Alltagstauglich

Rein oder Raus???

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Als bekennender Jamie Oliver Fan führte mich mein Weg letzte Woche zu der Buchhandlung meines Vertrauens.

Da die großen Buchhandlungen mittlerweile eine Rundum-Betreuung anbieten, saß ich mit seinem neuesten Werk „Jamies 15-Minuten-Küche“ in einer chilligen Leseecke, mit einem durchaus trinkbaren 1-Euro-Kaffee-Latte und schmökerte durch die trendigen, kulinarischen Genüsse.

Von der Pasta bis hin zum Schwein, zwischendrin ein leckerer, Kräuter zerreibender Jamie, der Mann macht Appetit, in jeder erdenklichen Art. Irgendwie sexy. Ein junger Kerl, der seine von Hand gezogenen Tomaten mehr liebt, als die Pulle Bier vor der Glotze. Und der riecht bestimmt auch gut. So eine Mischung aus aphrodisierendem Kräutertopf und frisch gebackenem Naanciabattatoasthawaiisuperbrot (mit gerösteten, glasierten, seitlich kandierten, mit Liebe überzogenen Pinienkernen)…..ob er einen wohl zwischendurch Häppchen in den Mund gleiten lässt….Krümel im Mundwinkel wegküssend….? Was? Ich schweife ab.

Es gibt doch auch andere Trendköche. Mein Weg führt mich zurück zum Regal.

Tim Mälzer! Hier und da als deutscher Jamie gefeiert, erinnert er mich doch beim Kochen seiner Knorr-Kulinade eher an sein Hamburger In-Restaurant ‚Bullerei’. Und in seinen Kochshows rennt immer seine, Lebens teilende Kopfhörerassistentin durchs Bild und sie freuen sich über Dinge, die nur sie verstehen.

Henssler? Ja, geht.

Die Kochprofis? So ein bisschen Frauentauschatmosphäre mit Töpfen.

Lafer? Der freut sich beim Stopfen einer Gans so sehr, dass ich nicht wissen möchte, was er so in seiner Freizeit treibt.

Als ich schließlich bei Ruth Moschners ‚Backen für Angeber’ (als nächstes kommt bestimmt Till Schweiger´s ‚Kochen ohne Ohren’) angekommen bin, wandert mein Blick ins Nachbarregal.

‚Kotzt du noch, oder lebst du schon? ‚Mein Leben mit der Bulimie’, dicht gefolgt von der ‚2-Stunden-Diät‘ und ‚Mein Leben mit der Diabetes’.

Jamie flüstert mir ins Ohr. „Ich verwende nur Fett reduzierte Lebensmittel und frische Kräuter, mein Essen macht schlank, schön und zufrieden….“ Doch diesmal kann er mich nicht besänftigen. Was soll das? Sollen hier die Zuckerkranken geärgert werden, indem sie sehen, dass ein Tortenstück der vollblondigen Busine schon mehr Broteinheiten hat, als sie die ganze Woche über zu sich nehmen dürfen? Oder Essen und Kotzen ohne Reue, leicht gemacht? Soll mir der Spaß am Essen verdorben werden, weil ich jedes Mal meinen BMI neu berechnen muss?

Ich bezahle meinen Jamie und begebe mich ins nächste Kaffee. Frankfurter Kranz satt, für 4,99!!!

© Sunny Möller

Stimmungslage

Vom Hinfallen und Aufstehen

Für meine kleine Schwester

….rannten durch Wälder, auf Rollschuhen die steilsten Hänge hinunter, beim Fangen spielen gefallen, blutige Knie, immer und immer wieder. Pflaster, Zauberpusten und heißer Kakao machten es wieder gut, trockneten jede kleinste Träne.

Wir fallen noch heute, immer und immer wieder. Die Knie bleiben ganz, die Wunde liegt tiefer. Sie trifft oft das Herz, die Sehnsucht, die Hoffnung, das Glück. Verstehen die Welt nicht, kein Pflaster dafür zur Hand. Kein Kakao kann das lindern, jedes Zauberpusten zu schwach. Doch das ist nicht wichtig. Du hilfst mir beim Aufstehen, ich zieh dich mit hoch. Das, kleine Schwester, wird immer so bleiben, bis zu den Sternen und wieder zurück!

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Das XING-Ding

Da habe ich mich vor geraumer Zeit einmal vom Herdentrieb leiten lassen und mich bei XING angemeldet. Bis heute weiß ich nicht so wirklich, wie das eigentlich ausgesprochen wird. Die einen sagen ‚crossing’, die anderen ‚icksing’ und die ganz eingefleischten Kenner bezeichnen es einfach als ‚ksingggg’, so wie ‚rrriinnnngggg’ oder ‚binnngggg’.

Aufgrund meiner Profession kam ich weder zu vielen Kontakten, noch zu lukrativen Angeboten. Geschweige denn zu irgendeiner netten Kommunikation. Eins der wenigen Angebote war eine Stellung als Empfangsdame bei einem Tierfutterhersteller. „Sie schreiben doch auch über Tiere! Das könnte passen!“

Außerdem boten mir engagierte Vermögenshutzeltutzelmanager, Fond gebundene Lebensversicherungen mit einer Laufzeit von 40 Jahren an. Das, dadurch entstandene Kapital könnte ich anschließend gewinnbringend in Schnabeltassen und elektrisch betriebene Rollatoren investieren. Auf die Angebote dritter Art möchte ich nicht näher eingehen, die habe ich mit freundlichen Grüßen an youporn und Konsorten weitergeleitet. Ich schaute mir noch einmal die Profilfotos meiner Kontakte an. Während ich sie teilweise von ihren Facebook-Accounts mit einem Schlüpfer überm Kopf am Ballermann kannte, trugen sie hier Tweet und Twinset. Och nö, dann lieber Schlüpfer!

Ich wollte also mein Profil löschen. Aber XING wollte mich behalten. Nach einer halbstündigen Lösch-Button-Suche, fragte ich bei google nach und bekam Hilfe. Ich sollte in der Suchmaske lediglich ‚Rücktritt’ eingeben. Da würde mir geholfen. Ich fühlte mich gleich ein bisschen wichtiger. Ich musste von was zurücktreten. Wie ein Politiker nach einem ‚Dufickificki-Skandal’ oder ein Aufsichtsratsvorsitzender, nach der zehnten Koksparty im Firmenjet.

Mit großen Lettern empfing mich die Seite zur ewigen Verdammnis des Nicht-dazu-Gehörens!!!

PROFIL UNWIDERRUFLICH LÖSCHEN!!!!!!!!!!!!!!

Ich musste mich erklären! Ich konnte 10 verschiedene Gründe angeben, wobei sie bei der letzten eine persönliche Erklärung erwarteten. „Find ich doof“ war nicht dabei.

Ich wählte „XING passt einfach nicht zu mir“ und drückte den Button. Sollte man jetzt annehmen, damit wäre der Fisch gelutscht oder die Sache gegessen, der irrt. Umgehend ploppte ein Befehl auf! „Erkunden Sie unsere Gruppen, um Mitglieder mit ähnlichen Interessen kennenzulernen!“

Okayyyyy, will ich aber nicht. Doch es machte neugierig. Was würde wohl bei den anderen Tschüssi-Optionen verlangt?

Diesmal wählte ich „Meine Erwartungen an XING wurden nicht erfüllt“. Der nächste Vorschlag kam prompt. „Gerne unterstützen wir Sie dabei, die Größe und damit auch den Wert Ihres Netzwerkes zu steigen!“

So, so, Größe und Wert. Hatte sicherlich ein Mann geschrieben. Machen wir´s kurz. Es gab zu jedem Grund eine Hilfestellung, sich nicht unwiderruflich von XING zu trennen. Und jedes Mal war es meine Schuld. Ich hatte mich nicht genug engagiert! Ich hatte die vielen Möglichkeiten nicht erkannt, nicht richtig gedeutet. Ich konnte nicht erfolgreich sein auf bing bing XING. Ich war ein Loser!!! Nicht das, von Göttern erschaffene, heilige Business-Netzwerk der Schönen und Reichen, passte nicht zu mir. Ich passte nicht zu XING! Jetzt wollte ich schon gar nicht mehr mitmachen, sie nicht weiter belästigen, mit einem Nichts von Mir!

Ich wählte „andere Gründe“. Da darf man selber was schreiben. Und schreiben kann ich ja.

„Ich finde euch pipikackascheiße!“

XING antwortet nicht…..

(C) Sunny Möller

Alltagstauglich

Träwelling with Deutsche Bahn – reloaded

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After a very exciting and almost sunny weekend at my Traumstadt I started to go back to my derzeitiger Wohnort, cause I am too knapp bei Kasse now to live in Hamburg. But I will come wieder when I am ready with my personal Krisengebiet.

Enjoying a pleseant evening at the Baumwoll-Taverne with great musischns, I stand noch a little müde at Hamburg central station waiting for the Fernverkehr. Platform 14. Same procedure like every weekend. A crowded Haufen of people with aggressive Fratzen to be the first at the incoming train.

First Durchsage of the day. „Ladies and Dschentlmän, the ICE 432189065535 from Hamburg to Stuttgart ist about 30 minutes too late. Today it drives from platform 13 in umgekehrter Wagenreihung.“

180 Grad circle of 25000 passengers with or without Darmproblemen. Militant stepps to the white line you are not allowed to overcross. Verunsicherung about the switched Wagenreihung. I am happy about having no Platzreservierung.

Waiting and listening.

An old couple from Middledeutschland is talking about Erlebtes.

„Also nein Erwin, wat war das herrlich bei de Taaazzaaan. Und die Plätze, Erwin! Fast vorne inne Bühne Erwin, woll?“

„Ja, Ulle! Hasse recht.“

„Und der Peter Hofmann hat mia alße Taaazzaaan genauso gut gefallen, wie in Pfantomm off se Operraa! Woll, Erwin?“

„Dat wa der Klaffs, der Hoffmann is tot!“

„Der is tot? Stand nix inna ´Frau im Spiegel´! Ts ts ts. Un wer is der Klaffs?“

„Na vonne Subbastaaß, mitte Bohln!“

„Ach der! Is der nich mit der Helene Fischer lieiat? Aussm Osten?“

„Nee Ulle, das is die vom Silbanagel!“

„Ach ja, der Flori! Ganz ein stattlicher, woll Erwin?“

I´m blending aus. Just behind me a little Racker, formally known as Arschlochkind is treting in my Hacken. Ever and ever again. It hurts furchtbar. Seniles smiling from the mother.

„Sie wissen ja wie Kinder sind! Sie müssen ihre Erfahrungen machen!“

Sure? Okay. I am in the front row to give Entwicklungshilfe. What about schubsing your Prekillerchild over the white line to learn counting the Gleise? Fun like having a Überraschungsei. Spiel, Spaß und Schokolade, okay the chocolate is missing. I would never do that but do you know this kind of children? You can see it in their eyes! Vorne hole, hinten ass.

But I am nett. I´m changing the place.

Next to me some freshlovers knutsching before Trenning. I am totally beeindruckt from the tounge of the male Knutscher. Very long! Very, very long. You can see the poor female Knutschpartner with ausgebeulte cheeks and nach Luft schnapping. Bet see the tounge Spitze coming out of her ear…..uuuääähhh!

Kraxing out of the boxes. Second Durchsage.

„Caution!!! The train is arriving!“

Think I take a seat on the floor! Sometimes you can better see from unten nach oben….

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Träwelling with Deutsche Bahn – extented version

Tot im Klo

Freitagnachmittag, Hannover station on my way to Heimathafen Hamburg. All over schlechtgelaunte people, faces like the rainy weather. Send a smile in any direction, successlos…

After einsteiging without Platzreservierung, „Sie müssen hia wech, ich hab räsawiaaaht“, sitting on the Boden directly to the Klo.
A voice of a friendly DB-Mitarbeiter comes out of the Lautsprecher. „Welcome on your Fahrt with Deutsche Bahn to Hamburg! We are totally ausgebooked with besoffene Preweddis and kind of schrullige Rentners with musical cards. The other guys want to go to the ‚Doll House´, escaping from the Hängetitten of their Ehefrauen! Enjoy your Fahrt!“

Nach kurzer Pause, another Durchsage. „The bord restaurant invited all the idiots without Platzreservierung to eat our gepresstes Hähnchenschnitzel an dryfrosted Brokkoligedöns with delicious Tütensauce for the sagenhaften Preis of 16,95! And if you eat you get a Nachlass on the softdrinks. A coke for only 98,60!!!!! We will see us there ihr fucking braindeads!“

After looking in my Geldbörse I decided to stay on the ground! Bad idea! Hear kind of Pupsgeräusche from the potty! The door is not dicht. Smelling übel. Where ist the Wäscheklammer when needed??? My floor neighbour is verziehing the face, counting money and goes to the Hähnchenschnitzel.

The girls from the Junggesellinnenabschied open the third Mumm-alles andere kann warten-bottle and start to sing versaute Lieder a la „Ja, die rutzdifutz die Möse schwitzt, weil sie zu nah am Arschloch sitzt…“ no Übersetzung for this one!!! They wear kind of drollige dresses like Wurst in Pelle. Last fun weekend before marriage!

A baby starting screeming, changes his Gesichtsfarbe from red to blue, colors of the sommer.

Suddenly the ICE makes a horrible Vollbremsung, something is knalling, luggage and Reisetaschen falling all over the Gänge. Selfmurderer, entgleising??? Angst and unsureness is making sich breit. The sugarbrides stand stockstill and some of the Rentners starting a short Vaterunser.

The train´s driving slowly wieder an. Somebody press the Playtaste. Das Leben geht weiter. More important things happened. The president of the US schwitzte hinter Panzerglas and put his jacket off and say du to Angie, best friends! Anyone is you for Obama, only nebenbei!

Last Durchsage for today: „We arrived Hamburg in a few minutes. We are verrrry sorrry foa the Verspätung von allover 30 minutes, no one gets their Anschlüsszüge! But wi sänk ju for träwelling with Deutsche Bahn and eating our überteuertes Hähnchenschnitzel!“

I´m not interesting in Anschlusszügen! I´m at home!!!!

© Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich

Pille gegen Zeit

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(Quelle: dewezet)

Es ist die schönste und gleichzeitig größte Herausforderung in unserem Leben. Kinder. Sie beherrschen das Upside down wie niemand sonst. Sie lassen uns lachen, verzweifeln, wundern, staunen, erleben und lieben, wie niemand anders es kann.

Doch Kinder sind vor allem eins, ein Überraschungspaket. Angst einflößend, in unserem, so gut durchorganisierten Leben. In einer Welt voller Bewertungsportale, wird vor einer Neuanschaffung erst einmal recherchiert, wie hoch der positive Prozentsatz ist.

Nur verteilt das Internet noch keine Sternchen für Kinder. Wie würden sie auch abschneiden, im Preis-Leistungsverhältnis? Wo doch schon bei der technischen Ausstattung weder an den Off-Schalter, noch an den Lautstärkeregler gedacht wurde. Von der Menge an Zeitaufwand, was man in dieses „Produkt“ investieren muss, gar nicht erst zu reden.

Und dann die ganzen Krankheiten. Und an dieser Stelle seien nicht Masern, Röteln und Mumps erwähnt. Ich rede über den steten Anstieg „psychischer Auffälligkeiten“ bei Kindern. So waren vor 20 Jahren ungefähr 1500 Fälle von ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung) in Deutschland bekannt, im vergangenen Jahr waren es 700.000.

Sicherlich ist es immer schwieriger geworden Kind zu sein, aber können wir es uns wirklich so einfach machen und sagen, schlechte Ernährung und die mediale Verseuchung unserer Kinder ist schuld an dem Problem? Oder sind  doch die verkürzte Schulzeit, kaum Freizeit und steigender Leistungsdruck das Problem?

Egal. Dafür gibt es Pillen. Und immer mehr Ärzte, die zum Rezeptblock greifen und verschreiben. Schließlich will der neue Porsche finanziert werden und der Golfclub bezahlt sich auch nicht von ein paar gesunden Kassenpatienten allein. Probleme werden chemisch ruhig gestellt. Kinder werden in Psychopharmakawatte gepackt, damit sie einigermaßen funktionieren und man sie so bis zur Volljährigkeit schifft. Aber was werden das für Erwachsene?

Kinder brauchen Zeit. Sie sind kein modisches Accessoire, was man sich neben Karriere und Manolos noch zulegen sollte. Und sie lassen sich nicht dauerhaft mit Medikamenten wegorganisieren. Sie besitzen keine Garantie und kein Umtauschrecht. Vielleicht unterscheiden sich die Kinder von heute gar nicht wesentlich von den Kindern, die wir mal waren.

Wach, neugierig und hungrig auf das Leben. Und sie wollen Zeit mit uns verbringen, uns mitnehmen in ihre Welt! Jetzt noch! Wie lange noch?

© Sunny Möller

Stimmungslage

Nichts

Nichts
Die Waschmaschine läuft, letzter Schleudergang, unter meinen Füßen vibriert es leicht. Der Ton ist laut. Der Tisch ist voll. Rechnungen, Anfragen, Schulanmeldung, ein angebissenes Brot, neben mir ein Klumpen Knete, der mal eine Giraffe war, welche Termine habe ich morgen, ist noch Milch fürs Frühstück da, wann geht der Zug am Donnerstag, Geburtstage notiert und doch vergessen, woher kommt der blaue Fleck am Unterarm, habe ich genug getrunken, was ist mit den Ferien, wird das Wetter doch noch besser, mach ich Ende Mai die Heizung an, warum grüßt die Frau von nebenan nicht mehr, ist der Wecker schon gestellt, Kinderbücher, Legosteine, Schuhe, Schnitzeljagd aus Unterhosen, Müll, der aus der Tonne lugt……

Meine Tochter sitzt im Flur, guckt ins Leere, lächelt stumm. „Was denkst du gerade?“, frage ich. „An Nichts!“, sagt sie. „Und was machst du gerade?“, will ich wissen.

„Nichts!“

Was beneide ich sie um dieses „Nichts“ !

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Muttertag

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Wer erinnert sich nicht an seine Grundschulzeit, als man zum Ehrentag der Frau Mama ein allgemeingültiges Huldigungsgedicht auf ein Zeichenblockblatt schrieb und es anschließend noch mit Tulpen und Herzchen verzierte.

Meine liebe Mutter du,

ich will dir Blumen schenken.

Was ich dir sagen will dazu,

das kannst du dir schon denken.
Ich wünsch dir Glück und Fröhlichkeit,

die Sonne soll dir lachen!

So gut ich kann und allezeit,

will ich dir Freude machen.
Denn Muttertage, das ist wahr,

die sind an allen Tagen.

Ich habe dich lieb das ganze Jahr,

das wollte ich dir sagen.

So erwartete ich auch in diesem Jahr wieder ein illustres Werk meines Sohnes, was ich mit 26 anderen Müttern teilen würde. Doch dieses Mal wurde ich überrascht. Ich bekam ein selbstgebundenes Heft meines Kindes. Wundervoll verpackt, in pastellfarbenem, frühlingshaftem Papier. Ich bemerkte, wie Freudentränen in mir aufstiegen. Ein ganzes Buch! Vielleicht eine Geschichte! Nur für mich! Mit Liebe geschrieben! Worte voller Dankbarkeit! Ich wusste doch, wie sehr er schreiben hasste. Das waren mindestens 20 Seiten! Wie schön es doch war, Mutter zu sein.

Ich wollte mein Kind gerade an mein, vor Stolz überquellendes Herz pressen, da räusperte sich mein Sohn.

Oh mein Gott, auch noch ein Gedicht?

„Du Mami?“

„Ja, mein Liebling?“

Nicht weinen, Sunny, nicht weinen! Das stört seine Konzentration!

„Es ist nicht das, was du erwartest!“

Mein bescheidener Junge. Alles richtig gemacht…..hach

„Ich weiß Luke, die Mami ist so stolz auf dich! Fang nur an Mäuschen, ich bin ganz bei dir!“

„Also, das Buch ist von der ganzen Klasse!“

Was? Okay, ich wusste, ich war ganz beliebt bei seinen Mitschülern. Ich war nicht diese typische Twinset-Mami, die mit anderen Müttern Tortenrezepte auf dem Schulhof austauschte. Ich war eher die Chucks tragende, Gangnam-Style Mom! Aber deswegen gleich Glückwünsche von der ganzen Klasse? Ich war überwältigt!

„Es ist ein Rätselbuch!“

Ich war überfordert!

„Wie Rätsel?“

„Na ja, wir sollten unsere Mütter beschreiben! Ohne Namen zu nennen. Jetzt musst du herausfinden, welche Beschreibung auf dich zutrifft.“

„Oh, das ist ja toll!“

Toll?

Ich schlug die erste Seite auf.

„Meine Mutter schreit mich immer an, deshalb brauche ich viel Ruhe. Dann ist sie sehr nett und kauft mir neue WII-Spiele. Sie ist ein bisschen pummelig, aber das ist in Ordnung!“

Ich will sofort ein Dummbatzidoofgedicht!!!! Sofort! Nächste Seite….

„Ich habe meine Mutter nur selten glücklich gesehen. Sie streitet sich sehr oft mit Papa.
Welche Mutter ist es?“

Ich musste schlucken. Welche Mutter möchte sich da erkennen? Ich las weiter.

„Meine Mutter hat schwarze Haare und wirkt viel älter, als sie ist. Sie versucht uns zu erziehen, aber das klappt nicht. Sagt sie. Sie kocht gutes Essen und ihr Sohn hat drei Konsolen.“

Jetzt kam endlich ein Gedicht!

Meine Mama hat nen Bauch, der schwabbelt hin und her, doch das mag ich sehr! Sie kocht sehr gutes Essen, was wir alle fressen. Abends geht sie mit Papa ins Bett, brüllt er laut, findet sie es nett!

Mein Sohn grinste.

„Du bist auch gleich dran!“

Hatte ich noch einen letztes Wunsch frei, bevor man mich zum Schafott führte?

„Meine Mutter ist sehr schön, hat lange, braune Haare und blau-grüne Augen. Am liebsten schreibt sie und kriegt einen Kaffee von mir! Sie hat zwei Kinder und eins nervt richtig! Das ist nicht ihr Sohn! Sie liebt ihre Kinder über alles, aber der Alltag macht sie echt fertig! Sie macht immer alles alleine! Sie kann sehr laut rülpsen!“

…………………………………..

Vor mir dampft es. Mein Sohn kocht verdammt guten Kaffee!

Allen Floristen einen wunderschönen Muttertag!

Alltagstauglich

Schweden goes „Tool-Times“

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Es sollte das perfekte, ruhige, kinderfreie Wochenende werden. Viel lesen, noch mehr schreiben und ganz viel Seele baumeln lassen. Doch die Vorfreude lies mich nicht die unheilvollen Vorzeichen erkennen.

Eigentlich begann alles am Donnerstag, in einem, von mir bevorzugten, skandinavischen Möbelhaus. Zur Einrichtung meines Arbeitszimmers fehlte noch ein landhausdurchtränktes Tagesbettgestell, welches mir Sinn suchend, in allen Kreativpausen, zur Seite stehen sollte.

Ich folgte den Pfeilen in der Markthalle. „Regal 31, Fach 23! Regal 23, Fach 31! Regal 13, Fach 32!“ Als ich endlich ankam, hatte sich auf meinem Wagen schon ein lustiges Potpourri an lebensnotwendigen Kleinigkeiten versammelt. Kerzen, Apfelschneider, Untersetzer, Bilderrahmen, Dessertschälchen, Orchidee im Angebot, Körbe für Körbe, in die man Körbe stellen konnte, Handtuchhaken, Milchaufschäumer, Batterien…..Frau ist nicht in der Lage, ohne was die Markthalle zu verlassen. Unmöglich!

Nach drei Anläufen durch verschiedene Möbelstraßen, stand ich endlich vor dem Produkt meiner Wahl. Als ich versuchte, die drei Selbstabholerpakete aus den Regalen zu ziehen, stieß ich auf Gegenwehr. Nummer 1, mit 60 Kilo wollte sich nicht mit dem Transport zum Einkaufswagen anfreunden. Ich zog, der Wagen fuhr. Weg vom Paket. Helfende Hände eines kompetenten Mitarbeiters waren außer Reichweite. Aber solche Momente machen erfinderisch. Dank Yoga und langen Beinen, holte ich den Wagen mit dem linken Fuß heran, um mit dem übrig gebliebenen Bein und zwei Händen, die Rückwände der Kreativpritsche hinüber zu wuchten. Dass ich mit einem Fuß in den Wagengitterstäben hängen blieb und ihn dabei unappetitlich verdrehte, sei hier nur nebenbei erwähnt. Beim Humpeln in Richtung Kasse, fuhr mir zusätzlich noch eine hyperaktive Reiswaffelmutter in die Hacken, mit den Worten: „Was fahren Sie auch so schief!“

Doch ich schaffte es. Ich schaffte es, die zwei Meter Pakete in einen Renault Twingo, mit ausgebauten Rücksitzen, nach Hause zu bringen. Die Heckklappe mit Springseil am Möbel befestigt und die Überlänge mit einem roten Schlüpfer markiert. Ich hatte das ganze Wochenende Zeit mit dem Aufbau, in Ruhe, alleine….

…..dann kamen die Kinder….

Ich wollte die Pakete ja verstecken, Luke und Emma-Lilu nach dem Wochenende überraschen. Tattaaaahhhh, die Mami kann zaubern. Aber wie versteckt man Dinge in dieser Größenordnung? Kinder sind bei Paketen wie Trüffelschweine. Egal wie klein und gut versteckt, nach zwei Minuten hörst du: „Schau Mami, was die Emma-Lilu gefindet hat!“ Luke hatte zwischenzeitlich schon den Akkuschrauber organisiert, ließ ihn aufheulen, mit Worten, die wie eine Drohung klangen: „Ich schaffe das, Mama! Ich bau dir das mal schnell zusammen!“

Es gab kein Zurück. Ich wollte eine gute Mutter sein. Meine Kinder zu selbstständigen Menschen erziehen. Sie sollten verstehen lernen, sich selbst ausprobieren, Selbstvertrauen gewinnen. Warum nicht beim gemeinsamen Bettaufbau?

Luke hatte die Schraubentüte aufgerissen und Emmas Hände bewegten sich in Richtung Öffnung….

Eine Stunde später überlegte ich, ob es der modernen Erziehung schaden könnte, wenn ich schon am frühen Nachmittag anfangen würde zu trinken.

Emma hatte sich einige Schrauben in Nase und Ohren gesteckt, tanzte und fing laut an zu singen. „Ich bin die Eisenprinzessin und hab meine Nase geschraubt…..und schaut mal die Ohrennnnnn, sind auch schon vereiiissssstttttt!“

Mit Seitenblick auf meine Tochter, hatte ich die Schubladenleichtlaufschienen verkehrt rum angeschraubt und die Schraubendrehschlitze dermaßen ausgeleiert, dass sie weder vor noch zurück wollten. Luke drückte mich zur Seite, bewaffnet mit Zange und Säge seines Kinderwerkzeugkastens. „Geh mal kurz weg, ich regel das schon!“ Emma von hinten: „Ich habe eine Schraube gegesst und die war sehr leckaaa!!!!!“ Sie zum Erbrechen zu bewegen war aussichtslos, Besitzansprüche einer Schraubenprinzessin…Der Spruch meiner Oma „was oben reinkommt, kommt unten wieder raus“, beruhigte mich etwas. Doch es war höchste Zeit die „Tool-Times-Session“ zu beenden.

Ich würde morgen weitermachen. In Ruhe, Brett für Brett, Sekt für Sekt.

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Männer und Würste…..

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Männer und Würste

Seit einiger Zeit bin ich weg vom Auto und hin zur Bahn. Ein guter Tausch, wie ich immer wieder feststellen muss. Ich kann Leute beobachten, Gespräche auffangen und lesen. Ein Genuss, der mir beim Auto fahren eher selten zuteil wurde.

Vor jeder Fahrt kaufe ich mir eine Zeitung, die ich samt Impressum bis zur Ankunft aufsauge. Obwohl ich in der Wahl meines Lesestoffs ziemlich festgelegt bin, zwang ich mich beim letzten Mal, die Offerten des typischen weiblichen Lesestoffs mal mit dem männlichen zu vergleichen. Und musste mich im Zuge der immer hochgehaltenen Emanzipation doch wundern, was der printmediale Markt so her gibt. Neben den typischen Yellow-Reißern wie „Gala“ und „Bunte“, finden sich neben „Landhauszauber“ und Kochzeitschriften, auch Fitness-Ratgeber und Elternzeitschriften unterschiedlicher Couleur. „Eltern“ für die Spießer, „Nido“ für die hippen Antieltern. Beim Durchblättern der neuen „Für Sie“ , gab es nach 5 Doppelseiten Frühlingstorten postwendend die „Drei-Kilo-weniger-in-drei-Minuten-Diät“ plus Werbung für das passende Abführmittel. Erst fressen, dann fasten. Nach „wie verführe ich einen Mann“ und „raffinierte Hosen für fette Schenkel“ wendete ich mich zum Männerregal. Emanzipation schien es wohl doch nur bei „Emma“ zu geben.

Ich weiß gar nicht, wann es angefangen hat, die Geschichte mit den Männerzeitschriften. Zunehmende Metrosexualität? Emanzipation des Mannes? Egal ob „FHM“ oder „Men´s  Health“, alles läuft zielgerichtet auf geil, geiler, Sixpack hinaus. Von Diäten wird wenig geredet, mehr dafür über Muskelaufbau und den Businessplan fürs Leben. Zur Entspannung wird den gestressten Supermännern Gott sei Dank noch etwas im Playboy geliefert. Busen gegen Bauch. Plötzlich blieb mein Blick neben dem Monatspreisbusen hängen.

„Beef!“ Für Männer mit Geschmack. Die etwas andere Art der Fleischeslust. Auf dem Cover stramme Würstchen, im wahrsten Sinne des Wortes. Titelthema Nummer 1 „Werden Sie zum König der Würste“, die Schritt für Schritt Anleitung zum Selberwursten. Außerdem noch eine Reifeprüfung zum Probieren von 25 wahnsinnigen Käsesorten, die mann gegessen haben muss. Leider hatte ich keine Zeit mehr, mich in das 9,50 Euro Heft einzuarbeiten. Auf dem Weg zum Zug ließ mich das Wurstthema nicht mehr los. Welcher Mann könnte sich fürs Selberwursten interessieren? Was für Därme würde er verwenden? Die, aus selbst erlegten Tieren? Raus mit dem Darm, rein mit der Wurst? Würden sie irgendwelche High-Tech-Maschinen à la „Das perfekte Dinner“ verwenden, oder stopft mann noch per Hand? Und was fühlt er wohl dabei? Verarbeitung eines sexuellen Fetisch, oder verwurstet er imaginär seine Liebste ohne sich dabei strafbar zu machen? Oder vielleicht, nur ganz banal gedacht, will mann die Keule wieder haben?

© Sunny Möller