Allgemein

Über den großen Teich…

Hi! Mein Name ist Luke, ich bin Sunnys Sohn, und vorletzte Woche habe ich mich auf eine lange Reise gemacht. Ich verbringe ein Schuljahr im Ausland und zwar an der Park Center Senior High in Minneapolis MN in den USA.


© Luke Möller

Das alles hat damit gestartet, dass meine Mutter und ich letzten Sommer auf diese verrückte Idee gekommen sind, mich in die USA zu schicken. Ein großes Abenteuer, dachte ich! Cool, endlich mal den American way of life kennenlernen. Klasse. Dort werde ich ganz neu sein, ich habe noch kein festgelegtes Image. Was da aber alles für ein Papier- und Vorbereitungskram dran hängt, das wusste ich nicht. Fragebögen, Gastfamilie finden, Untersuchungen und für das Visum nach Berlin, ich dachte, ich werde verrückt. Doch dann war es endlich soweit. Der 25. August sollte mich für ein Jahr in ein neues Leben bringen. Klar, ich war schon ein paar mal geflogen, aber nie so weit von zuhause weg und nie allein. Ich würde mich morgens um 6 von meiner Familie verabschieden und in den Flieger steigen. Der Abschied fiel gar nicht so schwer, ich war viel zu aufgeregt. So lange hatte ich auf diesen Tag gewartet.


Mein Leben in einem Koffer


Der Abschied von Emma fiel am schwersten

Ich fliege über Amsterdam. Ziemlich großer Flughafen, hoffentlich schaffe ich das. Weite Wege von Gate zu Gate, ich muss mich ranhalten! Bloß nicht ablenken lassen! Das dauert mindestens ne Stunde!! Oder auch nur 10 Minuten. Ich war schnell, zu viel Schiss den Flieger nach Amerika zu verpassen. Egal, besser so, als zu spät. Ich bin total müde. So langsam wird mir klar, dass ich erst einmal auf mich allein gestellt bin. Nicht nur für den Flug, sondern auch in Amerika. Klar, ich habe Gasteltern, aber doch wird es anders sein als zuhause. Ich hoffe, sie sind nett.

Nach drei Stunden Wartezeit geht es endlich los, über den großen Teich, wie man so schön sagt. 13 Stunden Flugzeit und ein voller Airbus mit mir drin auf den Weg nach Minneapolis, Hightech Monitore mit Fernbedienung-Controller-Hybriden, Wasser in kleinen Plastikschalen anstatt in Flaschen und ab und zu kostenloses Essen wie z.B: kleine Pizzen. Aufgeregter war ich, glaube ich, noch nie!

Und dann bin ich plötzlich da. Der Flieger landet, alle gehen durch die Sicherheitskontrollen, ich bekomme Panik, dass irgendwas mit meinen Papieren nicht stimmt, aber es ist alles ok. Ich hole meinen Koffer und dann gehe ich die Rolltreppe runter wo mein Gastvater Theo auf mich wartet. Ich habe es geschafft und doch zu müde, um stolz zu sein. Ich erfahre von Theo, dass mein Gastbruder aus Madrid auch gleich ankommt. Er ist auch über Amsterdam geflogen, nur eine Stunde später.

Ich hoffe, wir mögen uns. Was, wenn er mich nicht ausstehen kann, oder ich ihn nicht. Wir werden uns ein Zimmer teilen, ein ganzes Jahr. Kann richtig cool werden oder total ätzend. Als er auf mich zukommt, ist sofort irgendwie alles klar. Das passt! Ich weiß nicht, ist es vielleicht das gleiche „Schicksal“, was wir jetzt teilen oder habe ich jetzt einen Freund fürs Leben gefunden? Ich bin echt gespannt.


© Luke Möller

Jetzt geht es in unser neues Zuhause…zuhause, ich bin gespannt. In einer Woche geht die Schule los. Viele Grüße vom andern Ende der Welt,

Euer Luke

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Allgemein, Wortkunst

Freier Wille?

Wenn du mich fragst, was ich will,
frag ich mich selbst, was ich will,
was ich wollen sollte, sollte ich,
könnte ich, müsste ich, nicht wollen
wollen?

Und dann frag ich mich, will ich das,
oder will ich nicht, will nicht mehr
wissen, wolltest du oder wollte ich,
in dem ganzen Willen zum Wollen,
hab ich vergessen, was ich eigentlich
wollte.

Was ich will? Freien Willen oder die
Freiheit zum Wollen?

(c) Sunny Möller

Wortkunst

Mutter Courage

Beherztheit, Mut und Unerschrockenheit,
Mutter Courage schneidet mir ins eigne Fleisch,
die Schlampe mit dem schönen Namen,
ist nicht nett, kam plötzlich unerwartet,
einfach so vorbei.

Zu Gast war grad das Muffensausen,
Feigheit und Beklemmung im Gepäck.
Diese Sippschaft mag ich gar nicht leiden,
alle drei, die Drecksbanausen.

Wandern wie Krätze in die Haut,
unbemerkt, kein bisschen laut.
Ich bin das nicht, das kann nicht sein,
mein Name ist Mutter Courage,

mit einem Hüftschwung wie zehn Elefanten,
und mit all den gefühlten Abgesandten,
geh ich weinend vor dir her,
und tu so, als ob´s vom Lachen wär.

© Sunny Möller

Allgemein, Stimmungslage

Von Ängsten und Socken

Ich bin schön, intelligent, kreativ und unglaublich selbstbewusst. Ich habe zwei phantastische Kinder und nach dem Scheitern meiner Ehe einen Mann gefunden, der mich glücklich macht. Mein Leben ist perfekt.

Ist das so?

Definitiv!

Bin ich dankbar?

Selbstverständlich!

Habe ich Angst?

Ständig.

Ich habe lange überlegt, ob ich darüber schreiben kann, ob ich das in die Welt hinausposaunen will. Ich glaube, dass es viele von mir da draußen gibt, die zwei Welten in sich vereinen. Jedenfalls möchte ich das glauben, wenn ich die ganzen schönen, intelligenten, kreativen und unglaublich selbstbewussten Menschen da draußen sehe. In der einen Welt begleitet mich die Angst. Angst unvollkommen zu sein, zu dumm, zu langsam, zu wenig erfolgreich, zu krank um gesund zu sein und zu arm, um reich zu sein. Dauernd trampeln diese Selbstzweifel und Ängste auf mir herum und ich weiß nicht einmal warum. Und in dieser Angst bin ich nicht konsequent.

Nehmen wir an, die Angst ist die Kälte und ich sitze nackt in ihr. Etwas anzuziehen wäre jetzt eine vernünftige Lösung, oder, um sich den Ängsten ganz zu ergeben, nackt zu bleiben und zu erfrieren. Beide Vorgehensweisen bieten eine Lösung. Doch ich wähle keine von ihnen. Ich ziehe mir eine Socke an. Damit wird mir zwar nicht warm, aber zumindest erfriere ich nicht sofort.

Wenn ich dann doch glaube, es zu schaffen, bin ich schon auf dem Weg in den Wald, habe Angst vor der Dunkelheit und beschwere mich über den fehlenden Lichtschalter.

Ich trage also Ängste vor mir her, bei denen ich nicht bereit bin, sie zu überwinden. Es zieht sich wie Kaugummi durch mein Leben und bleibt an jeder neuen Angst kleben, um sie mit ins Boot zu holen. Warum ist das so?

Lösungen, so gut sie auch durchdacht und logisch erscheinen, bediene ich mit einem:“Du hast recht, aber…“ Brauche ich diese Ängste, um mich am Leben zu fühlen? Hat die Vergangenheit so viel hinterlassen, dass ich mich aus der Angst heraus nicht neu erfinden kann? Ist meine Angst vorm Scheitern größer als die Angst selbst?

Ich hoffe, es wird bald Frühling.

© Sunny Möller

Allgemein

Schau mal hin!

Eier, Milch, vielleicht ein bisschen Aufschnitt, wie hieß noch mal dieser Käse, den die Kinder so gerne mögen? Irgendwelche Termine diese Woche? Bald ist Weihnachten, ob es wohl endlich mal schneit?……..Kopf hoch, Sunny! Gesichter, schau mal hin! Sie erzählen etwas! Sie hinein!

…Ich frage mich die ganze Zeit, warum er nicht anruft? Er hat gesagt, der Abend sei grandios gewesen und er ruft die Tage an, was heißt denn, „die Tage“?…

…und wenn es doch was Schlimmes ist, was ist, wenn es Krebs ist? Der Arzt hat so komisch geguckt. „Jetzt machen Sie sich mal keine Sorgen, Frau Kinter!“ Ich habe solche Angst…

…Wenn sie mich jetzt noch einmal in der Öffentlichkeit ´mein Moppelchen´ nennt, krieg ich ´nen Anfall und nenne sie Hängetittchen. Es gab mal Zeiten, da hat sie mich Hengst genannt, da war ihr Busen auch noch weiter oben. Liebe ich sie eigentlich noch?…

…65, ab morgen bist du Rentner Karl, blödes Gefühl, irgendwie. Du hast jetzt immer frei Karl, gutes Gefühl, irgendwie…

…ich hab 2 Fünfen, schon wieder 2 Fünfen, Ole hat gesagt, ich bin zu doof zum Atmen, Papa wird stinksauer sein, ich will gar nicht nach Hause gehen…

…ein Baby, ein Baby, ein Baby, ich glaub es wird ein Mädchen, wie sag ich das Mike, ob er sich freut?…

So viele Gesichter, so viele Geschichten. Alte, Junge, große Nasen, kleine Ohren, kurze Beine, lange Haare, große Augen, schmale Hände, einzigartig jedes Mal! Hinsehen, aufnehmen, ansehen, lächeln, denken, mitfühlen, raten, fragen, erkennen, zuhören, mitgehen.

Schaut mal hin!! Jeder Mensch ein Buch!

© Sunny Möller

Allgemein

Der Sternenläufer und das Mädchen

„Du wirst gehen, sie zu finden. Erkennen wirst du sie, denn sie ist eine Suchende. Ihr Blick wird dich fragen, ob du die Antwort kennst. Die Antwort auf ihre Fragen, die sie nicht stellt. Die du dennoch kennst, begreifst, in dich aufnimmst und berührst. Eile dich, Sternenläufer, denn die Zeit ist nicht dein Freund. Gib ihr dein Licht und so werdet ihr finden, die Antwort, die Fragen, das Glück, um zu sehen, was verborgen, im Anfang, als ganzen Teil vom Stück.“

Dunkel war der Wald, in den sie trat. Die Wege nicht sichtbar, jedes Geräusch verschluckt von Natur. Ihr Kopf war leer. Sie musste finden, hatte Fragen, ohne Antwort, kein Sinnen zum Morgen. Vielleicht sollte sie rufen, flehen, wimmern vielleicht. Die Angst fraß die Wünsche, brach Handeln sogleich. Nur laufen, vielleicht kommst du an, am Ende des Anfangs, ist der Anfang das Ziel. Zu viel? Worte, oft sinnlos, ohne Inhalt gewählt. Gibt es da etwas, ein Jemand, der hilft?

Sei still, im Schweigen sind Worte, ausgesprochen im Geist. Plötzlich wird es heller, Gegenwart fühlbar, ganz nah und trotzdem nicht da.

„Wer bist du? Wo bist du? Ich kann dich nicht sehen!“

Die Stille, sie lärmt, das Warten auf Antwort ist lauter denn je.

„Ich bin hier, mitten im Licht! Ich kann nicht viel dunkler, denn das Licht, das bin ich! Komm einfach näher, hab keine Furcht, ich gebe dir Antwort, still deinen Durst!“

Näher und näher kam sie der Stimme, von Magneten gezogen, hin zu dem Licht. Eine Hand löste sich aus diesem Schein, ihre zu greifen, nicht mehr allein. Augen in Augen, Seelen berühren, verführen zum Bleiben, einfach zu sein.

„Sag mir die Antwort, gib mir den Halt! Kann nicht länger warten, so einsam und kalt!“

Das Licht wird noch heller und wärmer zugleich.

„Du brauchst sie nicht, diese Antworten. Du brauchst Fragen, ein Leben lang. Denn Antworten sind Stillstand, mit dir nicht verwandt.“

(c) Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich

„Hangman“ oder: Der erste Thriller entsteht!

Der erste Roman ist geschafft und es hat wirklich eine kleine Ewigkeit gedauert, ihn nach außen zu tragen. In mir brodelte es, ich wollte meine lustige Seite der Welt verlassen und in die Abgründe der menschlichen Psyche eintauchen. Ein Thriller soll es diesmal sein. Begleitet mich ein kleines Stück, wenn ich hier und da einmal einen kleinen Kieselstein fallen lasse! ❤

…Rebecca schaute sich die Linien in ihren Händen an. Ihre Lebenslinie war in der Mitte unterbrochen. Was bedeutete das? Bedeutete es überhaupt etwas? Dass sie nicht mehr lange leben würde? Wenn sie jetzt zu einer Wahrsagerin ginge, konnte die ihr sagen, in welchem Alter die Linie unterbrochen war? Wann sie sterben müsste? Und wie viele Jahre hatte überhaupt eine normale Lebenslinie? Wenn sie zum Beispiel bei jedem Menschen hundert Jahre zählt und sie war im oberen Drittel unterbrochen, Rebeccas Linie war im oberen Drittel unterbrochen, dann hatte sie doch mindestens sechzig oder siebzig Jahre zu leben. Das war doch gar nicht so wenig, dann war ihre Lebenslinie doch an einer erträglichen Stelle unterbrochen. Was bedeutete es aber, wenn diese Linie danach noch weitergehen würde? Dass man eine zweite Chance bekam und dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen war? Sie küsste die Innenseite seiner Handfläche. Seine Linie endete heute, egal was sich auf seiner Hand abgezeichnete, Rebecca würde diese Linie heute trennen. Sie tastete in ihrer Tasche nach etwas Kühlem, Glatten. Das Messer schien etwas von dem Innenfutter zerschnitten zu haben. Der Mann im Laden hatte nicht gelogen. Es war scharf. Es war ein klassisches Filetiermesser von erlesener Qualität. „Sie werden das Rinderfilet nicht einmal anfrieren müssen, um ein perfektes Carpaccio damit zuzubereiten!“ Der Verkäufer hatte das Messer liebevoll getätschelt, als er es ihr zeigte. Rebecca würde jetzt seine Aussage auf die Probe stellen. Ob die Konsistenz eines Herzens dem Filet wohl ähnlich war…..?

© Sunny Möller