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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 8 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Mr. Right

Nachdem ich mich einmal querbeet durch die Männerwelt gesucht habe, um den einen, den wahren, den ultimativen Traummann zu finden, ist mir siedend heiß etwas durch den Denkapparat geschossen. Geht es denn beim Mann der Träume vornehmlich um Sex? Was ist mit gleichen Interessen, die das Zusammenleben sicherlich nicht unwesentlich auszeichnen. Ist Sex denn wirklich so wichtig?

„Also egal wie heftig wir uns streiten, nach dem Versöhnungssex kriegen wir alles wieder hin!“

Wer kennt diesen Satz nicht? Und wer kennt diese Sätze nicht? „Sex ist doch nicht das Wichtigste in einer Beziehung!“ oder „Orgasmus? Finde ich völlig überbewertet! Es ist doch einfach schön nur so zu kuscheln!“ Dieser Satz kommt vornehmlich von Frauen und wenn ich den höre, denke ich jedes Mal:“Ok Schätzchen, du hattest noch nie einen, du weißt also nicht, was du verpasst!“ Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben ihn gefunden, unseren Mr. Right und ob ihr´s glaubt oder nicht, das Spektakuläre kann so einfach sein. Und wenn ihr mich nach dem Stellenwert von Sex in einer Beziehung fragt, so würde ich ihn, sofern er gut ist, niemals ans Ende der Beziehungswünsche stellen. Vorhang auf für Mr. Right!

„Sorry Süße, ich bin zu spät!“

Ich stolpere in unser Lieblingscafé. Bettina sitzt in einem großen Ohrensessel. Sie hat sich die Schuhe ausgezogen, die Füße ebenfalls mit auf den Sessel gezogen und schlürft an einem großen Chai Latte. Sie lächelt mich beseelt an.

„Hast du was geraucht?“

Sie war nicht einmal annähernd empört und guckte mich noch bekiffter an.

„Nein. Viel besser. Ich habe ihn gefunden, den perfekten Mann. Gott, ich habe mich total in ihn verliebt!“

Da dieser Ausspruch von ihr schon des öfteren kam, nahm ich ihn nicht sonderlich ernst und bestellte mir einen Milchkaffee. Sie hörte nicht auf zu grinsen. Langsam wurde ich doch neugierig.

„Jetzt erzähl schon. Wer ist es und was kann er, was die anderen nicht konnten?“

„Wir haben geredet!“

„Wie ihr habt geredet?“

„Na ja, über Sex!“

Ich sehe schon meinen nächsten Blogtitel vor mir: „Der Erzähler“!

„Ihr habt nur darüber geredet?“

Sie genoss es, mich zappeln zu lassen.

„Er heißt John und das erste, was er mir gesagt hat, als das Sexthema angeschnitten wurde, war: Ihr seid selber schuld. Mit dieser ganzen Vortäuscherei verarscht ihr euch nur selber! Woher sollen wir wissen, was ihr wollt, wenn ihr rumstöhnt wie die Irren? Klar halten wir uns dann für den perfekten Liebhaber! Und dann hat er mich gefragt, wie ich es haben will! Weißt du Sunny, er hat mich gefragt wie ich es haben will! Ich wusste gar nicht, was ich darauf antworten sollte. Ich dachte, Männer wissen sowas!“

Das erste Mal fragte ich mich, woher sie das wissen sollten. Aus Pornofilmen, aus schlauen Männermagazinen, aus Gesprächen mit Freunden? Unnötig zu erwähnen, dass kein Mann mit einem anderen über Sex redet. Höchstens, wieviel Ritzen sie schon in ihren Erfolgsbalken gehobelt haben. Oder vielleicht von uns? Sagen wir, was und wie wir es wollen?

„Weißt du eigentlich, was dich anmacht?“

Mir fiel auf, dass wir auch noch nicht wirklich darüber gesprochen hatten. Trotz all der medialen Offenherzigkeit schämen wir uns noch wie unsere Omis vor 50 Jahren.

„Darüber habe ich dann auch nachgedacht. Also wenn ich es mir selber mache, habe ich so meine Phantasien, die mich antörnen. Meistens ist Keanu Reeves dabei. Mein selbst gemachter Sex läuft viel über den Kopf. Aber ich konnte mich doch wohl kaum nackt vor ihm ausbreiten und ihm meine erogenen Zonen vorstellen!“

„Und was hast du gemacht?“

Sie räusperte sich.

„Mich vor ihm nackt ausgebreitet und meine erogenen Zonen vorgestellt…! Zumindest die, die mir bekannt waren. Dann sollte ich seine Hand führen und er hat meine Hand genommen und dann….“

Ich schaute sie gespannt an.

„Und dann???“

„Hatte ich den besten Sex meines Lebens! Ich habe nicht gedacht, dass das so unkompliziert sein kann. Wir quatschen über alles, Sex ist mittlerweile ein öffentliches Thema, aber dass es für jeden eigentlich ein persönliches Thema ist, vergessen viele. Niemand spricht aus, was ihm gefällt, noch was ihm nicht gefällt. Am Ende rammeln wir mainstreamartig auf einander rum. Mann kommt, Frau nicht, Mann in diesem Fall einfach gestrickt, Frau nicht. Mann halbwegs befriedigt, Frau nicht. Lösung: Anfassen mit Ansage. Als wir angefangen haben, habe ich erst gar nichts gesagt und als er mich küsste und mir ins Ohr flüsterte: Ich mag es, wenn du mit der Hand meine Leiste entlang fährst und deine Fingerspitzen meinen Schwanz berühren. Ich glaube, ich bin knallrot angelaufen. Im ersten Moment war mir das so peinlich, aber gleichzeitig hat es mich so heiß gemacht, dass ich ihm gesagt habe, dass ich total drauf stehe, wenn jemand an meinen Nippeln knabbert….“

Sie fing an zu kichern. Ich war verblüfft. Klar sollte man die Interessen, Charaktereigenschaften, etc. nicht außer acht lassen, aber wenn’s darum geht, im Bett auf seine Kosten zu kommen, ist reden Gold und schweigen ein Täuschungsmanöver! Dann mal los. Falls ihr noch nicht fündig geworden seid, euer Mr. Right ist irgendwo da draußen und will wissen, wie er´s machen soll!

In diesem Sinne, danke, dass ihr mich begleitet habt auf dem Weg zu Mr. Right und ich wünsche uns allen viel Liebe und noch besseren Sex!

© Sunny Möller

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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 7 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Ed von Schleck

„Das ist wirklich bis jetzt der tollste Typ, den ich kennengelernt habe. Er sieht toll aus, hat einen coolen Job als Texter und achtet voll auf weibliche Bedürfnisse! Es ist wirklich richtig schön, alles in allem.“

Bettina und ich saßen mal wieder in unserem Lieblingscafé Und unterhielten uns über ihre neue Errungenschaft. Bei dem „alles in allem“ wurde ich hellhörig.

„Aber irgendetwas gefällt dir doch nicht. Ward ihr schon im Bett?“

„Sunny, ich kenne Ben jetzt seit einem Monat. Klar läuft da schon was.“

Euphorisch klang anders.

„Und? Ist es gut?“

Sie nahm einen ziemlich zeitaufwendigen Schluck Milchkaffee. Dann schaute sie mich etwas ratlos an.

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Vielleicht bleibe ich auch einfach alleine und kauf mir ne Katze. Ich hab mich wirklich richtig in Ben verliebt, aber ich hätte nach dem Küssen schon wissen können, dass wir vielleicht nicht optimal zusammen passen.“

„Wieso?“

„Er ist ein Spucker!“

„Wie Spucker?

„Beim ersten Kuss ging es ja noch, da ist mir das gar nicht so aufgefallen, aber der sabbert wie ein Irrer. Er beschränkt sich nicht darauf meinen Mund zu küssen, sondern leckt in weiträumigen Bewegungen rund um den Mund herum und zwar mit breit ausgestellter Zunge. Er hat sogar an meinen Augen rumgelutscht. Wenn ich ihn dann einfach packe und „normal“ küssen will, hab ich das Gefühl, auf mich rollt eine Speichelwelle zu. Ich putze mir tatsächlich zwischendurch den Mund mit dem Ärmel ab, sofern ich noch Klamotten anhabe.

Ich dachte gerade daran, was da so alles drin rum schwimmt. Klar, furztrocken küssen wäre auch komisch, aber mit Mund abputzen?

„Na und der Sex? Man sagt ja, schlechte Küsser sind auch schlecht im Bett!“

Sie guckte so, als würde sie sich gleich erst einmal einen Sekt bestellen, um meine Fragen besser zu verkraften.

„Keine Ahnung!“

„Wie, keine Ahnung!“

„Ich seh ihn kaum. Er leckt mich.“

„Häähhh?“

„Na ja, er klemmt ständig zwischen meinen Beinen. Erst leckt er meine Beine ab, dann leckt er meinen Bauch ab und nach diesem Feuerwerk an Leckerei, geht es zwischen den Beinen los. Ich weiß nicht, welche Aussage Männer zu dem Schluss haben kommen lassen, Frauen stehen total auf Lecken. Tun wir ja auch, aber doch nicht stundenlang. Wenn er wenigstens noch seine Finger mit zum Einsatz gebracht hätte, aber nein, eine halbe Stunde Zungenspitze an Kitzler. Und ja, ich habe gestöhnt und geschrien, weil meine erogene Zone einer offenen Wunde entgegen sah. Ich war froh, dass er wenigstens die Decke über den Kopf gezogen hatte. Ich hab kurz bei Facebook meine Nachrichten gecheckt.“

„Das soll doch wohl ein Scherz sein!?“

„Ich wünschte, es wäre so. Der hat doch nichts mitbekommen. Komisch, das war so ein bisschen ein Gefühl wie bei der zersägten Jungfrau. Ober- und Unterkörper hatten keine Verbindung zueinander mehr. Entweder er hat sich so in Ekstase geleckt oder er hat sich dabei einen runtergeholt. Er sah hinterher ziemlich zufrieden aus.“

„Aber warum machst du nicht deine Klappe auf und sagst ihm, dass das alles nicht so dein Ding ist?“

Sie sah mich etwas verstört an.

„Die Frage stelle ich mir auch andauernd. Ich kann das einfach nicht, manchmal glaube ich, ich weiß selber gar nicht so richtig, worauf ich stehe. Ich will ihn auch nicht als Niete hinstellen, vielleicht liegt es ja an mir. Wenn du mich fragen würdest worauf Männer so stehen, fällt mir ehrlich gesagt auch nur eine erogene Zone ein, die mit Vögeln und Blasen rundum versorgt ist. Männer reden da nicht gerne drüber.

Und wir offenbar auch nicht. Ist das unser Problem? Kann es unseren Mr. Right gar nicht geben? Weil Mrs. Right nicht ihren Mund aufmacht und sagt, was sie will? Haben wir so wenig Kontakt zu unserem Körper, dass wir gar nicht wissen, was er will und was wir wollen? Wir haben 2018 und reden immer noch nicht offen über unsere sexuellen Bedürfnisse? Stattdessen lästern wir mit Freundinnen über die vermeintlichen Versager. Wir rennen angesäuselt in „Shades of Grey“ und vergnügen uns kichernd wie kleine Mädchen, die etwas Verbotenes tun. Vermeintlich aufgeklärt rennen wir durchs neue Jahrtausend. Trotzdem erleben ca. 60 Prozent aller Frauen nie einen Orgasmus und leiden unter Orgasmusstörungen! Echt jetzt? Ernsthaft? Die Welt verkommt immer weiter zur zeigefreudigen Pornobühne und wir werden sexuell immer frustrierter, denn im echten Leben zieht niemand blank.

Keine Angst! Es gibt Hoffnung!

© Sunny Möller

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Täuschungsmanöver Teil 2 – Auf der Suche nach Mr. Right oder so ähnlich – Heute: So was von lieb!

Du erkennst sie schon am Blick! Sie schauen dich an wie frisch geborene Hundebabys, die Augenlider von rechts außen leicht nach innen geklappt. Außerdem wirken sie so, als hätten sie den Kamillentee ständig im Anschlag, nur um gegebenenfalls dein Bauchweh zu kurieren. Sie kraulen und streicheln mit einem Minimum an Berührung ständig an dir herum, nur um dir ihre Wertschätzung mitzuteilen. Das kann ja mal ganz nett sein, doch hin und wieder mögen wir doch auch, wenn Mann zupackt.

Ich wartete auf Bettina, die seit einigen Wochen ihren lieben Kollegen Johannes datete. Ich war mir sicher, dass sie etwas zum Thema beitragen konnte. Ich sah sie schon von weitem. Johannes begleitete sie. Hoffentlich würde er nicht bleiben. Ich sah schon aus der Ferne den welpenvernebelten Blick. Bettina erkannte meinen voller Panik verschrobenen Blick.

„Hallo Sunny! Der Johannes wollte mich nur kurz vorbei bringen, damit er weiß, dass ich heile ankomme. Ist das nicht süß?“

„Voll süß, der Johannes!“

Der Johannes lächelte wohlwollend. Bettina sagt, der Johannes findet mich witzig.

„Ach die Sunny wieder, du immer mit deinen witzigen Sprüchen! Zum Totlachen.“

Ja, mach doch. Bitte! Sofort. Hab ich nix gegen. Mir fiel auf, dass bestimmte Leute aus bestimmten Kreisen, gerne einen Artikel vor die Namen packen. Die Sunny ist zum Totlachen und der Johannes fällt einfach nicht um. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist. Brauchen sie diese Genuszuweisung um zwischen Jungs und Mädchen unterscheiden zu können? Artikel bezeichnet man auch als Begleiter. Brauchen sie vielleicht immer Begleiter, begleitet der Johannes deshalb die Bettina? Mist, ich gleite ab. Wollte ja eher etwas übers Besteigen als übers Begleiten schreiben. Johannes und Bettina verabschiedeten sich mit einem Bussibussikussikussi und Bettina ließ sich auf den Stuhl neben mir fallen.

„Und?“

„Was, und?“

„Wie isser so, dein Johannes?“

„Supi!“

Sie bestellte eine Flasche Sekt.

„Echt?“

„Ich bin fix und fertig!“

Wow, wer hätte gedacht, dass der Johannes die Bettina so fordern würde!

„Ist er so gut?“

„Na, wie soll ich sagen. Er ist echt total lieb. Als wir letzte Woche bei ihm waren, hatte er alles perfekt vorbereitet. Kerzen, tolles Essen, das ganze Bett voll mit Kissen dekoriert. Knutschfreudige Musik im Player….aber Johannes wollte die ganze Zeit reden. Über meine Gefühle, über meine Bedürfnisse, über seine Gefühle, über seine Bedürfnisse. Ich muss zuerst ganz in die Seele meiner Partnerin eindringen, bevor ich in sie eindringen kann, Bettina. Was will man denn auf so was antworten? Ich hab ihn dann einfach geküsst!“

„Und? War ihm das zu eindringlich?“

Ich musste innerlich lachen. Was Worte so alles hergeben!

„Er hat dann wenigstens kurz aufgehört zu reden. Aber dann kam dieses stundenlange Gestreichel. Magst du, wenn ich deine Brustwarzen berühre, Bettina, magst du, wenn ich deinen Nacken streichle, Bettina, sind die Innenseiten deiner Schenkel empfindlich, Bettina, möchtest du eine Pause machen, Bettina, soll ich dir was zu trinken holen, Bettina? Ich fühlte mich, wie beim Behindertensport. Ich glaube, ich bin zwischendurch auch mal eingeschlafen. Das fand er dann auch schön, weil er so einen beruhigenden Einfluss auf mich hat!“

„Hattet ihr denn Sex?“

„Wie man´s nimmt. Irgendwann hat er sich auf mich gelegt und sich gaaaanz langsam bewegt, fast wie in Zeitlupe. Als ich ihn fragend anguckte, lächelte er und sagte, er wolle mir zarten Person nicht weh tun. Glaub mir Sunny, bei seiner Schwanzgröße würde er nicht einmal einem Eichhörnchen weh tun.“

Aus dem innerlichen, wurde ein äußerliches Lachen.

„Die Frage, ob du deinen Spaß hattest, erübrigt sich dann wohl!“

„Ich habe es schon wieder getan! Vorgetäuscht, meine ich. Aber nach drei Stunden war ich so durchgekrault und untervögelt, dass ich so getan habe, als würde ich kommen. Habe ganz leise gefiept, damit er sich nicht erschreckt, der Johannes!“ Jetzt lachte sie auch.

„Und jetzt?“

„Muss ich sehen, wie ich ihn loswerde! Der streichelt mich sonst bis aufs blanke Fleisch!“

In diesem Sinne, der Liebe war´s dann wohl auch nicht……

Morgen oder so: Der Stellungswechsler

(c) Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich

Täuschungsmanöver Teil 1 – Auf der Suche nach Mr. Right oder so ähnlich – Heute: Der Arbeiter

Nachdem ich mir das „Shades of Grey“ Thema so einigermaßen erklärt habe, würde mich jetzt doch mal interessieren, wer denn nun unser sexual Mr. Right ist. Das Po versohlen kann ja auf die Dauer auch nicht so das Richtige sein. Warum Täuschungsmanöver? Echt jetzt? Als hätten wir nicht alle irgendwann einmal „Harry und Sally“ gesehen und hätten es selbst nicht schon mal praktiziert. Seitdem weiß sogar die männliche Bevölkerung, ja, Frauen täuschen den Orgasmus vor. Manche hin und wieder, andere ständig! Da dachte ich, warum nicht mal die unterschiedlichen Typen vorstellen, die uns so zum Vortäuschen bringen. Vom Arbeiter zum Richtigmacher. Wobei der letzte zum Schluss kommt. Im doppelten Sinne!

So erzählte mir eine Freundin gestern von ihrer neuen Errungenschaft. Nix Handtasche, nix Schuhe, Mann!

„Weißt du Sunny! Der Typ war echt heiß! Konnte gut tanzen, du weißt ja, was man über Typen sagt, die gut tanzen können?“

„Schwul?“

„Oaah, neinnn! Dass sie gut im Bett sind natürlich!“

„Und?“

Bettina verdrehte die Augen.

„Ich habe ihm nach fünf Minuten einen so lauten Orgasmus vorgespielt, nur damit ich sein Gegrunze beim Vögeln nicht mehr hören muss!“

Ich musste grinsen. Bettina war eine sexuell emanzipierte Frau, die sich holte, was sie brauchte. Leider waren hin und wieder auch Nieten dabei.

„Hast du den Herpes vom Knutschen?“

Sie verzog den Mund.

„Hör bloß auf. Ich hatte keine Lust mit ihm zu schlafen, aber der sah so unbefriedigt aus und irgendwie hat er mir leid getan. Also habe ich ihm einen geblasen. Ich habe ihm noch gesagt, er soll bescheid grunzen, wenn er kommt! Sagen, natürlich habe ich sagen gesagt!“

„Und?“

„Er hat mir die Ohren zugehalten!“

„Ohhh! Kenn ich ihn eigentlich?“

„Keine Ahnung! Marko Keiler, arbeitet irgendwo im Marketing!“

Ich musste schlucken! Klar kannte ich Marko! Heiß, heißer, Flachpfeife! Na ja, schlucken musste Bettina anscheinend auch, so ohne was zu hören… 🙂

Ich hatte Marko in einem dieser hippen Hamburger Clubs kennengelernt. Eigentlich so eine typische Abschlepp-Disko.
Aber Disko sagte man im neuen Jahrtausend nicht mehr. Eine Disko heißt jetzt Club. Und man geht vorher auch nicht mehr in eine Kneipe zum `Vorglühen´, sondern in eine Bar, mit Lounge, zum Chillen. Jedenfalls waren Marko und ich nach so einem chilligen Abend zusammen im Bett gelandet.

Marko war einer dieser Vertreter, bei der jede Frau einen Orgasmus vortäuschte, nur um es schnell hinter sich zu bringen. Er war weder der Romantiker, noch der Latino-Lover. Marko war ein Arbeiter. Er musste irgendwo einmal gelesen haben, was die erogenen Zonen der Frau waren und arbeitete sie gewissenhaft ab.

Zuerst normaler Zungenkuss, dann fordernder bis hin zum Kiefer ausklinken, anschließend ein paar Ohr- und Halsbisse, um das Kopfprogramm abzurunden. Danach ackerte er sich weiter zum Busen vor, um sich dann ganz innovativ zwischen die weiblichen Schenkel zu wagen.

Man sollte hierbei vielleicht noch erwähnen, dass Marko immer einen 3 bis 5-Tage-Bart trug, um sein Babyface zu vertuschen. Das führte wiederum dazu, dass Frau im Gesicht aussah, als hätte sie einen akuten Neurodermitis-Anfall.
Die Brustwarzen seiner Opfer mussten die nächsten 10 Tage mit einer Wundschutzcreme wieder aufgepäppelt werden. Und was die Sache zwischen den Schenkeln und weiter betrifft, aua.

Also war jede Frau, die mit Marko im Bett landete, stets darauf bedacht, den Orgasmus ziemlich schnell vorzutäuschen, damit sich die Schmerzen in Grenzen hielten. Demzufolge hielt Marko sich für den größten Liebhaber aller Zeiten!

Aber merkt euch eins, liebe Männer: Kommt Frau schnell, kommt sie oftmals gar nicht.

„Und? Siehst du ihn wieder?“

Bettina tippte sich an die Stirn.

„Bist du bescheuert? Nee, ich treffe mich morgen mit Johannes. Bei mir aus der Firma! Ich brauch jetzt was Verständnisvolles. Der Johannes ist total lieb!“

Morgen: Der Liebe

(C) Sunny Möller