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Und eins und zwei…

„Wir müssen unbedingt mehr Sport machen! Ich stopfe mittlerweile so viele meiner Problemzonen in Shaping-Wäsche, dass ich mich schon gar nicht mehr traue, sie abends auszuziehen. Denn dann sehe ich mich mit der hängenden Realität konfrontiert und kann mich selbst schon gar nicht mehr schön trinken.“

Meine Freundin Charly nahm einen großen Schluck Rotwein. „Und wir sollten mehr auf unsere Ernährung achten und nicht immer Wein trinken, wenn wir uns sehen!“ Ich schenkte uns nach. „Aber ich liebe unsere Mädelsabende, an denen wir einfach mal Frau sein können ohne dieses ganze Verpflichtungsgedöns!“

Charly schaute mich schon leicht angeschickert an. Sie war, genau wie ich, alleinerziehend mit zwei Kindern und versuchte sich möglichst gut durch den Alltag zu manövrieren. Nachdem sie ihre Scheidung gut verdaut hatte, würde sie sich gerne mal wieder verlieben. An schnellen Bekanntschaften mangelte es nicht, doch die meisten Männer schreckten bei einer Frau mit zwei Kindern ziemlich schnell zurück. Für eine lockere One oder Two-Night Geschichte waren sie allerdings alle gern zu haben.

„Na, du hast ja auch leicht reden mit deinem Flachbauch und dem straffen Optimalgroßbusen!“ Ich zog leicht an meinem Bauchweg-Schlüpfer. Mein Busen wäre wahrscheinlich noch mit 80 in knackiger Position, weil die Schwerkraft ihn überhaupt noch nicht gefunden hatte.

Was den Sport betraf, hatte sie recht. Es fing so langsam an, an allen Ecken und Enden zu knacken und wenn ich morgens aufstand und im Flur an dem großen Spiegel vorbeikam, bewegte ich mich manchmal, als wäre ich schon an die 90. Beim nächsten Schluck Rotwein hörten meine Knie auf zu schmerzen.

„Was wollen wir denn machen? Willst du ins Fitnessstudio oder sowas?“ Charly zündete sich eine von ihren „Manchmal-rauche-ich-eine-Zigarette“ Zigaretten an.

„Neeee, lass uns mal langsam starten. Ich glaube, Yoga ist genau das richtige für uns. Ich such uns bei Pinterest ein paar Anfängerübungen raus und wir starten zweimal die Woche!“ Das klang nicht so anstrengend, außerdem soll man mit Yoga im Blitztempo eine Figur vom Feinsten kriegen. Nachdem wir den Wein geleert hatten fühlten wir uns schon ausgesprochen fit. Morgen sollte unser Fitnessprogramm starten.

Morgen:

„Und, wie fandest du unsere erste Yogastunde?“ Ich versuchte zu verdrängen, dass es eher 10 Minuten gewesen waren. Charly hatte einen leicht gequälten Gesichtsausdruck. „Hmmmmm, joa, ich glaube das bringt schon was.“ Als wir versucht hatten aus der Kerzenstellung heraus beide Beine hinter den Ohren abzustellen, brauchten wir 5 Minuten um uns gegenseitig wieder aus dieser Position zu befreien. „Wir könnten auch Walken gehen, oben am Backsmannberg. Das ist eine schöne Strecke.“ Ich ging den Weg gedanklich durch. „Das ist eine tolle Idee, so gelenkschonend. Und auf der Hälfte ist doch der „Waldkater“. „Die haben leckeren Glühwein.“ „Stimmt.“

© Sunny Möller

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MFG vom NLP

Wer von euch hat eine Löffelliste? Hääähh? Eine was? Das war eine der ersten Fragen, die mir auf einem Coaching-Seminar eines jungen, erfolgreichen Mental Coachs gestellt wurde. Mittlerweile weiß ich, dass das eine Liste mit Dingen ist, die ich unbedingt noch machen will, bevor ich den Löffel abgebe. Hab ich nicht. Grasbeißliste wäre wohl zu lang gewesen. Danach folgte so etwas wie eine bewusstseinserweiternde Massenhypnose, die ca. 200 Menschen dazu brachte, dümmlich grinsend, gemeinschaftlich einen Arm zu heben. Danach ekstatisches Gejubel. Gemeinsam sind wir stark. Hat bei mir leider auch nicht funktioniert. Alle anderen waren total begeistert. Im Gegensatz zu mir, waren alle anderen schon bei zig Coachings und Seminaren gewesen und allesamt mittlerweile sowas von erfolgreich und in der Mitte ihrer inneren Basis oder so.

Ich verstehe es nicht so richtig. Coaching ist mittlerweile sowas von in und ungecoacht hast du eigentlich gar keine Aussicht mehr auf ein erfülltes und erfolgreiches Leben. Aber wie hat das alles angefangen? Früher ging man doch zu einer Fortbildung oder so, um weiterzukommen. Also habe ich mich aufgemacht, um mehr zu erfahren. Einer der ersten Coaching Gurus war wohl Jürgen Höller, megaerfolgreich mit seinen Seminaren, bei denen Manager mittleren Alters plötzlich zu „I feel good“ irre auf der Bühne rumzappelten und höchstwahrscheinlich zu der Erkenntnis hüpften, wie sie noch mehr ihrer Kunden abzocken können.

Empfohlen werden dabei zusätzlich das Herausschreien von Freudenlauten wie „Juccchhhuhhh“ oder „Jabbadabbaduuu“ a la Fred Feuerstein, um endlich mal sein Zwerchfell zu spüren. Lachyoga wird an dieser Stelle auch gern praktiziert. Es ist schon erstaunlich, wie viele dieser sonst so spießigen Krawattenträger plötzlich zu animalischen Brüllaffen werden. Ob sie anschließend mit ihren Angestellten in der Firma auch motivierend durch die Gänge hüpfen?

2003 wurde Höller vom Landgericht Würzburg allerdings wegen Untreue und vorsätzlichen Bankrotts zu drei Jahren Haft verurteilt. Wegen guter Führung wurde er nach teilweiser Verbüßung der Haftstrafe im Mai 2004 entlassen und startete sein Comeback. Sein Unternehmen „Jürgen Höller Academy“ erzielte im Zeitraum 2011 bis 2015 schon wieder ein starkes Wachstum. Jetzt hüpfen alle wieder mit Herrn Höller über die Bühne und seine Gattin trällert dazu noch ein paar Liedchen und wenn du fleißig Seminare buchst, gibt es noch eine CD von Frau Höller dazu. Es funktioniert. Aber auch für die richtigen?

Und immer ist irgendwie von NLP die Rede. Was das ist? Das Neuro-Linguistische Programmieren (kurz NLP) ist eine Sammlung von Kommunikationstechniken und Methoden zur Veränderung psychischer Abläufe im Menschen. Aha. Hört sich für mich ein bisschen nach E-Meter und Clear Zustand an und wer bei diesem Verein erfolgreich vom Platz geht, dürfte ja hinreichend bekannt sein.

Toll für jeden, bei dem es funktioniert. Ich hüpfe weiterhin, für manche erfolglos, aber ziemlich glücklich und zufrieden durch die Gegend.

© Sunny Möller

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Mistgunst

Mit der Missgunst ist das so eine Sache. Manchmal sitze ich hier und habe das Gefühl, alle sind schneller, organisierter, schlauer, ehrgeiziger, fleißiger und erfolgreicher als ich. Ich bin ein Gönnen-Könner, doch manchmal überkommt mich doch dieses bittere Gefühl des Beneiden. Es ist schon manchmal ein Mist mit der Gunst für andere.

Die andere Mutter, mit den stets perfekt manikürten Nägeln, den modisch ausgewogenen Outfit zwischen Businessfrau, Vamp und sportlicher Triathletin. Dann schau ich an mir runter, mit den flachen Boots, da ich, seit diese Kinderbande in mein Leben getreten ist, keine zehn Meter mehr in mittelhohen Highheels zurücklegen kann, ohne mindestens zweimal umzuknicken.

Während ich gekaufte Muffins zum Klassenfrühstück meiner Tochter mitbringe, stolziert eine andere, natürlich voll berufstätige Mutter mit einem selbstgeschnitzten Gurkenkrokodil herein, dem noch eine kunstvoll gesäbelte Karottenzunge aus dem Maul hängt. Während ich mich von meinem Kind verabschiede, lausche ich dem Gespräch zweier dieser Supermuttis und höre sie von etwas schwärmen, dass mich beinahe so etwas wie Schadenfreude überkommt.

Die eine der beiden scheint eine heimliche Affaire zu haben. „Haaahhh, doch nicht so perfekt!“, denke ich noch. „Oooaaahhh, Frauke. Du kannst dir nicht vorstellen, wie heiß der wird. Der bringt alles zum Schmelzen in Null Komma nix! Ich weiß gar nicht, was ich ohne ihn machen würde!“ Frauke sah sie begeistert an. „Und was hast du dafür bezahlt?“ Die Stimme der Gurken-Frida Kahlo wurde leiser. „Na ja, über 1000 Euro hat er schon gekostet, aber bei dem, was der leistet, war er jeden Cent wert.“ Ich kann es kaum glauben. Wie kann sie sich das leisten?

Zwei Sätze weiter kam dann die Ernüchterung. Die beiden sprachen von einem Thermomix. Dabei sei nebenbei erwähnt, dass ich sie noch nie so liebevoll von ihren Männern habe reden hören. Ob sie die Gurke auch in das Gerät geschmissen hatte und der dann das fertige Reptil rausgeschmissen hatte? Man hört ja immer wieder „Der Thermomix kann alles“, du wirfst alles rein und das Ding spuckt alles fertig wieder aus.

Aber zurück zum Thema. Wie schaffen diese Frauen das nur? Bin ich die einzige, die ständig übermüdet ist, genervt von dem 1000sten Mal ‚Mami, kannst du mal?“ und den ganzen Terminen, die mir ständig um die Ohren ballern? Oder denken diese anderen Frauen genauso über mich? Vielleicht finden sie es ja cool, dass ich in kaputten Jeans, einem alten Nirvana T-Shirt und meinen Uralt-Chucks zum nächsten Elternabend komme. Vielleicht denken sie ja „Cool, sie hat sich nicht in eine Rolle drängen lassen, die sie eigentlich gar nicht leben will“. Während ich mir mit einem Knipser die Nägel auf eine alltagstaugliche Länge stutze, gefällt mir dieser Gedanke immer mehr. Vielleicht beneiden sie mich ja sogar um meine manchmal ungewaschenen Haare, die ich mir morgens um halb acht unter eine Baseballkappe quetsche. Vielleicht.

© Sunny Möller

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Ich bin

Ich sehe nichts.

Ich sehe dich.

Ich höre nichts.

Ich höre dich.

Ich fühle nichts.

Ich fühle dich.

Ich schmecke nichts.

Ich schmecke dich.

Ich bin nichts.

Du bist alles.

Deine Augen, unendlich, deine Stimme so warm, deine Haut, so berauschend, dein Kuss, so süß, nicht immer alles, doch ganz viel das.

(c) Sunny Möller

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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 8 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Mr. Right

Nachdem ich mich einmal querbeet durch die Männerwelt gesucht habe, um den einen, den wahren, den ultimativen Traummann zu finden, ist mir siedend heiß etwas durch den Denkapparat geschossen. Geht es denn beim Mann der Träume vornehmlich um Sex? Was ist mit gleichen Interessen, die das Zusammenleben sicherlich nicht unwesentlich auszeichnen. Ist Sex denn wirklich so wichtig?

„Also egal wie heftig wir uns streiten, nach dem Versöhnungssex kriegen wir alles wieder hin!“

Wer kennt diesen Satz nicht? Und wer kennt diese Sätze nicht? „Sex ist doch nicht das Wichtigste in einer Beziehung!“ oder „Orgasmus? Finde ich völlig überbewertet! Es ist doch einfach schön nur so zu kuscheln!“ Dieser Satz kommt vornehmlich von Frauen und wenn ich den höre, denke ich jedes Mal:“Ok Schätzchen, du hattest noch nie einen, du weißt also nicht, was du verpasst!“ Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben ihn gefunden, unseren Mr. Right und ob ihr´s glaubt oder nicht, das Spektakuläre kann so einfach sein. Und wenn ihr mich nach dem Stellenwert von Sex in einer Beziehung fragt, so würde ich ihn, sofern er gut ist, niemals ans Ende der Beziehungswünsche stellen. Vorhang auf für Mr. Right!

„Sorry Süße, ich bin zu spät!“

Ich stolpere in unser Lieblingscafé. Bettina sitzt in einem großen Ohrensessel. Sie hat sich die Schuhe ausgezogen, die Füße ebenfalls mit auf den Sessel gezogen und schlürft an einem großen Chai Latte. Sie lächelt mich beseelt an.

„Hast du was geraucht?“

Sie war nicht einmal annähernd empört und guckte mich noch bekiffter an.

„Nein. Viel besser. Ich habe ihn gefunden, den perfekten Mann. Gott, ich habe mich total in ihn verliebt!“

Da dieser Ausspruch von ihr schon des öfteren kam, nahm ich ihn nicht sonderlich ernst und bestellte mir einen Milchkaffee. Sie hörte nicht auf zu grinsen. Langsam wurde ich doch neugierig.

„Jetzt erzähl schon. Wer ist es und was kann er, was die anderen nicht konnten?“

„Wir haben geredet!“

„Wie ihr habt geredet?“

„Na ja, über Sex!“

Ich sehe schon meinen nächsten Blogtitel vor mir: „Der Erzähler“!

„Ihr habt nur darüber geredet?“

Sie genoss es, mich zappeln zu lassen.

„Er heißt John und das erste, was er mir gesagt hat, als das Sexthema angeschnitten wurde, war: Ihr seid selber schuld. Mit dieser ganzen Vortäuscherei verarscht ihr euch nur selber! Woher sollen wir wissen, was ihr wollt, wenn ihr rumstöhnt wie die Irren? Klar halten wir uns dann für den perfekten Liebhaber! Und dann hat er mich gefragt, wie ich es haben will! Weißt du Sunny, er hat mich gefragt wie ich es haben will! Ich wusste gar nicht, was ich darauf antworten sollte. Ich dachte, Männer wissen sowas!“

Das erste Mal fragte ich mich, woher sie das wissen sollten. Aus Pornofilmen, aus schlauen Männermagazinen, aus Gesprächen mit Freunden? Unnötig zu erwähnen, dass kein Mann mit einem anderen über Sex redet. Höchstens, wieviel Ritzen sie schon in ihren Erfolgsbalken gehobelt haben. Oder vielleicht von uns? Sagen wir, was und wie wir es wollen?

„Weißt du eigentlich, was dich anmacht?“

Mir fiel auf, dass wir auch noch nicht wirklich darüber gesprochen hatten. Trotz all der medialen Offenherzigkeit schämen wir uns noch wie unsere Omis vor 50 Jahren.

„Darüber habe ich dann auch nachgedacht. Also wenn ich es mir selber mache, habe ich so meine Phantasien, die mich antörnen. Meistens ist Keanu Reeves dabei. Mein selbst gemachter Sex läuft viel über den Kopf. Aber ich konnte mich doch wohl kaum nackt vor ihm ausbreiten und ihm meine erogenen Zonen vorstellen!“

„Und was hast du gemacht?“

Sie räusperte sich.

„Mich vor ihm nackt ausgebreitet und meine erogenen Zonen vorgestellt…! Zumindest die, die mir bekannt waren. Dann sollte ich seine Hand führen und er hat meine Hand genommen und dann….“

Ich schaute sie gespannt an.

„Und dann???“

„Hatte ich den besten Sex meines Lebens! Ich habe nicht gedacht, dass das so unkompliziert sein kann. Wir quatschen über alles, Sex ist mittlerweile ein öffentliches Thema, aber dass es für jeden eigentlich ein persönliches Thema ist, vergessen viele. Niemand spricht aus, was ihm gefällt, noch was ihm nicht gefällt. Am Ende rammeln wir mainstreamartig auf einander rum. Mann kommt, Frau nicht, Mann in diesem Fall einfach gestrickt, Frau nicht. Mann halbwegs befriedigt, Frau nicht. Lösung: Anfassen mit Ansage. Als wir angefangen haben, habe ich erst gar nichts gesagt und als er mich küsste und mir ins Ohr flüsterte: Ich mag es, wenn du mit der Hand meine Leiste entlang fährst und deine Fingerspitzen meinen Schwanz berühren. Ich glaube, ich bin knallrot angelaufen. Im ersten Moment war mir das so peinlich, aber gleichzeitig hat es mich so heiß gemacht, dass ich ihm gesagt habe, dass ich total drauf stehe, wenn jemand an meinen Nippeln knabbert….“

Sie fing an zu kichern. Ich war verblüfft. Klar sollte man die Interessen, Charaktereigenschaften, etc. nicht außer acht lassen, aber wenn’s darum geht, im Bett auf seine Kosten zu kommen, ist reden Gold und schweigen ein Täuschungsmanöver! Dann mal los. Falls ihr noch nicht fündig geworden seid, euer Mr. Right ist irgendwo da draußen und will wissen, wie er´s machen soll!

In diesem Sinne, danke, dass ihr mich begleitet habt auf dem Weg zu Mr. Right und ich wünsche uns allen viel Liebe und noch besseren Sex!

© Sunny Möller

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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 7 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Ed von Schleck

„Das ist wirklich bis jetzt der tollste Typ, den ich kennengelernt habe. Er sieht toll aus, hat einen coolen Job als Texter und achtet voll auf weibliche Bedürfnisse! Es ist wirklich richtig schön, alles in allem.“

Bettina und ich saßen mal wieder in unserem Lieblingscafé Und unterhielten uns über ihre neue Errungenschaft. Bei dem „alles in allem“ wurde ich hellhörig.

„Aber irgendetwas gefällt dir doch nicht. Ward ihr schon im Bett?“

„Sunny, ich kenne Ben jetzt seit einem Monat. Klar läuft da schon was.“

Euphorisch klang anders.

„Und? Ist es gut?“

Sie nahm einen ziemlich zeitaufwendigen Schluck Milchkaffee. Dann schaute sie mich etwas ratlos an.

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Vielleicht bleibe ich auch einfach alleine und kauf mir ne Katze. Ich hab mich wirklich richtig in Ben verliebt, aber ich hätte nach dem Küssen schon wissen können, dass wir vielleicht nicht optimal zusammen passen.“

„Wieso?“

„Er ist ein Spucker!“

„Wie Spucker?

„Beim ersten Kuss ging es ja noch, da ist mir das gar nicht so aufgefallen, aber der sabbert wie ein Irrer. Er beschränkt sich nicht darauf meinen Mund zu küssen, sondern leckt in weiträumigen Bewegungen rund um den Mund herum und zwar mit breit ausgestellter Zunge. Er hat sogar an meinen Augen rumgelutscht. Wenn ich ihn dann einfach packe und „normal“ küssen will, hab ich das Gefühl, auf mich rollt eine Speichelwelle zu. Ich putze mir tatsächlich zwischendurch den Mund mit dem Ärmel ab, sofern ich noch Klamotten anhabe.

Ich dachte gerade daran, was da so alles drin rum schwimmt. Klar, furztrocken küssen wäre auch komisch, aber mit Mund abputzen?

„Na und der Sex? Man sagt ja, schlechte Küsser sind auch schlecht im Bett!“

Sie guckte so, als würde sie sich gleich erst einmal einen Sekt bestellen, um meine Fragen besser zu verkraften.

„Keine Ahnung!“

„Wie, keine Ahnung!“

„Ich seh ihn kaum. Er leckt mich.“

„Häähhh?“

„Na ja, er klemmt ständig zwischen meinen Beinen. Erst leckt er meine Beine ab, dann leckt er meinen Bauch ab und nach diesem Feuerwerk an Leckerei, geht es zwischen den Beinen los. Ich weiß nicht, welche Aussage Männer zu dem Schluss haben kommen lassen, Frauen stehen total auf Lecken. Tun wir ja auch, aber doch nicht stundenlang. Wenn er wenigstens noch seine Finger mit zum Einsatz gebracht hätte, aber nein, eine halbe Stunde Zungenspitze an Kitzler. Und ja, ich habe gestöhnt und geschrien, weil meine erogene Zone einer offenen Wunde entgegen sah. Ich war froh, dass er wenigstens die Decke über den Kopf gezogen hatte. Ich hab kurz bei Facebook meine Nachrichten gecheckt.“

„Das soll doch wohl ein Scherz sein!?“

„Ich wünschte, es wäre so. Der hat doch nichts mitbekommen. Komisch, das war so ein bisschen ein Gefühl wie bei der zersägten Jungfrau. Ober- und Unterkörper hatten keine Verbindung zueinander mehr. Entweder er hat sich so in Ekstase geleckt oder er hat sich dabei einen runtergeholt. Er sah hinterher ziemlich zufrieden aus.“

„Aber warum machst du nicht deine Klappe auf und sagst ihm, dass das alles nicht so dein Ding ist?“

Sie sah mich etwas verstört an.

„Die Frage stelle ich mir auch andauernd. Ich kann das einfach nicht, manchmal glaube ich, ich weiß selber gar nicht so richtig, worauf ich stehe. Ich will ihn auch nicht als Niete hinstellen, vielleicht liegt es ja an mir. Wenn du mich fragen würdest worauf Männer so stehen, fällt mir ehrlich gesagt auch nur eine erogene Zone ein, die mit Vögeln und Blasen rundum versorgt ist. Männer reden da nicht gerne drüber.

Und wir offenbar auch nicht. Ist das unser Problem? Kann es unseren Mr. Right gar nicht geben? Weil Mrs. Right nicht ihren Mund aufmacht und sagt, was sie will? Haben wir so wenig Kontakt zu unserem Körper, dass wir gar nicht wissen, was er will und was wir wollen? Wir haben 2018 und reden immer noch nicht offen über unsere sexuellen Bedürfnisse? Stattdessen lästern wir mit Freundinnen über die vermeintlichen Versager. Wir rennen angesäuselt in „Shades of Grey“ und vergnügen uns kichernd wie kleine Mädchen, die etwas Verbotenes tun. Vermeintlich aufgeklärt rennen wir durchs neue Jahrtausend. Trotzdem erleben ca. 60 Prozent aller Frauen nie einen Orgasmus und leiden unter Orgasmusstörungen! Echt jetzt? Ernsthaft? Die Welt verkommt immer weiter zur zeigefreudigen Pornobühne und wir werden sexuell immer frustrierter, denn im echten Leben zieht niemand blank.

Keine Angst! Es gibt Hoffnung!

© Sunny Möller

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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 6 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Der Spielzeugmann

„Timo findet es erotisch, wenn ich tagsüber mit Liebeskugeln rumlaufe und ihm erzähle, was ich so dabei fühle.“

Ich hatte mich schon gewundert, warum meine Freundin ständig so einen schrägen Blick drauf hatte beim Laufen. Sie traf sich seit ein paar Wochen mit Timo aus der Marketingabteilung ihrer Firma.

„Und?“

Sie lächelte etwas gequält.

„Na ja, ich probiere es gerade aus. Es ist ein bisschen so, als würde er die ganze Zeit in mir stecken. Er ruft mindestens zehn mal am Tag an und fragt den Status ab. Am Anfang fand ich das noch ganz antörnend, aber mittlerweile nervt es etwas. Außerdem fallen die Dinger raus, wenn ich niesen muss. Wenn wir uns dann abends sehen, hab ich gar keine Lust mehr auf ihn. Und sie sind rosa, Sunny! Rosa! Als ob das jemand sehen würde.“

„Wie findet Timo das?“

„Er meint, wir hätten mich noch nicht richtig ausbalanciert und sollten noch mal Nippelklemmen dazu probieren!“

Er schien sie auf irgendeine Weise spicken zu wollen wie ein Spanferkel. Ich musste lachen. Wann kommt sie auf den Lustspieß? Ich dachte an Pole-Dance.

„Und was denkst du?“

Sie musste husten und schlug ruckartig die Beine übereinander. Husten schienen die Kugeln wohl auch nicht so gut in ihrer Position zu halten.

„Ich denke, ich mache Schluss! Am Ende sehe ich aus wie ein Weihnachtsbaum, innen wie außen!“

Gibt sie zu früh auf? Könnte ein klärendes Gespräch den Sex vielleicht doch in die richtige Richtung lenken? Gegen kleine Spielereien im Bett ist ja prinzipiell nichts einzuwenden. Ich denke, jeder trägt einen, mehr oder minder großen Fetisch in sich. Das Ausmaß ist wie bei allen anderen Dingen, ziemlich entscheidend. Und ist es wirklich ein Fetisch oder eine Möglichkeit, der sexuellen Langeweile zu entgehen?

So hatte ich mit 20 ein paar Dates mit einem angehenden Mediziner, der im Bett plötzlich seinen Mundschutz tragen wollte und anfing, mich mit seinem Skalpell zu pediküren. Außerdem schwärmte er begeistert von den Hautschichten meines Wadenbeins, während er mir die Hornhaut von den Füßen kratzte. Es blieb bei ziemlich weichen Füßen. ich habe ihn nie wieder gesehen und doch beschleicht mich immer das leise Gefühl, ich finde ihn irgendwann bei Google zwischen Ted Bundy und Baumeister als „Skalpello, den Schlächter“, wieder.

Die Frage ist, zu welchem Zeitpunkt kommen die einschlägigen Spielzeuge ins Spiel? Oder gehen viele auch lieber gleich fremd, um den erotischen Nervenkitzel woanders aufzufrischen? Während uns in der ersten Phase der Verliebtheit auch ein Baumwollschlüpfer und ein unrasiertes Bein nicht aus der erotischen Fassung bringt, verlangt eine längere Beziehung oft nach mehr Entertainment. Es liegt ein schmaler Grad zwischen, wie toll, jetzt kennen wir uns schon so gut, dass wir exotischere Stellungen ausprobieren und oh mann, wenn wir es jetzt schon wieder von hinten in der Dusche tun, muss ich wenigstens mal anderes Duschgel besorgen.

Im Verlauf einer langjährigen Beziehung, vielleicht sind mittlerweile auch schon Kinder dabei, muss man schon erfinderisch werden, um das Feuer am Lodern zu halten. Dessous, Nippelklemmen und Dildos in allen Formen und Farben. Die kauft man auch nicht mehr heimlich in einer unauffälligen Verpackung, nein, man geht auf tupperähnliche Vibratorenpartys und würgt gemeinsam den Gummilurch. Mir ist übrigens aufgefallen, dass die Besucherinnen solcher Partys meist auch einen Thermomix zuhause haben… Wenn der Dildo nicht reicht, das Angebot ist vielfältig.

Plüschhandschellen, spanische Fliege, Überraschungspakete „Super-Sexbombe“, Plugs und Liebeskugeln, also eine Rundumausstattung für jede Körperöffnung oder erogene Zone. Ist das nötig? Kommen wir sonst irgendwann nicht mehr auf Touren? Hat die sexuelle Anziehungskraft ein Verfallsdatum?

Wen haben wir noch nicht? Ich nenne ihn gerne Ed von Schleck!

© Sunny Möller