Allgemein, Alltagstauglich

Ich bin ein Ofen der Liebe…

Luke hat Pubertät. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich selbst in dieser Umbruchphase steckte. Allerdings ging es bei mir darum, meine Brüste zu hypnotisieren, damit sie endlich auf eine annehmbare Größe wachsen würden, oder ich versuchte, meine Haare so geschickt zu drapieren, dass man den Riesenpickel auf meiner Stirn nicht sehen konnte. Natürlich hatte ich daran rumgedrückt und Zahnpasta drauf geschmiert, weil mir eine Freundin erzählt hatte, dass er dann am nächsten Tag weg sei. War er natürlich nicht, eher doppelt so groß. Und ich war häufig ziemlich schlecht gelaunt. Die Haare zu dünn, die Beine zu dick und niemals eine Chance bei dem Jungen, in den ich schon seit einem halben Jahr verliebt war. Mit 15 sind 6 Monate eine Ewigkeit.

Nicht so mein Sohn. Er raucht nicht, trinkt nicht, geht noch nicht großartig auf Partys und wenn ich nicht wüsste, dass er 15 ist, würde ich sagen, der Pubertätskelch ist an ihm vorbei gegangen. Eigentlich ist er das bis jetzt auch und das, was heute passiert ist, nennt man nicht Pubertät, man nennt es LIEBE. Und diese Phase kann in jedem Alter auftreten.

„Mama, ich bin ein Ofen der Liebe!“

Mein Kind tanzt durch die Küche und ich verstehe das erste Mal die Bedeutung „von einem Ohr zum anderen grinsen“.

„Du bist ganz rot, hast du Fieber?“

Er tanzt weiter und fasst sich ans Herz.

„Nein, in mir brennt die Leidenschaft! Fühl mal mein Gesicht, das ist ganz heiß.“

„Fieber!“

„Niemals, ich weiß ja nicht, ob du schon mal verliebt warst, aber es ist das beste Gefühl, was es gibt!“

Er fragt mich nicht wirklich, ob ich schon mal verliebt war…

„Habt ihr geknutscht?“

Er guckt mich halb belustigt, halb empört an.

„Neihen!! Und wenn würde ich es dir nicht erzählen.“

„Aber, dass du ein Ofen der Liebe bist?“

„Genau! Was für ein Gefühl!“

Ich versuche mich an meinen ersten Kuss zu erinnern. Oh mann ja, das hat wirklich was von einem Ofen, der lichterloh brennt.

© Sunny Möller

Allgemein

Schnipp schnapp, ich bin toll!

Wie oft sagt ihr euch eigentlich selbst, dass ihr toll seid? Und ich rede jetzt gar nicht von großen Karrieresprüngen, dem geschafften Marathon oder dem dicken Gehaltsscheck. Ich rede von den kleinen, ganz alltäglichen Dingen. Eine gute Freundin bat mich bei einem Treffen darum, alle Dinge aufzuschreiben die ich gut kann. Ich jammerte ihr mal wieder die Ohren voll, was ich alles nicht schaffe, dass ich nicht den Erfolg habe, den ich gerne hätte, bla, bla, bla und immer so weiter. Ich kann mich da herrlich reinsteigern.

„Schreib auf, was du alles kannst!“

„Na ja, da kommt jetzt nicht so viel zustande!“

„Kannst du laufen?“

„Klar, das ist ja wohl selbstverständlich!“

„Nein, das ist es nicht!“

„Haben du und deine Kinder genug zu essen?“

Ich schaute auf die Shrimps, die zum Auftauen auf dem Tisch standen.

„Ja klar, sicher. Aber das ist doch kein besonderes Talent oder Leistung.“

„Bist du eigentlich total bekloppt? Sunny, ich hab dich echt lieb, aber manchmal geht mir deine Selbstschlechtmacherei echt auf die Nerven. Los, schreib jetzt auf, was du gut kannst oder was du toll an dir findest! Nicht unter 10 Punkten. Jede noch so banale Sache, von der du denkst, sie sei nicht wichtig.

„Okayey!!!“

1. Ich kann gut zuhören
2. Ich kann gut schreiben
3. Ich kann mit Kindern richtig gut Quatsch machen
4. Ich bin eine gute Freundin
5. Ich bin richtig hübsch
6. Ich kann gut küssen
7. Ich kann mit den Händen meine Zehen berühren
8. Ich kann Kopfstand
9. Ich kann über mich selbst lachen
10. Ich kann faul sein

Punkt Nummer 5 hat sich komisch angefühlt, das kann man doch nicht über sich selber sagen. Doch kann man, muss man sogar. Beim Schreiben dieser 10 Sachen bekam ich auf einmal ein gutes Bauchgefühl. Wir warten immer darauf, dass uns andere gut bewerten, dabei sollten wir die ersten sein, die uns loben oder toll finden. Sch… auf Eigenlob stinkt.

Plötzlich musste ich an den Schnipp schnapp Kelch aus dem Film „Natürlich blond“ mit Reese Witherspoon denken. Man schreibt einen Zettel, was man an jemandem toll, wirft ihn ihn einen „Kelch“ und anschließend zieht jeder einen Zettel und liest ihn laut vor. Und dann „Schnipp schnapp für…

Wir haben es ein bisschen verändert. Abends schreibt jeder einen Zettel für sich und jemand anderen. Am nächsten Tag werden die Zettel vorgelesen. Und dann heißt auch immer wieder schnipp schnapp für mich! Probiert es aus, unglaublich, was diese Art der Wertschätzung für jeden bedeutet. Weil man es einfach zu wenig macht.

Was fällt euch ein? Nennt mir 10 Punkte, warum ihr toll seid!!! Traut euch!!! Schnipp schnapp für euch!!!

© Sunny Möller

Allgemein, Alltagstauglich, Stimmungslage

Der letzte Umzug

„…und dann verlasse ich meine Zuhause und schaue nicht mehr rechts und links und schon gar nicht mehr zurück.“ Ich musste schlucken. So sollte es also zu Ende gehen? Ein Leben, vierzig Jahre in der selben Wohnung, Kinder groß gezogen, Menschen ein und ausziehen gesehen, mit manchen so etwas wie Freundschaft geschlossen, manche etwas kritisch beäugt, weil sie so gar nicht dem eigenen Lebensstil entsprochen hatten.

Und doch war immer so etwas wie Leben in der Bude gewesen. Als ich vor sechs Jahren hier eingezogen bin, allein, mit zwei kleinen Kindern, wollte ich eigentlich nichts mit den restlichen Bewohnern dieses Hauses zu tun haben. Zu sehr quälten mich meine eigenen Dämonen und die Angst, wie es denn jetzt wohl weitergehen würde.

Über mir eine ältere Dame, die ständig etwas zu meckern hatte. Entweder die Kinder waren zu laut oder ich hatte mal wieder vergessen, den Hausflur zu wischen. Agathe fand immer einen Grund, irgendetwas an mir zu bemängeln. Über die Jahre wurde es besser, Agathe immer schwerhöriger, was sie allerdings als meinen Erziehungserfolg feierte. „Frau Möller, Ihre Kinder höre ich ja überhaupt nicht mehr. Das haben Sie aber gut hinbekommen.“ Sagte sie, während mein Sohn im Hintergrund Schlagzeug spielte und meine Tochter lauthals „We will rock you“ brüllte.

Nach einem Nachbarschaftsgrillen“ im Gemeinschaftsgarten, drei Bierchen und dem Du-Angebot war das Eis dann endgültig gebrochen. Ich erfuhr viel von ihrem Leben, ihren drei Kindern und der einen Tochter, die sich aus unerfindlichen Gründen von ihrer Mutter losgesagt hatte. Den Mann, den sie zwischenzeitlich einmal verlassen hatte, weil er sich wie ein totaler Idiot benommen hatte. Man fand jedoch wieder zusammen, denn „Weißt du Sunny, drei Kinder, das verbindet doch irgendwie.“ Mich haben zwei Kinder nicht dazu gebracht, zu meinem Idioten zurückzukehren. „Das ist schon in Ordnung, hast ja jetzt einen ganz stattlichen Ersatz gefunden.“ Ich muss heute noch darüber lachen. Stattlich, ein Begriff, der heute viel zu selten im Gebrauch ist.

So war das mit Agathe. Sie wurde älter und so langsam machte sich auch bei ihr das Alter bemerkbar. Sie wurde schwächer, plötzlich stand ein Rollator im Hausflur, eine Pflegerin kam mehrmals die Woche, die sie bei den alltäglichen Dingen unterstützte. Trotz alledem war sie noch voll dabei und mittlerweile hatte ich sie richtig lieb gewonnen.

Als ich Donnerstag von der Arbeit nach Hause kam, hing ein Zettel am schwarzen Brett des Hausflurs.

Liebe Nachbarn,

ich ziehe nächste Woche in ein Altersheim. Ich habe die Zeit mit Ihnen und
euch hier sehr genossen. Ob es bei einem Schnäpschen im Garten war oder ein
kurzer Klönschnack im Hausflur. Es war für mich eine sehr schöne Zeit. Ich
werde das alles sehr vermissen.

Eure/Ihre Agathe Heinze

Ich konnte es nicht fassen. Es lief doch alles ganz gut und unsere tolle Hausgemeinschaft sorgte dafür, dass immer jemand zur Stelle war, wenn Agathe Hilfe brauchte. Ich schnappte mir eine Flasche Prosecco und klingelte bei Agathe. Als sie die Tür öffnete, sah ich ihre verweinten Augen. Hilflos, wie ich manchmal in solchen Situationen bin, nahm ich sie einfach in den Arm. „Agathe, was machst du denn nur für Sachen?“ Sie fing wieder an zu weinen.

„Meine Tochter sagte, das ist das Beste für mich. Und dann bin ich ja auch in ihrer Nähe.“ Sie sah nicht sehr überzeugt aus. „Kannst du denn deine Sachen mitnehmen? Vielleicht dein Bett oder deinen Lieblingssessel?“ Sie wischte sich die Tränen mit einem Stofftaschentuch ab, auf dem ihre Initialen eingestickt waren. „Ich kann mein Kopfkissen mitnehmen, alles andere ist schon da.“ Ich stellte mir vor wie ein alter Mensch alles zurücklassen musste, was ihm lieb und teuer war. Sicher konnte sie ein paar Kleinigkeiten und Erinnerungen aus ihrem Leben mit in dieses Heim nehmen. Doch sie würde mit über achtzig Jahren ihr Leben verlassen müssen. Die Vorstellung, dass es mir später einmal ebenso ergehen könnte, wollte ich nicht an mich heran lassen. „Und wann geht es los?“

„Übermorgen. Ich habe nicht so schnell mit einem freien Zimmer gerechnet. Ich war Platz sieben auf der Warteliste und nur wenn einer stirbt, wird ein Platz frei. Da sind wohl ziemlich viele, ziemlich schnell gestorben.“ Sie fing wieder an zu weinen. „Platz sieben Sunny, ich war doch erst Platz sieben!“

Ich fühlte mich wie in einem Horrorfilm. Wir tranken ein Glas Prosecco. Dann drückte sie meine Hand. „Ich werde mich nicht einmal umdrehen. Weißt du, was das Schlimmste ist? Von da werde ich nirgendwo mehr hinziehen. Das ist die letzte Station.“ Dann begann sie wieder zu weinen.

Diese Sache hat mich zutiefst erschüttert und sehr bewegt. In Würde zu altern und schwächer zu werden, hat in unserer Gesellschaft keinen Platz mehr. Je nach finanzieller Situation, landen alte Menschen meist in besseren Aufbewahrungslagern, möglichst weit weg von der jungen, leistungs- und lebensfähigen Gesellschaft. Es muss doch einen Weg geben, bei dem beide Lebensabschnitte zusammen koexistieren können oder sogar voneinander profitieren. Man sollte nicht vergessen, dass wir auch irgendwann einmal diesen Lebensabschnitt erreichen werden.

© Sunny Möller

Allgemein

Ich bin

Ich sehe nichts.

Ich sehe dich.

Ich höre nichts.

Ich höre dich.

Ich fühle nichts.

Ich fühle dich.

Ich schmecke nichts.

Ich schmecke dich.

Ich bin nichts.

Du bist alles.

Deine Augen, unendlich, deine Stimme so warm, deine Haut, so berauschend, dein Kuss, so süß, nicht immer alles, doch ganz viel das.

(c) Sunny Möller

Allgemein

TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 8 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Mr. Right

Nachdem ich mich einmal querbeet durch die Männerwelt gesucht habe, um den einen, den wahren, den ultimativen Traummann zu finden, ist mir siedend heiß etwas durch den Denkapparat geschossen. Geht es denn beim Mann der Träume vornehmlich um Sex? Was ist mit gleichen Interessen, die das Zusammenleben sicherlich nicht unwesentlich auszeichnen. Ist Sex denn wirklich so wichtig?

„Also egal wie heftig wir uns streiten, nach dem Versöhnungssex kriegen wir alles wieder hin!“

Wer kennt diesen Satz nicht? Und wer kennt diese Sätze nicht? „Sex ist doch nicht das Wichtigste in einer Beziehung!“ oder „Orgasmus? Finde ich völlig überbewertet! Es ist doch einfach schön nur so zu kuscheln!“ Dieser Satz kommt vornehmlich von Frauen und wenn ich den höre, denke ich jedes Mal:“Ok Schätzchen, du hattest noch nie einen, du weißt also nicht, was du verpasst!“ Lange Rede, kurzer Sinn, wir haben ihn gefunden, unseren Mr. Right und ob ihr´s glaubt oder nicht, das Spektakuläre kann so einfach sein. Und wenn ihr mich nach dem Stellenwert von Sex in einer Beziehung fragt, so würde ich ihn, sofern er gut ist, niemals ans Ende der Beziehungswünsche stellen. Vorhang auf für Mr. Right!

„Sorry Süße, ich bin zu spät!“

Ich stolpere in unser Lieblingscafé. Bettina sitzt in einem großen Ohrensessel. Sie hat sich die Schuhe ausgezogen, die Füße ebenfalls mit auf den Sessel gezogen und schlürft an einem großen Chai Latte. Sie lächelt mich beseelt an.

„Hast du was geraucht?“

Sie war nicht einmal annähernd empört und guckte mich noch bekiffter an.

„Nein. Viel besser. Ich habe ihn gefunden, den perfekten Mann. Gott, ich habe mich total in ihn verliebt!“

Da dieser Ausspruch von ihr schon des öfteren kam, nahm ich ihn nicht sonderlich ernst und bestellte mir einen Milchkaffee. Sie hörte nicht auf zu grinsen. Langsam wurde ich doch neugierig.

„Jetzt erzähl schon. Wer ist es und was kann er, was die anderen nicht konnten?“

„Wir haben geredet!“

„Wie ihr habt geredet?“

„Na ja, über Sex!“

Ich sehe schon meinen nächsten Blogtitel vor mir: „Der Erzähler“!

„Ihr habt nur darüber geredet?“

Sie genoss es, mich zappeln zu lassen.

„Er heißt John und das erste, was er mir gesagt hat, als das Sexthema angeschnitten wurde, war: Ihr seid selber schuld. Mit dieser ganzen Vortäuscherei verarscht ihr euch nur selber! Woher sollen wir wissen, was ihr wollt, wenn ihr rumstöhnt wie die Irren? Klar halten wir uns dann für den perfekten Liebhaber! Und dann hat er mich gefragt, wie ich es haben will! Weißt du Sunny, er hat mich gefragt wie ich es haben will! Ich wusste gar nicht, was ich darauf antworten sollte. Ich dachte, Männer wissen sowas!“

Das erste Mal fragte ich mich, woher sie das wissen sollten. Aus Pornofilmen, aus schlauen Männermagazinen, aus Gesprächen mit Freunden? Unnötig zu erwähnen, dass kein Mann mit einem anderen über Sex redet. Höchstens, wieviel Ritzen sie schon in ihren Erfolgsbalken gehobelt haben. Oder vielleicht von uns? Sagen wir, was und wie wir es wollen?

„Weißt du eigentlich, was dich anmacht?“

Mir fiel auf, dass wir auch noch nicht wirklich darüber gesprochen hatten. Trotz all der medialen Offenherzigkeit schämen wir uns noch wie unsere Omis vor 50 Jahren.

„Darüber habe ich dann auch nachgedacht. Also wenn ich es mir selber mache, habe ich so meine Phantasien, die mich antörnen. Meistens ist Keanu Reeves dabei. Mein selbst gemachter Sex läuft viel über den Kopf. Aber ich konnte mich doch wohl kaum nackt vor ihm ausbreiten und ihm meine erogenen Zonen vorstellen!“

„Und was hast du gemacht?“

Sie räusperte sich.

„Mich vor ihm nackt ausgebreitet und meine erogenen Zonen vorgestellt…! Zumindest die, die mir bekannt waren. Dann sollte ich seine Hand führen und er hat meine Hand genommen und dann….“

Ich schaute sie gespannt an.

„Und dann???“

„Hatte ich den besten Sex meines Lebens! Ich habe nicht gedacht, dass das so unkompliziert sein kann. Wir quatschen über alles, Sex ist mittlerweile ein öffentliches Thema, aber dass es für jeden eigentlich ein persönliches Thema ist, vergessen viele. Niemand spricht aus, was ihm gefällt, noch was ihm nicht gefällt. Am Ende rammeln wir mainstreamartig auf einander rum. Mann kommt, Frau nicht, Mann in diesem Fall einfach gestrickt, Frau nicht. Mann halbwegs befriedigt, Frau nicht. Lösung: Anfassen mit Ansage. Als wir angefangen haben, habe ich erst gar nichts gesagt und als er mich küsste und mir ins Ohr flüsterte: Ich mag es, wenn du mit der Hand meine Leiste entlang fährst und deine Fingerspitzen meinen Schwanz berühren. Ich glaube, ich bin knallrot angelaufen. Im ersten Moment war mir das so peinlich, aber gleichzeitig hat es mich so heiß gemacht, dass ich ihm gesagt habe, dass ich total drauf stehe, wenn jemand an meinen Nippeln knabbert….“

Sie fing an zu kichern. Ich war verblüfft. Klar sollte man die Interessen, Charaktereigenschaften, etc. nicht außer acht lassen, aber wenn’s darum geht, im Bett auf seine Kosten zu kommen, ist reden Gold und schweigen ein Täuschungsmanöver! Dann mal los. Falls ihr noch nicht fündig geworden seid, euer Mr. Right ist irgendwo da draußen und will wissen, wie er´s machen soll!

In diesem Sinne, danke, dass ihr mich begleitet habt auf dem Weg zu Mr. Right und ich wünsche uns allen viel Liebe und noch besseren Sex!

© Sunny Möller

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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 7 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Ed von Schleck

„Das ist wirklich bis jetzt der tollste Typ, den ich kennengelernt habe. Er sieht toll aus, hat einen coolen Job als Texter und achtet voll auf weibliche Bedürfnisse! Es ist wirklich richtig schön, alles in allem.“

Bettina und ich saßen mal wieder in unserem Lieblingscafé Und unterhielten uns über ihre neue Errungenschaft. Bei dem „alles in allem“ wurde ich hellhörig.

„Aber irgendetwas gefällt dir doch nicht. Ward ihr schon im Bett?“

„Sunny, ich kenne Ben jetzt seit einem Monat. Klar läuft da schon was.“

Euphorisch klang anders.

„Und? Ist es gut?“

Sie nahm einen ziemlich zeitaufwendigen Schluck Milchkaffee. Dann schaute sie mich etwas ratlos an.

„Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr weiter. Vielleicht bleibe ich auch einfach alleine und kauf mir ne Katze. Ich hab mich wirklich richtig in Ben verliebt, aber ich hätte nach dem Küssen schon wissen können, dass wir vielleicht nicht optimal zusammen passen.“

„Wieso?“

„Er ist ein Spucker!“

„Wie Spucker?

„Beim ersten Kuss ging es ja noch, da ist mir das gar nicht so aufgefallen, aber der sabbert wie ein Irrer. Er beschränkt sich nicht darauf meinen Mund zu küssen, sondern leckt in weiträumigen Bewegungen rund um den Mund herum und zwar mit breit ausgestellter Zunge. Er hat sogar an meinen Augen rumgelutscht. Wenn ich ihn dann einfach packe und „normal“ küssen will, hab ich das Gefühl, auf mich rollt eine Speichelwelle zu. Ich putze mir tatsächlich zwischendurch den Mund mit dem Ärmel ab, sofern ich noch Klamotten anhabe.

Ich dachte gerade daran, was da so alles drin rum schwimmt. Klar, furztrocken küssen wäre auch komisch, aber mit Mund abputzen?

„Na und der Sex? Man sagt ja, schlechte Küsser sind auch schlecht im Bett!“

Sie guckte so, als würde sie sich gleich erst einmal einen Sekt bestellen, um meine Fragen besser zu verkraften.

„Keine Ahnung!“

„Wie, keine Ahnung!“

„Ich seh ihn kaum. Er leckt mich.“

„Häähhh?“

„Na ja, er klemmt ständig zwischen meinen Beinen. Erst leckt er meine Beine ab, dann leckt er meinen Bauch ab und nach diesem Feuerwerk an Leckerei, geht es zwischen den Beinen los. Ich weiß nicht, welche Aussage Männer zu dem Schluss haben kommen lassen, Frauen stehen total auf Lecken. Tun wir ja auch, aber doch nicht stundenlang. Wenn er wenigstens noch seine Finger mit zum Einsatz gebracht hätte, aber nein, eine halbe Stunde Zungenspitze an Kitzler. Und ja, ich habe gestöhnt und geschrien, weil meine erogene Zone einer offenen Wunde entgegen sah. Ich war froh, dass er wenigstens die Decke über den Kopf gezogen hatte. Ich hab kurz bei Facebook meine Nachrichten gecheckt.“

„Das soll doch wohl ein Scherz sein!?“

„Ich wünschte, es wäre so. Der hat doch nichts mitbekommen. Komisch, das war so ein bisschen ein Gefühl wie bei der zersägten Jungfrau. Ober- und Unterkörper hatten keine Verbindung zueinander mehr. Entweder er hat sich so in Ekstase geleckt oder er hat sich dabei einen runtergeholt. Er sah hinterher ziemlich zufrieden aus.“

„Aber warum machst du nicht deine Klappe auf und sagst ihm, dass das alles nicht so dein Ding ist?“

Sie sah mich etwas verstört an.

„Die Frage stelle ich mir auch andauernd. Ich kann das einfach nicht, manchmal glaube ich, ich weiß selber gar nicht so richtig, worauf ich stehe. Ich will ihn auch nicht als Niete hinstellen, vielleicht liegt es ja an mir. Wenn du mich fragen würdest worauf Männer so stehen, fällt mir ehrlich gesagt auch nur eine erogene Zone ein, die mit Vögeln und Blasen rundum versorgt ist. Männer reden da nicht gerne drüber.

Und wir offenbar auch nicht. Ist das unser Problem? Kann es unseren Mr. Right gar nicht geben? Weil Mrs. Right nicht ihren Mund aufmacht und sagt, was sie will? Haben wir so wenig Kontakt zu unserem Körper, dass wir gar nicht wissen, was er will und was wir wollen? Wir haben 2018 und reden immer noch nicht offen über unsere sexuellen Bedürfnisse? Stattdessen lästern wir mit Freundinnen über die vermeintlichen Versager. Wir rennen angesäuselt in „Shades of Grey“ und vergnügen uns kichernd wie kleine Mädchen, die etwas Verbotenes tun. Vermeintlich aufgeklärt rennen wir durchs neue Jahrtausend. Trotzdem erleben ca. 60 Prozent aller Frauen nie einen Orgasmus und leiden unter Orgasmusstörungen! Echt jetzt? Ernsthaft? Die Welt verkommt immer weiter zur zeigefreudigen Pornobühne und wir werden sexuell immer frustrierter, denn im echten Leben zieht niemand blank.

Keine Angst! Es gibt Hoffnung!

© Sunny Möller

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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 6 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: Der Spielzeugmann

„Timo findet es erotisch, wenn ich tagsüber mit Liebeskugeln rumlaufe und ihm erzähle, was ich so dabei fühle.“

Ich hatte mich schon gewundert, warum meine Freundin ständig so einen schrägen Blick drauf hatte beim Laufen. Sie traf sich seit ein paar Wochen mit Timo aus der Marketingabteilung ihrer Firma.

„Und?“

Sie lächelte etwas gequält.

„Na ja, ich probiere es gerade aus. Es ist ein bisschen so, als würde er die ganze Zeit in mir stecken. Er ruft mindestens zehn mal am Tag an und fragt den Status ab. Am Anfang fand ich das noch ganz antörnend, aber mittlerweile nervt es etwas. Außerdem fallen die Dinger raus, wenn ich niesen muss. Wenn wir uns dann abends sehen, hab ich gar keine Lust mehr auf ihn. Und sie sind rosa, Sunny! Rosa! Als ob das jemand sehen würde.“

„Wie findet Timo das?“

„Er meint, wir hätten mich noch nicht richtig ausbalanciert und sollten noch mal Nippelklemmen dazu probieren!“

Er schien sie auf irgendeine Weise spicken zu wollen wie ein Spanferkel. Ich musste lachen. Wann kommt sie auf den Lustspieß? Ich dachte an Pole-Dance.

„Und was denkst du?“

Sie musste husten und schlug ruckartig die Beine übereinander. Husten schienen die Kugeln wohl auch nicht so gut in ihrer Position zu halten.

„Ich denke, ich mache Schluss! Am Ende sehe ich aus wie ein Weihnachtsbaum, innen wie außen!“

Gibt sie zu früh auf? Könnte ein klärendes Gespräch den Sex vielleicht doch in die richtige Richtung lenken? Gegen kleine Spielereien im Bett ist ja prinzipiell nichts einzuwenden. Ich denke, jeder trägt einen, mehr oder minder großen Fetisch in sich. Das Ausmaß ist wie bei allen anderen Dingen, ziemlich entscheidend. Und ist es wirklich ein Fetisch oder eine Möglichkeit, der sexuellen Langeweile zu entgehen?

So hatte ich mit 20 ein paar Dates mit einem angehenden Mediziner, der im Bett plötzlich seinen Mundschutz tragen wollte und anfing, mich mit seinem Skalpell zu pediküren. Außerdem schwärmte er begeistert von den Hautschichten meines Wadenbeins, während er mir die Hornhaut von den Füßen kratzte. Es blieb bei ziemlich weichen Füßen. ich habe ihn nie wieder gesehen und doch beschleicht mich immer das leise Gefühl, ich finde ihn irgendwann bei Google zwischen Ted Bundy und Baumeister als „Skalpello, den Schlächter“, wieder.

Die Frage ist, zu welchem Zeitpunkt kommen die einschlägigen Spielzeuge ins Spiel? Oder gehen viele auch lieber gleich fremd, um den erotischen Nervenkitzel woanders aufzufrischen? Während uns in der ersten Phase der Verliebtheit auch ein Baumwollschlüpfer und ein unrasiertes Bein nicht aus der erotischen Fassung bringt, verlangt eine längere Beziehung oft nach mehr Entertainment. Es liegt ein schmaler Grad zwischen, wie toll, jetzt kennen wir uns schon so gut, dass wir exotischere Stellungen ausprobieren und oh mann, wenn wir es jetzt schon wieder von hinten in der Dusche tun, muss ich wenigstens mal anderes Duschgel besorgen.

Im Verlauf einer langjährigen Beziehung, vielleicht sind mittlerweile auch schon Kinder dabei, muss man schon erfinderisch werden, um das Feuer am Lodern zu halten. Dessous, Nippelklemmen und Dildos in allen Formen und Farben. Die kauft man auch nicht mehr heimlich in einer unauffälligen Verpackung, nein, man geht auf tupperähnliche Vibratorenpartys und würgt gemeinsam den Gummilurch. Mir ist übrigens aufgefallen, dass die Besucherinnen solcher Partys meist auch einen Thermomix zuhause haben… Wenn der Dildo nicht reicht, das Angebot ist vielfältig.

Plüschhandschellen, spanische Fliege, Überraschungspakete „Super-Sexbombe“, Plugs und Liebeskugeln, also eine Rundumausstattung für jede Körperöffnung oder erogene Zone. Ist das nötig? Kommen wir sonst irgendwann nicht mehr auf Touren? Hat die sexuelle Anziehungskraft ein Verfallsdatum?

Wen haben wir noch nicht? Ich nenne ihn gerne Ed von Schleck!

© Sunny Möller

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Denkt an eure erste Begegnung…

Wenn dich die wunderbare Fotografin Janina Warnke fragt, habt Ihr Lust ein Paarshooting auf Kreta zu machen, wer kann da schon nein sagen? Da lassen wir uns auch gerne in Flipflops auf jeden Berg jagen!❤️

„Schaut nicht in die Kamera, denkt an eure erste Begegnung.“

Wir lachen, beide, von ganzem Herzen. Es ging um Seepferdchen und Polizisten.

(c) Janina Warnke

https://www.janinawarnke-hochzeitsfotografie.de

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TÄUSCHUNGSMANÖVER TEIL 5 – AUF DER SUCHE NACH MR. RIGHT ODER SO ÄHNLICH – HEUTE: DER REINLICHE

Mit der Sauberkeit ist das so eine Sache. Während zu früheren Zeiten alles übergepudert wurde und etwas später der Busch wirklich noch seinem Namen alle Ehre machte, wird heute geschrubbt, enthaart und desinfiziert, was die Hygieneindustrie so hergibt. Gut, man hatte damals sicherlich mit so Erscheinungen wie Syphilis, Sackratten und anderen Tierchen zu kämpfen, aber hey, die Seuchen haben uns auch heute nicht verlassen, hinzu kommen die ganzen Kontaktallergien durch irgendwelche Waschsubstanzen. Ganz nebenbei ist hierzulande auch die Krätze wieder auf dem Vormarsch an deutschen Grundschulen und Kindergärten. Schuld daran sind natürlich die Flüchtlinge, genau so wie am Knoblauchpreis, erklärt mir ein fast zahnloser Jogginghosenträger beim Aldi! „Außer mein Schnapppps, die Dame, den hammse noch nich teurer jemacht. Dürfen se ja auch nich, die Mosleme, nääääh? Aber den Knoblauch fressen se uns wech. Ich sach ihnen, das wird noch böse enden! Von 99 Cent auf 1,29 Euro den Knoblauch, eine Frechheit! Schönen Tach noch!“ Ich schweife ab, aber der Typ war jetzt mal nicht so sauber, deshalb passt er doch rein. 🙂

Kommen wir zurück zu unserem Mr. Right. Wir sind ihm dicht auf den Fersen. Heutzutage muss alles sauber sein, angefangen mit dem Image. Und beim Sex? Schmutzig sind nur die entsprechenden Filme und die riechen nicht.

Der Spruch, ich kann dich gut riechen, kommt nicht von ungefähr. Kennt ihr das? Der Geruch des einen Mannes ist so anziehend, dass man möglichst ganz dicht in seiner Nähe sein möchte. Augen zu und einatmen. Die Mischung aus Körperwärme, dem letzten Kaffee, die Reste eines, vor zwei Tagen benutzten Parfums, die leicht verschwitzten Haare, die in der Sonne schimmern. Einatmen, ansehen, genießen.

Und dann gibt es die überladenen Reinlichkeitsfanatiker, bei denen nichts mehr so riecht, wie sie selbst. Duschgel, Peeling, Waxing, Bleeching, Pediküre, Maniküre, Kur, Conditioner, Körperlotion, Deo, Aftershave, Eau de Toilette, Mundspray und und und. Bloß nichts von sich durchriechen lassen. Vielleicht treffen wir deshalb oft die falsche Partnerwahl. Wir merken nicht mehr, was uns stinkt.

So ein bisschen erinnert es mich an den völlig geruchslosen Protagonisten Jean-Baptiste, aus Süßkinds ‚Parfum’. Er destillierte haufenweise Jungfrauen, um sich damit zu überschütten und somit an Attraktivität zu gewinnen. Gut, das Volk fraß ihn auf, aber meine Güte, irgendwas ist ja immer. „Ich habe dich zum Fressen gern“ mit völlig neuer Bedeutung. Aber die Botschaft ist klar, die Ursprünglichkeit macht anziehend. Jedenfalls ging mir das immer so. Ein Kerl soll auch gefälligst wie ein Kerl riechen und nicht wie das Testobjekt einer übereifrigen Avon-Beraterin. Ich war mal kurzfristig mit so einer sagrotanisierten Nacktschnecke verbandelt, für mich die hygienische Hölle. Nacktschnecke deshalb, weil der Typ komplett enthaart war. Achseln, Beine, rund ums Ding, meine Güte, der hatte nicht ein Haar am Sack. Ich wollte den gar nicht anfassen, denn er war epiliert und nicht rasiert. Bei einer Rasur konnte man ja noch erspüren, dass da irgendwo, irgendwann mal Haare waren, bei dem war alles delphinglatt. Da das männliche Geschlecht ja generell nicht unbedingt jeden Schönheitswettbewerb gewinnen würde, so umspielt ihn doch eine anständige Intimfrise einigermaßen erregungsfreudig. Dieser Anblick allerdings erinnerte mich wirklich eher an besagte Tiere, die bei feuchtem Wetter durch die Rabatten kriechen. Nur richten die sich nicht irgendwann auf. Sex? Unvorstellbar! Ich bewegte mich mit meinen konventionell rasierten Achseln Richtung Ausgang, noch bevor bei ihm was wachsen konnte und das in jeglicher Form.*

Und begegnet dir irgendwann so ein Putzschwamm, dann renn! Du wirst dich immer schmutzig fühlen. Denn er duscht vor dem Sex, nach dem Sex und dazwischen auch. Du wirst einen Spleen entwickeln, damit du bloß keine natürlichen Marken hinterlässt. Du wirst in deine Hand hauchen, die Nase unter die Arme klemmen, du wirst duschen, shaven, epilieren, optimieren und zum Schluss dreimal am Tag dein Höschen wechseln, um nichts mehr von dir preiszugeben. Seelenlos wie Meister Proper. Aber willst du das?

Und dann? Der Spielzeugmann!

© Sunny Möller

* wie mir ein Freund mitteilte, lassen sich viele Männer den Intimbereich enthaaren, damit ihr bestes Stück größer aussieht. Also ein ähnliches Phänomen wie Längsstreifen bei Übergewicht?

Allgemein

Täuschungsmanöver Teil 2 – Auf der Suche nach Mr. Right oder so ähnlich – Heute: So was von lieb!

Du erkennst sie schon am Blick! Sie schauen dich an wie frisch geborene Hundebabys, die Augenlider von rechts außen leicht nach innen geklappt. Außerdem wirken sie so, als hätten sie den Kamillentee ständig im Anschlag, nur um gegebenenfalls dein Bauchweh zu kurieren. Sie kraulen und streicheln mit einem Minimum an Berührung ständig an dir herum, nur um dir ihre Wertschätzung mitzuteilen. Das kann ja mal ganz nett sein, doch hin und wieder mögen wir doch auch, wenn Mann zupackt.

Ich wartete auf Bettina, die seit einigen Wochen ihren lieben Kollegen Johannes datete. Ich war mir sicher, dass sie etwas zum Thema beitragen konnte. Ich sah sie schon von weitem. Johannes begleitete sie. Hoffentlich würde er nicht bleiben. Ich sah schon aus der Ferne den welpenvernebelten Blick. Bettina erkannte meinen voller Panik verschrobenen Blick.

„Hallo Sunny! Der Johannes wollte mich nur kurz vorbei bringen, damit er weiß, dass ich heile ankomme. Ist das nicht süß?“

„Voll süß, der Johannes!“

Der Johannes lächelte wohlwollend. Bettina sagt, der Johannes findet mich witzig.

„Ach die Sunny wieder, du immer mit deinen witzigen Sprüchen! Zum Totlachen.“

Ja, mach doch. Bitte! Sofort. Hab ich nix gegen. Mir fiel auf, dass bestimmte Leute aus bestimmten Kreisen, gerne einen Artikel vor die Namen packen. Die Sunny ist zum Totlachen und der Johannes fällt einfach nicht um. Ich habe mich immer gefragt, warum das so ist. Brauchen sie diese Genuszuweisung um zwischen Jungs und Mädchen unterscheiden zu können? Artikel bezeichnet man auch als Begleiter. Brauchen sie vielleicht immer Begleiter, begleitet der Johannes deshalb die Bettina? Mist, ich gleite ab. Wollte ja eher etwas übers Besteigen als übers Begleiten schreiben. Johannes und Bettina verabschiedeten sich mit einem Bussibussikussikussi und Bettina ließ sich auf den Stuhl neben mir fallen.

„Und?“

„Was, und?“

„Wie isser so, dein Johannes?“

„Supi!“

Sie bestellte eine Flasche Sekt.

„Echt?“

„Ich bin fix und fertig!“

Wow, wer hätte gedacht, dass der Johannes die Bettina so fordern würde!

„Ist er so gut?“

„Na, wie soll ich sagen. Er ist echt total lieb. Als wir letzte Woche bei ihm waren, hatte er alles perfekt vorbereitet. Kerzen, tolles Essen, das ganze Bett voll mit Kissen dekoriert. Knutschfreudige Musik im Player….aber Johannes wollte die ganze Zeit reden. Über meine Gefühle, über meine Bedürfnisse, über seine Gefühle, über seine Bedürfnisse. Ich muss zuerst ganz in die Seele meiner Partnerin eindringen, bevor ich in sie eindringen kann, Bettina. Was will man denn auf so was antworten? Ich hab ihn dann einfach geküsst!“

„Und? War ihm das zu eindringlich?“

Ich musste innerlich lachen. Was Worte so alles hergeben!

„Er hat dann wenigstens kurz aufgehört zu reden. Aber dann kam dieses stundenlange Gestreichel. Magst du, wenn ich deine Brustwarzen berühre, Bettina, magst du, wenn ich deinen Nacken streichle, Bettina, sind die Innenseiten deiner Schenkel empfindlich, Bettina, möchtest du eine Pause machen, Bettina, soll ich dir was zu trinken holen, Bettina? Ich fühlte mich, wie beim Behindertensport. Ich glaube, ich bin zwischendurch auch mal eingeschlafen. Das fand er dann auch schön, weil er so einen beruhigenden Einfluss auf mich hat!“

„Hattet ihr denn Sex?“

„Wie man´s nimmt. Irgendwann hat er sich auf mich gelegt und sich gaaaanz langsam bewegt, fast wie in Zeitlupe. Als ich ihn fragend anguckte, lächelte er und sagte, er wolle mir zarten Person nicht weh tun. Glaub mir Sunny, bei seiner Schwanzgröße würde er nicht einmal einem Eichhörnchen weh tun.“

Aus dem innerlichen, wurde ein äußerliches Lachen.

„Die Frage, ob du deinen Spaß hattest, erübrigt sich dann wohl!“

„Ich habe es schon wieder getan! Vorgetäuscht, meine ich. Aber nach drei Stunden war ich so durchgekrault und untervögelt, dass ich so getan habe, als würde ich kommen. Habe ganz leise gefiept, damit er sich nicht erschreckt, der Johannes!“ Jetzt lachte sie auch.

„Und jetzt?“

„Muss ich sehen, wie ich ihn loswerde! Der streichelt mich sonst bis aufs blanke Fleisch!“

In diesem Sinne, der Liebe war´s dann wohl auch nicht……

Morgen oder so: Der Stellungswechsler

(c) Sunny Möller