Allgemein, Alltagstauglich

Ich bin ein Ofen der Liebe…

Luke hat Pubertät. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich selbst in dieser Umbruchphase steckte. Allerdings ging es bei mir darum, meine Brüste zu hypnotisieren, damit sie endlich auf eine annehmbare Größe wachsen würden, oder ich versuchte, meine Haare so geschickt zu drapieren, dass man den Riesenpickel auf meiner Stirn nicht sehen konnte. Natürlich hatte ich daran rumgedrückt und Zahnpasta drauf geschmiert, weil mir eine Freundin erzählt hatte, dass er dann am nächsten Tag weg sei. War er natürlich nicht, eher doppelt so groß. Und ich war häufig ziemlich schlecht gelaunt. Die Haare zu dünn, die Beine zu dick und niemals eine Chance bei dem Jungen, in den ich schon seit einem halben Jahr verliebt war. Mit 15 sind 6 Monate eine Ewigkeit.

Nicht so mein Sohn. Er raucht nicht, trinkt nicht, geht noch nicht großartig auf Partys und wenn ich nicht wüsste, dass er 15 ist, würde ich sagen, der Pubertätskelch ist an ihm vorbei gegangen. Eigentlich ist er das bis jetzt auch und das, was heute passiert ist, nennt man nicht Pubertät, man nennt es LIEBE. Und diese Phase kann in jedem Alter auftreten.

„Mama, ich bin ein Ofen der Liebe!“

Mein Kind tanzt durch die Küche und ich verstehe das erste Mal die Bedeutung „von einem Ohr zum anderen grinsen“.

„Du bist ganz rot, hast du Fieber?“

Er tanzt weiter und fasst sich ans Herz.

„Nein, in mir brennt die Leidenschaft! Fühl mal mein Gesicht, das ist ganz heiß.“

„Fieber!“

„Niemals, ich weiß ja nicht, ob du schon mal verliebt warst, aber es ist das beste Gefühl, was es gibt!“

Er fragt mich nicht wirklich, ob ich schon mal verliebt war…

„Habt ihr geknutscht?“

Er guckt mich halb belustigt, halb empört an.

„Neihen!! Und wenn würde ich es dir nicht erzählen.“

„Aber, dass du ein Ofen der Liebe bist?“

„Genau! Was für ein Gefühl!“

Ich versuche mich an meinen ersten Kuss zu erinnern. Oh mann ja, das hat wirklich was von einem Ofen, der lichterloh brennt.

© Sunny Möller

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Wortkunst

Alles auf Anfang

Laufe los, geradeaus,
Ziel voraus.
Welches Ziel, fragst du mich,
weiß ich nicht, sage ich.

Ganz egal, immer weiter,
wie das Männchen auf der Leiter,
welche Leiter und wohin,
weiß ich denn, wo ich bin?

Viel zu hoch um umzukehren,
zurück auf der Leiter, siehst du nichts,
weiter hoch ist ungewiss.

So bleib ich stehn´ und warte mal,
doch kommt ein Sturm und stößt mich runter,
kralle ich mich fest und denk mitunter,
der Mut zum Laufen war zwar da,
das Ziel hingegen gar nicht klar.

So denke ich, beim Fall zum Boden,
bestimmt ist es nicht viel,
du fängst wieder mal von vorne an,
und doch ist der Anfang auch ein Ziel.

© Sunny Möller

Allgemein

Abends früh um Acht

Die Sonne schien, da sah ich ihn,
in sternenklarer Nacht.
Der Anzug blau, in magentafarbnen grün.
Wir redeten die ganze Zeit,
ohne nur ein Wort zu sagen,
mit abgewandten Blick,
schaute ich in seine Augen,
seine Hand berührte mich,
in der Tasche tief vergraben,
langsam merkte ich,
in rasender Geschwindigkeit,
eine große Kleinigkeit,
ich schlief und war hellwach,
lag im Keller auf dem Dach,
träumte einen Traummann her,
in allzu naher Ferne,
ich hasse es und mach es allzu gerne,
die Wirklichkeit nur ausgedacht,
abends früh um acht.

(c) Sunny Möller

Allgemein

Einfach so die Zeit vertrödeln…

Gestern war ich im Schwimmbad. Nicht einfach nur so, es war so vorgesehen. Erst Arbeit, Kind abholen, Essen, Tanzkurs, Freundin vom Kind mitnehmen, ins Schwimmbad. Es ist heiß dieses Jahr im Mai. Es ist voll, das Schwimmbad dieses Jahr im Mai. Die Kinder verabschieden sich in Richtung Riesenrutsche, ich bleibe auf der Decke, in der Sonne. Sie können schwimmen, gut, beide. Die permanente aufsichtspflichtsgeschwängerte Sorge wird etwas entschärft.

Ich liege, in der Sonne, alleine. Ein öffentliches Schwimmbad und ein Gefühl wie im besten All-Inclusive-Urlaub. Mein Cocktail ist die Zeit, das Schirmchen mittendrin die Ruhe. Ich vertrödel meine Zeit. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal etwas vertrödelt habe. Zeit war nicht dabei. Ich schaue nach oben. Als Kind habe ich Zeit vertrödelt, in den Achtzigern durfte ein Kind noch Zeit vertrödeln. Ich war ein gutes Zeitvertrödlerkind. Ich schaue nach oben. Eine Wolkengeschiche, Wolkengeschichten eignen sich hervorragend zum Zeit vertrödeln.

Das Krokodil von eben ist schon weg, der Bär versucht sein Glück beim Angeln. Ein Ballettschuh, keinen Fisch, er ärgert sich und macht sich auf in Richtung Sonne. Ich könnte lesen, etwas essen, ein Kleinigkeit, ach nee, lieber vertrödel ich den Rest der Zeit!

© Sunny Möller

Kulinarisch

Steak tartare – Eine vergessene Liebe

Für alle Noch-Fleischesser unter uns ist es eins der Gaumenfreuden beim Italiener. Das Carpaccio. Fein geschnittenes Rinderfilet mit feinem Olivenöl und gehobeltem Parmesan. Ein bisschen in Vergessenheit geraten ist die französische Variante, die nicht minder delikat ist. Ich habe eine klassische Variation gewählt, doch auch das Steak Tartare lässt sich hervorragend mit Olivenöl und Parmesan verfeinern.

Zutaten:

150 g   Bio-Rinderfilet

1          Schalotte(n)

1 EL     Kapern, kleine feine (Nonpareilles)

1          Eigelb

1          Gewürzgurke(n)

2          Sardellenfilet(s), in Öl

Petersilie, glatt

Estragon

Salz und Pfeffer, aus der Mühle

Cayennepfeffer (nach Geschmack)

Zubereitung:

Das Rinderfilet mit einem scharfen Messer in dünne Scheiben schneiden, anschließend fein würfeln.  Mit Salz und Pfeffer aus der Mühle würzen.

Die Schalotte schälen und wie die Gewürzgurke und die Sardellenfilets in sehr kleine Würfel schneiden. Die Kräuter hacken.

Auf einem tiefen Teller das Tatar anrichten. Mit einem Löffel in der Mitte eine Mulde formen, das Eigelb hineinsetzen und nach Geschmack etwas Cayennepfeffer darüber streuen. Die Gurken, Schalotten, Kapern und Sardellenfiletstückchen umanrichten und die klein gehackten Kräuter darüber streuen. Am Tisch kann jeder mit einer Gabel dieses Potpourri selbst vermengen und auf frischem Baguette oder Bauernbrot genießen.

© Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich

Die Authentizität der sozialkompetenten Empathie

Hört sich schwierig an? Da bin ich sofort bei euch! Ist das genau so schwer zu leben? Allerdings, wenn es denn wirklich authentisch sein soll und nicht so eine nachgeäffte Pseudokompetenz, die halt gerade in ist, um in dieser unserer Gesellschaft was zu sein. Schulen fordern sie, Headhunter suchen sie, Coaches bieten an, sie zu erlernen. Denn wer heute was erreichen will macht gefälligst Ringelpietz mit Anfassen.

Das Internet und besonders die sozialen Medien sind voll davon. Jeder schmiert jedem möglichst viel Honig ums Maul, mit welcher Intention auch immer. Da werden die neuen French Nails von Carisma Bomba* hunderfach geliked und sie bedankt sich im besten Fall mit Küsschen Küsschen. Da gehen Menschen zu Kaffeekränzchen, Partys und Veranstaltungen, bekunden Spaß und Interesse, um hinterher in kleinem Rahmen sich entweder zu bedauern oder im großen Stil die Lästersau rauszulassen. Geholfen und unterstützt wird gerne, wo es sichtbar ist. Wo sich ein Publikum findet, da ist man sozial und kompetent.

Geht es uns nicht zu gut für Empathie und soziale Kompetenz? Wurde und wird sie nicht am authentischsten dort gelebt, wo das Leben einem Drahtseilakt ähnelt? Bei dem es um das Leid aller geht? Ist sie nicht zu einem verkommenden Goodie in jeder Karriere-Vita geworden, die mit der wahren Empathie nicht mehr viel zu tun hat. Mitgefühl ist eines ihrer benannten Attribute und doch wird sie hauptsächlich noch in religiöser Hinsicht benutzt. Ich habe Mitgefühl, Mitgefühl mit all jenen, die fest davon überzeugt sind, sie seien empathisch und sozial kompetent. Denn immerhin ist diese Kompetenz, so widerlich unecht sie sein mag, verpackt im schönen Schein.

Empathie bezeichnet die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen. Zur Empathie wird gemeinhin auch die Fähigkeit zu angemessenen Reaktionen auf Gefühle anderer Menschen gezählt, zum Beispiel Mitleid, Trauer, Schmerz und Hilfsbereitschaft aus Mitgefühl. Die neuere Hirnforschung legt allerdings eine deutliche Unterscheidbarkeit des empathischen Vermögens vom Mitgefühl nahe.(wiki)

Soziale Kompetenz (Sozialkompetenz; englisch social competences) ist ein Komplex von Fähigkeiten, die dazu dienen, in Kommunikations- und Interaktionssituationen entsprechend den Bedürfnissen der Beteiligten Realitätskontrolle zu übernehmen und effektiv zu handeln. Als effektiv kann Handeln bezeichnet werden, wenn sich dadurch positive(erwünschte) Konsequenzen maximieren und negative (unerwünschte) minimieren lassen. Die Vielzahl an Definitionen lassen sich laut Müller (1994) danach unterscheiden, ob darin soziale Kompetenz als einheitliches Konstrukt (molar) oder als Zusammenfassung mehrerer sozial relevanter Verhaltensmuster (molekular) beschrieben werden.(wiki)

Authentizität bezeichnet eine kritische Qualität von Wahrnehmungsinhalten (Gegenständen oder Menschen, Ereignissen oder menschliches Handeln), die den Gegensatz von Schein und Sein als Möglichkeit zu Täuschung und Fälschung voraussetzt. Als authentisch gilt ein solcher Inhalt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung, unmittelbarer Schein und eigentliches Sein, in Übereinstimmung befunden werden. Die Scheidung des Authentischen vom vermeintlich Echten oder Gefälschten kann als spezifisch menschliche Form der Welt- und Selbsterkenntnis gelten. Zur Bewährung von Authentizität sind sehr weitreichende Kulturtechniken entwickelt worden, die die Kriterien von Authentizität für einen bestimmten Gegenstandsbereich normativ zu (re-)konstruieren versuchen.(wiki)

© Sunny Möller

*Name von der Redaktion geändert

Allgemein, Alltagstauglich

Von der Toskana nach Kreta

Liebste Bloggergemeinde!

Verzeiht mir meine Untätigkeit. Bis morgen gebe ich mich noch der Sonne hin, um dann zu den regnerischen Tatsachen Deutschlands zurück zu kehren. Aber ab dem Wochenende lasse ich euch nicht länger im Regen stehen und berichte euch von meinen Erlebnissen!

Die allerliebsten Grüße

Sunny