Wortkunst

Mutter Courage

Beherztheit, Mut und Unerschrockenheit,
Mutter Courage schneidet mir ins eigne Fleisch,
die Schlampe mit dem schönen Namen,
ist nicht nett, kam plötzlich unerwartet,
einfach so vorbei.

Zu Gast war grad das Muffensausen,
Feigheit und Beklemmung im Gepäck.
Diese Sippschaft mag ich gar nicht leiden,
alle drei, die Drecksbanausen.

Wandern wie Krätze in die Haut,
unbemerkt, kein bisschen laut.
Ich bin das nicht, das kann nicht sein,
mein Name ist Mutter Courage,

mit einem Hüftschwung wie zehn Elefanten,
und mit all den gefühlten Abgesandten,
geh ich weinend vor dir her,
und tu so, als ob´s vom Lachen wär.

© Sunny Möller

Allgemein

Wann sind wir in Sicherheit?

Ich sitze mit meinen beiden Kindern im Keller. Ingrid wimmert leise vor sich hin, Tränen laufen über ihre Puppe, die zu Weihnachten ein neues Kleidchen bekommen hat. Über unseren Köpfen dröhnen laute Motoren und man hört die Einschläge unzähliger Bomben, die auf unsere Stadt niederfallen. Jeder Einschlag lässt mein Blut in den Adern gefrieren. Werden wir leben, werden wir überleben? Ich spüre die Liebe und gleichzeitig mischt sich darunter verheerend die Angst. Mein Sohn Heinz lässt es nicht zu, Schwäche zu zeigen. Er ist dreizehn, bald schon ein Mann und doch viel zu kurz ein Kind. Mein Mann, ich weiß nicht wo mein Mann ist, ob er noch lebt, seit einem Monat kein Brief. Unser Haus beginnt zu erzittern, Sandstein rieselt über unsere Köpfe. Jetzt fängt auch Heinz an zu weinen, wieder ein Kind, beide Kinder rücken näher zu mir. „Mama, Mama, wann hört das auf? Wann sind wir wieder in Sicherheit? ich habe solche Angst. Ich hab dich so lieb.“ Ingrid vergräbt ihren Kopf an meiner Brust, ihr kleiner Körper zittert, ich kann nichts tun, außer Liebe zu geben bis nichts mehr geht.

(erzählt von meiner Oma Emmi immer und immer wieder)

Ich möchte mir nicht anmaßen, wo die Angstgrenze bei jedem einzelnen liegt, doch dieser Tage in sozialen Medien zu posten, man sei in Sicherheit, lässt mich dann und wann etwas erschaudern. Welche Wertung hat dann noch ein ausgewachsener Hurrikan oder ein Tsunami, der Tausende Menschen in den Tod reißt? Oder brauchen wir alle ein bisschen „Todesangst“ um uns lebendig zu fühlen? Nichts desto trotz hoffe ich, ihr habt alle die stürmischen Zeiten überlebt und genießt das lange Wochenende.