Allgemein, Autorenquatsch

Mach ma ne Maske!

Kaffeetrinken mit der besten Freundin, versteckt in einer Ecke auf der Terrasse. In der Ferne hört man die Kinder spielen.

„Wie geht es deinem Fuß?“

Charly guckt mich gequält an.

„Und dein Rücken?“

„Geht gerade, ich mach Pinterest!“

„Wie, du machst Pinterest? Ich dachte, das ist so ne Bastelplattform.“

„Nee, da geht alles. Yoga, Pilates, Rückentraining, Ernährung, Styling, Hautpflege, alles!“

Charly guckt mich ganz interessiert an.

„Und was machste da so?“

Hatte sie mir nicht zugehört?

„Yoga, Pilates, Rückentraining, Ernährung, Styling, Hautpflege, alles!“

„Und wie sieht dein Plan dann so aus? Ich meine, du musst ja zwischendurch auch noch mal arbeiten.“

„Alles ne Challenge, Charly! Zack, zack, 10 Tages-Challenge, 6-Wochen-Challenge und jede Einheit nie mehr als 10 Minuten. Ich starte morgens mit der Yipiiehhh-Yoga-Challenge, zwichendurch ein Detoxdrink mit ganz viel Gurke und auf dem Weg zur Arbeit gehe ich die Styling-Tipps durch und mache mir Gedanken um das Pflegeprogramm am Abend. Ach fast vergessen, zwischendurch Pillenpilates, Vitamin A, Übung, Vitamin B, Übung und so weiter.“

Charly ist sichtlich beeindruckt.

„Mir ist das Zuhören schon zu anstrengend. Ich bin zu fett. Meine Hose ist geplatzt.“

Sie steht breitbeinig mit dem Rücken zu mir, ihr Kopf bewegt sich zwischen die Beine und sie sucht den Riss in ihrer Jeans.“

Ich finde ja, sie hat eine wunderbare Figur, aber wenn Charly sagt sie ist fett, dann duldet sie keinen Widerspruch. Ich versuche es trotzdem.

„Süße, bei so alten Hosen ist das Material aber auch irgendwann durch.“

„Die hab ich erst letztens gekauft!!!“

„Die Jeans heute sind aber auch nicht mehr von so guter Qualität.“

Ich lächle sie an. Sie kommt wieder hoch.

„Aber ich war heute bei Rossmann und hab mir ne Fußmaske gekauft. Hammer, so mit Lotion getränkte Tücher. Die wickelst du um die Füße und ziehst dann solche Plastiksocken drüber.“

„Trägst du die die ganze Nacht?“

„Bist du irre? Diese Lotion ist so reichhaltig, dass dir die Füße morgens abfallen würden!“

Ich stellte es mir bildlich vor. Immerhin hätte sie dann keine Schmerzen mehr.

„Aber die sind voll teuer und du kannst sie nur einmal benutzen. Ich hab mir schon überlegt, ob ich mir einfach dick Schrundensalbe auf die Füße schmiere und Gefrierbeutel über die Füße ziehe. Müsste den gleichen Effekt haben.“

Ich musste laut lachen und gleichzeitig daran denken, dass ich mir neulich einen breiten Schal wie ein Korsett umgewickelt hatte, weil mir der Lendenwirbel so weh tat. Hat wirklich geholfen.

„Charly, was ist nur aus unseren Beautyabenden mit Prosecco und Gesichtsmaske geworden und wann landeten die Dessous unter den Baumwollschlüpfern?“

Sie schaut mich verträumt an.

„Also, Prosecco hätte ich.“

© Sunny Möller

 

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Allgemein

Licht aus!

Endlich ist meine Lieblingsfreundin Charly aus dem Urlaub zurück. Das musste natürlich gefeiert werden. Sie sah toll aus, was zwei Wochen in der Sonne so ausmachen können. Und sie hatte den Sommer von ihrer Reise gleich mitgebracht. Sie guckte dauernd auf ihre Uhr.

„Wie spät ist es?“

„Gleich halb sechs. Wieso? Hast du noch was vor?“

Sie schaute mich leicht gestresst an.

„Ich bin um sechs noch mit Malte verabredet. Er hat schon zehnmal angerufen und jetzt sind wir zum Spazierengehen verabredet.“

Ich will mich ja zu keiner Vorverurteilung betreffend der Namensgebung hinreißen lassen, aber ich bin bei allen Maltes, Sönkes, Nisses, Bosses Eikes und Lasses immer ein bisschen zurückhaltend. Als Milchbauer, okay und einem Greenpeace Aktivisten namens Lasse vertraue ich auch voll. Ich stell mir jedes Mal vor, wie ich beim Knutschen erregt ihren Namen sage. „Oaaahh, Nisse!“ Fängt gleich an, der Kopf zu jucken. Fällt mir gleich noch Moritz ein, Moritz geht auch schlecht. Wie bescheuert ist das denn? Vielleicht sind mir dadurch schon die besten Kerle durch die Lappen gegangen.

Bis auf einmal musste ich auch nie die Entscheidung treffen, meine Namensphobie zu überwinden. Der Liebe wegen habe ich es einmal getan, jetzt bin ich geschieden. Hat aber sicherlich nichts mit dem Namen zu tun…

„Was will dieser Hinnerk denn von dir?“

„Er heißt Malte (Falte, Spalte, lallte, dachte ich). Gar nichts, wir können uns einfach toll unterhalten. Du kannst gerne noch hierbleiben, aber ich will jetzt noch duschen und Haare färben.“

„Ganz schön viel Aufwand für reden und spazieren gehen.“

„Halt die Klappe!“

Am nächsten Tag sind wir ziemlich früh zum Frühstücken verabredet. Eine WhatsApp kündigt sie etwas später an. Na ja, vielleicht hat es ja doch ein bisschen mit Hauke gefunkt. Ich war gespannt.

„Und, wie war´s?“

„Ganz nett. Er hat bei mir übernachtet.“

Das klang nach „OHHH, Bosse Sex“.

„Falls du wissen willst, ob da was gelaufen ist, nein, nix. Er hatte keine Kondome dabei.“

„Hattest du keine?“

„Doch, aber ich wollte nicht.“

„Warum denn nicht?“

„Weil er eigentlich gar nicht mein Typ ist. Er hat so kleine Augen, das macht mich ganz nervös.“

„Warum hat er dann bei dir geschlafen?“

„Weil ich ihn im Dunkeln total schön fand. Sein Gesicht fühlte sich total schön an. Im Dunkeln sieht er total gut aus.“

„Aber es wird ja auch irgendwann wieder hell!“

„Ja.“

„Und jetzt?“

„Die Tage werden ja schon wieder kürzer.“

Na dann, Sönke, Licht aus, George Clooney an!

© Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich

Sport und rote Augen

„Hast du geheult?“

Charly schaute mich besorgt an.

„Nein.“

„Aber dein eines Auge ist so rot und hängt irgendwie so komisch runter.“

„Ich habe Sport gemacht!“

„Und dir dann die Walkingstöcke ins Auge gerammt?“

„Nein. Ich war im Garten. Du weißt doch, Gartenarbeit ist auch Sport.“

Sie nippte überlegend an ihrem Wein.

„Aber warum ist dein Auge dann so rot?“

Sie ließ einfach nicht locker.

„Das war die Stachelbeere!“

Sie fing an zu lachen, während sie noch Wein im Mund hatte und der tropfte ihr jetzt wie Blut aus der Nase.

„Ahhhh, die böse Kampfstachelbeere also. War das die im Rambooutfit? Mit Stirnband und Patronenhalfter?“

„Bist du bescheuert?“

„Iiiihhh, komm her du kleiner Gartentriathlet, ich bin´s, Stacho, ich mach dich fertig! Und ich hab noch meine Freunde Radotzko Radieschen und Mecki Mangold mitgebracht!“

„Nein, du blöde Kuh! Ich habe versucht den alten Stachelbeerbusch auszugraben, der der schon tot war. Ich wollte ihn mit dem Spaten hoch hebeln und dann bin ich abgerutscht und hab mir den ganzen Busch ins Gesicht gejagt.“

„Ach so.“

„Ja.“

„Dafür siehst du dann aber doch noch ganz gut aus.“

„Danke.“

Ich war etwas besänftigt.

„Und was machen die Männer?“

„Um es mal in der Gartensprache zu sagen: Mein Acker liegt brach und im Baum sitzt nicht ein Vogel.“

„Weinchen?“

„Gerne.“

© Sunny Möller