Stimmungslage

Dieser kurze Moment….

Es gibt diesen kurzen Moment, zwischen Aufwachen und wach werden. Diese wenigen Minuten, die nur dir gehören, der Kopf leer gefegt, vielleicht noch ein letzter Rest vom nächtlichen Traum, der gleich vergessen sein wird. Die letzte warme Stille. Die kurze Versuchung, die Decke höher zu ziehen, sich zu verstecken, den Wecker zu überhören. Denn langsam gehen die Türen auf und du hast zu wenig Hände, sie wieder zu schließen. Du versuchst es, stemmst dich gegen die größte. Es flüstert eindringlich durch jeden Spalt: Pflichten, Pflichten, Pflichten….. Die Kraft lässt nach, die Tür knallt gegen deinen Kopf, du schüttelst dich, denkst, warum sind es immer so viele? Du atmest tief, folgst den Pflichten ergeben. Plötzlich spürst du Wärme, Licht in den Augenwinkeln, drehst dich um, die Sorglosigkeit lächelt dich an. Berührt dein Gesicht, legt etwas in deine Hand. Du willst mit ihr gehen, doch sie ist zu schnell und die Pflichten kommen zurück. Laut hörst du das Ticken. Diesmal bist du zu spät. Aber in deiner Hand ist ein Schlüssel und du weißt, wo er passt.

© Sunny Moeller

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Kinderwelt

Kleine Monster

Ich finde, schlafen wird als Beschäftigung völlig unterschätzt. Schlafen kann man überall, mit und ohne Ritual. Vielleicht eine heiße Milch davor, auf dem Sofa, mit der Fernbedienung in der Hand, im Garten auf der Liege mit etwas Sonne im Gesicht, dieses Einkuscheln in die Kissen, mit der Decke zwischen den Beinen, bei kalten Füßen mit der guten alten Wärmflasche, dieses Abgleiten und Entspannen mit oder ohne Traum, mal sekundenlang wach und gleich wieder weg und irgendwann wach werden, wenn man ausgeschlafen ist. Freiwillig, nach dem Augen reiben und Strecken, nach dem probeweise Fuß aus dem Bett halten zur Temperaturkontrolle. Ein Luxus. Ich erinnere mich dunkel, dass es das gab…….in einer anderen Welt.

Mein Wecker ist verstaubt, die letzte Batterie hat sich im Innern übergeben. Ich brauche ihn nicht mehr. Ich habe jetzt etwas anderes. Sie kommen vor jedem Klingeln, vor jedem Wachwerden. Sie sind gnadenlos, eiskalt und berechnend. Sie zwingen dich Bücher zu lesen gegen halb 6, sie hüpfen auf dich und haben gute Laune um 5, sie lassen Autos durch den Flur rasen wie Donnerschläge, stecken dir Finger in Ohren und Nasen, sie rufen AUFSTEHN, AUFSTEHN, AUFTEHN!!!! Sie sind kleiner als du, aber böse und gemein, haben nie Mitleid, akzeptieren kein „noch 5 Minuten!“, kein nein. Es gibt welche, die nennen sie Kinder, für mich sind es Monster bis gegen halb neun!

© Sunny Möller