Stimmungslage

Selbstgespräche…..

Früher dachte ich immer, es seien nur ältere Leute, die Selbstgespräche führen. Eine Form, die Einsamkeit zu überwinden. Oder multiple Persönlichkeiten, die sich gleich mit einer ganzen Gruppe auseinandersetzen.

Wenn ich heute durch die Stadt gehe, bei der Bank vorm Schalter stehe, oder im Supermarkt den Ketchup suche, überall sehe ich Menschen, im Gespräch mit sich selbst. Und zwar aus jeder Schicht, in allen Altersklassen. Ich frage mich, in meiner eigenen tonlosen Unterhaltung, was ist es, was das Gespräch mit sich selbst erstrebenswerter macht, als mit einem zweiten Gegenüber?

Ist es das bedingungslose Zustimmen jeglicher gedanklicher Absurdität oder die immer größer werdende Einsamkeit, die jetzt auch die Jungen immer stärker betrifft? Oder ist es einfach ein Mangel an dem Attribut des Zuhörens? In einer Gesellschaft der Profilneurotiker und Selbstdarsteller will jeder nur noch seine eigenen Lebensweisheiten unters Volk mischen. Aufgefordert oder nicht. Zuhören wird gar nicht unbedingt verlangt, nur nicken und lächeln und dem Absender das Ego pimpen.

So habe ich neulich mit einer Freundin telefoniert, die mir eine Stunde von ihren Beziehungsproblemen erzählte. Die Pausen, die sie machte, reichten gerade mal für ein erwiderndes „hmmm“ und „echt?“ Nach einer halben Stunde stellte ich den Lautsprecher an, ging zum Briefkasten, räumte den Geschirrspüler aus und schrieb sms mit einem Freund. Zurück am Hörer hörte ich nur noch: „Sunny, du bist die Beste! Keiner versteht meine Probleme so wie du und ist immer auf meiner Seite! Tschüßi!“ So etwas nennt man dann wohl Selbstgespräch mit Beisitzer.

„Hey Süße, wie geht es dir?“ Ich musste lächeln. „Danke, eigentlich ganz gut! Und dir?“ Bekanntes Lächeln folgte. „Schön, dass du fragst. Auch ganz gut! Gehen wir einen Kaffee trinken?“ „Gerne!“

Die Bedienung schaute fragend. „Sind sie allein?“

Ich nickte.

© Sunny Moeller

Alltagstauglich

Happy New Year………

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….nachdem wir, wie jedes Jahr, stundenlang an einem kruden Batzen Blei herumgedeutet hatten, was die Zukunft so für uns bereithält, näherte sich der Zeiger der Stunde 0! Es wurde über Vorsätze fürs nächste Jahr gesprochen, die man spätestens am 01.01. des jungfräulichen Neuanfangs schon wieder vergessen hatte. Die Diät konnte schließlich warten, bis die Weihnachtsschokolade vollständig verzehrt war. Das würde sich bis Ostern hinziehen und dann steht der eingeschmolzene Schokoladenweihnachtsmann schon wieder als Osterhase vor der Tür. Und auch er will gegessen werden. Der Vorsatz mit dem Rauchen aufzuhören, wird meistens schon beim ersten Neujahrssekt gekippt, mit den Worten „Nach den Feiertagen auf jeden Fall, jetzt macht das keinen Sinn….!“

Aber was wären wir ohne unsere guten Vorsätze zum neuen Jahr? Perspektivlos? Mutlos? Hoffnungslos? Vielleicht nicht, aber es tut gut sich das „nächstes Jahr wird alles anders“ laut vorzusagen.

Da schmeckt der  Sekt nach 12 noch mal so gut und man blickt erleichtert, ohne Päckchen auf dem Rücken in die Zukunft.

Ich drehe meinen Bleiklumpen, halte ihn gegen das Licht…..sieht doch irgendwie aus wie eine Angel. Was steht in meinem Orakel-Heft für 2,99 inklusive Bleifiguren und Schmelzpfanne? „Du angelst dir dein Glück!“

Na bitte, das wird ein super Jahr!!!!!

© Sunny Moeller

Allgemein

Merry Christmas……

Liebste aller Blog-Gemeinden!

Merry, merry Christmas und das größte Dankeschön, was ich verpacken kann, fürs Teilen, fürs Liken, fürs Lesen und Zuhören bei „Meiner Sicht der Dinge“!!!

Viel zu tun gab es für den Rest des Jahres, Ideen versammeln sich in meinem Kopf. Habe angefangen, sie für Euch auszupacken. Also dranbleiben, wir lesen uns hier!!!!!

Eure Sunny

Alltagstauglich

Wer ist HEIDEMANN?????

Ich gehe ja überhaupt nicht gerne zum Arzt.

Ich glaube, ich erwähnte das schon an anderer Stelle. In den vielfältigen Arten ihrer Profession von Orthopäden, Internisten, Kardiologen, Neurologen, Gynäkologen, Allergologen und Unausprechlichenlogen , gibt es noch eine sehr fremdartige Spezies. Die Zahnärzte! Sie sind so etwas wie die Migranten der Ärzteschaft. Sie studieren auch nicht mit den Allgemeinmedizinern, sie studieren abseits, in gesonderten Gebäuden.

Ich frage mich immer wieder, wie kommt man darauf, Zahnarzt zu werden? Stellt man sich irgendwann nach dem Abitur die Frage: „Würde es mir wohl Spaß machen, bei andern Leuten im Mund rumzuprokeln?“

Oder hat es, wie immer, irgendetwas mit Macht zu tun?

Nach dem gestrigen Besuch beim Dentist meines Vertrauens, tippe ich auf Letzteres!

Schon beim Betreten der Praxisräume, suchte ich nach dem Schild `Notausgang´. Die Zahnarzt-Sadomaso-Helferin begrüßte mich freundlich.

„Schön, dass Sie da sind Frau Möller! Wir legen gleich los! Gehen Sie doch bitte kurz ins Wartezimmer. Der Herr Doktor holt sie dann ab!“

….und dann darf ich mir noch mein Lieblingsessen wünschen, anschließend kommt der Priester und fragt mich, ob ich irgendetwas in meinem Leben bereut habe. Wir werden beten und dann werde ich zum Stuhl gebracht, festgeschnallt und die Spritzen vorbereitet….ist Obama eigentlich gegen die Todesstrafe?

 

Ich schüttelte kurz den Kopf. Mach dir keine Sorgen! Entspann dich, das wird halb so wild. Ich hörte dieses kreischend, schleifende Bohrergeräusch aus einem der Behandlungsräume. Ein Schauer lief mir über den Rücken. Nur das Geräusch verursachte schon Schmerzen. Ich fragte mich, warum man eigentlich niemals Schreie aus diesen Behandlungsräumen hörte? Waren das vielleicht immer Probebohrungen an irgendwelchen Gummipuppen, um den kommenden Patienten zu paralysieren?

„Frau Möller!!! Sie sind dran!! Der Herr Doktor wartet schon!“

Zwei Minuten später saß ich in diesem Vollstreckerstuhl, hatte einen Blutlatz um und Wasser plätscherte in den „Spülen-sie-mal-bitte-Becher“. Der Herr Doktor rückte an…

„Frau Möller! Toll! Wir kommen ja jetzt langsam in die Endphase!“

Todesstrafe……..wenn ich jetzt seitlich raus trete, knallt er mit dem Kopf gegen den Instrumentenwagen. Mit etwas Glück springt der Bohrer von selbst an und zerschnippelt ihm das Gesicht, während er mit beiden Augen in die aufgezogenen Spritzen fällt. Währendessen habe ich genug Zeit, der Assistentin ihren Sauger in die Hose zu stecken um endlich mal für menschliche Gefühle bei ihr zu sorgen….

 „Können wir anfangen?“

„Sicher!“

„Sie brauchen sich gar keine Sorgen zu machen. Wir nehmen heute nur die Provisorien ab und testen die Gerüste für die Kronen. Anschließend passt der Techniker noch die Farbe an! Das wird nicht wehtun!“

Bei der Farbanpassung sollte er Recht behalten….

„Fräulein Tanja, den Heidemann bitte!“

Was ist das? Wer ist der Heidemann? Es gab einen Typen in unserem Dorf, der hieß auch Heidemann. Zwei Meter groß, rothaarig. Er vergewaltigte mehrere Ziegen und Hühner und kam dann in die Geschlossene…wer war H E I D E M A N N?????

Dr. Böse bekam von Schwester Sauger einen kleinen Spatel in die Hand. Das kann ja nicht weht……..

AAAAAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!! Mein ganzer Körper stand plötzlich unter Spannung, meine Hände krallten sich ineinander. Nervenschmerzen schossen durch den ganzen Körper. Mir entfuhr ein lautes: „Auuuuaaaaa, verdammt, auuaaa, das tut echt weh, Mann!!!!“

….du blödes Arschloch! Wahrscheinlich kriegst du im Bett keinen hoch und lässt deinen Frust hier legal an Frauen und potenten Männern aus! Das Längste an dir ist dein verdammter Heidemann, du elender Wicht!!!!!!!

Er guckte wenig mitleidig.

„Wir können eine kleine Anästhesie machen, aber die Nerven sind trotzdem nicht ganz tot. Da müssen wir jetzt durch!“

Wen meinte er mit „WIR“?

Zwei Stunden später waren sie mit mir fertig. Ich fühlte mich wie nach einem Verhör mit Foltereinsatz. Meine rechte Gesichtshälfte hing herunter wie bei einem Schlaganfallpatienten und ich hatte meine heraus rinnende Spucke nicht mehr unter Kontrolle. Dr. Böse verabschiedete sich mit einem „Ich-habe-einen-Tennispullover-über-die-Schultern-geschwungen-Lächeln“.

„WIR sehen uns nächste Woche! Dann sind WIR auch endlich fertig, liebe Frau Möller!“

Ich habe immer eine kleine Schere dabei. Kann man immer mal gebrauchen. Unter dem Bohrer baumelte ein durchgeschnittener Schlauch. WIR hatten ihn durchgeschnitten und WIR fanden das überhaupt nicht schlimm!

© Sunny Moeller

Stimmungslage

Dieser kurze Moment….

Es gibt diesen kurzen Moment, zwischen Aufwachen und wach werden. Diese wenigen Minuten, die nur dir gehören, der Kopf leer gefegt, vielleicht noch ein letzter Rest vom nächtlichen Traum, der gleich vergessen sein wird. Die letzte warme Stille. Die kurze Versuchung, die Decke höher zu ziehen, sich zu verstecken, den Wecker zu überhören. Denn langsam gehen die Türen auf und du hast zu wenig Hände, sie wieder zu schließen. Du versuchst es, stemmst dich gegen die größte. Es flüstert eindringlich durch jeden Spalt: Pflichten, Pflichten, Pflichten….. Die Kraft lässt nach, die Tür knallt gegen deinen Kopf, du schüttelst dich, denkst, warum sind es immer so viele? Du atmest tief, folgst den Pflichten ergeben. Plötzlich spürst du Wärme, Licht in den Augenwinkeln, drehst dich um, die Sorglosigkeit lächelt dich an. Berührt dein Gesicht, legt etwas in deine Hand. Du willst mit ihr gehen, doch sie ist zu schnell und die Pflichten kommen zurück. Laut hörst du das Ticken. Diesmal bist du zu spät. Aber in deiner Hand ist ein Schlüssel und du weißt, wo er passt.

© Sunny Moeller

Allgemein

Kussecht

Küssen, knutschen, busseln, herzen, schmecken, diese Woche beschäftigt mich stark die Küsserei. Gibt es gute und schlechte Küsser? Kann ein schlechter ein guter Küsser werden, beim richtigen Kusspartner? Weiß man es, wenn man ihn sieht? Spricht der Mund eine Kussvorschau aus? Küssen volle Lippen besser als schmale, ist der Druck entscheidend, oder die Kopfneigung? Was ist mit der Größe der Nase? Kann sie stören, wenn die Küsse leidenschaftlicher werden? Passt jeder Mund zu jedem anderen, oder gibt es auch da die Topf-Deckel-Theorie? Macht die Übung den Meister? Hält man dabei den Kopf, die Taille, streicht man durch die Haare, sofern welche da sind? Ist ein guter Küsser, ein guter Partner im Bett?

Viele Küsse in vielen Jahren und den ersten vergisst man nicht. Sunny ist 14, Ben 13. Sunny 1,76, Ben nicht. Erster Kuss, ganz schüchtern, mit Sunnys Gekicher. Weiche Lippen, zaghaft. Nach dem dritten Treffen sagt Ben: “Komm Sunny, wir küssen jetzt mit Zunge!“ Sunny: “Bist du bescheuert, ich will doch nicht deine Spucke in meinem Mund haben!“ Dann macht Sunny Schluss! Es wurde besser, mit der Zeit…..

 

© Sunny Moeller

Alltagstauglich

Telefongesellschaften und kleine Männchen

Ich bin momentan einer ziemlich heißen Sache auf der Spur! Ich glaube, Psychiater und Telefongesellschaften haben so etwas wie einen Kooperationsvertrag. Denn es reicht nur ein Gespräch mit einem dieser frohlockenden Anbieter und man ist reif für die Klapse.

„Sehr geehrte Frau Möller, wir freuen uns, sie bei UTU begrüßen zu dürfen. Ihr ´Mega-superfun-special-hero-double-light-easy´ Flatpaket wird am 01. Oktober frei geschaltet. Bei Fragen stehen wir Ihnen jederzeit zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Erwin Lange

Seitdem Funkstille. Ich bin ohne Kontakt zur Außenwelt. Morsen hatte ich nie gelernt und bei Rauchzeichen hetzen sie mir gleich das Ordnungsamt auf den Hals. Ich musste die Telefongesellschaft anrufen. Saurer Ekel stieg in mir hoch. Mit Mühe wählte ich die Service-Nummer.

Wie lange tutete das jetzt schon? Ah, jetzt ging jemand ran, vielleicht Herr Lange? Nein, eine sympathische Frauenstimme vom Band.

„Willkommen bei der Helpline von UTU, deinem sympathischen Telefonanbieter. Wenn du Fragen zu deiner Rechnung hast drücke bitte die eins, hast du Fragen zu speziellen Angeboten drücke bitte die zwei, hast Du Fragen zu deinen laufenden Verträgen drücke bitte die drei, brauchst du eine Kotztüte, drücke bitte umgehend die vier!“

Ich drückte die drei.

„Bitte sprich deine 12stellige Kundenummer jetzt aufs Band und bestätige sie mit der Rautetaste.“

Oh Gott, das konnte ja ewig dauern.

„2-8-4-6-3-9-2-7-4-3-6-0“.

Ich drückte die Rautetaste. Die freundliche Dame antwortete prompt.

„Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden! Bitte wiederholen Sie Ihre Kundennummer oder geben Sie Sie auf dem Wählfeld ein. Anschließend drücken Sie bitte die Rautetaste!“

Nach drei gescheiterten Versuchen klappte es schließlich, aber es pochte schon etwas in der linken Schläfenhälfte.

„Ist ihre Kundennummer „2-8-4-6-3-9-2-7-4-3-6-0“, so antworten sie bitte mit ´ja´!“

Komisch, eben hatte sie mich doch noch geduzt. Waren sie jetzt keine Freunde mehr? Ich antwortete laut:

„Ja!“

„Entschuldigung, ich konnte ihre Antwort nicht verstehen! Bitte wiederholen sie ihre Antwort!“

Pochen auf beiden Seiten!

„Jaahhaaa, du dreckiges, Pocken bedecktes Mistdrecksluder!“

Ich schrie fast in den Hörer. Es knackte in der Leitung. Wahrscheinlich hatte die Bandfrau gerade einen Hörsturz erlitten. Doch nicht, sie fing wieder an zu sprechen.

„Herzlich willkommen Frau Möller! Leider sind alle unsere Leitungen belegt. Der nächste freie Mitarbeiter steht jedoch in Kürze für Sie bereit!“

Dann ertönte eine säuselige Pausenmusik. Drei Minuten später:

„Bitte gedulden sie sich noch einen kurzen Moment, der nächste freie Mitarbeiter ist sofort für Sie da!“

Pausenmusik.

Zehn Minuten und vier Pausenlieder später dachte ich darüber nach, was UTU unter einem kurzen Moment und sofort denn so verstanden? Vielleicht würde ich nie wieder einen Telefonanschluß kriegen? Man würde mich irgendwann tot in der Wohnung finden, wenn ich bei der nächsten Mandelentzündung den Notarzt nicht kontaktieren konnte. Mit der Identifikation hätten sie ihre Schwierigkeiten, denn mein Gesicht wäre madenzerfressen. In der meiner zerwurmten Hand, ein vergilbter Brief der Telefongesellschaft, die es schon nicht mehr gab…..

Wieder kam ein neues Pausenlied. Die Dame, die mir den nächsten freien Mitarbeiter versprochen hatte, meldete sich überhaupt nicht mehr. Das Lied war unverschämt….

The Beautiful South „Song for whoever“

Jetzt war ich echt sauer. I forget your name? Bei dem Lied war ich das erste Mal richtig verliebt gewesen und der Typ hatte mich wegen eines fehlenden D-Körbchens abserviert. Na warte Erwin Lange, wenn ich dich gleich in der Leitung habe.

…………………………………………………………………

Ich legte den Hörer auf. Es war einfach nicht zu fassen. Ich hatte 20 Minuten mit einer Frau Möller von UTU gesprochen, einen Erwin Lange, der immer zur Verfügung stand, kannte diese Dame überhaupt nicht. Und was war dabei herausgekommen? Gar nichts! Und Telefongesellschaften können sensationell nett, gar nichts tun!

„Frau Möller, jetzt beruhigen sie sich doch erst einmal. Wir finden bestimmt eine Lösung für ihr Problem. Dafür ist UTU doch da. Erwin Lange? Nein, tut mir leid, den kenne ich nicht. Geben sie mir doch noch einmal ihre Vertragsnummer, dann haben wir schwuppsdiwupps das Problemchen gelöst, liebe Frau Möller! Wo wir doch schon den gleichen Namen haben. Das hat was zu bedeuten!“

Ja Trulla, ähnlich viel, als wenn ich Schmidt oder Meier heißen würde. Ich versuchte, mich zu beruhigen. Ich war einfach zu lange in dieser Warteschleife gewesen. Mittlerweile hatte ich schon eine Flasche Prosecco leer, während ich versuchte, einhändig die zweite zu öffnen. Ganz ruhig Sunny. Mach jetzt keinen Stress, leg deine ´Ich-bin-aber-sowas-von-freundlich-Stimme´ in den Rekorder und sei nett zu der hilfsbereiten Dame!

„2-8-4-6-3-9-2-7-4-3-6-0!“

„Hach Frau Möller, das ist nur ihre Kundennummer, die Vertragsnummer steht oben rechts unter ihrem Vorteils-Code!“

Ich hatte einen Vorteils-Code? Warum hatte man mir davon denn gar nichts gesagt? Was wohl dieser Vorteils-Code sein sollte? Vorteil für was? Umgehung der Warteschleife, Privataudienz beim ominösen Herrn Lange, einen Call-Center-Agent abknallen straffrei?

„Frau Möller?“

„Ja, ja, ich hab´s schon. 123-67-BB!“

„Dankeschön! So, dann schauen wir uns das mal an. Hm, ach so, ja. Den Vertrag bei B-net haben sie bis zum Ende des Monats gekündigt und sind dann ab dem Ersten bei uns unter Vertrag, sowohl mit ihrem Handy als auch mit dem Festnetz. Das ist doch wunderbar.“

Jetzt platzte mir der Kragen. Ich fing dümmlich irre an zu kichern. Nein, Sunny, nein, denk immer an deine ´Ich-bin-sowas-von-freundlich-Stimme´ und bleib ganz ruhig. Du willst, dass die Tante heute dein Telefon frei schaltet, also reiß dich zusammen!`

Es war zu spät. Das Männchen war aufgewacht. Dieses kleine Männchen lebte in meinem Kopf und rannte wie verrückt hin und her und hopste auf und ab. Das war schon immer so gewesen, seit ich ein kleines Mädchen war. Es hatte mich immer wieder in Schwierigkeiten gebracht. Ich versuchte mich zu erinnern, wann es das erste Mal aufgetaucht war. Ich glaube ich war sechs und mit meiner Mama beim Einkaufen gewesen. Auf dem Weg zum Supermarkt kamen wir immer an einem großen Spielzeuggeschäft vorbei. ,Siggi Sagers Spielzeugwelt´, den Namen würde ich nie vergessen. Die Schaufenster waren immer wunderschön dekoriert, nicht so wie heute, wo einfach irgendwelche Kisten mit Plastikmist übereinander gestapelt wurden. Herr Sager hatte damals eine große Barbiewelt aufgebaut. Ein großes Zirkuszelt, Wohnwagen, Tiere, Clowns und eine Zigeunerbarbie. Vom ersten Moment an, war ich von ihr hingerissen gewesen. Sie war einfach anders als alle anderen Barbies. Sie war nicht blond, hatte ein verwegenes, freches Lachen und den kürzesten Rock von allen. Siggi Sager hatte sechs oder sieben Kens um sie postiert, die sie alle anhimmelten. Sie schenkten ihr Barbie-Blumen, Barbie-Katzen und Barbie-Schmuck. Ich wollte auch wie diese Zigeunerbarbie sein. Als ich meine Mutter damals fragte, ob ich die Barbie wohl haben dürfte, verdrehte sie die Augen.

„Sunny, wie oft willst du mich das eigentlich noch fragen? Dein Geburtstag ist erst in zwei Monaten, Weihnachten liegt auch noch in weiter Ferne. Und so einfach zwischendurch gibt es so ein teures Spielzeug nicht! Komm jetzt bitte weiter!“

Da war dann dieses Männchen das erste Mal aufgetaucht. Es meldete sich nicht vorher an, sondern war plötzlich in meinem Kopf und ließ sich auch nicht mehr rauswerfen. Ich hatte meine Mutter damals böse angefunkelt.

„Wenn ich die Barbie nicht kriege, halte ich die Luft an, bis du sie mir kaufst!“

Und dann hatte ich aufgehört zu atmen. Das Männchen fand, das sei eine gute Idee.

„Sandra, jetzt hör doch mit dem Unsinn auf. Du bekommst die Barbie nicht, da kannst du dich auf den Kopf stellen!“

Nicht atmen Sunny, nicht atmen! Das Männchen war damals schon unerbittlich gewesen. Meine Mutter wurde ungeduldig.

„Fräulein Bergfeld, atme jetzt vernünftig, sonst bekommen wir beide richtig Ärger. Es ist schon zehn vor sechs. Der Schlachter macht gleich zu!“

Ich atmete nicht.

„Mein Gott Kind, jetzt hol doch endlich Luft. Du wirst ja schon ganz blau! Herr Sager, kommen sie schnell raus, meine Tochter ist blau!“

Dann kippte ich um. Als ich wieder wach wurde, hielt meine Mutter meine Hand.

„Schätzchen, was machst du denn nur für Sachen. Ich habe mich zu Tode erschreckt!“

Als ich in meine andere Hand schaute, lächelte mich jemand frech an. Die Zigeunerbarbie. Von diesem Tag an, wohnte das Männchen bei mir. Hin und wieder war es zwar auf Reisen, aber es meldete sich doch regelmäßig. Manchmal häufiger, als es mir lieb war. Damals habe ich gedacht, dass sei so ein Kinderding, wie der besagte Mann im Ohr, oder einer dieser Phantasiefreunde. Aber er war bis heute nicht ausgezogen.

„Frau Möller, sind Sie noch dran?“

Da war sie wieder, meine Namensverwandte von UTU. Aber es war zu spät. Das Männchen hatte gewonnen.

„Jetzt hören Sie mir mal zu Frau Schwuppsdiwupps. Ich versuche Ihnen seit zwanzig Minuten zu erklären, dass Sie mir vor über drei Wochen die Leitung hätten frei schalten müssen. Ich kann nicht telefonieren und ich komme nicht ins Internet. Mein Handy liegt auch schon in der Pathologie. Ich spiele jetzt mal meinen Vorteils-Code aus und da wir ja sowieso verwandt sind, schalten Sie mir diese verdammte Leitung frei!“

Stille. Mist, vielleicht hätte ich das mit Frau Schwuppsdiwupps weglassen sollen. Das mit dem Männchen konnte ich Frau Möller nicht erzählen und schon gar nicht, dass ich mittlerweile mehr als angeschickert war. Frau Möller räusperte sich.

„Es tut mir wirklich sehr leid Frau Möller, aber B-net hat die Leitung erst zum nächsten Ersten freigegeben, da kann ich jetzt gar nichts machen. Aber das sind doch nur noch vier Wochen und dann kann sie jeder unter ihrer neuen Nummer erreichen.“

Welche neue Nummer? Hatte Frau Schwuppsdiwupps Möller gerade etwas von neuer Nummer gesagt?

„Was für eine neue Nummer?“

Sie hörte Frau Möller tief atmen. Sie hatte Angst!

„Na ja, Frau Möller, B-net hat ihre alten Nummern nicht freigegeben. Also haben sie ab dem ersten Dezember eine neue Festnetz- und Handynummer. Aber die Nummern sind ganz ähnlich, das wird doch toll!“

Das Männchen fing wieder an zu hüpfen.

„Wissen Sie was, stecken Sie sich ihren Vertrag doch schwuppsdiwupps in den Hintern, das wird doch toll, Sie blöde Kuh!“

Jetzt war alles vorbei. Frau Möller würde sie jetzt bestimmt nicht mehr in der Familie haben wollen.

„Hallo? Frau Möller?“

Langer Ton, kurze Überlegung. Irgendwo war noch eine Flasche Schnaps.

 

© Sunny Moeller

Stimmungslage

Von Stuten und dummen Puten!

Gespräch mit einer Freundin.

„Wie findest du eigentlich meine neuen Stiefel?“

Ein etwas teilnahmsloser Blick erwiderte meine Frage.

„Joah, sehen ganz schön aus!“

„Begeistert klingst du ja nicht gerade!“

„Na ja, für mich wären sie nichts!“

Ich war erstaunt. Die Stiefel waren der Hammer. Feinstes, weiches Leder und etwas höher geschnitten, der Trend diesen Winter. Normalerweise fing Kathrin an zu sabbern, wenn sie solches Beinwerk im Schaufenster sehen würde.

„Wieso das nicht? Du hast doch total tolle Beine!“

Kathrin lächelte mich würdevoll an.

„Da hast du Recht Sunny, aber mir wären sie, na, wie soll ich sagen, etwas zu nuttig. Wir sind ja jetzt auch nicht mehr zwanzig und n Keks! Aber du kannst das tragen, mach dir keinen Kopf!“

Auf dem Weg nach Hause musste ich über das Gespräch nachdenken. War ich der Typ für Nuttenstiefel? Immerhin hatten sie über 200 Euro gekostet und wurden nicht von einer Sicherheitsnadel zusammengehalten. Würde eine Freundin so etwas sagen? Sollte sie sich nicht mit mir freuen? Ich rief meinen besten Freund an. Schwul. Die perfekte Mischung aus Kerl und weiblichem Verständnis.

„Was war das da eben mit Kathrin, Knut? Sie findet die Stiefel für mein Alter zu nuttig!“

„Sorry Süße, aber naiv ist wirklich dein zweiter Vorname! Geh mal googeln und gib ´Stutenbissigkeit´ ein! Dann hast du deine Antwort. Ach, und Schnucki? Wenn eine diese Stiefel tragen kann, dann ja wohl du! Küsschen!!!“

Ich wünsche jeder Frau einen schwulen Mann, als beste Freundin! Komplimente bekommen, ohne Hintergedanken und niemals naschen wir am selben Buffet.

Stutenbissigkeit war mir ein vertrauter Begriff, aber unter Freundinnen? Ich googelte.

Stutenbissigkeit klingt archaisch und ist auf das Sozialverhalten von Pferden in ihrer Herdengemeinschaft zurückzuführen. Eine Frau kann einer Frau nur schwerlich ohne Skrupel offen eine Niederlage zufügen. Das verbietet der anerzogene Anstand, der weibliche Sozialcharakter und das „Nicht – verletzen“ sondern das zu den „Guten“ gehören wollen. Das wichtigste feministischen Paradigma der Solidarität käme ins Straucheln. Offene Auseinandersetzung mit einer anderen Frau ist auch wegen der vermeintlich hohen persönlichen Verletzungsgefahr zu riskant?

Möglichst unauffällig wird auf allen Ebenen mit strategischem Einfallsreichtum gegen die Konkurrentin gearbeitet. Verbündete werden gesucht. Erstaunlicherweise empfindet sich die Betroffene selbst dabei auch oft noch als Opfer. Männer hingegen würden ihren Gegner meist einfach durch Leistung übertrumpfen. Frauen reicht das selten; sie neigen dazu, die andere Frau auch als Person ausschalten zu wollen. Da das heimliche Ziel der Stutenbissigkeit unter Frauen jedoch uneingestanden und „undercover“ ist, werden möglichst viele Personen mit möglichst großem Einfluss versucht hinein zu ziehen.

Hinterhältig, intrigant, unter der Gürtellinie, brodelnde Gerüchteküche, neidisches und missgünstiges Verhalten, üble Absichten unterstellen, gute Ideen klauen oder das zumindest mal der anderer unterstellen, erbitterte Konkurrenz, Sticheln, Mobben, Verharmlosen, schonungsloses Bloßstellen, Missachten, Schweigen, Aussitzen, versteckte Aggressivität, schiefe Blicke und Anschuldigungen?

Wenn Stutenbissigkeit unter Frauen auftritt, handelt es sich oft um Frauen, die in irgendeiner Form mit angezogener Handbremse leben. Häufig handelt es sich auch um selbst auferlegte Verbote etc. Oft macht jedoch bereits das Äußere, Frauen zu Rivalinnen. Das kommt selbst bei intelligenten Frauen vor.

Stutenbissigkeit unter Frauen entsteht meist gleichzeitig auf der Ebene der Kompetenz und der Attraktivität. Hebt sich eine Frau irgendwie aus einer Gruppe von Frauen hervor, wird ihr die Zugehörigkeit im Club der Frauensolidarität gekündigt, Mobbing und Stutenbissigkeit unter Frauen setzen ein.

 (coaching-blog.info)

Hunderttausende, die betroffen sind und ebenso viele, die es vehement abstreiten würden.

„Ich bin doch nicht stutenbissig. Also, ich kenne solche Frauen, aber ich bin eher der Meinung, man muss auch gönnen können!“

Wie oft habe ich das schon gehört. Beißen tun angeblich immer nur die anderen. Ich überlegte, hatte ich mir schon ähnliche Rituale zu Eigen gemacht, um eine Rivalin aus dem Feld zu stechen?

NEIN!

Ich bin nicht neidisch auf den Erfolg anderer Frauen. Schon gar nicht auf den Erfolg meiner Freundinnen. Ich sehe es als Stück meines eigenen Erfolges, weil ich sie oftmals begleitet habe, mit ihnen gekämpft und gefiebert habe. Ich freue mich mit ihnen und leide genauso, wenn etwas schief geht. Das ist meine blauäugige Auffassung von Freundschaft!

Es gibt nur eine einzige Ausnahme. Sollte es jemand wagen, sich an meiner Beute zu schaffen zu machen, dann werde ich komisch. Hat aber weder mit Stuten noch Puten zu tun, da positioniere ich mich dann doch lieber in der Raubtierabteilung! Miauu!

 

© Sunny Moeller

Stimmungslage

Über das Denken….

Unter Denken werden alle Vorgänge zusammengefasst, die aus einer inneren Beschäftigung mit Vorstellungen, Erinnerungen und Begriffen eine Erkenntnis zu formen versuchen. Bewusst werden dabei meist nur die Endprodukte des Denkens, nicht die Denkprozesse, die sie hervorbringen. (Wiki)
Puuuhhhh Sunny, du denkst zu viel. Seit gestern beschäftigt mich diese Denkerei und seitdem denke ich nach, über das Denken. Denken Frauen wirklich anders als Männer? Und wenn Männer angeblich hauptsächlich mit dem Schwanz denken, hat der gute Einfälle? Und wenn ein Körperteil der Frau, außer dem Gehirn denken könnte, welcher wäre es? Der Bauch? Vielleicht das Herz? Oder begibt sich das weibliche Denkvermögen auch mal in untergeordnete Denkregionen? Macht man sich nicht manchmal das Leben etwas zu schwer, mit dieser Denkerei? Und wohin führen mich die ganzen Vorstellungen und Erkenntnisse? Ist es wirklich sinnvoll, Gedanken in die Länge zu ziehen, andere Gedanken an sie dran zu hängen um dann noch angestrengter darüber nachzudenken? Sollte man vielleicht manchmal, beim ersten Anflug eines Gedanken, ihn zum spontanen Handeln zwingen?
Ich denke, also bin ich. Und wenn ich einfach nur tue, was bin ich dann? Denk mal nach!
© Sunny Möller
Autorenquatsch

Viel Lärm um Licht…..

Viel Lärm um Licht

Letzte Nacht wachte ich kurz auf und dachte, Lichtgestalten werfen lange Schatten. Darüber wirst du morgen schreiben.

So wachte ich auf und dachte nach, im Morgenlicht. Eine gute Antwort fand sich nicht im Gegenlicht. Von Feen war die Rede, von Fußballgöttern und Filmschaffenden, von Politikern und Ärzten ohne Grenzen. Vorbilder also, aber ab wann und wer, macht aus dem Vorbild ein Abbild gleißend, blendend?

Leider sah ich kein Licht am Ende des Tunnels und war von einem Lichtblick, Lichtjahre entfernt. Wie konnte es auch sein, dass meine Hirnverwaltung, plötzlich geprägt war von Lichtgestaltung? Dennoch, die Idee brannte weiter lichterloh und keiner blies mein Licht aus, machte den Lichtblitzen den Gar aus.

Sicher, die größte Leuchte war ich nicht, aber mein Licht unter den Scheffel stellen, würde ich  nicht.

Besser wurde es trotz allem nicht, denn aufgrund von Lichtmangel durch fehlende Lichtmenge, fehlte dauerhaft der Lichtstrahl am Horizont.

Not macht bekanntlich erfinderisch und so dachte ich kurz, alle hinters Licht zu führen und Schluss. Aber in welches Licht würde es mich rücken, wenn alle voller Entzücken sähen, wo meine Schattenseiten lagen? Und dann immer wieder diese Fragen, ob ich´s denn jetzt endlich wüsste, wann die Gestalt das Licht nun küsste. Um endlich Licht ins Dunkel zu bringen, versuchte ich im Abendlicht meine Lichtempfindlichkeit zu überwinden und dachte nach….

Konnten Lichtgestalten, Licht gestalten? Wo Licht ist, ist da immer Schatten? Muss nicht Licht auf Sache treffen, um Licht zu brechen? Gibt es die Antwort erst zum Schluss? Und kommt dann so ein Lichtgestalter, bestenfalls im hohen Alter, dann geh ich freudig mit ihm. Drehe mich noch einmal um und gebe dem verbleibenden Lichtfluss einen letzten, flüchtigen Luftkuss. Tauche ein in Wolken, in die kalten und denke nur…..verdammte Lichtgestalten!

 

© Sunny Möller