Wortkunst

Gebrauchter Glanz

Es glänzt so schön,
so neu und unverbraucht.
Es fällt, lange Kratzer bilden sich,
verdecken macht es nur noch schlimmer.
Stell es fort,
soll so niemand sehen, will ich nicht sehen,
so matt und längst verbraucht.
Es schimmert, bricht das Licht,
besonders durch die Kratzer.
Es glänzt so schön,
so neu, wenn auch gebraucht.

© Sunny Möller

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Allgemein, Stimmungslage, Wortkunst

Der Erdbeermund

Eine verliebte Ballade für Yssabeau d’Außigny

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir, und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mir wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund…
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hats auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart
für mich so tief im Haar verwahrt…
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal, im Aschengrund…
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!

… ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

© Paul Zech

Allgemein, Wortkunst

Freier Wille?

Wenn du mich fragst, was ich will,
frag ich mich selbst, was ich will,
was ich wollen sollte, sollte ich,
könnte ich, müsste ich, nicht wollen
wollen?

Und dann frag ich mich, will ich das,
oder will ich nicht, will nicht mehr
wissen, wolltest du oder wollte ich,
in dem ganzen Willen zum Wollen,
hab ich vergessen, was ich eigentlich
wollte.

Was ich will? Freien Willen oder die
Freiheit zum Wollen?

(c) Sunny Möller

Allgemein, Stimmungslage, Wortkunst

Über die Liebe…

Lyrik, Dramen, eigenes Empfinden. Ich war auf der Suche nach meiner engsten Vertrauten, der Liebe. Ich wollte sie fassen, sie benennen, ihr eine Form geben, um sie zu verstehen.

Sie sträubt sich, zeigt mir immer neue Gesichter, wandelt sich vom schönsten Schein zur Angst einflößenden Fratze. Sie will nicht, dass ich sie ertappe, in einer ihrer Metamorphosen. Sie versteckt sich, kommt und geht, wann sie will.

Hält mir die Augen zu, nimmt meine Hand, führt mich über Schluchten, um mich in die tiefste zu stürzen. Sie lässt nicht mit sich reden, jede Verhandlung ohne Erfolg. Sie zeigt kurz und arrogant ihr Gesicht, die Amazone unter den Gefühlen.

Bringt neue Begleiter mit auf ihren Weg. Leidenschaft, Verlangen, Hingabe und die schlimmste ihrer Verwandten, die Bedingungslosigkeit. Kommen sie zusammen, ergibst du dich hilflos. Freier Wille? Vielleicht! Bis wann? Unbeantwortet.

© Sunny Möller

Wortkunst

Mutter Courage

Beherztheit, Mut und Unerschrockenheit,
Mutter Courage schneidet mir ins eigne Fleisch,
die Schlampe mit dem schönen Namen,
ist nicht nett, kam plötzlich unerwartet,
einfach so vorbei.

Zu Gast war grad das Muffensausen,
Feigheit und Beklemmung im Gepäck.
Diese Sippschaft mag ich gar nicht leiden,
alle drei, die Drecksbanausen.

Wandern wie Krätze in die Haut,
unbemerkt, kein bisschen laut.
Ich bin das nicht, das kann nicht sein,
mein Name ist Mutter Courage,

mit einem Hüftschwung wie zehn Elefanten,
und mit all den gefühlten Abgesandten,
geh ich weinend vor dir her,
und tu so, als ob´s vom Lachen wär.

© Sunny Möller

Wortkunst

Dreh dich

Ich drehe mich,
ständig, hin und her,
auf engstem Raum,
unbekannte Schultern,
keine Wahl der Berührung,
starre in fremde Gesichter,
verschwommen, zu schnell vorbei,
kann gar nichts sagen,
verschlossen die Tür,
jetzt geht es schneller,
unaufthaltsam zum Ende,
das Wasser nicht mehr am Hals,
der Blick wird schon klarer,
der Ausgang in Sicht.
Eine Hand greift mich,
ich fühle mich frei.
Für den einen bin ich Wäsche in der Maschine,
für den andern, gewaschene Seele, ganz neu.

© Sunny Möller