Allgemein, Alltagstauglich, Kinderwelt, Wortkunst

Emma´s Welt und Pfützen mit klatschenden Händen

Leeres Blatt, leerer Kopf, keine Idee, jeder Funke ein Leben entfernt, nichts was mich berührt, entführt, in eine Welt jenseits vom Diesseits. Schließe die Augen, denke an große Themen, die mich bewegen und doch nicht bewegen zu schreiben, zu denken, ein Gedanke reicht aus, zu vermitteln, die großen Gefühle, die Welt zu verrücken, ein kleines Stück. Ein wenig zu rütteln, aufzuwecken aus einer Starre, die wir hassen. Auf der Suche nach Worten, die beschreiben, was wir denken, einen Mitwisser finden, ein Versteher im Dunkeln. Immer tiefer grabe ich in mir, leere Gänge, die Zimmer sind leer. Unbemerkt verschwunden, verabschieden fiel wohl zu schwer. Ein kleines Mädchen greift meine Hand.

„Raus Mamaßen, komm doch!“

Wir gehen durch die Stadt. Der Sommer ist schon weit weg, der Wind nasskalt, kriecht unter die Haut. Meine Tochter sieht nur die Pfützen, schlechtes Wetter ist ihr fremd. Sie bleibt stehen, immer, wenn Musik zu ihr dringt. Lächelt mich an, zeigt auf einen Mann.

Er ist alt, seine Kleidung dünn und verschlissen. Auf dem Schoß hält er eine Gitarre, voll mit Aufklebern, so dass sich das Holz darunter nur erahnen lässt. Unbemerkt rückt Emma-Lilu Stück für Stück an ihn heran. Er beginnt zu spielen. „Tears in Heaven“, seine Stimme klingt voll und trotzdem weit weg, traurig, als ob er das Lied erlebt hat.

Ein Geldstück fällt in seinen Hut. Kleine Hände klatschen. „Bravooo, bravvoo, daafst abba nich traurig sein Mann, so ßön hast du gespielt, dass Pinßessin Lulu fröhlich ist Mann, dankeßööön!

Alte Augen treffen die jungen, alte Augen fangen an zu lächeln. „Wie schön hast du meinen Tag gemacht, kleine Prinzessin Lulu!“

Ein Handkuss fliegt, wir gehen weiter. Manche Tage brauchen keine großen Geschichten, nur Pfützen und kleine, klatschende Hände…

© Sunny Moeller

Emma war ungefähr 2,5 Jahre alt.

Allgemein, Alltagstauglich, Kinderwelt

Emma’s Welt und die Zähne

Emma’s Welt und die Zähne

Seit einiger Zeit fangen die ersten Milchzähne an zu wackeln. Einer der vorderen Schneidezähne baumelt bedrohlich hin und her. Emma provoziert ein Drama in Spielfilmlänge.

„Dieser Zahn ist mein Untergang! Ich ziehe und ruckel, der fällt einfach nicht raus! Ich bin am Ende, Mama! Am Ende! Wie soll das denn weitergehen?“

Wüste Beschimpfungen in alle Richtungen, die mit Tricks und Tipps aufwarten.

„Seid ihr alle komplett irre??? Hier geht es um mich und meine Zukunft! Mit der Pinzette? Diese Schmerzen!!! Da könnt ihr mir ja gleich die Beine abhacken!!!“

Uuuhuhuuuhuuu! Sie verschwindet in Richtung Badezimmer. Sie heult in einer Lautstärke, die kaum zu toppen ist. Dann wird es still. Zu still.

„Emma?“

Sie kommt aus dem Bad und hat eine Wäscheklammer im Kiefer stecken. Tränen laufen über ihr Gesicht. Sie sieht geschockt aus. Ich versuche, sie zu beruhigen.

„Schatz, hast du den Zahn mit der Wäscheklammer gezogen? Wie cool bist du denn!!!“

Sie zieht die Klammer aus dem Mund. Ein Zahn hängt dran. Sie guckt nicht glücklich.

„Ich hab den falschen rausgezogen! Der war noch ganz fest. Das war der Falsche!!! Ich hab ganz fest zugedrückt und gezogen!Uhuhuhuuhuhhh, der andere ist noch drin!“

Und wenn er nicht gefallen ist, dann baumelt er noch heute!

❤️

(c) Sunny Bergfeld

Allgemein, Alltagstauglich, Kinderwelt, Stimmungslage

Emma´s Welt der Worte und ihre Bedeutung

„Ich hasse es, ich hasse, ich hasse es! Dieser Kanapilatismus zerstört die Welt! Die Liebe, einfach alles!!!!“

„Emma, ich glaube du meinst Kapitalismus!“

„Nein Luluke, das meinte ich überhaupt nicht! Kapitalismus hat Mami schon erklärt. Alle wollen immer mehr, sind nie zufrieden und werden immer geiziger! Ich meine, bald ist es soweit!!! Sie fressen sich gegenseitig auf!!!“

„Ach so, du meinst Kannibalismus!“

„LULUUUKE! Die Mischung Luluke, die Mischung! Die ganzen Leute werden immer verrückter nach ganz viel Geld, dass sie nur noch für Angebersachen ausgeben wollen. Und wo sparen sie, Luluke? Wo sparen sie?“

„Wo?“

„Beim Essen Luluke! Verstehst du das jetzt mal endlich??? Die Menschen sparen beim Essen! Also fangen sie an, sich gegenseitig aufzufressen! Das bedeutet dann immer weniger Menschen und immer mehr Geld!“

Irgendwie hat sie doch ziemlich viel verstanden!!! ❤

(c) Sunny Möller

Allgemein, Kinderwelt

Ich bin die Allerschönste!

7.00 Uhr (Frühstück, mein 12jähriger Sohn kuschelt sich an mich)

Luke:“Weißt du eigentlich wie schön du bist? Gestern beim Elternabend (mit Kindern, Anm. der Mutter) haben dich alle Väter angeschmalzt. Und die Mütter waren alle neidisch, dass du nach zwei Kindern noch so eine Wahnsinnsfigur hast! Und du siehst so jung aus. Ich glaube ein paar haben gedacht, du bist meine ältere Schwester!“

Ich:“Was willst du?“

Luke:“Taschengeld ist alle!“

….er hat das Prinzip von Fördergeldern bestens verstanden! 😀

(c) Sunny Möller

Kinderwelt

Die Affenkönigin

…es begab sich zu der Zeit, als eine kleine Amazone mit Namen Emma-Lilu sich aufmachte, den Affenkönig zu besiegen. Er stahl ihren Bruder, den sie so liebte, für immer.
Sie hatte getreue Gefährten um sich geschart, sich der großen Herausforderung zu stellen. Barrance und Tippiray, so unsichtbar für uns, so nah und lebendig für die kleine Heldin. Sie zogen ein in ihre Welt und lebten fortan mal hier, mal dort. Einzig das verwunschene Mädchen Ali, dessen Herkunft nicht erkennbar schien, war unerkannt voraus gegangen, in die Untiefen des Dschungels, den Emma-Lilu betrat.
Der Weg war beschwerlich, Bären und andere Ungetüme kreuzten ihren Weg. Sie flog über verzauberte Pilze, sie erklomm die höchsten Gipfel, stürzte sich in unsichere Tiefen, um im Tunnelsystem, von Affen erbaut, sich ihre Bahn zu erkämpfen. Das Kokosnussmeer barg so viele Fallen, doch waren die Freunde stets voller Mut.
Von allen Seiten warfen die Affen Rubine, Saphire und goldene Steine, zu stoppen die Heldin, im Sinnen nach Rache. Es schien fast hoffnungslos, nur der Weg über die Spirale des Todes stand ihnen frei. Das Mädchen Ali stand vor ihr, aus dem Nichts plötzlich da. Ein Blick, ein Nicken und ein lauter Schrei, dann jagten die Freunde hinunter, im freien Fall.
Da stand er vor ihnen, mit funkelnden Augen und riesigem Maul. Emma-Lilu zog ihr Schwert aus dem Halfter und schrie: „Ich verlange meinen Bruder, gebt ihn jetzt frei!!!“ Barrance und Tippiray brüllten und trieben die Kämpferin nach vorn. Die Liebe machte sie mutig, tapfer und stark. Sie tötete den König und griff die Hand ihres Bruders. Dann küssten sie sich und Emma-Lilu blickte auf ihren Erfolg. „Ich habe dich weggekämpft Luluke, denn ich bin sehr stark. Bin gespringt und geschwommt, um zu dir zu erreichen. Jetzt bist du frei. Und ich bin die Königin von allen Affen. Jetzt leben alle, so wie ich es nur will.“

Dann hörte man nur noch Siegesgeheul, die Affen brachten Eis, mit Pommes dabei!

Hätte ich euch die „wahre“ Geschichte erzählt, sie hätte gehandelt von einem riesigen Indoorspielplatz, mitten in einer verregneten Stadt. Vollgestopft mit Kindern und Eltern, mit pulsierenden Nerven. Viel Plastik, Rutschen, Ballgehege und Trampoline. Kein Grün wehender Palmen, kein Wasserfall, kein Tier.

Drum schaut mit den Augen der Kinder und fangt an zu sehen!!!!

(c) Sunny Möller