Alltagstauglich

3 Tage – 3 Leben

Ich habe zwei Kinder. Das Wunderbarste und Nerven aufreibendste, was das Universum zu bieten hat. Keine Mutter, kein Vater, der das nicht nachempfinden kann.

Neben all dem Alltäglichen passieren Dinge, auf die wir nicht vorbereitet sind. Keiner hat uns gebrieft, geschult oder aufgeklärt, was dann zu tun ist. Kinder wollen selbstständig sein, wollen helfen. Dinge tun wie die Großen.

Ein gellender Schrei erschüttert die Wohnung. Mein Blut gefriert. Das ist kein normaler Schrei, kein „aua“ im herkömmlichen Sinn.

Mein Sohn liegt am Boden, reißt sich die Socke vom Fuß und seine Haut gleich mit. Er wollte mir helfen. Er wimmert.

„Mami, du hast doch Rückenschmerzen! Ich wollte etwas für dich tun!“

Kochendes Wasser, überall, mein Kind mittendrin. Krankenhaus, sofort. Narkose. Letzter Blick, Schmerz verzerrt, 10 Jahre, aber doch immer mein Baby. Eine Stunde später. Kinderstation. Mein Kind wird wach. „Wo bin ich, ist mein Bein weg?“ Schläft wieder ein.

Ich werde ruhiger. Alles wird gut. Nichts Schlimmes wird bleiben.

Auf seinem Zimmer liegt noch ein Junge, 13 Jahre. Er spricht nicht, lächelt traurig. Wird untersucht. Eine große Narbe, lange verheilt. Ängstlicher Blick. Jemand kommt. Sein Vater? Nein, sein Onkel. Er hat ihn geholt. Aus Syrien. Knochenkrebs. Keiner kann helfen, in seinem Land. Jetzt ist er hier, ohne Sprache, ohne Eltern, aber mit Hoffnung, auf ein Leben, gesund. Sein Onkel lächelt. „Wir schaffen das, als Familie. Alle für einen. Immer, bis zum Schluss.“

Ich werde traurig. Wird alles gut? Wird nichts Schlimmes bleiben?

Der nächste Tag, neues Zimmer, anderes Kind. Kind? Ein junger Mann eher. 17. Fragender Blick. Wache Augen, nicht dumm. Verzweifelt. Wohin? Eine Nacht mit dem Käptn, Herrn Jägermeister und einem Appel. Weggeschossen, alles, für den Moment. Kommt alles wieder, mit der Mutter ins Zimmer. Beschämter Blick. Warum? Darum! Kein Gespräch! Nur Wut! Keine Hoffnung. Ich muss fragen. „Was willst du machen, mit deinem Leben?“

„Kochen! Ich wär gerne Koch! Wenn du siehst, das fertige Essen, das ist dann wie Kunst!“

Ich werde nachdenklich. Wird alles gut? Kann ich nicht sagen.

Überall Leben! Schaut hin!

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Ich bin nicht Tatort!!!

„…also wenn mir jemand eine Bombe vor die Tür legt, halte ich das für einen Mordversuch…“

…und kein Scherz, ich habe selbst beim schreiben dieses einen Satzes, dreimal gegähnt! Lerne ich aus meinen Fehlern? Nein! Alle Jubeljahre versuche ich noch Mal mein Glück mit dem Tatort.

Des Deutschen Allerheiligstes! Für diesen Sonntagabendkrimi werden Verabredungen abgesagt, Telefone abgestellt und Sex verschoben. Der FB-Traffic zur Tatort-Zeit ist gleich Null. Man trifft sich mit Freunden, um zusammen Tatort zu gucken. Danach wird bei einem guten Glas Wein noch einmal jede Szene durchgesprochen.

Ich kann´s mir nicht erklären. Bei Schimi war ich ja noch dabei, aber auch nur, weil ich´s noch nicht gucken durfte. Der Nevenkitzel war nicht das Gemetzel auf der Mattscheibe, sondern von den Eltern nicht erwischt zu werden, während man durch den Türspalt lugte.

Ich bin offen, auf gar keinen Fall voreingenommen, aber bitte. Schon allein für die Filmmusik benötigt man 2 Kotztüten. Die Musik ist so dezent, dass sie in manchen Szenen gar nicht erst auftaucht. Der geneigte Tatortfan wird jetzt sagen: „Die Spannung dieser ausgefeilten Handlung bedarf keiner musikalischen Untermalung!“

Echt?

Und dann diese Gespräche über die getätigten Ermittlungen. Dicklicher Typ in Blähfarben berichtet schaukelnd vom Aktenschrank, dünner Assi vom föhnwelligen Hauptermittler regt sich über die mangelnde Opferfürsorge auf. Stille. Tür auf. Unterschrift holender weiblicher Assi in knallenger Jeans und devoter Bluse tritt ein, geiernde Polente, Austritt, scheeles Grinsen. Stille. Blähboy geht. Föhni und Assi werfen sich synchronartig die Jacken über, Abgang.

Nächste Szene beginnt mit der gleichen, monotonen Musik, die mir die Schokolade ins Gesicht treibt. Spielminute 15. Ich muss ausschalten. Der Tatort und ich kommen einfach nicht zusammen….

(c) Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich

Good old times…

When I am going durch the city the last days, I was kind of nostalgisch. The streets are full with kids and teens with little Bildschirmen in front of them. Tipping, mailing, whatts apping, spieling, twittering, facebooking, no unterhalting. I don´t want to copy my Oma with the Spruch „Früher war alles besser!“, but sometimes…..

Thinking about my Kindheit. With no I-Phones, Androids and Laptops. Think about my son when I starting wegnehming his Elektro stuff. He looks like someone who verloring a loved one, air-klicking with his Daumen.

Think about my Schulzeit. We spend our Pausen with Gummitwisthüpfing with kind of Schlüpfergummi. Talking about Jungs, lästering and flirting for real, with real Berühring and real Angrinsing. You could hear the LOL! Laut! In to the face!

And we was Meister of Zettelschreibing while teachers unterrichting. „Do you want to go with me? Cross. Yes, No, decision after knutsching.“ We played Käsekästchen and Schiffe versenken on Rechenpaper. And we had books. Books made of paper. Knistering, smelling and looking like books.

And what about music? I had tapes and starting Aufnehming from the radio. Waiting for my song, erwisching only the end with the dump Gelaber from the Moderator. And we must spuling. More spuling than hearing. First Plattenspieler with 14. First LP from Barry White. Long Play!!! It says alles!

And then? Then comes PacMan! And the first computer for playing. Commodore 64. Only one Kind in the Dorf had one. We are pilgering to him. Playing tennis with two Balken and a beweging point on the Bildschirm. And we loved it. Starting of Drogensumpf.

And today? Tipping on my Mac, whatts apping on my mobile, had a cloudplayer for my music and a Kindle which I cannot blättering.

I miss the good old times…….sometimes.

(c) Sunny Möller

Alltagstauglich

Xaver meets Deutsche Bahn

Caution!!! The train is not arriving. Mei, der Xaver legt eine ganze Nation lahm. Yesterday my mom told me, don´t make any Spaziergänge with the Kinder cause of flying Kühe and downfalling Äste right into the Gesicht. So I follow.

But today I need to go to Hamburg after saving my kids in the verbarrikadierte Wohnung. But Xaver was nice zu mir. Bis auf kind of windy horror snowflakes wich feels like Messerstiche im Gesicht, it was total okay. Heard, Christian was schlimmer! Can imagine, had an Ex-Freund called Christian, ähmm, okay, other story.

Now standing at Hannover Hauptbahnhof, waiting for my Anschlusszug. Listen to different Durchsagen from the female Roboterstimme.

„Your next Anschluss, ICE 561 to Berlin, Abfahrt 19.20 verspätet sich voraussichtlich about 348 minutes. You can get schneller there if you take the sofort fahring ICE in direction München. The train there goes pünktlich.“

Hätte sie die minutes in hours gesaid, it would be kind of charmanter. Aber anyway.

The Deutsche Bahn-Lady at my Gleis fängt an zu talken.

„At Gleis 7, Einfahrt ICE 974 nach Hamburg main station, Abfahrt 19.20 Uhr. Please don´t overstep the white line in front of dir, bevor the train is arriving. Otherwise it can happen that you will be totally zermatscht. Caution!!! The train is arriving!“

All the people formally known as passengers or umgekehrt steps a Schritt zurück. Not me. I am mutig. Sometimes sogar kind of querulanting. I stepped forward. My shoes tipped the line, tipp, tipp. Inside my head a voice starting summing. `Mitsche, matsche, patsche, mitsche, matsche, patsche´.

The train arrives without überrolling me. I am totally Adrenalin gekickt. Ein kleiner Schritt für mich a big step against the rules!

Now the Fahrt can start. I am ready. Ready for Xaver, ready for any kind of Springflut and ready for the Weltfrieden and ready for Hamburg. Cause from now on, I am a Overstepper!

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Von Porsche- und Barbiegenen…

Ich habe irgendwann, vor gefühlten hundert Jahren gelesen, Jungs kommen mit dem Porsche-, Mädchen mit dem Barbie-Gen auf die Welt. Ist das so? Setzt die Evolution auf natürlichem Wege die Rollenbilder fest? Oder schraubt eine Männer dominierende Welt am geschlechtsspezifischen Lebensweg herum?

Immer wieder unterhalte ich mich mit Freundinnen, Frauen, oder lese in einschlägigen Magazinen: „Die emanzipierte Frau von heute! Der Balanceakt zwischen Familie und Karriere!“

Bleibt frau nach der Geburt eines Kindes erst einmal zu Hause, wird sie anrüchig beäugt und schnell als das „Heimchen am Herd“ betitelt. Steckt sie ihr Kind nach sechs Wochen in die Ganztagesbetreuung, verpasst man ihr den Stempel „Rabenmutter“. In diesem Zusammenhang auch interessant zu bemerken, dass es den Titel Rabenvater gar nicht zu geben scheint. Wie sie es macht, sie macht es falsch. Und läuft eigentlich permanent mit einem schlechten Gewissen durch die Gegend. Werde ich allen gerecht? Vor allem meinem Kind?

Der männliche Part der Familie kommt dabei generell glänzend davon. Erstens erwartet, selbst in Zeiten der männlichen Elternzeit, niemand, dass die Väter zu Hause bleiben. Tun sie es doch werden sie als heroische Vorbilder gefeiert. Leben sie weiter wie bisher, inklusive Fußballgucken mit den Kumpels, käme nicht einmal ein Großteil der Frauen darauf zu sagen: „Was bist du nur für ein egoistisches Arschloch!“

Als ich letzte Woche mit meiner Tochter im Park war, kam uns ein kleines Mädchen mit Puppenwagen entgegen. Sie hatte alles dabei, Wickeltasche, Fläschchen, Tragetuch, Windeln, alles, was eine vorbildliche Mutti so benötigt. Die dazugehörige Echt-Mutter sagte zu ihr: “Gleich machen wir eine kleine Pause, Marie. Dann kannst du dein Baby füttern!“ Parallel dazu besprach sie am Telefon ein bevorstehendes Meeting. Ist das unser Problem? Wachsen wir schon mit diesem Gewissenskonflikt auf?

Männern wird nachgesagt, dass sie den Jungen in sich nie ganz ablegen. Warum ist das so? Weil sich nicht wirklich etwas in ihrem Leben ändert. Nachdem sie den labenden Busen ihrer Mutter verlassen haben, geht es los. Mit Bauklötzen, Autos, Fußball und Größenvergleich, in jeglicher Hinsicht. Daran ändert sich auch nicht viel im Erwachsenenalter. Obwohl man bei einigen hin und wieder das Gefühl haben könnte, sie möchten doch noch mal zurück an Mamas Brust.

Und was ist mit uns? Wir bekommen Babypuppen, Barbies und Schminkköpfe. Wir lernen spielend uns zu kümmern, uns hübsch zu machen und nett zu sein. Und wenn wir erwachsen sind? Plötzlich sollen wir unseren „Mann“ stehen. Ellbogen einsetzen, uns durchsetzen, Zähne zeigen. Als Frau ohne Job, „nur“ Hausfrau und Mutter zu sein, wird selbst im eigenen Lager heruntergetreten. Das war nur als kleines Mädchen niedlich, wie hätten sie uns auch angeschaut, mit einem Spielzeugwochenplaner in der Hand? Nur keine Kinder zu bekommen ist leider auch keine Lösung, denn wer will schon ein karrieregeiles Mannsweib sein?

Vielleicht sollte man diese speziellen Bilder der Emanzipation einfach mal in die Tonne treten und das tun, was glücklich macht!

(c) Sunny Möller

P.S.: Setzt euch wieder hin! Ja, es gibt Ausnahmen! Ja, es gibt auch Jungs, die mit Puppen spielen und Mädchen mit Autos, bla, bla, blub! Ändert oftmals trotzdem nichts am Gesamtbild! ;*

Alltagstauglich

ICE-Welt….kurz vor tot…

Rückfahrt. Leider ist es mir an dieser Stelle nicht möglich, neben der Wortwiedergabe, auch die Stimmlage originalgetreu nachzustellen.

Zwei menschähnliche Zustände liegen halb sitzend zwischen zwei Abteilen. Leider befand ich mich, ohne Platzreservierung, im selben Areal. Sie hatten eine Beschäftigung zwischen Deutsch Hip Hop à la „Fick deine Mudda, Motherfuckaaa“ und dämlichen Witzen mit dämlichem Inhalt gefunden. Sie schlugen die Klotür auf und zu, machten Geräusche wie Brüllaffen und pöbelten vorbeigehende Leute an.

Menschähnlicher Zustand 1 (ca. 16 Jahre): „Ey Alda. Haste die geseeen Aldaaaa, voll der Aaasch, Alda. Würd isch nich ficken Alda, findste ja das Loch nich. Ey Krise Alda, Aaasch musse klein sein, Aaaalder, dann voll krass bumsen, die Alde!“

Menschähnlicher Zustand 2 (ca. 18 Jahre): „Ey Typ, sofort abknallen, alle Fetten, ey Augenkrebs, Aldaaa!“

Dämliches Grunzlachen mit aggressivem Augenaufschlag….dann kam der Kontrolleur der Deutschen Bahn. Ich rechnete mit allem. Klappmesser, Schlagringen, mit allem! Die beiden standen auf. Ich überlegte kurz, abzuhauen. Aber todesmutiger Voyeurismus hielt mich in Position.

„Fahhhhhkaaattttnnnn bidde!!!!“

Die beiden potentiellen Amokläufer griffen in ihre Jackentasche. Oh nein!!! Ich finde, es sollte ähnliche Kontrollen wie beim Fliegen vorm Einsteigen in die Bahn geben. Der zieht ne Waffe, bestimmt zieht der ne Waffe!!!!!!!! Die Hand, verdammt seine Hand, das ist ne Pistole, ein Messer, ich bin tot, zumindest angeschossen. Nächstes Mal gebe ich die scheiß paar Euro für ne Platzreservierung aus! Ich will meine Kinder aufwachsen sehen. BITTE NICHT!!!!!

Dann sah ich es! Er hielt es siegessicher in seiner Hand! Er lächelte eiskalt! Die neue Bahncard 50 mit 100 % Ökostrom Garantie! Und sein Ticket, klassisch, vom Schalter! Verdammte Scheiße! Heutzutage kann man sich wirklich auf kein einziges Vorurteil oder Klischee mehr verlassen!!!!

Alltagstauglich

Schwiegermonster

Mitten in der Nacht stand sie plötzlich da, im Schlafzimmer ihres Sohnes und seiner Frau. Sie zog an seinem Teil der Bettdecke, während sie mit einer Taschenlampe in eine Ecke des Raums leuchtete. „Guck dir das mal an!“, schrie sie. Auf dem Boden lag ein verschimmeltes Brötchen, als Beweisstück für die vermeintliche Unfähigkeit der Schwiegertochter. In Wahrheit hatte sie selbst das Brötchen dorthin gelegt, ebenso wie sie Wochen zuvor Kakerlaken in die Küche geschleust und die Zimmerpflanzen vergiftet hatte. „Deine Frau kriegt nicht mal den Haushalt hin“, hatte sie triumphierend gesagt.
(Der Tagesspiegel)

Triviales aus einem Groschenroman? Leider nicht! Sechzig Prozent aller Schwiegertöchter leiden Höllenqualen.

Während Schwiegersöhne zu ihren angeheirateten Zusatzmüttern meist ein gutes Verhältnis pflegen, können es Schwiegertöchter, den Müttern ihres Liebsten meist nie richtig recht machen.

Das Netz ist voll mit Leidensberichten von Schwiegertöchtern. Von Umzügen wird berichtet, von Schreckensherrschaften dieser, nie Ruhe gebenden Frauenzimmer. Mittlerweile gibt es deutschlandweit Selbsthilfegruppen, nennen wir sie mal die „Anonymen Schwiegertöchter“. Angeblich soll jede vierte Ehe, durch aktives Eingreifen der Schwiegermutter, scheitern.

Rückblickend muss ich für mich sagen, dass ich zu den Müttern meiner Ex-Freunde ein äußerst gutes Verhältnis pflege. Vielleicht auch, weil sie von vornherein wussten, dass ich ihnen nicht den Sohn nehme.

Doch auch ich sah mich irgendwann mit dieser Unheil bringenden Konstellation konfrontiert. Ich wusste vom ersten Augenblick, sie und ich, das wird nie was. Sie war mit Ende fünfzig schon zu großmütterlichen Sackleinen übergegangen und hegte ständig den Verdacht, ich würde mit meiner, für ihre Begriffe, gewagten Kleidung eine Nierenbeckenentzündung provozieren. Sie war auch nicht zurückhaltend, zu erwähnen, dass dies eventuell zu Unfruchtbarkeit führen könne. Der Niere folgt der Scheidenpilz und sollte er nicht rechtzeitig mit der betreffenden Creme eliminiert werden, käme es zu lahmen Eierstöcken. Trotz dieser Beeinträchtigungen, schaffte ich es, zwei Kinder zur Welt zu bringen. Die ich nicht lange genug stillte, ihnen nicht die richtigen Windeln umband, die falschen, fußbettlosen Schuhe kaufte und überhaupt sah ihr Sohn immer schlechter aus, im zunehmenden Beziehungsverlauf mit mir.

„Junge, du bist ganz grau im Gesicht! Was macht sie (damit war ich gemeint) dir denn eigentlich zu essen!“

Ich habe jahrelang versucht, „ihr“ Mädchen zu werden. Vergeblich. Eine von den Sachen, die man nicht gewinnen kann.

Denn ihr Hefeteig wird immer luftiger sein als deiner, ihre Hühnerbrühe kräftiger als deine, ihr Wangenstreicheln zärtlicher als deines, ihre Sorge größer als deine und vor allem ihr Busen immer nahrhafter als deiner. Der Begriff des Muttersöhnchens kommt nicht von ungefähr.

Und stell deinen Liebsten niemals vor die Wahl: „Ich oder deine Mutter!“ Natürlich entscheidet er sich, bei wahrer Liebe, für dich.

Doch wird er sich immer wieder in den Schoß seiner Mutter zurücksehnen.

P.S.: Verdammt, ich habe auch einen Sohn….

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Das Königreich Nespresso

Ich bin ein Kind der Arbeiterklasse. Ich war von Urlauben am Meer und Markenklamotten so weit entfernt, wie ein Maulwurf vom Lesen. Als ich mein Abitur machte, wurde das in meiner Familie gefeiert, als hätte ich den heiligen Gral gefunden. Aber ich war glücklich, ich wurde geliebt. Trotzdem hatte ich später immer das Bedürfnis nach etwas Besonderem, was mich in den Kreis der Auserwählten empor steigen lassen würde. Ich glaubte es gefunden zu haben, Freunde suggerierten es mir, die Werbung sagte es mir. Ich würde in Zukunft mit George Clooney Kaffee trinken. Aus meiner neuen Nespresso-Maschine!

Nachdem ich meinen anfänglichen 50-Kapsel Gutschein verbraucht hatte, machte ich mich auf den Weg. Ich hatte geduscht, war beim Friseur, wählte ein durchaus Clooney taugliches Outfit und stand vor einem ausgewählten Nespresso-Store.

Ein verregneter, dunkler Tag, aber irgendwie schien das Licht heller auf meinen erlesenen Stoffhändler. An der torartigen Glastür stand ein Mann vom Secret Service und öffnete mir den Weg zu den heiligen Hallen. Ein guter, Nespresso ungläubiger Freund, begleitete mich. Er hatte ein nicht elitefähiges Outfit gewählt, was meine Kapselstimmung etwas verbitterte.

Dann waren wir drin. Eine stilvolle, mit großen Orchideen geschmückte Sofalounge zur Rechten. Modelartige Mitarbeiter mit Soap-Opera-Lächeln, sowie ein VIP-Verköstigungsbereich warfen mich in eine glücksselige, erhabene, Stimmung. Ich gehörte dazu, fühlte ich, obwohl ich nur Kaffee kaufen wollte. Aber nein, ich kaufte nicht einfach Kaffee in einem abgehalfterten Discounter. Ich griff nicht plump in irgendein belangloses Regal und stand nicht an der Kasse mit irgendwelchen JA-Artikel-Käufern.

Ich war hier. Hier im Kaffeeshop der Anderen. Auch hier standen Leute an, aber eben anders. Ich wurde nach vorne gebeten.

„Einen wunderschönen guten Morgen! Ich bin Angelina, ihre persönliche Nespresso-Beraterin. Was kann ich für Sie tun?“

Sie war einfach wunderschön. Dieses Lächeln, diese duftigen Haare. Dezent geschminkt, perfekt betont, ohne eine Spur von Aufdringlichkeit. Jetzt Kapseln zu bestellen, brachte mich in die Apothekenromantik eines Pflegeheims. Ich musste es anders formulieren.

„Ich brauche neuen Volluto und ein bisschen Fortissio Lungo!“

Sie lächelte mich an. Schön.

„Natürlich! Haben Sie Ihre persönliche Kundenkarte für mich?“

Ich lächelte sie berauscht an und zückte die Karte.

„Aber ja, bitte!“

Freund, der mit der Freundschaft spielte, unterdrückte einen Lachanfall. Er flüsterte mir ins Ohr.

„Guten Tag! Willkommen bei den Nespressoitanern. Wir sind aus einer fernen Galaxie zu dir gekommen und verarschen dich mit Kaffee ganz ordentlich!“

Das feenartige Wesen räusperte sich. Hatte sie uns gehört? Transpirationswellen huschten über meinen, mit Kaschmir bedeckten Rücken. Sie guckte etwas vorwurfsvoll. Oh nein, ich kenn den Freak neben mir doch gar nicht.

„Frau Möller, Sie haben schon länger nicht entkalkt!“

Sie sagte es so laut, dass der halbe Laden mithören konnte. Es war schrecklich, ich fühlte mich schlecht. Ich war unwürdig. Ich hatte es gewagt, zwei Monate die billige Zitronensäure der Arbeiterklasse zu benutzen. Einmal Straßenkind, immer Straßenkind. Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Dass sie nicht erkennen, was ich wirklich war? Ein Niemand?

Die Blicke und das Getuschel im Raum wurden unerträglich.

Ich versuchte meinen Stolz nicht zu verlieren und kaufte doppelt so viele Kapseln wie geplant. Bei den Geissens funktionierte das doch auch. Protzen gegen das Proletariat.

Mein Plan ging auf. Ich wurde anschließend, samt Freund, in den VIP-Bereich gebeten. Neue Sorten in kleinen Tässchen. Mein Freund rührte und rührte und rührte, zog den Löffel heraus und schrie auf.

„Oh mein Gott, ich habe den Löffel kaputt gemacht!“

Alle elitären, abschätzenden Blicke richteten sich auf uns! Mein Herz blieb stehen. Er hatte Recht! Das Unterteil vom Löffel fehlte. Warum hatte er auch ewig gerührt? Das waren bestimmt zarte, hitzeempfindliche Löffel, die nur von perfekt manikürten Händen geführt werden durften. Wie in Zeitlupe bemerkte ich, wie alle umstehenden Koster ihre Löffel aus den Tassen hoben. Alle kaputt. Gott sei Dank, ich war gerettet. Eine Mitarbeiterin schwebte herbei.

„Keine Sorge! Alles in bester Ordnung. Wir haben dieses besondere Löffeldesign gewählt, um den außergewöhnlichen Geschmack unserer Kaffeesorten durch das Rühren nicht zu verfälschen!“

Mein Freund grinste mich an.

„Gehen wir noch auf einen Kaffee zu dir?“

„Vergiss es!“

© Sunny Möller