Wortkunst

Mutter Courage

Beherztheit, Mut und Unerschrockenheit,
Mutter Courage schneidet mir ins eigne Fleisch,
die Schlampe mit dem schönen Namen,
ist nicht nett, kam plötzlich unerwartet,
einfach so vorbei.

Zu Gast war grad das Muffensausen,
Feigheit und Beklemmung im Gepäck.
Diese Sippschaft mag ich gar nicht leiden,
alle drei, die Drecksbanausen.

Wandern wie Krätze in die Haut,
unbemerkt, kein bisschen laut.
Ich bin das nicht, das kann nicht sein,
mein Name ist Mutter Courage,

mit einem Hüftschwung wie zehn Elefanten,
und mit all den gefühlten Abgesandten,
geh ich weinend vor dir her,
und tu so, als ob´s vom Lachen wär.

© Sunny Möller

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Wortkunst

Dreh dich

Ich drehe mich,
ständig, hin und her,
auf engstem Raum,
unbekannte Schultern,
keine Wahl der Berührung,
starre in fremde Gesichter,
verschwommen, zu schnell vorbei,
kann gar nichts sagen,
verschlossen die Tür,
jetzt geht es schneller,
unaufthaltsam zum Ende,
das Wasser nicht mehr am Hals,
der Blick wird schon klarer,
der Ausgang in Sicht.
Eine Hand greift mich,
ich fühle mich frei.
Für den einen bin ich Wäsche in der Maschine,
für den andern, gewaschene Seele, ganz neu.

© Sunny Möller

Wortkunst

Alles auf Anfang

Laufe los, geradeaus,
Ziel voraus.
Welches Ziel, fragst du mich,
weiß ich nicht, sage ich.

Ganz egal, immer weiter,
wie das Männchen auf der Leiter,
welche Leiter und wohin,
weiß ich denn, wo ich bin?

Viel zu hoch um umzukehren,
zurück auf der Leiter, siehst du nichts,
weiter hoch ist ungewiss.

So bleib ich stehn´ und warte mal,
doch kommt ein Sturm und stößt mich runter,
kralle ich mich fest und denk mitunter,
der Mut zum Laufen war zwar da,
das Ziel hingegen gar nicht klar.

So denke ich, beim Fall zum Boden,
bestimmt ist es nicht viel,
du fängst wieder mal von vorne an,
und doch ist der Anfang auch ein Ziel.

© Sunny Möller

Wortkunst

Sprichwörtlich

Aus, Maus, Blumenstrauß,
Ende Gelände,
Zappenduster sagte er, es werde Licht,
doch alte Besen kehren nicht,
denn die Lügen mit den kurzen Beinen,
kommen nur auf langen Strecken,
sind die Gänse hinten fett,
und der Hase liegt im Pfeffer,
mit dem Brett vorm Kopf
und den Nagel obendrauf,
könnte ich ne ruhige Kugel schieben,
lass die Kirche schön im Dorf,
ohne Sockenschuss und Vogel,
mach ich mich mal jetzt vom Acker
und Hand aufs Herz
und durch die Blume ins Gesicht,
den roten Faden verlier ich nicht.

 

© Sunny Möller