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Das ABC der Nachhaltigkeit: S

S

wie

Selbst gemacht

Ich bin zu meinem Garten wie eine Jungfrau zum Kind gekommen. Beste Freundinnen können einfach überzeugen. Gerade gegen einen Schrebergarten habe ich mich immer gewehrt, weil sie in Hamburg oft so geleckt aussehen und man häufig eine Wartezeit von mehreren Jahren hat, bis man überhaupt einen bekommt. Geleckt wollte ich nicht, warten aber auch nicht. Gärtnern auf dem Balkon funktionierte auch nicht. Kein Balkon.

Jetzt, in einer kleinen Stadt wie Hameln kommt man viel schneller an einen Garten. Familien wohnen eher seltener in der Stadt, sie haben meist Haus und Garten am Stadtrand oder gleich auf dem Land. Viele Gartenkolonien werden ihre Gärten gar nicht mehr los. Also haben wir uns ins Gartenabenteuer gestürzt. Es ist verdammt viel Arbeit, aber es macht auch verdammt viel Spaß. Jetzt haben wir einen richtigen Bauerngarten.

Und das Beste, man kann eigenes Obst und Gemüse ernten und das schmeckt natürlich viel besser! Und mehr BIO geht nicht, wenn man nicht anfängt auch im Kleingarten möglichst viele Gifte gegen sogenannte Ungeziefer zu verteilen.

Da wir nicht wussten, wie groß unser Erfolg sein würde, haben wir möglichst viel angepflanzt. Dass alles irgendwie etwas werden würde, damit hatten wir nicht gerechnet. Jetzt können wir den gesamten Freundeskreis gleich mit versorgen.

Und wer hätte es gedacht, ich wandle auf Oma Emmis Spuren. Kaufe Weck-Gläser und koche ein, was nicht sofort verzehrt werden kann. Ich esse eingekochte Kirschen und bin plötzlich wieder Kind. Ein schönes Gefühl!

Ich glaube, dass das doch auch etwas von Nachhaltigkeit hat, oder?

Zum Schluss möchte ich euch auch nicht unser momentanes Lieblingsrezept vorenthalten, mit eigenem Brokkoli!

© Sunny Möller

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Gartenglück und umgekippte Cola

„Die Kinder hängen viel zu viel vor den Medien! Die müssen unbedingt an die frische Luft! Die brauchen eine Aufgabe! Sie müssen Erfahrungen machen, wie Dinge entstehen und vor allem wo sie herkommen!“

Charly fuchtelte übermütig mit ihren Armen hin und her. Die Wangen leicht rosig und aus ihren Augen blitzte Feuereifer. Sie hatte offensichtlich ein neues Projekt. Es schien sich allerdings diesmal nicht um einen Mann zu handeln. Zumindest nicht offensichtlich. Den letzten hatte sie zum Glück souverän abserviert. Wieder einer von dieser Sorte, die unbedingt ein Überraschungsei an der Kasse haben wollen. Wenn sie es ausgepackt haben, stopfen sie sich die Schokolade in den Mund und wenn sich herausstellt, dass sich im Inneren keine Spielfigur befindet, sondern ein Teil, was man zusammenbauen muss, dann landet das Ding im Müll.

`Du Charly, du bist so eine schöne Frau, bla, bla, bla, hätte ich dich doch schon viel früher kennengelernt, bla, bla, bla, ich könnte mir schon etwas Ernstes vorstellen, bla, bla, bla, ich bin einfach noch nicht so weit, ich muss erst einmal meine alte Beziehung verdauen, bla bla, bla….´*

*Übersetzung ins Ehrliche: `Sex?, bla, bla, bla, hätte ich dich doch kennengelernt, bevor du zwei Blagen hattest, bla, bla, bla, das sag ich jetzt, weil du bei schöne Frau noch nicht vögeln wolltest, bla, bla, bla, ich werde nie soweit sein, Sex?´

Charly reißt mich aus meinen Gedanken.

„Oh mann, das wird einfach supi!“

„Ich kann dir immer noch nicht folgen. Willst du unsere Kinder aufklären? Woher die Babys Kommen, wissen beide schon und ich glaube nicht, dass es die Sache, dass ihre Eltern Sex hatten, an der frischen Luft besser machen würde. Und was die Medien betrifft, Sexkanäle sind bei uns gesperrt.“

„Ach Quatsch, wie kommst du denn darauf? Wir mieten uns einen Schrebergarten!“

„Einen was?“

„Einen Schrebergarten. Das wird total toll! Wir bauen unser eigenes Gemüse an, hängen eine Hängematte auf und machen Gartenpartys. Und du kannst hier alleine sein und schreiben, schreiben, schreiben!“

Ich dachte an mein letztes Hängemattenerlebnis. Ich habe gefühlt drei Stunden gebraucht bis ich endlich in diesem Ding drin gelegen habe und hatte mich kokonmäßig darin verheddert und eingerollt, dass ich anschließend mit einer rasanten Umdrehung rausgeflogen bin. Allerdings sah ich hinterher nicht aus wie ein wunderschöner Schmetterling sondern eher wie eine besoffene Hummel.

„Ich habe auch schon genau den richtigen Garten für uns gefunden. Mit Hütte und allem Gedöns, was man so braucht.“

„Meinst du, wir schaffen das?“

„Aber sichi!“

„Und wann fangen wir an?“

„Jetzt!“

„Supi!“

Zusatz:

Literarischer Gedanke: `Charly und ich sitzen in weißen Kleidern und Blumen im Haar in unserem herrschaftlichen Garten unterm Kirschbaum und trinken Tee (mit Rum), die Kinder ernten gerade Kirschen und Pfirsiche und mein Liebster hackt Holz mit freiem Oberkörper und sonnengebräunter Haut. Er streicht sich das Haar aus dem Gesicht und hält sich eine eiskalte CocaCola an die heiße Brust…´

Realistischer Gedanke: `Charly und ich versuchen die Vögel von den letzten verbleibenden Kirschen am Baum wegzujagen. Unsere Kleider sind in den Brombeerbüschen hängen geblieben und sehen aus wie nach einem Massaker. Wir trinken Rum (mit Tee) und sehen mehr Bäume als da waren. Die Kinder haben sich Schwerter gebastelt und arbeiten hart daran die Zellen der Wühlmäuse auszuheben. Und was den Liebsten angeht, der versucht gerade 12 Zecken aus dem sonnengebräunten Körper zu entfernen. Die eiskalte Cola ist umgekippt und lockt einen Schwarm Wespen an…´

P.S: Tipps für Haus sind dringend erwünscht.

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© Sunny Möller