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Und wenn ich nichts mehr weiß…

Montagmorgen, ich sitze allein im Café und gönne mir die Zeit zu schreiben. Weg von allen Alltagsproblemen will ich Geschichten erfinden. Ideen für mein neues Buch, auf der Suche nach dem Thrill in meiner Geschichte. Neben mir sitzt ein Pärchen, nicht sehr alt, vielleicht Ende Fünfzig. Sie weint, er hält ihre Hand, schaut besorgt aber nicht unsicher.

„Und wenn ich alles vergesse?“

„Das war doch nur ein Verdacht, das war noch keine endgültige Diagnose, Schatz!“

„Aber wenn es so ist, wenn der nächste Arzt die gleiche Diagnose stellt? Du weißt, meine Mutter ist daran gestorben. Am Ende kannte sie niemanden mehr und zum Schluss wusste sie nicht einmal mehr wie man schluckt, konnte kaum noch laufen und war so böse. Sie war einfach nur noch böse.“

„Wenn es so ist, dann werden wir eine Lösung finden.“

„Was denn für eine Lösung? Ich werde nicht mehr wissen, wer du bist! Ich werde unsere Kinder nicht mehr erkennen, ich werde nicht mehr wissen, wie wir uns kennengelernt haben. Als du mir im strömenden Regen in Berlin ein Eis gekauft hast und auf den Becher deine Telefonnummer geschrieben hast. Ich werde mich nicht einmal mehr an die Eissorte erinnern, Klaus. Es war Pfirsich Melba! Ich werde es nicht mehr wissen. Alles wird von dieser Krankheit verschluckt werden, bis alles dunkel ist.“

Leise Tränen fließen.

„Und ich werde bei dir sein. Ich werde mich für uns beide erinnern. Jeden Tag! Und ich werde dir jeden Tag erzählen, wie wir uns kennengelernt haben und ich werde dir Eis mitbringen. Pfirsich Melba, jeden Tag. Und du wirst uns schmecken, jeden Tag. Meine Erinnerungen werden deine werden, jeden Tag.“

Er streichelt ihr Gesicht.

„Und wenn ich dich wirklich nicht mehr erkenne? Wenn du ein Fremder für mich wirst?“

Ich spüre ihn schlucken. Er schaut sie an.

„Dann wirst du glauben, du triffst jeden Tag einen neuen Mann und wir lernen uns jeden Tag neu kennen!“

Sie hat aufgehört zu weinen.

„Weißt du, wie sehr ich dich liebe?“

„Jeden Tag eine neue Verabredung, Schatz! Für immer und ewig!“

Sie küssen sich. Jetzt muss ich die Tränen zurückhalten. Das Leben schreibt die besten Geschichten.

© Sunny Möller

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Von Ängsten und Socken

Ich bin schön, intelligent, kreativ und unglaublich selbstbewusst. Ich habe zwei phantastische Kinder und nach dem Scheitern meiner Ehe einen Weg zur Selbstständigkeit gefunden, der mich überglücklich macht. Ist das so?

Definitiv!

Bin ich dankbar?

Selbstverständlich!

Habe ich Angst?

Ständig.

Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben kann, ob ich das in die Welt hinausposaunen will. Ich glaube, dass es viele von mir da draußen gibt, die zwei Welten in sich vereinen. Jedenfalls möchte ich das glauben, wenn ich die ganzen schönen, intelligenten, kreativen und unglaublich selbstbewussten Menschen da draußen sehe. In der einen Welt begleitet mich die Angst. Angst unvollkommen zu sein, zu dumm, zu langsam, zu wenig erfolgreich, zu krank um gesund zu sein und zu arm, um reich zu sein. Dauernd trampeln diese Selbstzweifel und Ängste auf mir herum und ich weiß nicht einmal warum. Und in dieser Angst bin ich nicht konsequent. Ich bin gefangen in mir selbst.

Nehmen wir an, die Angst ist die Kälte und ich sitze nackt in ihr. Etwas anzuziehen wäre jetzt eine vernünftige Lösung, oder, um sich den Ängsten ganz zu ergeben, nackt zu bleiben und zu erfrieren. Beide Vorgehensweisen bedeuten eine Entscheidung, eine Konsequenz. Doch ich wähle keine von ihnen. Ich ziehe mir eine Socke an. Damit wird mir zwar nicht warm, aber zumindest erfriere ich nicht sofort.

Wenn ich dann doch glaube, es zu schaffen, bin ich schon auf dem Weg in den Wald, habe Angst vor der Dunkelheit und beschwere mich über den fehlenden Lichtschalter.

Ich trage also Ängste vor mir her, bei denen ich nicht bereit bin, sie zu überwinden. Es zieht sich wie Kaugummi durch mein Leben und bleibt an jeder neuen Angst kleben, um sie mit ins Boot zu holen. Warum ist das so?

Lösungen, so gut sie auch durchdacht und logisch erscheinen, bediene ich mit einem: „Du hast Recht, aber…“ Brauche ich diese Ängste, um mich am Leben zu fühlen? Hat die Vergangenheit so viel hinterlassen, dass ich mich aus der Angst heraus nicht neu erfinden kann? Ist meine Angst vorm Scheitern größer als die Angst selbst?

Ich hoffe, es wird wärmer. Ich will die Socke endlich ausziehen.

© Sunny Möller

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Die Entscheidung einer Münze

Eine Entscheidung ist eine Wahl zwischen Alternativen oder zwischen mehreren, unterschiedlichen Varianten von einem oder mehreren Entscheidungsträgern. Eine Entscheidung kann spontan bzw. emotional, zufällig oder rational erfolgen. Eine rational begründete Entscheidung richtet sich nach bereits vorgängig abgesteckten Zielen oder vorhandenen Wertmaßstäben. Von der Entscheidungskompetenz eines Individuums hängt es ab, ob seine Pro- oder Contra-Entscheidungen richtig oder falsch ausfallen. Die Eigenschaft, ohne Verzögerung zu entscheiden und dabei zu bleiben, wird als Entschiedenheit bezeichnet. (Wikipedia)

Aha, die Entscheidungskompetenz eines Individuums! Ich konnte nur letzteres bedienen, bei der Kompetenz wurde ich ausgelassen. Ich kann keine Entscheidungen treffen, selbst bei der Speisekarte im Restaurant bin ich, bei mehr als zwei Essen schon total überfordert. Habe ich dann doch meine Wahl getroffen, schiele ich schon zum Nachbartisch. Verdammt, ich wollte auch lieber Kroketten.

Passt die weiße Bluse besser zur Jeans oder doch zur Cordhose? Macht die meine Oberschenkel zu fett, was dann wieder zur Jeans führt und die weiße Bluse ausschließt. Sofern diese weiße Bluse dann doch besser zur Cordhose gepasst hätte. Und was mache ich bloß, wenn ein Teil davon in der Wäsche ist? Genau für das hätte ich mich dann entschieden.

Bei zwischenmenschlichen Beziehungen ist es noch schlimmer, da treffe ich am besten gar keine Entscheidung. Es könnte auf jeden Fall die falsche sein. Und was mache ich mit dem Schmerz, den entscheide ich nicht auszuhalten, der kommt und geht wie es ihm passt. 

Jetzt könnt ihr euch annähernd vorstellen, wie es so um meine Entscheidungsfreude bestellt ist!

„Hör doch einfach auf deine innere Stimme!“

Ich sitze jetzt hier seit geschlagenen 2 Stunden und höre auf sie. Geradezu penetrant rufe ich wortlos nach ihr, der inneren Stimme. Sie antwortet nicht. Ich will, dass sie mir sagt was richtig ist, welche Entscheidungen wann und wie zu treffen sind. Und plötzlich wird mir etwas klar! Diese verdammte innere Stimme wohnt ja nicht alleine hier. Sie hat Mitbewohner. Eine ganze WG tummelt sich da in meinem Innersten. Die eine Stimme hat es sich im Herzen gemütlich gemacht und trifft ständig irgendwelche, total chaotische Entscheidungen. „Ich bin die Liebe, tralitrala, meine Entscheidungen sind süß wie Zuckerwatte, tralilala, Gefühle, Gefühle, Gefühle. All you need  is love. Sie ist dick befreundet mit dem Bauchgefühl, was generell nur auf sich selber hört. Es ist seit sehr langer Zeit mit seinem Bruder, dem Verstand, zerstritten. Und alle reden unaufhörlich durcheinander. Tralitrala.

Welche Entscheidung ist die richtige? Und kann die richtige auch die falsche sein? Und ist die richtige dann die beste? Und wie sieht es mit den Kompromissen aus? Haben sie auch ein Recht, zu Wort zu kommen? Kann man falsche Entscheidungen rückgängig machen? Oder werden aus falschen manchmal richtige, oder umgekehrt? Und woher weiß ich das? Vielleicht sollte ich zu alten Traditionen zurückkehren.

Einfach eine Münze werfen!

© Sunny Möller

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Leben leben

Ist es dunkel oder schnell,

langsam oder hell,

was mach ich nur,

steh ich hier gegangen bin,

Sinn sinnlos abgeschaltet,

in den Töpfen kocht das Eis,

Reis könnte man auch mal wieder essen,

fall nicht drüber über den zerrissnen Sack,

denken ist im Angebot, Tod nicht akzeptiert,

langsam wird es interessant,

Leben leben? Zu riskant.

© Sunny Möller

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Was ich nicht sehe, ist nicht da.

Ich mach die Augen zu.

Eins und zwei, grüner Elefant mal vier.

Zwei Tage hat die Woche nur,

eine Spur in die Unendlichkeit,

zum Lieblingseismann gar nicht weit.

Was ich nicht sehe, ist nicht da.

Alle glücklich, tanzen, lachen.

Sachen machen ohne jemals aufzuhören.

Plötzlich alle wieder nah. Bist du da? Die Welt schreit Ja.

Ich mach die Augen zu, ist das wahr?

(c) Sunny Möller

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Corona-Land Part 3

„Kalli, du musst uns einfach helfen! Dieser Wahnsinn muss endlich ein Ende haben!“ Charly wirkte zu verzweifelt. Kalli nippte an seinem Corona und schaute uns ziemlich zweifelnd an. „Glaubst du, ich bin bescheuert, Charly? Ich besorg doch gerade euch keine gefälschten Impfpässe! Ihr seid deutschlandweit als absolute Volksverräter bekannt. Das kauft euch doch niemand ab, dass ausgerechnet ihr geimpft seid! Außerdem rettet euch das auch nicht mehr.“

Er zeigte mir eine aktuelle Ausgabe der „Treuen Welt“. Das Titelblatt war voll mit Leuten, die genauso anders dachten wie wir. Ehemals renommierte Wissenschaftler, Journalisten, die nicht den Vorgaben des Senders gefolgt waren und Leute wie Charly und ich. Überschrift: „Diese Menschen töten deinen Opa!“ Wahrscheinlich kamen wir erst auf Seite 3, für den Titel hatte es noch nicht gereicht.

Ich überlegte kurz, ob ich ihm kurz drohen sollte, ihn anzuspucken. Dieser Kalli war doch auch nur so ein aufgesetzter Andersdenker, der es hinbekommen hatte, aus dieser Pandemie Geld herauszuschlagen. Er war nicht einmal ein richtiger Arzt, er war früher Krankenpfleger gewesen und hatte sein armseliges Gehalt damit aufgebessert, indem er den Leuten auf der Hospizstation Gras verkauft hatte.

„Hilfst du uns jetzt oder nicht?“ Charly ließ nicht locker, aber sie klang dabei nicht sehr überzeugend. Kalli schüttelte den Kopf. „Sorry Süße, erstens seid ihr mir eine Spur zu heiß und zweitens könnt ihr nicht annähernd meine Forderungen erfüllen.“ Dieser kleine Wichtigtuer ging mir langsam auf die Nerven. „Und was heißt das jetzt?“ Er schielte mich schräg von der Seite an. „Das heißt, ich kann so rein gar nichts für euch tun und ich will es auch nicht. Meine Geschäfte laufen gut, diese Coronasache hat mir ein Einkommen beschert, was ich als Pfleger niemals gehabt hätte. Und ich muss kein Essen mehr verteilen und Fieber messen. Das lass ich mir von euch garantiert nicht kaputt machen. Also verschwindet endlich und lasst euch hier bloß nicht wieder blicken!“ Keine Minute später standen wir vor der Tür.

„Und jetzt?“ Ich schaute Charly fragend an. Sie machte nicht den Eindruck, als hätte sie eine zündende Idee. Sie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, aber wir sollten zusehen, dass wir hier weg kommen.“

„Nein!“

„Wie, nein?“

„Dieses ganze verstecken und weglaufen hat doch keinen Sinn! Wir haben keine Chance uns in irgendeiner Form zu vernetzen, alle Portale und Kommunikationswege werden 24 Stunden überwacht und für den Staat sind wir irgendwelche Schwurbler, die sich noch dazu strafbar gemacht haben.“

„Genau, wir haben die Maske nicht über die Nase gezogen und Klopapier geschmuggelt. Wirklich sehr kriminell!“

„Na ja, und das mit den Dosenravioli…und den Tütensuppen und die Coronasuppennudeln, die wir verkauft haben, war ja auch nicht ganz so gesetzestreu. Charly, verdammt! Wir stehen mit Bild in der Zeitung!“

„Aber man muss doch irgendwas tun! Wir müssen doch unsere Stimme erheben und für unsere Freiheit einstehen!“

„Aber ich glaube, es reicht nicht mehr, Friedensfahnen zu schwingen und zu brüllen `Wir sind das Volk´. Wir sind nämlich nicht mehr das Volk. Wir sind nur noch ein Infektionsrisiko.“

„Und was schlägst du vor?“

„Wir stellen uns. Das Schlimmste, was uns passieren kann ist, dass wir in eines dieser Lager kommen. Vielleicht sehe ich da meinen Sohn wieder.“

„Das ist dein Vorschlag?“

„Vielleicht können wir aus so einem Lager besser handeln, wenn wir auf mehr Gleichgesinnte treffen.“

Charly schaute mich zweifelnd an.

„Okay, dann lass uns mal ein paar Leute anhusten. ich glaube aber immer noch nicht, dass das eine gute Idee ist!“

Als sie mir später eine Nummer und ein Bild von dem Virus auf meinen Oberarm einbrannten, war ich mir da auch nicht mehr so sicher…

Fortsetzung folgt…

© Sunny Möller

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Corona-Land Part 2

„Mach das aus, wenn ich die noch einmal klatschen höre, dreh ich durch!“ Es war schnell gegangen, dass aus der wichtigsten Person des Landes plötzlich eine Witzfigur der Fitnessbranche geworden war. „Und jetzt klatschen wir mal etwas schneller…“ Ich fragte mich gerade, warum zu den Übungen Musik gespielt wurde, da es doch eigentlich komplett verboten war. Ich fragte Charly.

„Das ist doch keine richtige Musik, das ist Helene Fischer! Studien der psychologischen Abteilung von Drosten-Medical-Care haben herausgefunden, dass die Melodien und Texte von ihr die Inzidenzwerte um 0,00003 % haben sinken lassen. Nur Andy Borg hat ähnliche Werte erreicht.“ ….`Atemlos durch die Nacht´…

„Mach endlich diesen Scheiß aus!“ Charly tippte weiter auf ihrem Telefon herum. „Moment noch, die zeigen gleich Berichte aus den Lagern.“ Jetzt wurde ich hellhörig, vielleicht würde ich etwas neues über meinen Sohn erfahren.

„Guten Tag an alle Corona treuen Mitbürger! Es begrüßt Sie Sascha Kaiser. Bevor wir aus den neu gestalteten Schutzeinrichtungen für unsere V.I.P´s berichten, hier zuerst die aktuellen Gewinner unseres Gewinnspiels „Denunzier deinen Mitmensch“. Karl Meier aus Lauterbach hat es in nur einem Tag geschafft, zehn seiner Nachbarn und einen positiv getesteten Hund der Missachtung der Ausgangssperren zu überführen. Er hatte kleine Sprengsätze in die Eingangsbereiche seiner Nachbarn gelegt und konnte somit einen neuen Tageshighscore erreichen. Einen Impfgegner hatte es dabei so stark erwischt, dass er noch an der Haustür verstarb. Schuld daran war allerdings nicht der Sprengsatz, sondern vielmehr der Corona-Virus, wie ein post mortem ausgeführter Test nachweisen konnte. Karl Meier darf sich über ein Jahresabo DIY PCR-Tests von der Pharma-Spahn GmbH freuen. Herzlichen Glückwunsch dem geimpften Gewinner!“

Charly machte den Ton lauter.

„Aber nun schalten wir zu meiner Kollegin Saskia Glotz in das Schutzzentrum Hamburg-Nord! Saskia, was kannst du uns berichten?“ Auf dem Bildschirm erscheint eine kleine Frau, die komplett von einem Taucheranzug ähnlichem Schutzanzug umgeben ist, außerdem trägt sie eine speziell gefilterte Schutzmaske.

„Falso, if sabe nof kfeine fialich Ifkahzierten gsprochn, abr s fiehht hezzarasend aas.“

„Entschuldige bitte Saskia, ich kann dich ganz schlecht verstehen.“ Er räuspert sich etwas nervös. „Ich habe die ganze Zeit Flachwichser verstanden.“

„Nfein, um Grottes Filen Sacka!“

„Sie sehen schon, meine Damen und Herren, die Übertragung aus den Krisengebieten gestaltet sich zunehmend schwierig, da die Virenbelastung teilweise die gesamte Elektronik lahmlegt. Wir melden uns später noch einmal im Lauterbach-Rehazentrum, in dem gerade die neuen Kurse zum Thema „Beatmen leicht gemacht“ begonnen haben. Glück auf Corona und bleiben Sie geimpft.“

Das hätte man sich schenken können. Informationen wie lauwarme Luft. „Was machen wir denn jetzt?“ Charly wählte eine Nummer. „Ich ruf Kalli an, vielleicht kann er uns helfen.“

Ich schaute ins leere Nichts und hoffte auf Kalli.

Fortsetzung folgt…

© Sunny Möller

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Corona-Land

„Ich muss irgendwie an diesen Chip kommen!“ Ich rieb mir die Augen, 48 Stunden am Stück wach zu bleiben hatte doch einige Spuren hinterlassen. Meine Augen brannten wie Feuer.

„Das kannst du vergessen, selbst wenn dir irgendjemand einen besorgen würde, wer würde dir abkaufen, dass gerade du geimpft bist? Für die Corona-Ex´s bist du doch nur eine Spinnerin, die nicht schnell genug ihren Aluhut abgesetzt hat!“

Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen schossen und das lag nicht daran, dass ich schon so lange wach war. „Lass mich nicht bei diesen Leuten, Mami! Bitte, bitte, lass mich nicht alleine!“ Das waren die letzten Worte meiner Tochter gewesen, bevor sie sie mir weggenommen haben. Sie lebte jetzt in einer anderen, geimpften Familie. Diese Familie hatte entschieden, Lilly impfen zu lassen und ich hatte nichts dagegen tun können. Ich hatte sie seit 6 Monaten nicht gesehen. Mir war, als würde mein Herz einen Schlag aussetzen. Wo Noah war, wusste ich nicht. Er war schon zu alt, um das Recht auf eine Familie zu haben. Sie hatten außerhalb der Stadt Lager errichtet, in denen die V.I.P´s (Very Infective People) untergebracht waren. In irgendeinem dieser Erweckungslager musste er sein. Sie hatten sich an ihr Versprechen gehalten, es hatte keine Zwangsimpfungen gegeben. Allerdings mussten sich die Menschen ohne Impfung auf ein völlig anderes Leben einstellen.

Charly gab mir einen Schluck Wasser. „Weißt du noch, bei meiner letzten Geburtstagsparty? Wir haben bis 4 Uhr morgens getanzt!“ Charly machte ein paar rhythmische Hüftbewegungen, so als würde jeden Moment die Musik anfangen aus den Boxen zu dröhnen. Musik gab es schon lange nicht mehr und singen war verboten. Zu gefährlich.

Charlys Kinder waren auch weg. Wir waren zwar dem Lager entgangen, waren aber seit fast einem halben Jahr auf der Flucht. Wir hatten illegal Toilettenpapier nach Süddeutschland geschmuggelt und waren in der Nähe von Würzburg von Grenzpatroullen gestoppt worden, weil Charly dieses parfümierte Maiglöckchenpapier auf dem Hänger hatte. Allerdings hatten wir Glück, es war 8-lagig und dank meiner ausgefeilten Wickelkunst hatten wir die beiden Gesetzeshüter zu zwei Klomumien gemacht.

Jetzt standen wir überall auf den Fahndungslisten. Charly schaltete den Nachrichtenkanal auf ihrem Handy an. Auf dem Bild stand eine ältere Frau mit Tanga und Gymnastikanzug, die zu Helene Fischer Kniebeugen machte und wie eine verrückte klatschte. „Angi´s Warm Up“ lief gerade und ich dachte nur, wie soll das alles nur weitergehen….

Fortsetzung folgt….

© Sunny Möller

Wortkunst

Augen auf

Mach die Augen zu,
was du nicht siehst,
ist auch nicht da,

Mach die Augen zu,
in diesen Raum
kommt niemand rein,

Mach die Augen zu,
keiner sieht dich,
nur noch du.

Mach die Augen zu,
Wand, voll drauf.

Mach die Augen auf.

© Sunny Möller

Nicht vergessen! Wer mehr von meiner Poesie genießen möchte, der muss unbedingt den „Sternenläufer und das Mädchen“ lesen.

https://www.amazon.de/Sternenläufer-das-Mädchen-Poesie-Gesammelte/dp/1705420311/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&keywords=der+sternenläufer+und+das+mädchen&qid=1576655243&sr=8-1

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Über den großen Teich…

Hi! Mein Name ist Luke, ich bin Sunnys Sohn, und vorletzte Woche habe ich mich auf eine lange Reise gemacht. Ich verbringe ein Schuljahr im Ausland und zwar an der Park Center Senior High in Minneapolis MN in den USA.


© Luke Möller

Das alles hat damit gestartet, dass meine Mutter und ich letzten Sommer auf diese verrückte Idee gekommen sind, mich in die USA zu schicken. Ein großes Abenteuer, dachte ich! Cool, endlich mal den American way of life kennenlernen. Klasse. Dort werde ich ganz neu sein, ich habe noch kein festgelegtes Image. Was da aber alles für ein Papier- und Vorbereitungskram dran hängt, das wusste ich nicht. Fragebögen, Gastfamilie finden, Untersuchungen und für das Visum nach Berlin, ich dachte, ich werde verrückt. Doch dann war es endlich soweit. Der 25. August sollte mich für ein Jahr in ein neues Leben bringen. Klar, ich war schon ein paar mal geflogen, aber nie so weit von zuhause weg und nie allein. Ich würde mich morgens um 6 von meiner Familie verabschieden und in den Flieger steigen. Der Abschied fiel gar nicht so schwer, ich war viel zu aufgeregt. So lange hatte ich auf diesen Tag gewartet.


Mein Leben in einem Koffer


Der Abschied von Emma fiel am schwersten

Ich fliege über Amsterdam. Ziemlich großer Flughafen, hoffentlich schaffe ich das. Weite Wege von Gate zu Gate, ich muss mich ranhalten! Bloß nicht ablenken lassen! Das dauert mindestens ne Stunde!! Oder auch nur 10 Minuten. Ich war schnell, zu viel Schiss den Flieger nach Amerika zu verpassen. Egal, besser so, als zu spät. Ich bin total müde. So langsam wird mir klar, dass ich erst einmal auf mich allein gestellt bin. Nicht nur für den Flug, sondern auch in Amerika. Klar, ich habe Gasteltern, aber doch wird es anders sein als zuhause. Ich hoffe, sie sind nett.

Nach drei Stunden Wartezeit geht es endlich los, über den großen Teich, wie man so schön sagt. 13 Stunden Flugzeit und ein voller Airbus mit mir drin auf den Weg nach Minneapolis, Hightech Monitore mit Fernbedienung-Controller-Hybriden, Wasser in kleinen Plastikschalen anstatt in Flaschen und ab und zu kostenloses Essen wie z.B: kleine Pizzen. Aufgeregter war ich, glaube ich, noch nie!

Und dann bin ich plötzlich da. Der Flieger landet, alle gehen durch die Sicherheitskontrollen, ich bekomme Panik, dass irgendwas mit meinen Papieren nicht stimmt, aber es ist alles ok. Ich hole meinen Koffer und dann gehe ich die Rolltreppe runter wo mein Gastvater Theo auf mich wartet. Ich habe es geschafft und doch zu müde, um stolz zu sein. Ich erfahre von Theo, dass mein Gastbruder aus Madrid auch gleich ankommt. Er ist auch über Amsterdam geflogen, nur eine Stunde später.

Ich hoffe, wir mögen uns. Was, wenn er mich nicht ausstehen kann, oder ich ihn nicht. Wir werden uns ein Zimmer teilen, ein ganzes Jahr. Kann richtig cool werden oder total ätzend. Als er auf mich zukommt, ist sofort irgendwie alles klar. Das passt! Ich weiß nicht, ist es vielleicht das gleiche „Schicksal“, was wir jetzt teilen oder habe ich jetzt einen Freund fürs Leben gefunden? Ich bin echt gespannt.


© Luke Möller

Jetzt geht es in unser neues Zuhause…zuhause, ich bin gespannt. In einer Woche geht die Schule los. Viele Grüße vom andern Ende der Welt,

Euer Luke