Allgemein

Tagebücher, alte Geschichten und unkomplizierte Männer

Tagebücher sind einfach was Schönes. Gedanken, Erlebnisse, Gefühle, die man mit jemandem teilt, der immer zuhört, versteht und nie urteilt. Und Geschichten preisgibt, die man schon glaubt, vergessen zu haben.

Die ersten Dates sind ja immer so eine Sache. Frauen denken da meist etwas komplizierter als Männer. Was ziehe ich an, welches Make-Up ist passend, wie gucke ich, wie lächle ich, wie antworte ich. Gehen wir essen, wenn ja, was, wie viel, was trinken, was, wie viel….? Ich beneide Männer da um ihre Unkompliziertheit. Sie sind einfach einfacher. Zum Thema passend fand ich neulich eine Geschichte in einem meiner (sehr) alten Tagebüchern. Ich glaube, ich habe es damals als Geschichte formuliert, um mich vom „Inhalt“ zu distanzieren…. Es war mir sogar im Tagebuch noch peinlich.

Heute war ich das erste Mal bei Tom. Er wollte für uns kochen. Hammer. Er ist so ganz anders als andere Männer. Sieht gut aus, witzig und er kocht, für mich!!!! Schmelz!!!!

Es gab Lasagne.

„Spezialrezept von meiner italienischen Nonna, frischer Knoblauch ist das Geheimnis!“

Als er sie aus dem Ofen holte, duftete sie herrlich. Seine kleine Wohnung roch nach Kräutern und durch die Mischung von Ofen und mindestens 20 Kerzen, die er angezündet hatte, war es gemütlich warm. Tom öffnete die Flasche Rotwein und breitete eine Decke auf dem Boden aus. Es fühlte sich fast an wie ein Picknick in der Toskana. Oooaaahhhh, doppelschmelz!

Das änderte sich schlagartig, als wir mit dem Essen fertig waren. Da war mir mehr nach Ätna auf Sizilien. Es fing eigentlich noch relativ harmlos an. Ich musste ein paar Mal ein bisschen aufstoßen, aber das konnte ich noch ganz gut kaschieren. Aber dann nahm das Elend seinen Lauf. Irgendwie wusste ich, dass es schlimm werden würde. Eigentlich ja gar kein Problem, wenn ich alleine gewesen wäre. War ich aber leider nicht. Vor mir der Typ, der nur mit seinen Küssen meinen ganzen Körper entflammt hatte. Wenn der Knoblauch aus der Lasagne jetzt allerdings den Weg in die unteren Etagen nehmen würde, sollte man offenes Feuer vermeiden.

Ich dachte scharf nach. Was sollte ich nur machen? Gutaussehende Mädchen pupsen nicht. Rülpsen tun sie auch nicht, auch nicht in der Nase bohren, oder am Po kratzen. Aber pupsen vor dem potentiell heißesten Typen seit 100 Jahren? Der würde doch sofort abhauen. Was sagt der seinen Freunden? Ach, wisst ihr was? Gestern hatte ich ein Date mit der Furzerin. Der wird nie mit dir Sex haben können, wenn du jetzt furzt. Oh Gott, oh Gott, wie sich das schon anhört. Wer sich wohl dieses Wort dafür ausgedacht hatte? Als ob die Aktion nicht schon peinlich genug wäre. Entschuldigung, ich habe gefurzt!

Mir tat total der Bauch weh und der wurde auch immer dicker.

Einziehen, dachte ich nur, einziehen.

„Alles in Ordnung Sunny? Hat dir die Lasagne nicht geschmeckt?“

„Doch, doch, alles prima.“

Ich versuchte zu lächeln. Vielleicht konnte man die überschüssige Luft nach innen ziehen und durch eine andere Körperöffnung wieder laut- und geruchlos rauslassen. Ich spürte Toms Hand auf meinem Bein, er rückte immer näher zu mir rüber und wollte mich küssen. Ich sprang schlagartig auf und kam mit einer blöden Ausrede.

„Oh Mann, ich muss ganz dringend aufs Klo. Schenk uns doch noch einen Wein ein!“

Ich versuchte zu lächeln und bewegte mich rückwärts Richtung Toilette. Dort angekommen versuchte ich meinen Bauch zu entspannen. Er tat schon richtig weh von der ganzen Date freundlichen Einzieherei. Aber sofort merkte ich, dass die Luft den Ausgang suchte. Außerdem drückte meine Blase auch schon ganz heftig. Nein, nein, nein, bitte nicht. Seine Toilette war genau neben dem Wohnzimmer. Wenn ich mich jetzt auf die Brille gesetzt hätte, hätte die Kloschüssel wie ein Megaphon agiert. Ich überlegte ganz kurz, ob ich mir ein Handtuch als Schalldämpfer vor den Po halten sollte. Aber nachher hätte ich drauf gepinkelt. Also, Zähne zusammen beißen und wieder raus. Tom kam mir schon entgegen.

„Hey, ich dachte du kommst überhaupt nicht mehr wieder.“

Er wollte mich in den Arm nehmen und küssen. Ich drehte den Kopf weg. Mein Bauch fing wieder bedrohlich an zu blubbern.

„Wollen wir vielleicht noch weggehen, in einen Club oder so! Ich hätte jetzt voll Lust auf laute Musik!“

Ja, dachte ich und da kann ich dann auch ungestört die Bässe mitpupsen. Tom guckte mich ganz irritiert an.

„Also, irgendetwas stimmt doch auf einmal nicht mit dir, Sunny!“

Ich lächelte gequält.

„Wie kommst du denn darauf?“

„Na ja, du machst die letzte halbe Stunde einen total abwesenden Eindruck, küssen willst du mich offensichtlich auch nicht mehr. Hab´ ich etwas getan, was dir jetzt quer sitzt?“

JAAAAAAAAA, dachte ich, diese scheiß Lasagne. Und wenn ich nicht gleich einen fahren lassen kann, dann platze ich und fliege hier durch die Bude!!!!!!!

„Nein Tom, es ist alles in Ordnung. Wollen wir denn jetzt noch tanzen gehen, oder nicht?“

„Ratatabrfftatabrrt“ (kommt das authentisch rüber?)

Oh Gott, oh Gott, oh Gott, jetzt war es raus. Ich hätte beim sprechen nicht ausatmen dürfen. Es war bestimmt zu laut gewesen. Ich schaute mich schnell in seiner Wohnung um. Gab es irgendwelche Haushaltsgeräte, auf die man es schieben könnte?
Aber was machte schon solche Geräusche? Ich guckte Tom an. Er grinste. Dieses schiefe Grinsen, was ich so an ihm liebte. Ich merkte, wie ich knallrot anlief. Aus Toms schiefem Grinsen wurde schallendes Gelächter. Super, jetzt war ich das gefürchtete Furzdate! Tom konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Jetzt wurde ich sauer, mein hysterisches Kopfmännchen aus Kindertagen erschien aus der Versenkung und hatte auch noch ein paar Kumpels dabei. Mein Gesicht brannte, diesmal nicht aus Scham, sondern vor Wut.

„Ja, toll. Lach dich ruhig tot und das meine ich wörtlich. Nur weil du so bescheuert warst, 20 Knoblauchzehen in diese dämliche Lasagne zu knallen!“

Tom hielt sich seinen perfekten, nicht geblähten Bauch. „Knallen, ha ha ha ha, ja knallen passt perfekt, ha ha ha ha!“ An diesem Punkt war mir dann alles egal.

„Weißt du was Tom, verschwinde doch einfach, so toll kannst du auch nicht küssen! Und ich will dir wirklich nicht zumuten, dich mit einer Furzmaschine wie mir weiter abzugeben!“

Er lachte nicht mehr.

„Hey Sunny, jetzt entspann dich mal. Okay. Ich lache auch über dein kleines, sagen wir mal, Missgeschick. Aber eigentlich lache ich darüber, dass du seit fast zwei Stunden wie ein wildes Tier durch die Wohnung rennst und versuchst, dir irgendwo Luft zu machen. Mein Bruder und ich haben früher immer `Bunkern´ gespielt, unter der Bettdecke und uns gegenseitig die verpupste Luft zu gewedelt! Willst du?“

Ich dachte nur noch ans gehen, aber er küsste mich! Immer und immer wieder.

„Ich bin verliebt in dich, Sunny! Mit und ohne Pups!“

Und um diese Unkompliziertheit beneide ich die Spezies Mann! Jeden komplizierten Frauentag! Immer und immer wieder!

(c) Sunny Möller

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Allgemein, Alltagstauglich

Sport und rote Augen

„Hast du geheult?“

Charly schaute mich besorgt an.

„Nein.“

„Aber dein eines Auge ist so rot und hängt irgendwie so komisch runter.“

„Ich habe Sport gemacht!“

„Und dir dann die Walkingstöcke ins Auge gerammt?“

„Nein. Ich war im Garten. Du weißt doch, Gartenarbeit ist auch Sport.“

Sie nippte überlegend an ihrem Wein.

„Aber warum ist dein Auge dann so rot?“

Sie ließ einfach nicht locker.

„Das war die Stachelbeere!“

Sie fing an zu lachen, während sie noch Wein im Mund hatte und der tropfte ihr jetzt wie Blut aus der Nase.

„Ahhhh, die böse Kampfstachelbeere also. War das die im Rambooutfit? Mit Stirnband und Patronenhalfter?“

„Bist du bescheuert?“

„Iiiihhh, komm her du kleiner Gartentriathlet, ich bin´s, Stacho, ich mach dich fertig! Und ich hab noch meine Freunde Radotzko Radieschen und Mecki Mangold mitgebracht!“

„Nein, du blöde Kuh! Ich habe versucht den alten Stachelbeerbusch auszugraben, der der schon tot war. Ich wollte ihn mit dem Spaten hoch hebeln und dann bin ich abgerutscht und hab mir den ganzen Busch ins Gesicht gejagt.“

„Ach so.“

„Ja.“

„Dafür siehst du dann aber doch noch ganz gut aus.“

„Danke.“

Ich war etwas besänftigt.

„Und was machen die Männer?“

„Um es mal in der Gartensprache zu sagen: Mein Acker liegt brach und im Baum sitzt nicht ein Vogel.“

„Weinchen?“

„Gerne.“

© Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich

Ich bin ein Ofen der Liebe…

Luke hat Pubertät. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich selbst in dieser Umbruchphase steckte. Allerdings ging es bei mir darum, meine Brüste zu hypnotisieren, damit sie endlich auf eine annehmbare Größe wachsen würden, oder ich versuchte, meine Haare so geschickt zu drapieren, dass man den Riesenpickel auf meiner Stirn nicht sehen konnte. Natürlich hatte ich daran rumgedrückt und Zahnpasta drauf geschmiert, weil mir eine Freundin erzählt hatte, dass er dann am nächsten Tag weg sei. War er natürlich nicht, eher doppelt so groß. Und ich war häufig ziemlich schlecht gelaunt. Die Haare zu dünn, die Beine zu dick und niemals eine Chance bei dem Jungen, in den ich schon seit einem halben Jahr verliebt war. Mit 15 sind 6 Monate eine Ewigkeit.

Nicht so mein Sohn. Er raucht nicht, trinkt nicht, geht noch nicht großartig auf Partys und wenn ich nicht wüsste, dass er 15 ist, würde ich sagen, der Pubertätskelch ist an ihm vorbei gegangen. Eigentlich ist er das bis jetzt auch und das, was heute passiert ist, nennt man nicht Pubertät, man nennt es LIEBE. Und diese Phase kann in jedem Alter auftreten.

„Mama, ich bin ein Ofen der Liebe!“

Mein Kind tanzt durch die Küche und ich verstehe das erste Mal die Bedeutung „von einem Ohr zum anderen grinsen“.

„Du bist ganz rot, hast du Fieber?“

Er tanzt weiter und fasst sich ans Herz.

„Nein, in mir brennt die Leidenschaft! Fühl mal mein Gesicht, das ist ganz heiß.“

„Fieber!“

„Niemals, ich weiß ja nicht, ob du schon mal verliebt warst, aber es ist das beste Gefühl, was es gibt!“

Er fragt mich nicht wirklich, ob ich schon mal verliebt war…

„Habt ihr geknutscht?“

Er guckt mich halb belustigt, halb empört an.

„Neihen!! Und wenn würde ich es dir nicht erzählen.“

„Aber, dass du ein Ofen der Liebe bist?“

„Genau! Was für ein Gefühl!“

Ich versuche mich an meinen ersten Kuss zu erinnern. Oh mann ja, das hat wirklich was von einem Ofen, der lichterloh brennt.

© Sunny Möller

Wortkunst

Alles auf Anfang

Laufe los, geradeaus,
Ziel voraus.
Welches Ziel, fragst du mich,
weiß ich nicht, sage ich.

Ganz egal, immer weiter,
wie das Männchen auf der Leiter,
welche Leiter und wohin,
weiß ich denn, wo ich bin?

Viel zu hoch um umzukehren,
zurück auf der Leiter, siehst du nichts,
weiter hoch ist ungewiss.

So bleib ich stehn´ und warte mal,
doch kommt ein Sturm und stößt mich runter,
kralle ich mich fest und denk mitunter,
der Mut zum Laufen war zwar da,
das Ziel hingegen gar nicht klar.

So denke ich, beim Fall zum Boden,
bestimmt ist es nicht viel,
du fängst wieder mal von vorne an,
und doch ist der Anfang auch ein Ziel.

© Sunny Möller

Allgemein

Abends früh um Acht

Die Sonne schien, da sah ich ihn,
in sternenklarer Nacht.
Der Anzug blau, in magentafarbnen grün.
Wir redeten die ganze Zeit,
ohne nur ein Wort zu sagen,
mit abgewandten Blick,
schaute ich in seine Augen,
seine Hand berührte mich,
in der Tasche tief vergraben,
langsam merkte ich,
in rasender Geschwindigkeit,
eine große Kleinigkeit,
ich schlief und war hellwach,
lag im Keller auf dem Dach,
träumte einen Traummann her,
in allzu naher Ferne,
ich hasse es und mach es allzu gerne,
die Wirklichkeit nur ausgedacht,
abends früh um acht.

(c) Sunny Möller

Allgemein

Einfach so die Zeit vertrödeln…

Gestern war ich im Schwimmbad. Nicht einfach nur so, es war so vorgesehen. Erst Arbeit, Kind abholen, Essen, Tanzkurs, Freundin vom Kind mitnehmen, ins Schwimmbad. Es ist heiß dieses Jahr im Mai. Es ist voll, das Schwimmbad dieses Jahr im Mai. Die Kinder verabschieden sich in Richtung Riesenrutsche, ich bleibe auf der Decke, in der Sonne. Sie können schwimmen, gut, beide. Die permanente aufsichtspflichtsgeschwängerte Sorge wird etwas entschärft.

Ich liege, in der Sonne, alleine. Ein öffentliches Schwimmbad und ein Gefühl wie im besten All-Inclusive-Urlaub. Mein Cocktail ist die Zeit, das Schirmchen mittendrin die Ruhe. Ich vertrödel meine Zeit. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal etwas vertrödelt habe. Zeit war nicht dabei. Ich schaue nach oben. Als Kind habe ich Zeit vertrödelt, in den Achtzigern durfte ein Kind noch Zeit vertrödeln. Ich war ein gutes Zeitvertrödlerkind. Ich schaue nach oben. Eine Wolkengeschiche, Wolkengeschichten eignen sich hervorragend zum Zeit vertrödeln.

Das Krokodil von eben ist schon weg, der Bär versucht sein Glück beim Angeln. Ein Ballettschuh, keinen Fisch, er ärgert sich und macht sich auf in Richtung Sonne. Ich könnte lesen, etwas essen, ein Kleinigkeit, ach nee, lieber vertrödel ich den Rest der Zeit!

© Sunny Möller

Kulinarisch

Steak tartare – Eine vergessene Liebe

Für alle Noch-Fleischesser unter uns ist es eins der Gaumenfreuden beim Italiener. Das Carpaccio. Fein geschnittenes Rinderfilet mit feinem Olivenöl und gehobeltem Parmesan. Ein bisschen in Vergessenheit geraten ist die französische Variante, die nicht minder delikat ist. Ich habe eine klassische Variation gewählt, doch auch das Steak Tartare lässt sich hervorragend mit Olivenöl und Parmesan verfeinern.

Zutaten:

150 g   Bio-Rinderfilet

1          Schalotte(n)

1 EL     Kapern, kleine feine (Nonpareilles)

1          Eigelb

1          Gewürzgurke(n)

2          Sardellenfilet(s), in Öl

Petersilie, glatt

Estragon

Salz und Pfeffer, aus der Mühle

Cayennepfeffer (nach Geschmack)

Zubereitung:

Das Rinderfilet mit einem scharfen Messer in dünne Scheiben schneiden, anschließend fein würfeln.  Mit Salz und Pfeffer aus der Mühle würzen.

Die Schalotte schälen und wie die Gewürzgurke und die Sardellenfilets in sehr kleine Würfel schneiden. Die Kräuter hacken.

Auf einem tiefen Teller das Tatar anrichten. Mit einem Löffel in der Mitte eine Mulde formen, das Eigelb hineinsetzen und nach Geschmack etwas Cayennepfeffer darüber streuen. Die Gurken, Schalotten, Kapern und Sardellenfiletstückchen umanrichten und die klein gehackten Kräuter darüber streuen. Am Tisch kann jeder mit einer Gabel dieses Potpourri selbst vermengen und auf frischem Baguette oder Bauernbrot genießen.

© Sunny Möller