Wälder, auf Rollschuhen die steilsten Hänge hinunter, beim Fangen spielen gefallen, blutige Knie, immer und immer wieder. Pflaster, Zauberpusten und heißer Kakao machten es wieder gut, trockneten jede kleinste Träne.

Wir fallen noch heute, immer und immer wieder. Die Knie bleiben ganz, die Wunde liegt tiefer. Sie trifft oft das Herz, die Sehnsucht, die Hoffnung, das Glück. Verstehen die Welt nicht, kein Pflaster dafür zur Hand. Kein Kakao kann das lindern, jedes Zauberpusten zu schwach. Doch das ist nicht wichtig. Du hilfst mir beim Aufstehen, ich zieh dich mit hoch. Das, kleine Schwester, wird immer so bleiben, bis zu den Sternen und wieder zurück!

© Sunny Möller

Stimmungslage

Nichts

Nichts
Die Waschmaschine läuft, letzter Schleudergang, unter meinen Füßen vibriert es leicht. Der Ton ist laut. Der Tisch ist voll. Rechnungen, Anfragen, Schulanmeldung, ein angebissenes Brot, neben mir ein Klumpen Knete, der mal eine Giraffe war, welche Termine habe ich morgen, ist noch Milch fürs Frühstück da, wann geht der Zug am Donnerstag, Geburtstage notiert und doch vergessen, woher kommt der blaue Fleck am Unterarm, habe ich genug getrunken, was ist mit den Ferien, wird das Wetter doch noch besser, mach ich Ende Mai die Heizung an, warum grüßt die Frau von nebenan nicht mehr, ist der Wecker schon gestellt, Kinderbücher, Legosteine, Schuhe, Schnitzeljagd aus Unterhosen, Müll, der aus der Tonne lugt……

Meine Tochter sitzt im Flur, guckt ins Leere, lächelt stumm. „Was denkst du gerade?“, frage ich. „An Nichts!“, sagt sie. „Und was machst du gerade?“, will ich wissen.

„Nichts!“

Was beneide ich sie um dieses „Nichts“ !

© Sunny Möller

Stimmungslage

Selbstgespräche…..

Früher dachte ich immer, es seien nur ältere Leute, die Selbstgespräche führen. Eine Form, die Einsamkeit zu überwinden. Oder multiple Persönlichkeiten, die sich gleich mit einer ganzen Gruppe auseinandersetzen.

Wenn ich heute durch die Stadt gehe, bei der Bank vorm Schalter stehe, oder im Supermarkt den Ketchup suche, überall sehe ich Menschen, im Gespräch mit sich selbst. Und zwar aus jeder Schicht, in allen Altersklassen. Ich frage mich, in meiner eigenen tonlosen Unterhaltung, was ist es, was das Gespräch mit sich selbst erstrebenswerter macht, als mit einem zweiten Gegenüber?

Ist es das bedingungslose Zustimmen jeglicher gedanklicher Absurdität oder die immer größer werdende Einsamkeit, die jetzt auch die Jungen immer stärker betrifft? Oder ist es einfach ein Mangel an dem Attribut des Zuhörens? In einer Gesellschaft der Profilneurotiker und Selbstdarsteller will jeder nur noch seine eigenen Lebensweisheiten unters Volk mischen. Aufgefordert oder nicht. Zuhören wird gar nicht unbedingt verlangt, nur nicken und lächeln und dem Absender das Ego pimpen.

So habe ich neulich mit einer Freundin telefoniert, die mir eine Stunde von ihren Beziehungsproblemen erzählte. Die Pausen, die sie machte, reichten gerade mal für ein erwiderndes „hmmm“ und „echt?“ Nach einer halben Stunde stellte ich den Lautsprecher an, ging zum Briefkasten, räumte den Geschirrspüler aus und schrieb sms mit einem Freund. Zurück am Hörer hörte ich nur noch: „Sunny, du bist die Beste! Keiner versteht meine Probleme so wie du und ist immer auf meiner Seite! Tschüßi!“ So etwas nennt man dann wohl Selbstgespräch mit Beisitzer.

„Hey Süße, wie geht es dir?“ Ich musste lächeln. „Danke, eigentlich ganz gut! Und dir?“ Bekanntes Lächeln folgte. „Schön, dass du fragst. Auch ganz gut! Gehen wir einen Kaffee trinken?“ „Gerne!“

Die Bedienung schaute fragend. „Sind sie allein?“

Ich nickte.

© Sunny Moeller

Stimmungslage

Dieser kurze Moment….

Es gibt diesen kurzen Moment, zwischen Aufwachen und wach werden. Diese wenigen Minuten, die nur dir gehören, der Kopf leer gefegt, vielleicht noch ein letzter Rest vom nächtlichen Traum, der gleich vergessen sein wird. Die letzte warme Stille. Die kurze Versuchung, die Decke höher zu ziehen, sich zu verstecken, den Wecker zu überhören. Denn langsam gehen die Türen auf und du hast zu wenig Hände, sie wieder zu schließen. Du versuchst es, stemmst dich gegen die größte. Es flüstert eindringlich durch jeden Spalt: Pflichten, Pflichten, Pflichten….. Die Kraft lässt nach, die Tür knallt gegen deinen Kopf, du schüttelst dich, denkst, warum sind es immer so viele? Du atmest tief, folgst den Pflichten ergeben. Plötzlich spürst du Wärme, Licht in den Augenwinkeln, drehst dich um, die Sorglosigkeit lächelt dich an. Berührt dein Gesicht, legt etwas in deine Hand. Du willst mit ihr gehen, doch sie ist zu schnell und die Pflichten kommen zurück. Laut hörst du das Ticken. Diesmal bist du zu spät. Aber in deiner Hand ist ein Schlüssel und du weißt, wo er passt.

© Sunny Moeller

Stimmungslage

Von Stuten und dummen Puten!

Gespräch mit einer Freundin.

„Wie findest du eigentlich meine neuen Stiefel?“

Ein etwas teilnahmsloser Blick erwiderte meine Frage.

„Joah, sehen ganz schön aus!“

„Begeistert klingst du ja nicht gerade!“

„Na ja, für mich wären sie nichts!“

Ich war erstaunt. Die Stiefel waren der Hammer. Feinstes, weiches Leder und etwas höher geschnitten, der Trend diesen Winter. Normalerweise fing Kathrin an zu sabbern, wenn sie solches Beinwerk im Schaufenster sehen würde.

„Wieso das nicht? Du hast doch total tolle Beine!“

Kathrin lächelte mich würdevoll an.

„Da hast du Recht Sunny, aber mir wären sie, na, wie soll ich sagen, etwas zu nuttig. Wir sind ja jetzt auch nicht mehr zwanzig und n Keks! Aber du kannst das tragen, mach dir keinen Kopf!“

Auf dem Weg nach Hause musste ich über das Gespräch nachdenken. War ich der Typ für Nuttenstiefel? Immerhin hatten sie über 200 Euro gekostet und wurden nicht von einer Sicherheitsnadel zusammengehalten. Würde eine Freundin so etwas sagen? Sollte sie sich nicht mit mir freuen? Ich rief meinen besten Freund an. Schwul. Die perfekte Mischung aus Kerl und weiblichem Verständnis.

„Was war das da eben mit Kathrin, Knut? Sie findet die Stiefel für mein Alter zu nuttig!“

„Sorry Süße, aber naiv ist wirklich dein zweiter Vorname! Geh mal googeln und gib ´Stutenbissigkeit´ ein! Dann hast du deine Antwort. Ach, und Schnucki? Wenn eine diese Stiefel tragen kann, dann ja wohl du! Küsschen!!!“

Ich wünsche jeder Frau einen schwulen Mann, als beste Freundin! Komplimente bekommen, ohne Hintergedanken und niemals naschen wir am selben Buffet.

Stutenbissigkeit war mir ein vertrauter Begriff, aber unter Freundinnen? Ich googelte.

Stutenbissigkeit klingt archaisch und ist auf das Sozialverhalten von Pferden in ihrer Herdengemeinschaft zurückzuführen. Eine Frau kann einer Frau nur schwerlich ohne Skrupel offen eine Niederlage zufügen. Das verbietet der anerzogene Anstand, der weibliche Sozialcharakter und das „Nicht – verletzen“ sondern das zu den „Guten“ gehören wollen. Das wichtigste feministischen Paradigma der Solidarität käme ins Straucheln. Offene Auseinandersetzung mit einer anderen Frau ist auch wegen der vermeintlich hohen persönlichen Verletzungsgefahr zu riskant?

Möglichst unauffällig wird auf allen Ebenen mit strategischem Einfallsreichtum gegen die Konkurrentin gearbeitet. Verbündete werden gesucht. Erstaunlicherweise empfindet sich die Betroffene selbst dabei auch oft noch als Opfer. Männer hingegen würden ihren Gegner meist einfach durch Leistung übertrumpfen. Frauen reicht das selten; sie neigen dazu, die andere Frau auch als Person ausschalten zu wollen. Da das heimliche Ziel der Stutenbissigkeit unter Frauen jedoch uneingestanden und „undercover“ ist, werden möglichst viele Personen mit möglichst großem Einfluss versucht hinein zu ziehen.

Hinterhältig, intrigant, unter der Gürtellinie, brodelnde Gerüchteküche, neidisches und missgünstiges Verhalten, üble Absichten unterstellen, gute Ideen klauen oder das zumindest mal der anderer unterstellen, erbitterte Konkurrenz, Sticheln, Mobben, Verharmlosen, schonungsloses Bloßstellen, Missachten, Schweigen, Aussitzen, versteckte Aggressivität, schiefe Blicke und Anschuldigungen?

Wenn Stutenbissigkeit unter Frauen auftritt, handelt es sich oft um Frauen, die in irgendeiner Form mit angezogener Handbremse leben. Häufig handelt es sich auch um selbst auferlegte Verbote etc. Oft macht jedoch bereits das Äußere, Frauen zu Rivalinnen. Das kommt selbst bei intelligenten Frauen vor.

Stutenbissigkeit unter Frauen entsteht meist gleichzeitig auf der Ebene der Kompetenz und der Attraktivität. Hebt sich eine Frau irgendwie aus einer Gruppe von Frauen hervor, wird ihr die Zugehörigkeit im Club der Frauensolidarität gekündigt, Mobbing und Stutenbissigkeit unter Frauen setzen ein.

 (coaching-blog.info)

Hunderttausende, die betroffen sind und ebenso viele, die es vehement abstreiten würden.

„Ich bin doch nicht stutenbissig. Also, ich kenne solche Frauen, aber ich bin eher der Meinung, man muss auch gönnen können!“

Wie oft habe ich das schon gehört. Beißen tun angeblich immer nur die anderen. Ich überlegte, hatte ich mir schon ähnliche Rituale zu Eigen gemacht, um eine Rivalin aus dem Feld zu stechen?

NEIN!

Ich bin nicht neidisch auf den Erfolg anderer Frauen. Schon gar nicht auf den Erfolg meiner Freundinnen. Ich sehe es als Stück meines eigenen Erfolges, weil ich sie oftmals begleitet habe, mit ihnen gekämpft und gefiebert habe. Ich freue mich mit ihnen und leide genauso, wenn etwas schief geht. Das ist meine blauäugige Auffassung von Freundschaft!

Es gibt nur eine einzige Ausnahme. Sollte es jemand wagen, sich an meiner Beute zu schaffen zu machen, dann werde ich komisch. Hat aber weder mit Stuten noch Puten zu tun, da positioniere ich mich dann doch lieber in der Raubtierabteilung! Miauu!

 

© Sunny Moeller

Stimmungslage

Über das Denken….

Unter Denken werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen versuchen. Bewusst werden dabei meist nur die Endprodukte des Denkens, nicht die Denkprozesse, die sie hervorbringen. (Wiki)
Puuuhhhh Sunny, du denkst zu viel. Seit gestern beschäftigt mich diese Denkerei und seitdem denke ich nach, über das Denken. Denken Frauen wirklich anders als Männer? Und wenn Männer angeblich hauptsächlich mit dem Schwanz denken, hat der gute Einfälle? Und wenn ein Körperteil der Frau, außer dem Gehirn denken könnte, welcher wäre es? Der Bauch? Vielleicht das Herz? Oder begibt sich das weibliche Denkvermögen auch mal in untergeordnete Denkregionen? Macht man sich nicht manchmal das Leben etwas zu schwer, mit dieser Denkerei? Und wohin führen mich die ganzen Vorstellungen und Erkenntnisse? Ist es wirklich sinnvoll, Gedanken in die Länge zu ziehen, andere Gedanken an sie dran zu hängen um dann noch angestrengter darüber nachzudenken? Sollte man vielleicht manchmal, beim ersten Anflug eines Gedanken, ihn zum spontanen Handeln zwingen?
Ich denke, also bin ich. Und wenn ich einfach nur tue, was bin ich dann? Denk mal nach!
© Sunny Möller
Stimmungslage

Schau hin!

Eier, Milch, vielleicht ein bisschen Aufschnitt, wie hieß noch mal dieser Käse, den die Kinder so gerne mögen?……..Kopf hoch, Sunny! Gesichter, schau mal hin!

…..Ich frage mich die ganze Zeit, warum er nicht anruft? Er hat gesagt, der Abend sei grandios gewesen und er ruft die Tage an, was heißt denn, “ die Tage“?………..

………und wenn es doch was Schlimmes ist, was ist, wenn es Krebs ist? Der Arzt hat so komisch geguckt. „Jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen, Frau Kinter!“ Ich habe solche Angst…………….

……..Wenn sie mich jetzt noch einmal in der Öffentlichkeit ´mein Moppelchen´ nennt, krieg ich ´nen Anfall und nenne sie Hängetittchen. Es gab mal Zeiten, da hat sie mich Hengst genannt, da war ihr Busen auch noch weiter oben………….

………65, ab morgen bist du Rentner Karl, blödes Gefühl, irgendwie, du hast jetzt immer frei Karl, gutes Gefühl, irgendwie…………..

……..ich hab 2 Fünfen, schon wieder 2 Fünfen, Ole hat gesagt, ich bin zu doof zum Atmen, Papa wird stinksauer sein……….

………ein Baby, ein Baby, ein Baby, ich glaub es wird ein Mädchen, wie sag ich das Mike, ob er sich freut?……….

So viele Gesichter, so viele Geschichten. Alte, Junge, große Nasen, kleine Ohren, kurze Beine, lange Haare, große Augen, schmale Hände, einzigartig jedes Mal! Hinsehen, aufnehmen, ansehen, lächeln, denken, mitfühlen, raten, fragen, erkennen, zuhören, mitgehen.

Schaut mal hin!! Jeder Mensch ein Buch!

© Sunny Möller