Alltagstauglich

Der erste Kuss

Erinnert ihr euch noch an euren ersten Kuss? Ich schon. Ich war bestens vorbereitet. Ich hatte ungefähr mit 12 angefangen mir unterschiedliche Kusspartner zum Üben vorzunehmen. Als erster musste Bobo herhalten, ein riesiger Teddy, den ich auf dem Jahrmarkt gewonnen hatte. Er machte allerdings nicht gut mit, außerdem verlor sein pinkes Billigfell ständig Haare, die ich mir anschließend aus dem Mund fummeln musste. Mein nächstes Opfer war Dolly, nein, nicht das Schaf, sondern eine riesige Babypuppe, die zumindest ein glattes Gesicht hatte. Es lief ganz gut, aber irgendwann hatte sie von der ganzen Knutscherei keine rosa Lippen mehr und auch keine Augenbrauen (fragt nicht). Ich versuchte sie mit Filzstiften wieder aufzumöbeln, wonach sie aussah wie eine Babydragqueen.

Es musste unbedingt ein lebendiger Kusspartner her. Meine Freundin und ich sprachen über nichts anderes mehr.

Gibt es gute und schlechte Küsser? Werde ich eine gute Küsserin sein? Wer küsst wen zuerst? Kann ein schlechter Küsser ein guter Küsser werden, beim richtigen Kusspartner? Weiß man es, wenn man ihn sieht? Spricht der Mund eine Kussvorschau aus? Küssen volle Lippen besser als schmale, ist der Druck entscheidend, oder die Kopfneigung? Was ist mit der Größe der Nase? Kann sie stören, wenn die Küsse leidenschaftlicher werden? Passt jeder Mund zu jedem anderen, oder gibt es auch da die Topf-Deckel-Theorie? Macht die Übung den Meister? Hält man dabei den Kopf, die Taille, streicht man durch die Haare?

Irgendwann war es endlich soweit. Klassenfahrt nach Langeoog. Ich bin 13, Ben auch. Sunny 1,76, Ben nicht. Egal, im Sitzen sind wir gleich groß. Erster Kuss, ganz schüchtern, am Strand. Weiche Lippen, zaghaft. Nach dem dritten Kuss sagt Ben: “Komm Sunny, wir küssen jetzt mit Zunge!“ Ich: “Bist du bescheuert, ich will doch nicht deine Spucke in meinem Mund haben!“

Dann mache ich Schluss!

Es wurde besser mit der Zeit, viel besser.

P.S.: Vielleicht sollte ich mal eine Kuss-Serie starten und die unterschiedlichen Kusstypen vorstellen…was meint ihr?

© Sunny Möller

Allgemein

Sehweg auf dem Gehweg

Wenn ich dich sehe und mich frage ob ich mich sehe, seh ich weg und kann das sehen, was du siehst, wenn ich dich sehe, sehe ich dann mich wenn ich weggehe, weg zu dir wenn ich umdrehe, stehe hier im vorbeigehen, einen anderen der sieht wie ich abdrehe, wehe jemand kreuzt meinen Gehweg und hält mich auf, wenn ich weg geh.

(c) Sunny Möller

Allgemein, Wortkunst

OUT NOW! Der Sternenläufer und das Mädchen

Endlich, endlich, endlich!!!

Als mir viele von Euch sagten:“Sunny, bring doch endlich mal deine Gedichte als Büchlein heraus!“, dachte ich noch, wer soll denn drei, vier Gedichte in ein Buch packen wollen? Doch es sind mittlerweile schon über 60! Beim Lesen habe ich noch einmal alle meine Gefühlswelten durchlebt und würde euch jetzt gerne in dahin mitnehmen. Ich hatte mit Kilian Soldat einen tollen Illustrator an meiner Seite, der meinen ersten Gedichtband zu etwas ganz Besonderen gemacht hat!

Ob als Geschenk, zum selbst Erleben und Abtauchen in die Tiefen meiner lyrischen Welt, der „Sternenläufer und das Mädchen“ sollte in eurem Bücherregal stehen, oder auf dem Nachttisch liegen, oder auf einer Decke am Strand…<3

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Der Sternenläufer und das Mädchen

„Du wirst gehen, sie zu finden. Erkennen wirst du sie, denn sie ist eine Suchende. Ihr Blick wird dich fragen, ob du die Antwort kennst. Die Antwort auf ihre Fragen, die sie nicht stellt. Die du dennoch kennst, begreifst, in dich aufnimmst und berührst. Eile dich, Sternenläufer, denn die Zeit ist nicht dein Freund. Gib ihr dein Licht und so werdet ihr finden, die Antwort, die Fragen, das Glück, um zu sehen, was verborgen, im Anfang, als ganzen Teil vom Stück.“

Dunkel war der Wald, in den sie trat. Die Wege nicht sichtbar, jedes Geräusch verschluckt von Natur. Ihr Kopf war leer. Sie musste finden, hatte Fragen, ohne Antwort, kein Sinnen zum Morgen. Vielleicht sollte sie rufen, flehen, wimmern vielleicht. Die Angst fraß die Wünsche, brach Handeln sogleich. Nur laufen, vielleicht kommst du an, am Ende des Anfangs, ist der Anfang das Ziel. Zu viel? Worte, oft sinnlos, ohne Inhalt gewählt. Gibt es da etwas, ein Jemand, der hilft?

Sei still, im Schweigen sind Worte, ausgesprochen im Geist. Plötzlich wird es heller, Gegenwart fühlbar, ganz nah und trotzdem nicht da.

„Wer bist du? Wo bist du? Ich kann dich nicht sehen!“

Die Stille, sie lärmt, das Warten auf Antwort ist lauter denn je.

„Ich bin hier, mitten im Licht! Ich kann nicht viel dunkler, denn das Licht, das bin ich! Komm einfach näher, hab keine Furcht, ich gebe dir Antwort, still deinen Durst!“

Näher und näher kam sie der Stimme, von Magneten gezogen, hin zu dem Licht. Eine Hand löste sich aus diesem Schein, ihre zu greifen, nicht mehr allein. Augen in Augen, Seelen berühren, verführen zum Bleiben, einfach zu sein.

„Sag mir die Antwort, gib mir den Halt! Kann nicht länger warten, so einsam und kalt!“

Das Licht wird noch heller und wärmer zugleich.

„Du brauchst sie nicht, diese Antworten. Du brauchst Fragen, ein Leben lang. Denn Antworten sind Stillstand, mit dir nicht verwandt.“

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https://www.amazon.de/Sternenläufer-das-Mädchen-Poesie-Gesammelte/dp/1705420311/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&keywords=sunny+moeller&qid=1574602802&sr=8-1

Wortkunst

Wer nichts sieht

Bei dir sein,
bedingt ohne Bedingung,
nur um zu atmen in deinem Herz,
für den Moment mit dir zu sein,
berührst mich ohne wirklich zu sein,
ertrink ich in deiner Gier,
während ich atme, nimmst du alles von mir,
was denke ich, in deinem Herzen,
dass du mich liebst und atmest mit mir?
Nimmst alle Luft, von mir und auch dir,
machst weiter, mein Herz bleibt atemlos stehen.
gehst weiter, wer nicht sieht kann auch nichts sehen.

© Sunny Möller

Wortkunst

Gebrauchter Glanz

Es glänzt so schön,
so neu und unverbraucht.
Es fällt, lange Kratzer bilden sich,
verdecken macht es nur noch schlimmer.
Stell es fort,
soll so niemand sehen, will ich nicht sehen,
so matt und längst verbraucht.
Es schimmert, bricht das Licht,
besonders durch die Kratzer.
Es glänzt so schön,
so neu, wenn auch gebraucht.

© Sunny Möller

Allgemein, Stimmungslage, Wortkunst

Der Erdbeermund

Eine verliebte Ballade für Yssabeau d’Außigny

Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund,
ich schrie mir schon die Lungen wund
nach deinem weißen Leib, du Weib.
Im Klee, da hat der Mai ein Bett gemacht,
da blüht ein schöner Zeitvertreib
mit deinem Leib die lange Nacht.
Da will ich sein im tiefen Tal
dein Nachtgebet und auch dein Sterngemahl.

Im tiefen Erdbeertal, im schwarzen Haar,
da schlief ich manches Sommerjahr
bei dir, und schlief doch nie zuviel.
Ich habe jetzt ein rotes Tier im Blut,
das macht mir wieder frohen Mut.
Komm her, ich weiß ein schönes Spiel
im dunklen Tal, im Muschelgrund…
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

Die graue Welt macht keine Freude mehr,
ich gab den schönsten Sommer her,
und dir hats auch kein Glück gebracht;
hast nur den roten Mund noch aufgespart
für mich so tief im Haar verwahrt…
Ich such ihn schon die lange Nacht
im Wintertal, im Aschengrund…
Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund.

Im Wintertal, im schwarzen Erdbeerkraut,
da hat der Schnee sein Nest gebaut
und fragt nicht, wo die Liebe sei.
Und habe doch das rote Tier so tief
erfahren, als ich bei dir schlief.
Wär nur der Winter erst vorbei
und wieder grün der Wiesengrund!

… ich bin so wild nach deinem Erdbeermund!

© Paul Zech