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Du bist weg!

Ene mene mink mank,
eier weia weg,
mit acke backe piff paff
biste weg,
kommt die kleine Dickmadam,
zieht sich deine Hose an,
und die alte Frau mit Rüben,
hatte drüben,
eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben,
die Micky Maus vertrieben,
ich und du mit Müllers Kuh,
und der Esel noch dazu,
eene, meene miste,
biste in der Kiste,
eene mene titschn tatschn,
eene in die Fresse klatschn,
eene noch dazu
und raus bist du.

 

© Sunny Möller

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Gartenglück und umgekippte Cola

„Die Kinder hängen viel zu viel vor den Medien! Die müssen unbedingt an die frische Luft! Die brauchen eine Aufgabe! Sie müssen Erfahrungen machen, wie Dinge entstehen und vor allem wo sie herkommen!“

Charly fuchtelte übermütig mit ihren Armen hin und her. Die Wangen leicht rosig und aus ihren Augen blitzte Feuereifer. Sie hatte offensichtlich ein neues Projekt. Es schien sich allerdings diesmal nicht um einen Mann zu handeln. Zumindest nicht offensichtlich. Den letzten hatte sie zum Glück souverän abserviert. Wieder einer von dieser Sorte, die unbedingt ein Überraschungsei an der Kasse haben wollen. Wenn sie es ausgepackt haben, stopfen sie sich die Schokolade in den Mund und wenn sich herausstellt, dass sich im Inneren keine Spielfigur befindet, sondern ein Teil, was man zusammenbauen muss, dann landet das Ding im Müll.

`Du Charly, du bist so eine schöne Frau, bla, bla, bla, hätte ich dich doch schon viel früher kennengelernt, bla, bla, bla, ich könnte mir schon etwas Ernstes vorstellen, bla, bla, bla, ich bin einfach noch nicht so weit, ich muss erst einmal meine alte Beziehung verdauen, bla bla, bla….´*

*Übersetzung ins Ehrliche: `Sex?, bla, bla, bla, hätte ich dich doch kennengelernt, bevor du zwei Blagen hattest, bla, bla, bla, das sag ich jetzt, weil du bei schöne Frau noch nicht vögeln wolltest, bla, bla, bla, ich werde nie soweit sein, Sex?´

Charly reißt mich aus meinen Gedanken.

„Oh mann, das wird einfach supi!“

„Ich kann dir immer noch nicht folgen. Willst du unsere Kinder aufklären? Woher die Babys Kommen, wissen beide schon und ich glaube nicht, dass es die Sache, dass ihre Eltern Sex hatten, an der frischen Luft besser machen würde. Und was die Medien betrifft, Sexkanäle sind bei uns gesperrt.“

„Ach Quatsch, wie kommst du denn darauf? Wir mieten uns einen Schrebergarten!“

„Einen was?“

„Einen Schrebergarten. Das wird total toll! Wir bauen unser eigenes Gemüse an, hängen eine Hängematte auf und machen Gartenpartys. Und du kannst hier alleine sein und schreiben, schreiben, schreiben!“

Ich dachte an mein letztes Hängemattenerlebnis. Ich habe gefühlt drei Stunden gebraucht bis ich endlich in diesem Ding drin gelegen habe und hatte mich kokonmäßig darin verheddert und eingerollt, dass ich anschließend mit einer rasanten Umdrehung rausgeflogen bin. Allerdings sah ich hinterher nicht aus wie ein wunderschöner Schmetterling sondern eher wie eine besoffene Hummel.

„Ich habe auch schon genau den richtigen Garten für uns gefunden. Mit Hütte und allem Gedöns, was man so braucht.“

„Meinst du, wir schaffen das?“

„Aber sichi!“

„Und wann fangen wir an?“

„Jetzt!“

„Supi!“

Zusatz:

Literarischer Gedanke: `Charly und ich sitzen in weißen Kleidern und Blumen im Haar in unserem herrschaftlichen Garten unterm Kirschbaum und trinken Tee (mit Rum), die Kinder ernten gerade Kirschen und Pfirsiche und mein Liebster hackt Holz mit freiem Oberkörper und sonnengebräunter Haut. Er streicht sich das Haar aus dem Gesicht und hält sich eine eiskalte CocaCola an die heiße Brust…´

Realistischer Gedanke: `Charly und ich versuchen die Vögel von den letzten verbleibenden Kirschen am Baum wegzujagen. Unsere Kleider sind in den Brombeerbüschen hängen geblieben und sehen aus wie nach einem Massaker. Wir trinken Rum (mit Tee) und sehen mehr Bäume als da waren. Die Kinder haben sich Schwerter gebastelt und arbeiten hart daran die Zellen der Wühlmäuse auszuheben. Und was den Liebsten angeht, der versucht gerade 12 Zecken aus dem sonnengebräunten Körper zu entfernen. Die eiskalte Cola ist umgekippt und lockt einen Schwarm Wespen an…´

P.S: Tipps für Haus sind dringend erwünscht.

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© Sunny Möller

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Du siehst zwar nicht so aus, aber…

Wer mich kennt weiß es, wer nicht, der erfährt es jetzt! Ich gehe überhaupt nicht gern zum Arzt! Aber ab und an muss es dann leider doch sein. Ich schleppe mich seit geraumer Zeit mit so extremen Rückenbeinfußhalsüberhauptallesschmerzen durch die Gegend, dass ich heute doch einmal den Weg zum Arzt meines Vertrauens gewagt habe. Ich kenne ihn schon ewig und er ist der einzige Arzt, dem ich vertraue.

Im Wartezimmer fing der eigentliche Spaß schon an. Es rotzte, triefte, röchelte und blähte aus allen Richtungen. Ich fühlte mich einen Moment lang als das einzige sozial kompatible Krankheitswesen. Ich hatte Rücken, nicht ansteckend! Ich versuchte so wenig wie möglich zu atmen, für ein Taschentuch vorm Mund war ich zu feige, lieber rechnete ich mit einem emphatischen Kreislaufkollaps. Dann war ich endlich dran.

Ich: „ich habe fast jeden zweiten Tag einen steifen Nacken!“

Arzt: „Hmmm…“

Ich: „Und mein Lendenwirbel tut ständig höllisch weh!“

Arzt: „Hmmm…“

Ich: „Und die Knie erst, wenn ich den ganzen Tag gestanden habe!!!“

Arzt: „Ahhh, ja…“

Ich:“Sebastian, ich habe dauernd ganz schlimme Schmerzen!!! Könnte das vielleicht ein Bandscheibenvorfall sein? Oder doch MS? Der Verdacht wurde vor 10 Jahren ja mal ausgesprochen. Ich bin dann halt nicht mehr zu den Untersuchungen gegangen! Aber ich hatte doch diese Läsionen im Gehirn!!!!“

Arzt:“Ich weiß nicht, wie ich es dir sagen soll, Sunny! Aber ich denke, wir müssen jetzt mal Klartext sprechen.“

Ohh nein, ich spürte, wie mir jemand die Kehle zudrückte. Ich wusste es, es ist ein MS-Schub, ganz bestimmt sogar. Ich habe es doch die ganze Zeit gewusst.

Ich:“Ist es MS?“

Arzt:“Nein. Man sieht es dir auch noch überhaupt nicht an.“

Oh mein Gott, es ist was Schlimmeres. was sage ich meinen Kindern??? Emma ist erst 8!!!

Ich:“Sag es mir, bitte!!!“

Arzt:“Du wirst alt!“

Ich:“Waaaaaaaaaaaaaaaas?“

Arzt:“Du bist über 40, da geht es langsam los!“

Ich:“Aber ich rauche nicht mehr!“

Arzt:“Das ist gut.“

Ich:“Auf Zucker verzichte ich auch größtenteils!“

Arzt:“Das ist toll.“

Ich:“Fleisch gibt es nur noch ganz selten und wenn, dann nur Bio!“

Arzt:“Das ist auch nicht schlecht.“

Ich:“Was kann ich denn noch tun?“

Arzt:“Nix! Möglichst so weitermachen und in Würde altern. Du bist doch ansonsten noch prima in Schuss.“

Zwei Minuten später stehe ich draußen vor der Arztpraxis. ich suche meinen Autoschlüssel, neben mir fahren zwei Mittsiebzigerinnen mit einem Rollator vorbei und lächeln mich verschwörerisch an. Verdammt, die denken, ich bin bald eine von ihnen!!! Ich überlege, ob ich sie beschimpfe. Ach Mist, alt werden ist doch irgendwie blöd, aber jung sterben ist auch scheiße. Gestern war ich doch noch jung und schön und heute soll ich plötzlich nur noch ganz gut in Schuss sein? Da mach ich nicht mit. Immerhin habe ich mein Handy gefunden. Ich wähle die Nummer meiner Freundin Charly.

„Hallo?“

„Charly, ich werde alt!“

„Schon wieder?“

„Dieses ganze Gesundheitsgedöns, Sport und das alles bringt doch gar nix!“

„Ich habe noch ne Flasche Sekt!“

„Ich komme vorbei!“

© Sunny Möller

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Das wird schlimm!

…halb sieben, Samstag morgen. Die ersten Sonnenstrahlen bahnen sich den Weg ins Schlafzimmer. Hmmmmm. Leichtes Stöhnen vom Mann neben mir. Träumt er von uns? Einer dieser erotischen Träume, die Männer morgens zum (Auf)stehen brachte? Ich musste lächeln. Besser konnte ein Wochenende nicht beginnen. Er räkelte sich. Ich stellte mich schlafend, zog meinen Bauch ein und die Brüste raus. Gleich würde er näher rutschen und mir übers Haar streichen. Ich würde so tun, als sei ich noch viel zu müde für solche morgendlichen Spielereien. Ich würde mich etwas zieren, dann lasziv räkelt, um mich schließlich bereitwillig dem Sturm der Leidenschaft hinzugeben…..

„Ich glaube, ich werde krank!“

HHHÄÄÄÄÄÄHHHHH? OH NEIN, BITTE NICHT DAS BÖSE K WORT!!!!! Ich überlegte kurz. Was hatte ich für Möglichkeiten? Taub stellen? Den Virenangriff mit Sexavancen bekämpfen? Tot stellen? Ich öffnete die Augen und versuchte verständnisvoll zu reagieren.

„Oh nein Baby, was hast du denn?“

Erneutes Stöhnen. (leicht nasal, wusste nicht, dass das geht)

„Ich weiß auch nicht, mein Hals ist kratzig und ich habe das Gefühl meine Augen sind geschwollen. Sind meine Augen geschwollen?“

Er klimperte mit den Augen wie eine kranke Kuh.

„Atmen ist schlimm. Ich konnte die ganze Nacht kaum schlafen, weil ich gemerkt habe, da ist was im Anmarsch…..!“

Er schaute mich gequält an.

Er war gestern mit seinen Kumpels Fußball gucken. Es wurde einiges an Bier getrunken und nach dem Sieg, grölend um die Häuser gezogen. Klang nach „After-Suff-Syndrom“! Aber ich wollte nicht gleich stänkern…

„Schatz, das wird höchstens ein kleiner Schnupfen!“

Seine Stimme wurde weinerlicher.

„Aber es pfeift so! Wenn ich atme. Hoffentlich wird das keine Lungenentzündung!“

Er versuchte krampfhaft irgendwelche Fiepgeräusche aus seiner Lunge zu pressen.

„Hörst du das? Hörst du das? Das klingt gar nicht gut!!!“

Ich war genervt.

„Dann geh zu Arzt!“

Jetzt mündete weinerlich in leicht verzweifelt, mit provozierenden Pfeiflauten.

„Aber heute ist Samstag. Da muss ich in die Notaufnahme. Da muss ich stundenlang rum sitzen, zwischen all den Kranken. Und meine Knochen tun auch so weh. Können wir nicht erst mal versuchen, mich hier zu behandeln?“

Mich hier zu behandeln bedeutete, er Pflegestufe 98, ich unfreiwilliges soziales Jahr. Langsam stieg Panik in mir auf.

„Also meine Mama hat mir früher immer Hühnersuppe gekocht. Also nicht dieses gekörnte Zeug, was du immer nimmst. Aus einem echten Huhn. Am besten Bio, bei den Skandalen heute. Mit ein bisschen Gemüse drin, ganz klein geschnibbelt. Dann tut es nicht so weh beim Schlucken. Und sie hat selbst Hustensaft gekocht, aus Zwiebeln und Kandis. Und bei Fieber helfen am besten Wadenwickel, aber die aus Leinen. Keine Mischfaser, wegen der Hautirritationen. Wenn man krank ist, ist die Haut auch total überempfindlich!“

Sagte der Mann, mit dem Polyester-Trikot seiner Lieblingsmannschaft. Mich wunderte sowieso, dass er noch so viel reden konnte und wie er schon „Meine Mama“ sagte…MUTTER, ab spätestens 16 ist es deine MUTTER!!!!! Aber eigentlich ist er richtig toll und ein toller Liebhaber. Echt toll.

„Weißt du was, ich gehe jetzt mal Brötchen holen und bring dir ein paar Sachen aus der Apotheke mit!“

Mit leichtem Hüsteln und Hundeaugen, schaute er mich dankbar an.

„Ach Süße, du bist so lieb! Für mich aber bitte kein Brötchen, ich kann kaum schlucken! Vielleicht machst du mir nachher ein Porridge, kannst du das?“

Im Gegensatz zu ihm, konnte ich schlucken. Einmal, zweimal, nebenbei bis zehn zählen. Ich zog mich an, Jogginghose, Sweater, bloß erst mal raus hier! An der Tür hörte ich noch das Winseln.

„Aber lass dich über die Nebenwirkungen aufklären!“

30 Minuten später, mit allen Heilkräften der Natur und 15 Sprachnachrichten (!!!!), wann ich denn endlich kommen würde, betrat ich das Lazarett. Er hatte sich ins Wohnzimmer umgebettet um sich mit der Playstation abzulenken. Kurzer Seitenblick.

„Wo warst du denn so lange? Ich glaube, jetzt fängt das Fieber an!“

Neben ihm lag eine Seite Millimeter Papier, ein Koordinatensystem, eine eingezeichnete Kurve, Zahlen.

„Was ist das?“

„Meine Fieberkurve!“

„Aber das höchste sind 37.6 Grad!“

Er schaute mich gekränkt an.

„Aber angefangen habe ich bei 37.4! Eine Steigerung von 0.2 Grad in nicht mal einer halben Stunde! Du könntest ruhig etwas sensibler sein!“

Atmen, schlucken, zählen. Ich ging in die Küche. Ich brauchte dringend einen Kaffee. Ich nahm den Löslichen, keine Zeit für mehr. Das Wochenende war nicht so lang. Montag konnte ich wieder arbeiten gehen.

Im Wohnzimmer fiel etwas zu Boden. Das Stöhnen fing wieder an.

„Ich habe plötzlich so Bauchschmerzen, es rumort auch ganz komisch. Ich hoffe nicht, dass ich jetzt auch noch Durchfall kriege! Mama hat….“

Den Rest konnte ich nicht mehr hören, meine Kaffeetasse hatte den Boden berührt. Ich griff zum Hörer, wählte. Endloses Tuten.

„Ja?“

„Ich bin´s Gisela! Du musst kommen! Dein Sohn ist krank!“

Ich wartete auf keine Antwort. Mama würde schon kommen, bewaffnet mit Bio-Hühnern und Wadenwickeln. Nur ich, ich würde gehen. Bewaffnet mit Yogamatte und Saunatuch.

© Sunny Moeller

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Omas Wand!

Meine Freundin Charly war mal weg. So ganz alleine, ohne Kinder. Einfach mal Ruhe von allem. „Sunny, ich brauche dringend eine Auszeit! Ich hab das Gefühl, wenn noch einer an mir rum zerrt, laufe ich Amok!“ Wobei Amok bei Charly bedeutet, dass sie den Zerrern zu Verstehen gibt, dass sie das Zerren doch vielleicht durch Schubsen ersetzen könnten, dann würde zumindest der Schmerz etwas variieren. Gut geschubst landet sie günstiger weise in der Küche und kocht ihren Angreifern noch eine leckere Bolognese. So ist sie und dafür liebe ich sie. Das Herz offen getragen in beiden Händen, jeder kann piksen, trietzen und nehmen so viel er will.

Doch jetzt war Charly einfach weg. Nicht für immer und nicht weit und doch irgendwo im Nirgendwo. Nichts gehört, drei Tage lang. Das ist gut, wenn sie wiederkommt, ist alles ein bisschen besser. Die geholte Luft reicht vielleicht drei Tage länger. Heute waren wir verabredet, Charly und ich. Als ich ins Haus komme, höre ich ihre Stimme. „Juccchhhuuuuuhhhh Sunny! Käffchen?“ Hört sich gut an, sie hört sich gut an.

„Hey, meine Süße! Hast du dich gut erholt?“

„Jep! Und wie! Ich war in der totalen Pampa, bei Freunden, die ich aus dem Studium kenne. Der eine hat total die süße Oma. Im Dorf gab es für alle eine Spieleabend und ich habe ein paar alte Herren beim „Mensch Ärgere Dich Nicht“ abgezockt. Zack, rausgeschmissen, die waren fix und fertig. Das war so toll!“

Ich hatte eher an sowas wie Cocktails schlürfen, schick machen, Tanzbein schwingen und vielleicht ein bisschen Flirten gedacht. Aber nein, Charly stellt die Rausschmissszenen nach und schwärmt vom selbst gemachten Sauerfleisch für 40 Leute. Da konnte irgendetwas nicht stimmen und plötzlich fiel mir auch auf, was das war. Sie hatte eine knallrote Beule am Kopf, die aussah, als hätte sie sich geprügelt. Wahrscheinlich Gehirnerschütterung und dadurch etwas durcheinander.

„Was ist mit deinem Kopf passiert?“

„Pssssssttttt!!!! Sei ruhig und komm mit!!!!“

Verstohlener Blick zu unseren Kindern.

„Das brauchen die nicht hören!“

Sie hatte sich definitiv geprügelt. War ja klar und schon längst überfällig. Ein solch liebenswerter Mensch wie Charly musste doch irgendwann einmal durchdrehen. Ich hoffe nicht, dass sie Leichen hinterlassen hatte.

„Wen hats erwischt? Die alten Herren? Die Dorfjugend? Eine Tussi auf der Straße?“

„Omas Wand!“

„Was?“

Sie braucht mehr Pausen.

„Ich weiß es doch auch nicht so genau. Die süße Oma und dann bin ich da so lang gelaufen und zack, gegen die Wand. Das kann ich doch keinem erzählen!“

Unbedingt mehr Pausen!

„Was hast du denn auf der Arbeit erzählt?“

„Dass sie sich den anderen erst mal angucken sollen!“

„Du bist wirklich gegen eine Wand gerannt?“

„Nein, nicht gegen eine Wand! Es war Omas Wand!“

Die entscheidende Frage lautet, wie bekommt Charly mehr Pausen? Wie bekommen wir alle mehr Pausen? Die nächste Wand kann deine sein.

https://www.youtube.com/watch?v=5PST7Ld4wWU

© Sunny Möller

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dancing couple.

Ich verfolge die Bilderflut des wunderbaren Fotografen Daniel Schrödl alias „Stadtauge“ schon seit einiger Zeit, doch bei diesem hier bleibe ich immer wieder hängen und hängen und hängen. Ist es wirklich nur ein „dancing couple“, ein Abschied, ein Wiedersehen oder eine Begrüßung? Sind es tatsächlich Menschen, oder vielleicht auch etwas anderes, was das Wasser zu dieser Spiegelung verleitet hat…?

© Daniel Schrödl „Stadtauge“

Wortkunst

Sprichwörtlich

Aus, Maus, Blumenstrauß,
Ende Gelände,
Zappenduster sagte er, es werde Licht,
doch alte Besen kehren nicht,
denn die Lügen mit den kurzen Beinen,
kommen nur auf langen Strecken,
sind die Gänse hinten fett,
und der Hase liegt im Pfeffer,
mit dem Brett vorm Kopf
und den Nagel obendrauf,
könnte ich ne ruhige Kugel schieben,
lass die Kirche schön im Dorf,
ohne Sockenschuss und Vogel,
mach ich mich mal jetzt vom Acker
und Hand aufs Herz
und durch die Blume ins Gesicht,
den roten Faden verlier ich nicht.

 

© Sunny Möller

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Ich bin kein Ausländer! ich bin ein Mensch!

Die ewige „Ausländerproblematik“ geht mir mittlerweile ziemlich auf den nicht vorhandenen Sack. Bestimmte Eigenschaften werden bestimmten Nationen zugeschrieben. Die Deutschen sind pünktlich und fleißig, die Amerikaner oberflächlich, die Engländer legen keinen Wert auf Ordnung und Sauberkeit und Moslems sind frauenfeindlich und die Flüchtlinge wollen sich nicht integrieren. Ist das so? Sind diese Attribute nicht beliebig austauschbar?

Ich kenne genügend Deutsche, die weder fleißig noch pünktlich sind. Die Frauenfeindlichkeit ist völlig unabhängig von der Nationalität, oder glauben wir ernsthaft, ein Leben ohne Kopftuch macht uns zu einer emanzipierten Frau und aus diesem Grund behandeln uns Männer, unabhängig ihrer Herkunft, besser? Und was Ordnung und Sauberkeit angeht, muss mein Sohn wohl ein Engländer sein.

Obwohl die Ausländerfeindlichkeit hierzulande ja hauptsächlich auf äußere Merkmale beschränkt ist. Dunklere Haare, nicht ganz helle Haut, ganz klar, Ausländer. Fazit: böse! Kommt euch das nicht irgendwie bekannt vor?

Gestern sagte ein Kind (kommt aus dem Iran) im Englischunterricht zu mir:“Frau Möller, ich bin nichts! Ich habe keine Identität. Ich bin zwar hier geboren, aber alle beschimpfen mich als Türken, im Iran bin ich ein böser Deutscher und in den USA ein mexikanischer Flüchtling! Warum kann ich nicht einfach ein Mensch sein?

© Sunny Möller

Wortkunst

Des Lebens Linien

Im Abseits vieler tausend Welten
ziehen Zeiten mühelos vorbei.
Linien sieht man allzu selten
im herkömmlichen Nichts ein Einerlei.

Doch bricht sie dann ein starker Wille,
wie ein Strahl der Sonne hellstem Licht,
hört man Schreie in der lauten Stille,
vor den blinden Augen klare Sicht.

Linien mögen sie gebrochen sein,
bilden stark ein neues Band,
mit so vielen ersten Bildern, klar und rein.
Im neuen Leben, ungebrochen, nur in deiner Hand.

© Sunny Möller

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Abends früh um Acht

Die Sonne schien, da sah ich ihn,
in sternenklarer Nacht.
Der Anzug blau, in magentafarbnen grün.
Wir redeten die ganze Zeit,
ohne nur ein Wort zu sagen,
mit abgewandten Blick,
schaute ich in seine Augen,
seine Hand berührte mich,
in der Tasche tief vergraben,
langsam merkte ich,
in rasender Geschwindigkeit,
eine große Kleinigkeit,
ich schlief und war hellwach,
lag im Keller auf dem Dach,
träumte einen Traummann her,
in allzu naher Ferne,
ich hasse es und mach es allzu gerne,
die Wirklichkeit nur ausgedacht,
abends früh um acht.

(c) Sunny Möller