Allgemein, Alltagstauglich, Stimmungslage

Meditation und Wäsche

Meditation vom Lateinischen meditatio, zu meditari „nachdenken, nachsinnen, überlegen“ ist eine in vielen Religionen und Kulturen ausgeübte spirituelle Praxis. Schwupps, sind wir auch schon beim Begriff Spiritualität, was im weitesten Sinne, je nach Frömmigkeit die geistige Verbindung zum Transzendenten, dem Jenseits oder der Unendlichkeit bedeutet. Schwuppsdiwupps der Transzendent. Genaue Definition? Och nö. Ich stehe auf der Terrasse eines wunderschönen Ferienhauses irgendwo in der Toskana. Der warme Wind, gepaart mit einer leichten salzigen Brise vom Meer streichelt meine Haut. Vom Ristorante gegenüber erreichen mich die Klänge italienischer Musik, ich höre oft „Amore“, Liebe. Es geht mir gut. Vor mir steht ein großer Korb, voll mit frischer Wäsche. Handtücher, Badehosen, T-Shirts, Kleider, endlich befreit aus den Untiefen unserer deutschen Kleiderschränke, die dort viel zu selten das Tageslicht erblicken. Die Badehosen, nicht die Schränke. Ich lege Stück für Stück, Teil für Teil, zusammen, lege sie auf Stapel für den richtigen Adressaten und summe stumm „Azzurro“ von Celentano. Nebenan schimpft eine „Nonna“ mit den „Bambini“.

„Sunny, hast du nichts Besseres zu tun, als hier bei dieser brütenden Hitze, Wäsche zusammenzulegen?“

„Pssst. Ich meditiere!“

„Du tust was?“

„Ich meditiere!“

„Was ich sehe, ist Hausfrauenquatsch! Das kannst du zuhause wieder zu genüge machen. Wenn du meditieren willst, geh an einen einsamen Strand!“

Unnötig zu erwähnen, dass man zu dieser Jahreszeit lange suchen muss, um einen einsamen Strand zu finden. Selbst morgens um sieben kommen die ersten Italiener, um einen guten Platz zu reservieren. Da schlafe ich lieber länger. Wer schreibt uns außerdem die Form der Meditation vor? Muss ich Räucherstäbchen entzünden, meinen Hintern auf einen Meditationssack parken oder mir wie ein buddhistischer Mönch die Beine verknoten? Als ob das für mich entspannend wäre…Ich finde meine innere Ruhe im Zusammenlegen frischer Wäsche. Immer die gleichen Handbewegungen, das Ausschütteln der Bettwäsche im Wind, nicht reden müssen, mit mir sein, was ist daran nicht meditativ?

© Sunny Möller

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