Ich:“Hey, du Specht! Cooles Zuhause hast du da!“
Specht:“Jep!“
Der Internationale Frauentag, Weltfrauentag, Frauenkampftag, Internationaler Frauenkampftag oder Frauentag ist ein Welttag, der am 8. März begangen wird. Er entstand als Initiative sozialistischer Organisationen in der Zeit um den Ersten Weltkrieg im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen und die Emanzipation von Arbeiterinnen. Die Vereinten Nationen erkoren ihn später als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus.
….da die sozialistische Bewegung maßgeblich an der Entstehung des Frauentages Anteil hatte, wurde er zwischen 1933 und 1945 offiziell verboten. Stattdessen wurde der Muttertag, der dem nationalsozialistischen Frauen- bzw. Mutterideal eher entsprach, in den Rang eines offiziellen Feiertages erhoben. Trotz des Verbots aller sozialistischer und kommunistischer Aktionen bestand der Internationale Frauentag weiter. Allerdings hatte er sein Gesicht verändert; er fand nun nicht mehr auf den Straßen in Form von großen Demonstrationen statt, sondern im Kleinen und Privaten. Das Feiern des 8. März wurde zu einem Erkennungsmerkmal von Widerstand und sozialistischer Untergrundarbeit. Methoden waren das ‚Auslüften‘ von roten Gegenständen am 8. März aus Fenstern oder an Wäscheleinen oder das Auslegen illegaler Flugblätter.
Heute ist der 8. März in Angola, Armenien, Aserbaidschan, Burkina Faso, Eritrea, Georgien, Guinea-Bissau, Kasachstan, Kambodscha, Kirgisistan, Laos, Madagaskar, Moldawien, in der Mongolei, in Nepal, Russland, Sambia, Serbien, Tadschikistan, Turkmenistan, Uganda, in der Ukraine, in Usbekistan, Vietnam und Weißrussland ein gesetzlicher Feiertag. In der VR China ist der Nachmittag für Frauen arbeitsfrei. (wiki)
Wenn man sich das so alles durchliest, dann denkt man doch „Ohhhh super“ oder „Yes, we can“!!! Wir dürfen wählen, wir können einen Job haben, ohne den Mann zu fragen! Überall auf der Welt wird heute weiter für die Rechte der Frauen gekämpft. Ich weiß nicht, wo überall die Stellung der Frau trotz gesetzlichem Feiertag noch eine menschliche Schande ist, Aber ich finde die Stellung des Weltfrauentags in Deutschland ist eine Schande. Als ich nach einem passenden Bild für den Blogeintrag suche, finde ich in den Bilddatenbanken kein einziges mit kampfwilligen Frauenrechtlerinnen, sondern man hat in den Herzchenblümchenbildern vom Muttertag, lediglich die Schriften ausgetauscht.
UND WENN MIR HEUTE NOCH EINER ALLES LIEBE ZUM FRAUENTAG WÜNSCHT ODER MIR EINE ROSE IN DIE HAND DRÜCKT, DANN…….
(c) Sunny Möller
Steh ich stumm, vor mir mit dir,
weil ich dacht, heute Nacht sind wir,
alleine hier, sehen ganz und wirr,
das Wir ist nicht hier im Dort,
vielleicht fort allein weil ich will,
so still komm ich ran dann und wann,
immer wieder an, um zu sehen,
wer ich bin, sein kann,
geh ich fort zu dem Ort,
der mich führt in dem Schein kann ich sein,
der du willst, soll ich sein, komm ich an,
ist der Weg endlos lang, schaust du weg,
fall ich hin, auf das Nichts, wo du warst,
stehe auf, suche weiter, finde dich,
Doch das Bild in deinem Spiegel,
bin nur ich.
(c) Sunny Möller
Pizzateig! Gibt es fertig in der Kühltheke, oder als Backmischung mit allem drin. Wer jedoch schon mal eine wirklich selbst gemachte Pizza in den Ofen geschoben hat, wird an jedem dieser Fertigpakete sofort vorbei laufen. Ich habe für euch das ultimative Pizza Rezept. Wartet mal, Rezept? Eigentlich ist es eher Making by probiering, aber ihr werdet sehen, ihr bekommt es hin. Aber vielleicht bekomme ich ein paar circa Mengenangaben zusammen! Ich wünsche euch ein superschönes Wochenende und gebe euch einen Vorgeschmack auf die nächste Serie…“Schatz, mach das Licht aus!“ Und jetzt gibt es Pizza!
Für den Teig (für etwa 1 Kilo Mehl):
1/2 l Lauwarmes Wasser (ungefähr)
1 Würfel frische Hefe (keine Trockenbackhefe)
2 Esslöffel Olivenöl (ungefähr)
1 Teel. Zucker (in etwa)
2 geh. Teel. Salz (je nachdem)
50 g Maismehl oder Maisgries (pi mal Daumen)
1 Kilo Mehl (am besten Dinkel 630 oder 1050)
Die Hefe im lauwarmen Wasser mit dem Zucker und dem Öl auflösen und anschließend so viel Mehl unterrühren, bis du eine dickflüssige, breiige Pampe bekommst. Hört sich nicht kulinarisch wertvoll an? Isses aber! Dann ein Handtuch drüber und an einem Mittelohr freundlichen Ort, eine halbe Stunde stehen lassen. Dann mal gucken, da regt sich was. Jetzt geht es weiter! Ich benutze übrigens keine Küchenmaschine. Der Pizzateig und ich mögen das nicht. Keine Angst vor den Hefehorrorgeschichten, der Teig ist nicht annähernd so empfindlich, wie sein Ruf. Jetzt also die Mehle nach und nach und das Salz mit einem Holzlöffel unterrühren. Kostet Kraft, spart aber heute eventuell die Muckibude. Wenn es langsam zu beschwerlich wir, Schüssel auf der Arbeitsfläche Kopf über und dann darf geknetet werden, was die Emotionen hergeben. Chef blöd, haut ihm in die Teigvisage, der Typ von Nebenan ist heiß, Augen zu und macht den Teig zur Massagefläche, die Oberarme könnten eine Straffung vertragen, dann macht den Teig auch gern mit 2 Kilo Mehl! 🙂 10 Minuten sollten schon geknetet werden. Was ihr dann seht, ist ein wunderschöner, luftiger Pizzateig. Noch mal eine Stunde in Ruhe lassen, erneut durchkneten, in Portionen teilen, ausrollen und belegen, belegen, belegen. Alles geht, nichts muss. Kleiner Tipp bei der Reihenfolge. Tomatensauce, dann den Käse und anschließend den Rest! Warum? Der Käse bindet die Sauce und so wird einer Boden schön knusprig!
Wer Zeit und Lust hat, kann gerne eine Sauce selbst zubereiten. Das I-Tüpfelchen eines jeden Pizza-Bäckers!
Für die Sauce:
1 Dose Bio-Tomaten (Alternativ kannst du auch frische Tomaten blanchieren, du kannst es aber auch lassen, gerade jetzt haben die Tomaten noch gar kein richtiges Aroma)
1 Stk. Zwiebel
1 Stk. Knoblauchzehen
2 EL Oregano (frisch, gehackt)
1 TL Zucker
Salz, Pfeffer
2 EL Olivenöl
Zwiebelwürfel und klein geschnittenen Knoblauch im Öl andünsten, Tomaten, Oregano dazu, mindestens 1 Stunde kochen und erst zum Schluss mit Salz und Pfeffer würzen und mit Zucker abschmecken!
Ach so! Ofen höchste Stufe vorheizen und dann ca. Für 10 Minuten backen!
Der Teig kann übrigens perfekt für Baguette verwendet werden (auch super köstlich) und du kannst ihn auch problemlos einfrieren.
(c) Sunny Möller
Mal so zwischendurch, weils mir auf der Seele brennt. Ich stelle gerade fest, dass Jungs, die mit einer Stillkind artigen Liebe noch mit 6 an ihrer Mutter rum hängen, kleine fiese Mistkäfer sind, sobald Mutti aus dem Sichtfeld ist. Kann mir das mal einer psychologisch erklären?
Guten Morgen an alle Jungs und Männer mit einer emanzipierten Beziehung zu ihren Müttern!❤️

Ich denke nach und versteh es einfach nicht,
was die Frau beim Christian Grey so sticht,
denn jedes weibliche Geschöpf,
achtet doch beim Gesuch zum richtgen Partner,
auf etwas mit integren Charakter.
Bitte nett, vorbildlich und auch adrett,
dabei nicht superschlecht im Bett.
Vielleicht mal lecken oder Busen kneten,
alles andere wird sich meist verbeten.
Jetzt liest sich eine ganze Fangemeinde,
durchs Gepeitsche und Geleide,
na klar, der Christian hatte eine schlechte Kindheit,
gequält und fehlte doch die Mutterliebe,
damit erwachten wohl die Triebe,
zu trietzen, was gar weiblich ist,
devot nur ihm ergeben,
denn so kommt er zum Stich,
da läuft Frau im Proseccorausch und nachempfundener Qual,
gleich mal in den nächsten Kinosaal.
Hatte man vorher in illustrer Runde,
genutzt die Gunst der Stunde,
den Masochismus mal zu testen,
und wo geht es unauffällig und am besten?
Das Raclette-Gerät schnell aufgebaut,
mal schaun, wer sich wohl als erstes traut,
mal ans heiße Pfännchen fassen,
hui, schnell kann man es schon nicht mehr lassen,
enge Freunde sind sie, Schmerz und Lust
und man vergisst den Alltagsfrust,
außerdem hat der sadistische Herr Grey,
in den Taschen Geld wie Heu.
Drum Obacht liebe Männerwelt,
wenn der Sex nach dem Film plötzlich gut gefällt,
ihr haltet es für einen guten Ritt,
doch für eure Liebste seid ihr jetzt zu dritt.
(c) Sunny Möller
…halb sieben, Samstag morgen. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg ins Schlafzimmer. Hmmmmm. Leichtes Stöhnen vom Mann neben mir. Träumt er von uns? Einer dieser erotischen Träume, die Männer morgens zum (Auf)stehen brachte? Ich musste lächeln. Besser konnte ein Wochenende nicht beginnen. Er räkelte sich. Ich stellte mich schlafend. Gleich würde er näher rutschen und mir übers Haar streichen. Ich würde so tun, als sei ich noch viel zu müde für solche morgendlichen Spielereien. Ich würde mich etwas zieren, um mich dann bereitwillig dem Sturm der Leidenschaft hinzugeben…..
„Ich glaube, ich werde krank!“
WAAAASSSSS? OH NEIN, BITTE NICHT DAS BÖSE K WORT!!!!! Ich überlegte kurz. Was hatte ich für Möglichkeiten? Taub stellen? Den Virenangriff mit Sexavancen bekämpfen? Tot stellen? Ich öffnete die Augen und versuchte zu säuseln.
„Oh nein Baby, was hast du denn?“
Erneutes Stöhnen.
„Ich weiß auch nicht, mein Hals ist kratzig und ich habe das Gefühl meine Augen sind geschwollen. Sind meine Augen geschwollen? Er klimperte mit den Augen wie eine kranke Kuh. Atmen ist schlimm. Ich konnte die ganze Nacht kaum schlafen, weil ich gemerkt habe, da ist was im Anmarsch…..!“ Er schaute mich gequält an.
Er war gestern mit seinen Kumpels Fußball gucken. Es wurde einiges an Bier getrunken und nach dem Sieg und Gewinn des Meistertitels, grölend um die Häuser gezogen. Klang nach „After-Suff-Syndrom“! Aber ich wollte nicht gleich stänkern…
„Schatz, das wird höchstens ein Schnupfen!“
Seine Stimme wurde weinerlicher.
„Aber es pfeift so! Wenn ich atme. Hoffentlich wird das keine Lungenentzündung!“ Er versuchte krampfhaft irgendwelche Fiepgeräusche aus seiner Lunge zu pressen.
Ich war genervt.
„Dann geh zu Arzt!“
Jetzt mündete weinerlich in leicht verzweifelt, mit provozierenden Pfeiflauten.
„Aber heute ist Samstag. Da muss ich in die Notaufnahme. Da muss ich stundenlang rum sitzen, zwischen all den Kranken. Und meine Knochen tun auch so weh. Können wir nicht erst mal versuchen, mich hier zu behandeln?“
Mich hier zu behandeln bedeutete, er Pflegestufe 98, ich unfreiwilliges soziales Jahr.
„Also meine Mama hat mir früher immer Hühnersuppe gekocht. Also nicht dieses gekörnte Zeug, was du immer nimmst. Aus einem echten Huhn. Am besten Bio, bei den Skandalen heute. Mit ein bisschen Gemüse drin, ganz klein geschnibbelt. Dann tut es nicht so weh beim Schlucken. Und sie hat selbst Hustensaft gekocht, aus Zwiebeln und Kandis. Und bei Fieber helfen am besten Wadenwickel, aber die aus Leinen. Keine Mischfaser, wegen der Hautirritationen. Wenn man krank ist, ist die Haut auch total überempfindlich!“
Sagte der Mann, mit dem Polyester-Trikot seiner Lieblingsmannschaft. Mich wunderte sowieso, dass er noch so viel reden konnte und wie er schon „Meine Mama“ sagte…MUTTER, ab spätestens 16 ist es deine MUTTER!!!!!
„Weißt du was, ich gehe jetzt Brötchen holen und bring dir ein paar Sachen aus der Apotheke mit!“
Mit leichtem Hüsteln und Hundeaugen, schaute er mich dankbar an.
„Ach Süße, du bist so lieb! Für mich aber bitte kein Brötchen, ich kann kaum schlucken! Vielleicht machst du mir nachher ein Porridge, kannst du das?“
Ich konnte schlucken. Einmal, zweimal, nebenbei bis zehn zählen. Ich zog mich an, Jogginghose, Sweater, bloß erst mal raus hier! An der Tür hörte ich noch das Winseln.
„Aber lass dich über die Nebenwirkungen aufklären!“
30 Minuten später, mit allen Heilkräften der Natur und 15 sms, wann ich denn endlich kommen würde, betrat ich das Lazarett. Er hatte sich ins Wohnzimmer umgebettet um sich mit der Playstation abzulenken. Kurzer Seitenblick.
„Wo warst du denn so lange? Ich glaube, jetzt fängt das Fieber an!“
Neben ihm lag eine Seite Millimeter Papier, ein Koordinatensystem, eine eingezeichnete Kurve, Zahlen.
„Was ist das?“
„Meine Fieberkurve!“
„Aber das höchste sind 37.6 Grad!“
Er schaute mich gekränkt an.
„Aber angefangen habe ich bei 37.4! Eine Steigerung von 0.2 Grad in nicht mal einer halben Stunde! Du könntest ruhig etwas sensibler sein!“
Atmen, schlucken, zählen. Ich ging in die Küche. Ich brauchte dringend einen Kaffee. Ich nahm den Löslichen, keine Zeit für mehr. Das Wochenende war nicht so lang. Montag konnte ich wieder arbeiten gehen.
Im Wohnzimmer fiel etwas zu Boden. Das Stöhnen fing wieder an.
„Ich habe plötzlich so Bauchschmerzen, es rumort auch ganz komisch. Ich hoffe nicht, dass ich jetzt auch noch Durchfall kriege! Mama hat….“
Den Rest konnte ich nicht mehr hören, meine Kaffeetasse hatte den Boden berührt. Ich griff zum Hörer, wählte. Endloses Tuten.
„Ja?“
„Ich bin´s Gisela! Du musst kommen! Dein Sohn ist krank!“
Ich wartete auf keine Antwort. Mama würde schon kommen, bewaffnet mit Bio-Hühnern und Wadenwickeln. Nur ich, ich würde gehen. Bewaffnet mit Yogamatte und Saunatuch.
© Sunny Moeller

Empathie, ein großer und gern benutzter Begriff bei jedem Coaching. Sozialverhalten wird schon in der Schule benotet. Wir flechten Blumenkränze und füttern uns mit Mitgefühl. Wir züchten uns eine empathische Welt in einer asozialen Gesellschaft. Denn das oberste Gebot lautet: „Der sozial Kompetente kommt weiter!“ Ich glaube, das hat sich eher ein Trump ähnliches Gebilde für das Kriechforum unserer Gesellschaft ausgedacht. Wer lieb ist, der bleibt unten. Wer Menschen mit Handicaps beleidigt und Frauen begrapscht, wird Präsident. Und dann gibt es natürlich noch die Pseudoempathischen, die auf ihren Lehrgängen beigebracht bekommen, wie sie mitfühlend und emotionssteigernd auf ihre potentiellen Kunden eingehen können um anschließend Verträge abzuschließen, die im Grunde niemanden etwas nützen außer vielleicht dem Provisionskonto des Vermittlers. Wer steht an der Spitze der Nahrungskette? Der sozial Empathische mit der streichelnden Hand? Good Trumping everybody! :*
P.S.: Witzig, dass es mal Zeiten gab, in denen es dafür keine Noten und Coachings gab….
Geliebtes Hamburg und geliebter Hauptbahnhof. So viele Menschen, so viele Geschichten. Ein Typ, Marke Möchtegern-Hipster, Anfang dreißig, labert eine wunderschöne Blondine (etwas überschminkt), Anfang zwanzig, voll.
„Nein ehrlich, Saskia, du warst bei dem Workshop eine ganz andere Liga! Dein Auftreten, deine Selbstsicherheit, die ganze Natürlichkeit, die du ausstrahlst.“
Dabei grinst er ein charmantes Verkäuferlächeln. Die Blondine senkt geschmeichelt ihren Kopf und streicht eine blonde Strähne übers Ohr.
„Aber der Coach meinte, es war von allem etwas zu viel.“
Hipster-Schlipster berührt sie sanft an der Schulter.
„Ich bitte dich Saskia! Das war alles Teil des Coachings. Er wollte dich nur aus der Reserve locken und schauen, wie du reagierst!“
„Ich hab geheult!“
Hippihoppi bleibt dran.
„Genau das ist es doch, Saskia! Du zeigst Gefühle! Das ist so wichtig im Job! Und du hast selbst mit Tränen noch wunderschön ausgesehen!“
Jetzt berührt sie ihn.
„Danke! Du bist so lieb!“
Er guckt unauffällig siegessicher. Ich muss zum Zug. Ich gehe an den beiden vorbei, lächle die wunderschöne, überschminkte Blondine an.
„Süße, der Typ will dich vögeln!“
Jeden Tag eine gute Tat!❤️
Ich gehe überhaupt nicht gerne zum Arzt! Ich verfolge ja eher so die Theorie, wenn ich nicht hingehe, dann habe ich auch nichts!
Nun kam es aber so, dass ich letzte Woche beim Einkaufen, eine Frau gesehen habe. Es war keine gewöhnliche Frau. Sie stand, wie ich, am Gemüsestand. Und sie hatte was. Etwas, was nicht genannt werden durfte. Jedenfalls nicht in meiner Gegenwart. Aber es war unausweichlich. Ich dachte nur: „Entspann Dich Sunny, bleib ganz locker! Du hattest so lange keinen Kontakt. Es wird schon alles gut gehen…..!“
Den Rest des Tages dachte ich auch gar nicht mehr an diese Begegnung, doch gegen Abend spürte ich es. Es kam näher. Panik stieg in mir hoch. Bitte, bitte, nicht! Ich konnte es nicht mehr verhindern. Es war zu spät. Ich rannte ins Badezimmer und schaute in den Spiegel! An meiner Oberlippe konnte man es schon sehen, das erste Herpes-Bläschen! Spätestens in drei Stunden würde ich aussehen wie ein Preisboxer. Doch das sollte nicht alles sein.
Am nächsten Morgen war es noch viel schlimmer. Da sich Herpes-Bläschen ja am wohlsten in einem geschwächten Immunsystem fühlen, haben sie gleich noch ein paar Angina-Keime zur Party eingeladen. Ich konnte nicht mehr sprechen. Es gibt einige, die würden das bei mir nicht unbedingt als Handicap empfinden. Aber ich konnte auch nicht mehr schlucken. Beim Versuch, eine Schmerztablette herunterzuwürgen, wäre ich fast erstickt. Nach vielen Stunden und Versuchen die Situation mit Hausmitteln und Selbstmedikation zu verbessern, hatte ich die Schnauze voll. Im wahrsten Sinne des Wortes! Natürlich war die Sprechstundenzeit der Hausärzte schon vorbei. Ich musste ins Krankenhaus!
Ich gehe ja überhaupt nicht gerne in Krankenhäuser! Bei dem Geruch dort, verfolgt mich schon der Tod. Die Notaufnahme war voll. Verstauchte Knöchel, blutende Nasen, schniefende Kinder und hustende Greise. Könnte man Keime, Viren und Bakterien in Farbe tauchen, hier fände man ein buntes Erreger-Potpourri. Ich musste schlucken, konnte aber nicht. Stechender Schmerz und knurrender Magen. Die Dame bei der Anmeldung lächelte aufgesetzt.
„Warum sind Sie gekommen?“
(Um wieder zu gehen, du blöde Kuh!)
„Ich habe seit zwei Tagen Halsschmerzen und kann nicht mehr schlucken!“
Sie zog die Augenbrauen hoch.
„Versicherungskarte und dann bekomme ich noch 10 Euro Notfallgebühr von Ihnen!“
„Ich bin aber kein Notfall!“
„Haben Sie gelesen, was an der Tür steht? N O T F A L L A M B U L A N Z!!!!“
(Da kommst du auch gleich hin, Schnepfe!)
„Ach so, ja, natürlich!“
„Wir haben aber keinen HNO-Arzt hier, nur einen Internisten. Das kann dauern, sag ich Ihnen gleich!“
(Wenn das mit mir so weitergeht, kannst du auch gleich einen Pathologen rufen, du unbefriedigte Nuss! Allerdings für dich!)
„Kein Problem!“
Ich setzte mich in den Wartebereich. Neben mir unterhielt sich ein älteres Ehepaar. Sie hustete asthmatisch.
„Kein HNO, nur ein Internist. Das ist das schlimmste, was passieren konnte, Erwin. Die nehmen mir doch gleich einen Lungenflügel raus!“
„Traudel, mal doch nicht gleich wieder den Teufel an die Wand!“
„Nee, nee, weißt Du noch bei der Irmi? Die hatte nur ein bisschen Sodbrennen und am Ende war der Darm raus und sie hatte einen künstlichen Ausgang. Ich sach dir, die wollen meinen Lungenflügel!“
Ich versuchte wieder erfolglos zu schlucken. Würden sie einen Luftröhrenschnitt bei mir machen? Vielleicht kam ich auch an die eiserne Lunge, gab es eigentlich schon Rachen-Plastiken? Ich bekam Angst. Vielleicht sollte man diese Notfallärzte statt Internisten, eher Organ-Artisten nennen.
Nach über drei Stunden Wartezeit und dem Ehepaar, was nicht mehr aus dem Behandlungsraum herauskam, war ich so verstört, dass mir jeder im weißen Kittel wie ein potentieller Organhändler vorkam.
Dann kam die unbefriedigte Assi-Nuss mit ihren Croc-Gummilatschen ums Eck.
„Frau Möller, bitte in Raum 13!“
Nein, nicht Raum 13! Meine Kinder, würden sie ohne Mutter aufwachsen müssen? Wissen sie eigentlich, wie sehr ich sie liebe? Ich wollte doch immer noch mal nach Israel, Gebetszettel in eine Ritze der Klagemauer schieben……
„Gutten Taak Frrau Möler, isch bin Dokktorr Translav! Wie gäht es Ihnen dennn? Isch örte, Sie aben es am Alß? Machen Sie doch bitte den Mund waitt auf!“
Ahhhh, Doktor Transsilvanien will mein Blut. Ich überlegte kurz, es wie meine kleine Tochter zu machen, einfach die Lippen zusammenpressen. Aber Doktor Tod hatte diesen Blick. In einer anderen Szenerie würde man ihn als bekifft bezeichnen, hier war es ein hypnotischer, Unheil bringender Blick. Gleißendes Licht blendete mich. Ich öffnete den Mund.
„Meine liebe Gütte, seit zwei Tagen laufen Sie damit errum? Sie abe ja gar kain Loch mehr zwischen die Dingaa! Alles geaitaat! Da müssen wia dringend was machen!!!“
Das Licht, ich konnte nichts sehen. Aber da glänzte noch was. Hatte er ein Skalpell in der Hand? Natürlich, das war doch ein Messer!!!!!!! Hilfeeeee!!!!
Zwei Minuten später stand ich draußen. Ich hatte in der einen Hand ein Rezept und in der anderen zwei kleine Tüten Gummibärchen für die „Kindärrr“. Das ältere Ehepaar ging an mir vorbei. Sie hatte ein Asthma-Spray in der Hand. Und das Skalpell? Es war einfach nur ein Kugelschreiber gewesen, für die Unterschrift, auf dem Rezept.
Ich schluckte schlucklos. Ich gehe ja überhaupt nicht gerne zum Arzt!
(c) Sunny Möller