Allgemein, Alltagstauglich

Sport und rote Augen

„Hast du geheult?“

Charly schaute mich besorgt an.

„Nein.“

„Aber dein eines Auge ist so rot und hängt irgendwie so komisch runter.“

„Ich habe Sport gemacht!“

„Und dir dann die Walkingstöcke ins Auge gerammt?“

„Nein. Ich war im Garten. Du weißt doch, Gartenarbeit ist auch Sport.“

Sie nippte überlegend an ihrem Wein.

„Aber warum ist dein Auge dann so rot?“

Sie ließ einfach nicht locker.

„Das war die Stachelbeere!“

Sie fing an zu lachen, während sie noch Wein im Mund hatte und der tropfte ihr jetzt wie Blut aus der Nase.

„Ahhhh, die böse Kampfstachelbeere also. War das die im Rambooutfit? Mit Stirnband und Patronenhalfter?“

„Bist du bescheuert?“

„Iiiihhh, komm her du kleiner Gartentriathlet, ich bin´s, Stacho, ich mach dich fertig! Und ich hab noch meine Freunde Radotzko Radieschen und Mecki Mangold mitgebracht!“

„Nein, du blöde Kuh! Ich habe versucht den alten Stachelbeerbusch auszugraben, der der schon tot war. Ich wollte ihn mit dem Spaten hoch hebeln und dann bin ich abgerutscht und hab mir den ganzen Busch ins Gesicht gejagt.“

„Ach so.“

„Ja.“

„Dafür siehst du dann aber doch noch ganz gut aus.“

„Danke.“

Ich war etwas besänftigt.

„Und was machen die Männer?“

„Um es mal in der Gartensprache zu sagen: Mein Acker liegt brach und im Baum sitzt nicht ein Vogel.“

„Weinchen?“

„Gerne.“

© Sunny Möller

Allgemein

Entscheidungsfreude?

Eine Entscheidung ist eine Wahl zwischen Alternativen oder zwischen mehreren, unterschiedlichen Varianten von einem oder mehreren Entscheidungsträgern. Eine Entscheidung kann spontan bzw. emotional, zufällig oder rational erfolgen. Eine rational begründete Entscheidung richtet sich nach bereits vorgängig abgesteckten Zielen oder vorhandenen Wertmaßstäben. Von der Entscheidungskompetenz eines Individuums hängt es ab, ob seine Pro- oder Contra-Entscheidungen richtig oder falsch ausfallen. Die Eigenschaft, ohne Verzögerung zu entscheiden und dabei zu bleiben, wird als Entschiedenheit bezeichnet. (Wikipedia)

Aha, die Entscheidungskompetenz eines Individuums! Ich konnte nur letzteres bedienen, bei der Kompetenz wurde ich ausgelassen. Ich kann keine Entscheidungen treffen, selbst bei der Speisekarte im Restaurant bin ich, bei mehr als zwei Essen schon total überfordert. Habe ich dann doch meine Wahl getroffen, schiele ich schon zum Nachbartisch. Verdammt, ich wollte auch lieber Kroketten.

Passt die weiße Bluse besser zur Jeans oder doch zur Cordhose? Macht die meine Oberschenkel zu fett, was dann wieder zur Jeans führt und die weiße Bluse ausschließt. Sofern diese weiße Bluse dann doch besser zur Cordhose gepasst hätte….

Jetzt könnt ihr euch annähernd vorstellen, wie meine Entscheidungsfreude bei allen andern Dingen aussieht!

„Hör doch einfach auf deine innere Stimme!“

Ich sitze jetzt hier seit geschlagenen 2 Stunden und höre. Geradezu penetrant rufe ich wortlos nach ihr, der inneren Stimme. Sie antwortet nicht. Ich will, dass sie mir sagt was richtig ist, welche Entscheidungen wann und wie zu treffen sind. Und plötzlich wird mir etwas klar! Diese verdammte innere Stimme wohnt ja nicht alleine hier. Sie hat Mitbewohner. Die eine Stimme hat es sich im Herzen gemütlich gemacht und trifft ständig irgendwelche, total chaotische Entscheidungen. Sie ist dick befreundet mit dem Bauchgefühl, was generell nur auf sich selber hört. Es ist seit sehr langer Zeit mit seinem Bruder, dem Verstand, zerstritten. Und alle reden unaufhörlich durcheinander.

Welche Entscheidung ist die richtige? Und kann die richtige auch die falsche sein? Und ist die richtige dann die beste? Und wie sieht es mit den Kompromissen aus? Haben sie auch ein Recht, zu Wort zu kommen? Kann man falsche Entscheidungen rückgängig machen? Oder werden aus falschen manchmal richtige, oder umgekehrt? Und woher weiß ich das? Vielleicht sollte ich zu alten Traditionen zurückkehren.

Einfach eine Münze werfen!

© Sunny Möller

Allgemein, Kulinarisch

Reis mit Scheiß

Es gibt sicherlich einen kulinarisch korrekteren Begriff, aber bei Charly gibt es Reis mit Scheiß. Irgendwelche Reste zusammengeklatscht, lecker nachgewürzt und dann genießen. Besser als jedes Boeuf de luxe. Also, macht den Kühlschrank auf und findet euren ganz persönlichen „Reis mit Scheiß“!❤️

Bei mir waren heute natürlich Reis, dann noch Kartoffeln, Mais, Kidneybohnen, Tomaten und Frühlingszwiebeln dabei.

(c) Sunny Möller

Allgemein

Das ABC der Nachhaltigkeit: J

J

wie

Jetzt mal bitte nachdenken!

All das Nachdenken über ein nachhaltiges Leben und der Verzicht auf so viele wunderbare Dinge ist euch zu öde? Ihr wollt so weiterleben wie bisher, mit all den Annehmlichkeiten, die die moderne Welt zu bieten hat. Aber was wäre, wenn ihr plötzlich voll mit einbezogen werdet? Was wäre, wenn eure Spareribs ganz besonders frisch auf eurem Teller landen würden?

This New Short Film Will Turn You Vegan in 2 Minutes

Das ist euch zu heftig? Ja, das ging mir auch so. Lebe ich jetzt vegan? Nein, das tue ich nicht. Ich kann immer noch nicht auf mein Frühstücksei am Sonntag verzichten. Oder vielleicht doch?

https://www.peta.de/das-grosse-leiden-der-hennen-fuer-eier

Ach manno, jetzt hör aber mal auf! Wenn die Großen nix ändern, dann nützt es doch rein gar nichts, wenn ich jetzt auf alles verzichte. Vor hundert Jahren haben die Leute doch auch ihren Sonntagsbraten gegessen. Aber wir oft? Der Name Sonntagsbraten hat schon eine Bedeutung. Das stimmt schon, die großen Entscheider müssen es richten. Doch wenn das kleine Fußvolk sich weiterhin für dumm verkaufen lässt, dann wird sich auch in den oberen Etagen nicht viel ändern.

So sinnieren wir am Sonntag mit vollgestopftem Bauch zufrieden und glücklich vorm Münsteraner Tatort und denken uns, was das denn alles für eine große Panikmache ist. Bis es uns selbst betrifft. Ach ja, wir kommen wohl noch glimpflich davon. Scheiß drauf! Nach mir die Sintflut! Könnte klappen.

P.S.: Wo sich doch so viele besorgte Leute über die Schulpflicht aufregen und die faulen Jugendlichen doch lieber etwas für ihre Bildung tun sollten…mein Sohn ist in der 10ten Klasse eines Gymnasiums und hat seit drei Wochen keinen Deutschunterricht mehr gehabt. Weil er so viel demonstriert? Nein, seine Lehrerin ist krank und es gibt keinen Ersatz zur Vertretung. Und in diesem Fall kann ich keinen „Beitrag“ leisten, um das zu ändern.

© Sunny Möller

Allgemein

Mädelswochenendeende

So, es ist mittlerweile Mittwoch und so langsam aber sicher bin ich doch wieder im Alltag angekommen. Na ja, so fast. Das Wochenende mit Charly war wirklich traumhaft. Meine Befürchtung, wir würden am Samstag noch vor Mitternacht einschlafen, hat sich nicht bestätigt. Wir haben das Wochenende gerockt und zwar bis vier Uhr morgens.

Allerdings habe ich feststellen müssen, dass es danach etwas mehr Regenerationszeit bedarf, als noch vor ein paar Jahren. Aber mittendrin war es genauso wie damals.

Gestartet haben wir bei meinem Hamburger Lieblingsitaliener „Piccobello“, was dann wirklich grande bello war. Aperetivo? Si, grazie! Vino? Blanco, rosso? Her damit! Der Cameriere singt, erkennt in meiner Freundin Charly die junge Barbara di Rossi und beim „Ciao bella, du hast dich überrraupt garr nicht verändert!“ bestellten wir gleich noch einen Rosé.

„Weißt du was Sunny, mir tut gar nix mehr weh!“

„Und ich fühle mich trotz Antipasti, Pasta und Mousse au Chocolat noch wie eine Gazelle auf Rädern.“

„Ich vermisse die Kinder gar nicht! Ist das böse?“

„Bist du bescheuert? Natürlich ist das nicht böse! Wir praktizieren hier Überlebenstraining! Was glaubst du, wie das jetzt wäre, wenn wir mir den Kindern hier wären? Dann wärst du nicht Babsi di Rossi, sondern Mama Cucina. Wahrscheinlich hättest du von Anna schon ein Spaghetti-Potpouri in den Haaren und Emma würde mich fragen, ob ich Alterholkerin bin. Wir hätten uns nicht so aufgebretzelt und lägen spätestens ums halb elf im Bett.“

„Es ist halb elf.“

„Wie heißt das Getränk nach dem Essen?“

„Keine Ahnung.“

„Das nehmen wir!“

Eine Stunde später sitzen wir im Taxi in Richtung Schanzenviertel und im Radio läuft „Und wenn sie tanzt, dann ist sie woanders….“

„Ich will manchmal auch woanders sein, Charly.“

„Wo denn?“

„Na ja, eben woanders.“

„Heute Abend bist du´s.“

„Ich weiß.“

Im Radio läuft „Ich war noch niemals in New York, ich war noch niemals richtig frei….“

Was danach noch bis vier Uhr morgens los war fasse ich mal bruchstückhaft zusammen. Es war lustig und Balsam für die geschundene Alltags-Brotschmier-Arbeitsseele. Wir treffen Freunde von früher, neu dazu gekommene, die mich fragen, wieviel Sport ich mache, bei so einem Hammerkörper mit zwei Kindern. Ich lüge und genieße die bewundernden Blicke, während ich mir Bier ins Sektglas schenken lasse.

„Kein Bier Sunny!!! Bloß kein Bier! Wir haben gesagt, wir bleiben bei einer Sorte.“

„Egal!!! Heute geht alles.“

„Was bist du eigentlich für ein Sternzeichen, Schönheit?“

Ein Hipsterhopser Mitte zwanzig, der mich für genauso alt hält (zumindest tut er so), lächelt mich verführerisch an. Mir fällt nur mein Chinesisches ein.

„Schwein.“

„Oh echt? Ich auch. Das könnte ja eine richtige Sauerei werden.“ Ha ha ha, ho ho, hi hi…

Bevor jetzt aus uns beiden Piggeldy & Frederick werden, versuche ich Charly pantomimisch ein Taxizeichen zu geben. Sie guckt mich an, als ob sie in unserem Schweine im Weltall Club mitmachen will.

„Wasss?“

„Hmmmhmmhhmmhm!“ Ich mache rückwärtige Zuckungen mit dem Kopf.

„Ich sach doch, das Bier war ein bescheuerte Idee! Dein Hals zuckt komisch.“

„HHMMMHMMMHHMMHHH!!!!“ Ich mache zusätzliche Armbewegungen.

„Heyyyyy, Marcarena!!!“ Sie fängt an zu tanzen, die anderen machen mit.

Irgendwann habe ich es dann doch hingekriegt und wir sitzen im Taxi. Im Radio läuft Grönemeyer…

Nächster Morgen, elf Uhr.

Charly krächzt mir entgegen.

„Ich fühl mich, als hätte ich drei Frettchen gefrühstückt.“

Ich weiß, was sie meint. Ich habe auch ein leicht pelziges Gefühl im Mund. Und mein Arm ist ab, jedenfalls fühlt er sich so an, also der appe Arm.

„Schön war´s Charly. Nur wir Mädels! Das müssen wir öfters machen.“

„Unbedingt! Aber nicht sofort.“

„Nee, auf gar keinen Fall!“

© Sunny Möller

Allgemein

Das ABC der Nachhaltigkeit: E

E

wie Eier

So um die 240 Eier isst jeder Deutsche so im Jahr. Entweder als Frühstückseier, verarbeitet in Kuchen, Nudeln und so weiter. Bis vor kurzem wussten viele nicht, dass das lukrative, deutsche Huhn nur zu zweierlei Zwecken gehalten wird. Entweder als Leghenne zur Eierproduktion oder als Masthuhn zum Verzehr. Habt ihr euch schon einmal gefragt, was mit den kleinen, zukünftigen Hähnen passiert? Also die haben keinen wirtschaftlichen Nutzen. Sie legen keine Eier und zum Aufessen ist einfach zu wenig dran. Während in vielen menschlichen Kulturkreisen die Geburt eines Mädchens eher ein Minusgeschäft ist, so bleibt in der Hühnerwelt die männliche Nachkommenschaft auf der Strecke. Und das in einem Ausmaß, bei dem uns ab sofort jedes einzelne Ei quer im Hals stecken bleiben sollte. Sie krähen weder jemals auf dem Heuhaufen eines tierfreundlichen Biohofes, noch gründen sie jemals eine Familie mit einer niedlichen Kükenschar.

Sie werden mit circa 50 Millionen anderer männlicher Küken in minutenlangem Todeskampf vergast.

https://www.peta.de/eier

https://www.ndr.de/info/programm/Wenn-Bruderkueken-am-Leben-bleiben,bruderhahn126.html

Am besten wäre es natürlich, wenn wir komplett auf den Konsum von Eiern verzichten würden. Wer das nicht kann oder will, sollte sich auf jeden Fall auf der Seite

https://www.bruderhahn.de

informieren, wie man vielleicht ein bisschen nachhaltiger am Sonntag sein Frühstücksei genießen kann und über kurz oder lang darüber nachdenken, welche Eialternativen es gibt. Wusstet ihr zum Beispiel, das man das Wasser von eingekochten (Dose) Kichererbsen zu einem richtig tauglichen „Ei“-Schnee verarbeiten kann? Vielleicht bringen euch ja ein paar meiner Ideen auf den Geschmack. Bis heute wusste ich nicht, dass eine Banane der perfekte Ersatz von Eiern beim Backen ist.

https://vebu.de/essen-genuss/pflanzliche-alternativen/eiersatz-die-besten-ei-alternativen/

https://www.springlane.de/magazin/rezeptideen/eischnee-vegan-kichererbsenwasser/

Wenn ihr euch einmal eilos versucht, erzählt doch mal von euren Erfahrungen. Jede eifreie Idee ist herzlich willkommen.

Allgemein, Alltagstauglich

Ich bin ein Ofen der Liebe…

Luke hat Pubertät. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich selbst in dieser Umbruchphase steckte. Allerdings ging es bei mir darum, meine Brüste zu hypnotisieren, damit sie endlich auf eine annehmbare Größe wachsen würden, oder ich versuchte, meine Haare so geschickt zu drapieren, dass man den Riesenpickel auf meiner Stirn nicht sehen konnte. Natürlich hatte ich daran rumgedrückt und Zahnpasta drauf geschmiert, weil mir eine Freundin erzählt hatte, dass er dann am nächsten Tag weg sei. War er natürlich nicht, eher doppelt so groß. Und ich war häufig ziemlich schlecht gelaunt. Die Haare zu dünn, die Beine zu dick und niemals eine Chance bei dem Jungen, in den ich schon seit einem halben Jahr verliebt war. Mit 15 sind 6 Monate eine Ewigkeit.

Nicht so mein Sohn. Er raucht nicht, trinkt nicht, geht noch nicht großartig auf Partys und wenn ich nicht wüsste, dass er 15 ist, würde ich sagen, der Pubertätskelch ist an ihm vorbei gegangen. Eigentlich ist er das bis jetzt auch und das, was heute passiert ist, nennt man nicht Pubertät, man nennt es LIEBE. Und diese Phase kann in jedem Alter auftreten.

„Mama, ich bin ein Ofen der Liebe!“

Mein Kind tanzt durch die Küche und ich verstehe das erste Mal die Bedeutung „von einem Ohr zum anderen grinsen“.

„Du bist ganz rot, hast du Fieber?“

Er tanzt weiter und fasst sich ans Herz.

„Nein, in mir brennt die Leidenschaft! Fühl mal mein Gesicht, das ist ganz heiß.“

„Fieber!“

„Niemals, ich weiß ja nicht, ob du schon mal verliebt warst, aber es ist das beste Gefühl, was es gibt!“

Er fragt mich nicht wirklich, ob ich schon mal verliebt war…

„Habt ihr geknutscht?“

Er guckt mich halb belustigt, halb empört an.

„Neihen!! Und wenn würde ich es dir nicht erzählen.“

„Aber, dass du ein Ofen der Liebe bist?“

„Genau! Was für ein Gefühl!“

Ich versuche mich an meinen ersten Kuss zu erinnern. Oh mann ja, das hat wirklich was von einem Ofen, der lichterloh brennt.

© Sunny Möller