Alltagstauglich

Mann – glücklich

Seit „Shades of Grey“ beschäftigt mich das Thema „Mann“ relativ stark. Was brauchen sie eigentlich wirklich, um mit uns glücklich zu sein? Wollen sie uns wirklich beherrschen? Und glauben wir vielleicht, durch unser ständiges Gemecker, hätten wir den Klaps auf den Po verdient? Da Männer in Gegenwart ihrer Frauen häufig einen sehr angestrengten Blick haben, wollte ich herausfinden, ob man daran etwas ändern kann. Denn ständig dieses gequälte Blähgesicht hält auch die stärkste Frau nicht aus.

Google sollte helfen und bei den Begriffen „Mann glücklich“ ist das allererste Ergebnis: „Sextricks! So machen Sie Ihren Partner glücklich!“ Bei dem Gegenversuch „Frau glücklich“ war einer der Top 5: „Versichern Sie ihr, dass sie nicht zu dick ist….!“ Aber es geht mir ja hier um die Männer!

Was ist denn mit den guten Gesprächen? Literatur? Kunst? Probleme? Halten Männer das nur aus, um zum Schuss zu kommen? Ich wollte es nicht wahrhaben und wagte sogar einen selten vorkommenden Blick auf die zweite Google-Seite. Ergebnis: „Lassen Sie ihn in Ruhe Fußball gucken, gekühltes Bier und Tiefkühlpizza reichen zur Ernährung vollkommen aus und himmeln sie alles an, was er tut und sagt! Und wenn es nur der Rülps nach dem eben erwähnten Bier ist!“

Ist es wirklich so einfach, ist da wirklich nicht mehr? Beim zweiten Kaffee, dieses Mal mit Schuss erzählten mir die Ninas, Tinas und Sandras dieser Welt von ihren Sextricks:

Worauf fährt ER ab?

Mein Gestöhne: Angeblich gebe ich höchst erregende Töne von mir, die fast schon wie ein Röcheln klingen. Ein bisschen wie ein wildes Tier und anscheinend mache ich dabei auch ganz viel „Grrrrr“! Nina (28)

Wenn ich Lust auf einen Mann habe, fixiere ich beim Sprechen seinen Mund: Das ist sehr diskret und gleichzeitig sehr wirkungsvoll. Der Gesprächspartner wird verwirrt, bekommt aber kein eindeutiges Signal und das bringt ihn durcheinander. Probiert es aus: Er findet dich dann unglaublich sexy und kann sich selbst nicht erklären, warum! Manuela (25)

Ich bin eine begeisterte Töpferin. Vielleicht habe ich deshalb eine ganz besondere Beziehung zu Berührungen und Gegenständen. Ich sage einem Mann nie, dass ich Lust auf ihn habe, aber ich habe anscheinend eine Art, mein Glas, mein Besteck oder alles, was ich sonst in die Hand nehme, mit einer geradezu hypnotischen Sinnlichkeit zu berühren. Anke (32)

Wenn ich komme, ohne meinen Partner anzuschauen, habe ich das Gefühl, dass ich bescheiße. Ich muss ihm in diesem Augenblick ganz tief in die Augen schauen, ganz egal, in welcher Position wir gerade sind. Das macht diesen Augenblick unglaublich intensiv! Stefanie (27)

Okay, was glaubt Ihr, tue ich jetzt??? Natürlich!!!! PRAXISTEST!!!!

Samstag Abend, irgendwie zwischen Pizza, die im Ofen hochgeht, 1ter Liga und gut gekühltem Bier:

Viertel vor acht, gleich geht´s los! Mein Mann macht den Fernseher aus. Sein Team hat gewonnen, guter Start!

„Pizza, Schatz?“

„Gerne!“

„Schmeckst Dir Liebling!“

„Hmmmm, ja ganz gut!“

„Ich liebe das, wie Du hmmmm sagst, total schön!“

Er wird misstrauisch. Bitte, bitte, kein Blähgesicht!!!! Dranbleiben Sunny, dranbleiben!!!!!!

„Wie war denn Deine Woche? Erzähl mir von Deiner Arbeit! Interessiert (gähn) mich total, was du wieder Tolles erlebt hast!“

Sein Blick wird sanfter!

„Echt?“

„Ja, total!!!!“

„Also wir waren ja auf dieser Messe und da hat mein Kollege gesagt, bla, bla, bla, bla blubb, bla bla di bla bla bla bla…………….“

Das kann jetzt dauern. Ich hätte mir Nagellack mitnehmen sollen, hätte ich auch was machen können. Aber ich muss mich schon konzentrieren, damit ich zur richtigen Zeit die „Ahhhs“ und „Ohhhs“ einbaue….

 „Verstehst Du, was ich meine Sunny?“

„Total! Finde ich echt gut, wie Du das alles hinkriegst!“

„Was denn genau?“

Scheiße!

„Na alles, Schatz!“

„Danke!“

Puuuhhhhh…

„Gerne!“

Die Einleitung war schon ganz gut. Ich denke, jetzt kann ich anfangen! Ich werde es ihm so richtig besorgen und aus ihm einen glücklichen Mann machen!

Ich starrte auf seinen Mund! Er starrte irritiert zurück.

„Hab ich Salami zwischen den Zähnen? Warum glotzt du mir denn so auf den Mund?“

Ich atmete schon mal ein bisschen schneller!

„Grrrrr, ich weiß auch nicht, rrrrrrr!“

Ich nahm schnell eine Gabel in die Hand und machte lasziv mit ihr herum.

„Was hast du denn mit der Gabel vor? Pass auf, dass du sie dir nicht ins Bein stichst!“

„Würde dich das scharf machen, Schatz? Oder möchtest du mich ein bisschen stechen?“

Ahhhhh, oh Gott! Möchtest du mich ein bisschen stechen???? Du sinkst tief für eine Fallstudie, meine Liebe! Ich schaute ihn an. Er lächelte…Häähhh?

„Du bist ja ein richtig geiles Mäuschen!“

Er fuhr wirklich drauf ab!!! Und er sah richtig glücklich aus! Aus „meine Güte Sandra“ wurde „ein richtig geiles Mäuschen“……Ich brachte die Teller in die Küche. Bitte nicht, nicht mein Mann. Er ist gebildet, belesen, kultiviert!!! Er fasste mich von hinten an die Hüften.

Ich dachte an das Angucken! Wenn das nach hinten losgeht, habe ich morgen einen steifen…..Nacken!

© Sunny Möller

Werbeanzeigen
Zeitgeschehen

Grauzonen

Unvermittelt packt er mich, legt mich übers Knie und dreht sich mit einer fließenden Bewegung so, dass mein Oberkörper auf dem Bett liegt, dann schwingt er sein rechtes Bein über meine Schenkel und drückt mich mit der linken Hand nach unten, so dass ich mich nicht bewegen kann. Ach du Scheiße!

„Leg beide Hände neben deinen Kopf“, befiehlt er. Ich gehorche. „Wieso tue ich das, Anastasia?“, fragt er. „Weil ich die Augen verdreht habe“, presse ich mühsam hervor. „Darf man so etwas tun, was meinst du?“ „Nein.“ „Wirst du es noch einmal tun?“ „Nein.“ „Künftig werde ich dich jedes Mal versohlen, wenn du es tust, verstanden?“

Im Zeitlupentempo zieht er mir die Jogginghose herunter. Wie entwürdigend! Es ist entwürdigend, Angst einflößend und wahnsinnig erotisch zugleich. Mir schlägt das Herz bis zum Hals. Ich bekomme kaum noch Luft. Ob es wehtun wird?

Er legt seine Handfläche auf mein nacktes Hinterteil, tätschelt und streichelt es zärtlich. Dann ist seine Hand plötzlich verschwunden… und er schlägt zu. Und wie! Au! Meine Augen quellen beinahe aus den Höhlen vor Schmerz.

(Shades of Grey-Geheimes Verlangen/ E.L. James)

 

Ach du Scheiße! Seit Wochen höre ich es von allen Seiten. „Hast du Shades of Grey gelesen? Das ist der Hammer! Das macht total süchtig! Noch viel besser als die Twilight Romane!“

An dieser Stelle hinkt allerdings der Vergleich, weil hier ein zahnloser Glitzerblutsauger mit einem Lord of Fuck verglichen wird. Immerhin war ich neugierig geworden. Als ich mit dem Buch an der Kasse stand, lächelte mich die Verkäuferin wissend an. „Der Hammer, sag ich Ihnen!“

Ich klappe den Hammer zu! Über achtzig Prozent der Leser dieses Buches sind Frauen. Weites gehend emanzipierte Frauen wie ich, wenn man den Umfragen trauen darf. Dieser Roman hat allerdings überhaupt nichts mit Selbstbestimmung zu tun. Und trotzdem, auch ich habe ihn verschlungen und mich bei der Überlegung ertappt, ob mir diese Popohauerei irgendwie gefallen würde.

Erst letzte Woche saß ich mit einigen Freundinnen zusammen und wir sprachen über die Attribute des wahren Traummannes. „Humor muss er haben!“ „Rücksichtsvoll sollte er sein!“ „Zärtlichkeit ist mir ganz wichtig!“ „Bloß nicht so einen Macho!“ Diese Freundinnen sind große Fans von „Shades of Grey“!

Hauptdarsteller Christian Grey hat ja auch alle erwünschten Eigenschaften! Er ist ein mega erfolgreicher Geschäftsmann mit den längsten Wimpern, dem perfektesten Körper, dem charmantesten Lächeln, dem vollkommensten Benehmen und dem größten Schwanz!

Wer jetzt allerdings auf eine Romanze a la Rosamunde Pilcher hofft, sollte bei der Textprobe schon eines Besseren belehrt worden sein. Mr. Grey schließt Verträge mit seiner Gespielin, zwischen Sub und Dom (Sklavin und Meister). Regeln werden aufgestellt, was SIE essen darf, wie lange SIE schlafen muss, welche Kleidung SIE tragen soll und wann SIE frisch gewachst, gefesselt und breitbeinig vor ihm liegen soll. Seine Pflichten bestehen nur darin, sie zärtlich zu erniedrigen und es ihr anschließend so richtig zu besorgen. Und Anastasia und alle Leserinnen betteln nach mehr!

Ich frage Euch, müssen wir unser Weltbild verrücken? Wären Ehen und Beziehungen glücklicher und befriedigender, wenn uns die Jungs ab und zu den Po versohlen würden? Wollen wir hin und wieder beherrscht werden, eintauchen in die verbotene Grauzone des Frauseins?

© Sunny Möller