Kinderwelt

Kleine Monster

Ich finde, schlafen wird als Beschäftigung völlig unterschätzt. Schlafen kann man überall, mit und ohne Ritual. Vielleicht eine heiße Milch davor, auf dem Sofa, mit der Fernbedienung in der Hand, im Garten auf der Liege mit etwas Sonne im Gesicht, dieses Einkuscheln in die Kissen, mit der Decke zwischen den Beinen, bei kalten Füßen mit der guten alten Wärmflasche, dieses Abgleiten und Entspannen mit oder ohne Traum, mal sekundenlang wach und gleich wieder weg und irgendwann wach werden, wenn man ausgeschlafen ist. Freiwillig, nach dem Augen reiben und Strecken, nach dem probeweise Fuß aus dem Bett halten zur Temperaturkontrolle. Ein Luxus. Ich erinnere mich dunkel, dass es das gab…….in einer anderen Welt.

Mein Wecker ist verstaubt, die letzte Batterie hat sich im Innern übergeben. Ich brauche ihn nicht mehr. Ich habe jetzt etwas anderes. Sie kommen vor jedem Klingeln, vor jedem Wachwerden. Sie sind gnadenlos, eiskalt und berechnend. Sie zwingen dich Bücher zu lesen gegen halb 6, sie hüpfen auf dich und haben gute Laune um 5, sie lassen Autos durch den Flur rasen wie Donnerschläge, stecken dir Finger in Ohren und Nasen, sie rufen AUFSTEHN, AUFSTEHN, AUFTEHN!!!! Sie sind kleiner als du, aber böse und gemein, haben nie Mitleid, akzeptieren kein „noch 5 Minuten!“, kein nein. Es gibt welche, die nennen sie Kinder, für mich sind es Monster bis gegen halb neun!

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Mann – glücklich – eine Gegendarstellung

Mein Artikel „Mann-glücklich“ wurde leider nicht von allen Seiten positiv aufgenommen. Ein paar Männer waren tief getroffen!

„Sag mal Sunny, spinnst du jetzt eigentlich total?“

Gespräch mit einem guten Freund.

„Wie stellst du uns denn dar, als eine Horde schwanzgesteuerter Hirnamputierter!“

„Aber wenn ihr so am glücklichsten seid!“

Ein empörter und sogar leicht gekränkter Blick schlug mir entgegen. Das könnte jetzt interessant werden. Er holte Luft, das sprach für mehr als ugga ugga.

„Was glaubst du eigentlich, warum wir uns wieder so zurückziehen? Weil man Euch Frauen ohnehin nichts recht machen kann!“

´Euch Frauen´ stimmte mich immer leicht aggressiv.

„Ständig liest und hört man von Euch, wie der Traummann zu sein hat! Gut sollte er aussehen, Humor muss er haben, Geld auch nicht unwichtig, verständnisvoll, gefühlvoll, zärtlich, intelligent, treu, und und und! Vielleicht haben wir uns irgendwann wieder mehr auf unseren Schwanz konzentriert, weil der einfacher zufrieden zu stellen ist. Denn was passiert denn, wenn du für die Frau deiner Träume der Märchenprinz sein willst?

„Emanzipiert wollt ihr sein, aber einen Mann ansprechen, um Gottes Willen. Nachdem wir ordentlich gekratzt haben, lasst ihr euch eventuell zu einem Date hinreißen, was natürlich, trotz Gleichberechtigung, von uns finanziert wird. Wo läge auch Euer Wert, bei getrennten Kassen? Wenn wir Pech haben, müssen wir uns beim Essen dann auch noch anhören, was ihr schon für scheiß Typen kennengelernt habt, die die moderne Frau von heute, nicht ansatzweise zu schätzen wissen.

Ihr wollt zwar Kerle, starke Männer, die euch erobern, halten und beschützen. Aber das reicht schon lange nicht mehr!

Zeigst du große Gefühle, bist du ein Weichei, hältst du sie zurück, ein Arschloch. Machst du viele Geschenke mutierst du zum Schleimer, bei zu wenig zum Geizhals. Hörst du zu, schweigt sie. Gehst du, will sie reden. Trinkst du, bist du ein Säufer, tendierst du zum Wasser, die Partybremse. Wirst du angeflirtet, ein Ficker, wenn nicht, der Ladenhüter. Sagst du ja, will sie nein. Du kannst es nicht richtig machen! Niemals!“

Ich musste schlucken. Hatte er recht? Waren wir nie zufrieden? Konnte ER nie gewinnen?

„Und weißt du Sunny, was das Schlimmste an der ganzen Sache ist?“

„Was?“

„Die Guten vergesst Ihr! Eure größten Lieben sind immer die Arschlöcher!“

Ich dachte nach. Versuchen wir unsere Männer zu unterdrücken und klein zu halten, damit sie nicht ihrer wahren Bestimmung folgen können? Reizt uns der Reiz „beherrscht“ zu werden und wollen wir es uns nur nicht eingestehen? Der sensationelle Erfolg von „Shades of Grey“ wäre erklärt!  Vielleicht haben auch wir die Höhle nie richtig verlassen…..

© Sunny Möller

Kinderwelt

Der Wollwerf und der Überfant

Ein Wollwerf und ein Überfant zogen einst durchs ganze Land.
Um Freunde hier und da zu finden.

Der Wollwerf, der sah ganz schaurig aus. Im Maul ganz spitze, scharfe Zähne und am Po, vom Schaf die Mähne.

Und der Überfant? Na, der war überhaupt kein Elefant. Vorn den Rüssel kunterbunt und das Hinterteil vom Hund.

Der Wollwerf fragte: „Wo gehen wir als Erstes hin?“
Der Überfant antwortete: „Zu dem Delphin! Der ist immer gut gelaunt und schlau!“
Der Wollwerf nickte: „Ja, genau!“
Am großen Meer dann angekommen, kam ein Delphin gleich angeschwommen.
„Delphin, willst du unsere Freundschaft teilen?“
„Wie habt ihr euch denn das gedacht, ihr Beiden?
Ich leb´ im Wasser, ihr an Land, ich muss hier bleiben, ihr am Strand.“

Traurig zogen beide weiter, dachten, vielleicht wäre es gescheiter, einen Freund an Land zu suchen.
„Ich hab´s,“ sagte da der Wollwerf mutig. „Wir gehen zu den Schafen hin, schließlich ist bei mir ein halbes drin!“
Als sie endlich eine Wiese fanden, sahen sie gleich, dass dort viele Schafe standen.
Der Wollwerf versuchte netter auszusehen und begann den wolligen Po nach vorn zu drehn.
Diesmal ergriff der Überfant das Wort. „Bleibt doch hier und rennt nicht fort!“
Erschrocken schauten ihn die Schafe an. „Nein, das kannst du schnell vergessen, der Wollwerf will uns doch nur fressen!“

Dem Wollwerf wurd´ das Herz ganz schwer: „Überfant, ich hab bald keine Hoffnung mehr!“
„Lieber Wollwerf, du bist doch kein Schuft! Komm, wir versuchen es bei den Tieren in der Luft!“
Nach ein paar Wochen dann, kamen sie bei einem Adler an. „Lieber Adler, wir sind einsam!“
Schnell flog er weg und sagte: „Nein danke, wir haben nichts gemeinsam!“

So suchten sie Tag ein, Tag aus
und stellten am Ende fest mit Graus,
kein Tier wollte ihre Freundschaft teilen.

Immer nur die gleichen Fragen, warum sie denn so komisch waren.
„Warum heißt du denn nur Überfant?“
„Na, weil ich nicht ausseh´ wie ein Elefant!“
„Und du?“ Ängstlich schauten sie den Wollwerf an.
„Wo kommt denn bloß dein Name her?“
„Meine Mama, ein Schaf, liebte einen Werwolf sehr!“

Am Ende standen sie noch alleine da,
fanden niemanden, der auch anders war.

Plötzlich schauten sie einander an, schlugen sich vor den Kopf und dann,
war es einfach klar, dass der beste Freund stets bei ihnen war.

„Ich bin bunt, na und“, sagte dann der Überfant.
„Und du wirst nur als Monster anerkannt.
Wichtig ist doch für Freundschaft das,
was du tief im Herzen hast!“

(Luke und Sunny Möller)

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Mann – glücklich

Seit „Shades of Grey“ beschäftigt mich das Thema „Mann“ relativ stark. Was brauchen sie eigentlich wirklich, um mit uns glücklich zu sein? Wollen sie uns wirklich beherrschen? Und glauben wir vielleicht, durch unser ständiges Gemecker, hätten wir den Klaps auf den Po verdient? Da Männer in Gegenwart ihrer Frauen häufig einen sehr angestrengten Blick haben, wollte ich herausfinden, ob man daran etwas ändern kann. Denn ständig dieses gequälte Blähgesicht hält auch die stärkste Frau nicht aus.

Google sollte helfen und bei den Begriffen „Mann glücklich“ ist das allererste Ergebnis: „Sextricks! So machen Sie Ihren Partner glücklich!“ Bei dem Gegenversuch „Frau glücklich“ war einer der Top 5: „Versichern Sie ihr, dass sie nicht zu dick ist….!“ Aber es geht mir ja hier um die Männer!

Was ist denn mit den guten Gesprächen? Literatur? Kunst? Probleme? Halten Männer das nur aus, um zum Schuss zu kommen? Ich wollte es nicht wahrhaben und wagte sogar einen selten vorkommenden Blick auf die zweite Google-Seite. Ergebnis: „Lassen Sie ihn in Ruhe Fußball gucken, gekühltes Bier und Tiefkühlpizza reichen zur Ernährung vollkommen aus und himmeln sie alles an, was er tut und sagt! Und wenn es nur der Rülps nach dem eben erwähnten Bier ist!“

Ist es wirklich so einfach, ist da wirklich nicht mehr? Beim zweiten Kaffee, dieses Mal mit Schuss erzählten mir die Ninas, Tinas und Sandras dieser Welt von ihren Sextricks:

Worauf fährt ER ab?

Mein Gestöhne: Angeblich gebe ich höchst erregende Töne von mir, die fast schon wie ein Röcheln klingen. Ein bisschen wie ein wildes Tier und anscheinend mache ich dabei auch ganz viel „Grrrrr“! Nina (28)

Wenn ich Lust auf einen Mann habe, fixiere ich beim Sprechen seinen Mund: Das ist sehr diskret und gleichzeitig sehr wirkungsvoll. Der Gesprächspartner wird verwirrt, bekommt aber kein eindeutiges Signal und das bringt ihn durcheinander. Probiert es aus: Er findet dich dann unglaublich sexy und kann sich selbst nicht erklären, warum! Manuela (25)

Ich bin eine begeisterte Töpferin. Vielleicht habe ich deshalb eine ganz besondere Beziehung zu Berührungen und Gegenständen. Ich sage einem Mann nie, dass ich Lust auf ihn habe, aber ich habe anscheinend eine Art, mein Glas, mein Besteck oder alles, was ich sonst in die Hand nehme, mit einer geradezu hypnotischen Sinnlichkeit zu berühren. Anke (32)

Wenn ich komme, ohne meinen Partner anzuschauen, habe ich das Gefühl, dass ich bescheiße. Ich muss ihm in diesem Augenblick ganz tief in die Augen schauen, ganz egal, in welcher Position wir gerade sind. Das macht diesen Augenblick unglaublich intensiv! Stefanie (27)

Okay, was glaubt Ihr, tue ich jetzt??? Natürlich!!!! PRAXISTEST!!!!

Samstag Abend, irgendwie zwischen Pizza, die im Ofen hochgeht, 1ter Liga und gut gekühltem Bier:

Viertel vor acht, gleich geht´s los! Mein Mann macht den Fernseher aus. Sein Team hat gewonnen, guter Start!

„Pizza, Schatz?“

„Gerne!“

„Schmeckst Dir Liebling!“

„Hmmmm, ja ganz gut!“

„Ich liebe das, wie Du hmmmm sagst, total schön!“

Er wird misstrauisch. Bitte, bitte, kein Blähgesicht!!!! Dranbleiben Sunny, dranbleiben!!!!!!

„Wie war denn Deine Woche? Erzähl mir von Deiner Arbeit! Interessiert (gähn) mich total, was du wieder Tolles erlebt hast!“

Sein Blick wird sanfter!

„Echt?“

„Ja, total!!!!“

„Also wir waren ja auf dieser Messe und da hat mein Kollege gesagt, bla, bla, bla, bla blubb, bla bla di bla bla bla bla…………….“

Das kann jetzt dauern. Ich hätte mir Nagellack mitnehmen sollen, hätte ich auch was machen können. Aber ich muss mich schon konzentrieren, damit ich zur richtigen Zeit die „Ahhhs“ und „Ohhhs“ einbaue….

 „Verstehst Du, was ich meine Sunny?“

„Total! Finde ich echt gut, wie Du das alles hinkriegst!“

„Was denn genau?“

Scheiße!

„Na alles, Schatz!“

„Danke!“

Puuuhhhhh…

„Gerne!“

Die Einleitung war schon ganz gut. Ich denke, jetzt kann ich anfangen! Ich werde es ihm so richtig besorgen und aus ihm einen glücklichen Mann machen!

Ich starrte auf seinen Mund! Er starrte irritiert zurück.

„Hab ich Salami zwischen den Zähnen? Warum glotzt du mir denn so auf den Mund?“

Ich atmete schon mal ein bisschen schneller!

„Grrrrr, ich weiß auch nicht, rrrrrrr!“

Ich nahm schnell eine Gabel in die Hand und machte lasziv mit ihr herum.

„Was hast du denn mit der Gabel vor? Pass auf, dass du sie dir nicht ins Bein stichst!“

„Würde dich das scharf machen, Schatz? Oder möchtest du mich ein bisschen stechen?“

Ahhhhh, oh Gott! Möchtest du mich ein bisschen stechen???? Du sinkst tief für eine Fallstudie, meine Liebe! Ich schaute ihn an. Er lächelte…Häähhh?

„Du bist ja ein richtig geiles Mäuschen!“

Er fuhr wirklich drauf ab!!! Und er sah richtig glücklich aus! Aus „meine Güte Sandra“ wurde „ein richtig geiles Mäuschen“……Ich brachte die Teller in die Küche. Bitte nicht, nicht mein Mann. Er ist gebildet, belesen, kultiviert!!! Er fasste mich von hinten an die Hüften.

Ich dachte an das Angucken! Wenn das nach hinten losgeht, habe ich morgen einen steifen…..Nacken!

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Probier mal…..!

 

Man muss neue Dinge anprobieren, um zu sehen, ob sie passen. Oft sehen sie von außen perfekt aus, aber wenn du näher herankommst, fällt dir auf, dass eine Naht fehlt, der eine Ärmel kürzer ist, als der andere. Oder du bekommst deinen großen Zeh nicht in die atemberaubenden Schuhe. Du willst aber unbedingt, dass das Ding passt. Also zupfst und ziehst du daran herum, drehst dich immer wieder vorm Spiegel hin und her und versuchst deine Füße in die Schuhe zu quetschen. Es klappt nicht. Schließlich stehst du draußen mit deinen alten Sachen, deinen alten Schuhen. Es fühlt sich gut an. Einzig das bunte Tuch um deinen Hals ist neu. Manchmal reicht eben schon ein Tuch.

© Sunny Möller

Zeitgeschehen

Grauzonen

Unvermittelt packt er mich, legt mich übers Knie und dreht sich mit einer fließenden Bewegung so, dass mein Oberkörper auf dem Bett liegt, dann schwingt er sein rechtes Bein über meine Schenkel und drückt mich mit der linken Hand nach unten, so dass ich mich nicht bewegen kann. Ach du Scheiße!

„Leg beide Hände neben deinen Kopf“, befiehlt er. Ich gehorche. „Wieso tue ich das, Anastasia?“, fragt er. „Weil ich die Augen verdreht habe“, presse ich mühsam hervor. „Darf man so etwas tun, was meinst du?“ „Nein.“ „Wirst du es noch einmal tun?“ „Nein.“ „Künftig werde ich dich jedes Mal versohlen, wenn du es tust, verstanden?“

Im Zeitlupentempo zieht er mir die Jogginghose herunter. Wie entwürdigend! Es ist entwürdigend, Angst einflößend und wahnsinnig erotisch zugleich. Mir schlägt das Herz bis zum Hals. Ich bekomme kaum noch Luft. Ob es wehtun wird?

Er legt seine Handfläche auf mein nacktes Hinterteil, tätschelt und streichelt es zärtlich. Dann ist seine Hand plötzlich verschwunden… und er schlägt zu. Und wie! Au! Meine Augen quellen beinahe aus den Höhlen vor Schmerz.

(Shades of Grey-Geheimes Verlangen/ E.L. James)

 

Ach du Scheiße! Seit Wochen höre ich es von allen Seiten. „Hast du Shades of Grey gelesen? Das ist der Hammer! Das macht total süchtig! Noch viel besser als die Twilight Romane!“

An dieser Stelle hinkt allerdings der Vergleich, weil hier ein zahnloser Glitzerblutsauger mit einem Lord of Fuck verglichen wird. Immerhin war ich neugierig geworden. Als ich mit dem Buch an der Kasse stand, lächelte mich die Verkäuferin wissend an. „Der Hammer, sag ich Ihnen!“

Ich klappe den Hammer zu! Über achtzig Prozent der Leser dieses Buches sind Frauen. Weites gehend emanzipierte Frauen wie ich, wenn man den Umfragen trauen darf. Dieser Roman hat allerdings überhaupt nichts mit Selbstbestimmung zu tun. Und trotzdem, auch ich habe ihn verschlungen und mich bei der Überlegung ertappt, ob mir diese Popohauerei irgendwie gefallen würde.

Erst letzte Woche saß ich mit einigen Freundinnen zusammen und wir sprachen über die Attribute des wahren Traummannes. „Humor muss er haben!“ „Rücksichtsvoll sollte er sein!“ „Zärtlichkeit ist mir ganz wichtig!“ „Bloß nicht so einen Macho!“ Diese Freundinnen sind große Fans von „Shades of Grey“!

Hauptdarsteller Christian Grey hat ja auch alle erwünschten Eigenschaften! Er ist ein mega erfolgreicher Geschäftsmann mit den längsten Wimpern, dem perfektesten Körper, dem charmantesten Lächeln, dem vollkommensten Benehmen und dem größten Schwanz!

Wer jetzt allerdings auf eine Romanze a la Rosamunde Pilcher hofft, sollte bei der Textprobe schon eines Besseren belehrt worden sein. Mr. Grey schließt Verträge mit seiner Gespielin, zwischen Sub und Dom (Sklavin und Meister). Regeln werden aufgestellt, was SIE essen darf, wie lange SIE schlafen muss, welche Kleidung SIE tragen soll und wann SIE frisch gewachst, gefesselt und breitbeinig vor ihm liegen soll. Seine Pflichten bestehen nur darin, sie zärtlich zu erniedrigen und es ihr anschließend so richtig zu besorgen. Und Anastasia und alle Leserinnen betteln nach mehr!

Ich frage Euch, müssen wir unser Weltbild verrücken? Wären Ehen und Beziehungen glücklicher und befriedigender, wenn uns die Jungs ab und zu den Po versohlen würden? Wollen wir hin und wieder beherrscht werden, eintauchen in die verbotene Grauzone des Frauseins?

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Leben in Serie

Leben in Serie

Es ist wieder einmal soweit. Es heißt Abschied nehmen, von liebgewonnen Freunden und lästigen Nervtötern. Als man mir vor Jahren meine Freundin Carrie nahm, hat es mich 3 Nächte und unzählige Flaschen Prosecco gekostet, meine Lebensfreude wieder zu finden. Ich war Teil von „Sex and the City“.

Hasste Carrie für ihr Unvermögen die Richtigen von den Falschen zu unterscheiden. Und immer wieder dieser blöde Mr. Big, bei dem ich gar nicht wusste, was da eigentlich so big war. Ich erkannte alle Tricks, auf die ich selbst schon reingefallen war. Aber am Bildschirm schlug ich mir vor den Kopf und bedauerte die Protagonistin, wie man nur auf so viel Schwachsinn und Bauchpinselei reinfallen konnte.

Ich liebte Charlotte für ihr naives Selbstverständnis, der großen Liebe zu begegnen. Und dann hatte sie ihn endlich gefunden, den Schottenrock tragenden, schon etwas abgehalfterten, ehemaligen Twin Peaks-Darsteller mit Erektionsproblemen! Für Charlotte niemals ein Grund zur Resignation. Da wurde rausgeholt, was runterzuholen war. Am Ende wenigstens ein Cover für Homes & Gardens.

Ich bewunderte Miranda für ihre Hingabe zum eineiigen Steve. Obwohl sie endlich mal zwei Typen am Start hatte! Ich persönlich hätte mich ja für das afroamerikanische Sahneschnittchen entschieden. Die Auswahl ist schließlich nicht so groß bei einer lesbischen, kurzhaarigen Enddreißigerin!

Und Samantha stand meines Erachtens für die wahre Emanzipation der Frau. Sie benutzte Männer, die so eigentlich nur Frauen benutzten. Für viele einfach eine Schlampe, für mich eine wahre Poetin der Neuzeit.

“Das Land wird besser von einem gutaussehenden Mann regiert. Schaut euch Nixon an. Mit dem wollte niemand ins Bett und dafür versaute er das Land”.

“Ich habe mit ihm gevögelt. Ich bin sechsmal gekommen. Mehr muss ich nicht von ihm wissen.”

“Du kannst zu einem Mann sagen: “Ich hasse dich” – und du bekommst den besten Sex deines Lebens. Aber sagst Du zu ihm: “Ich liebe dich” – siehst du ihn niemals wieder!”

Nur einige von vielen „Ergüssen“, die mein Leben bunter gemacht haben.

Ich habe es verkraftet. Junkies ersetzen eine Droge durch eine andere. Mein neues Koks waren „Desperate Housewives“. Naheliegend, weil ich inzwischen selbst zu Mann und Kind gekommen war. Und schon wieder hatte ich die perfekte Identifikationsquelle. Gut, ich würde ebenso wenig von ihnen lernen, wie von den New Yorkerinnen, doch man fühlt sich einfach nicht so allein in seinem Alltagsorbit…und sie machen Dinge! Spezielle Dinge. Sie tragen Twinsets und führen Kriege mit Muffins, sie vögeln den Gärtner und mähen nachts im Cocktailkleid den Rasen, um nicht aufzufliegen, sie lästern, manipulieren, töten und betrügen, zum Wohl des großen selbst inszenierten Ganzen. Und wieder lache, leide, hoffe und bange ich mit ihnen. Bis zum Schluss. Und jetzt?

Keine Dealer in Sicht, mit dem nächsten „Kick“…….H I L F E!!!!!

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Handbuch einer guten Ehefrau

(aus: Houskeeping Monthly, 13. Mai 1956 ?)

Halten Sie das Abendessen bereit. Planen Sie vorausschauend, evtl. schon am Vorabend, damit die köstliche Mahlzeit rechtzeitig fertig ist, wenn er nach Hause kommt. So zeigen Sie ihm, dass Sie an ihn gedacht haben und dass Ihnen seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Die meisten Männer sind hungrig, wenn sie heimkommen und die Aussicht auf eine warme Mahlzeit (besonders auf seine Leibspeise) gehört zu einem herzlichen Empfang, so wie man ihn braucht.

Machen Sie sich schick. Gönnen Sie sich 15 Minuten Pause, so dass Sie erfrischt sind, wenn er ankommt. Legen Sie Make-up nach, knüpfen Sie ein Band ins Haar, so dass Sie adrett aussehen. Er war ja schließlich mit einer Menge erschöpfender Leute zusammen.

Seien Sie fröhlich, machen Sie sich interessant für ihn! Er braucht vielleicht ein wenig Aufmunterung nach einem ermüdenden Tag und es gehört zu Ihren Pflichten, dafür zu sorgen.

Räumen Sie auf. Machen Sie einen letzten Rundgang durch das Haus, kurz bevor Ihr Mann kommt.

Räumen Sie Schulbücher, Spielsachen, Papiere usw. zusammen und säubern Sie mit einem Staubtuch die Tische.

Während der kälteren Monate sollten Sie für ihn ein Kaminfeuer zum Entspannen vorbereiten. Ihr Mann wird fühlen, dass er in seinem Zuhause eine Insel der Ruhe und Ordnung hat, was auch Sie beflügeln wird. Letztendlich wird es Sie unglaublich zufrieden stellen, für sein Wohlergehen zu sorgen.

Machen Sie die Kinder schick. Nehmen Sie sich ein paar Minuten, um Ihre Hände und Gesichter zu waschen (wenn sie noch klein sind). Kämmen Sie ihr Haar und wechseln Sie ggf. ihre Kleidung. Die Kinder sind ihre „kleinen Schätze“ und so möchte er sie auch erleben. Vermeiden Sie jeden Lärm. Wenn er nach Hause kommt, schalten Sie Spülmaschine, Trockner und Staubsauger aus. Ermahnen Sie die Kinder, leise zu sein.

Seien Sie glücklich, ihn zu sehen.

Begrüßen Sie ihn mit einem warmen Lächeln und zeigen Sie Ihm, wie aufrichtig Sie sich wünschen, ihm eine Freude zu bereiten.

Hören Sie ihm zu. Sie mögen ein Dutzend wichtiger Dinge auf dem Herzen haben, aber wenn er heimkommt, ist nicht der geeignete Augenblick, darüber zu sprechen. Lassen Sie ihn zuerst erzählen – und vergessen Sie nicht dass seine Gesprächsthemen wichtiger sind als Ihre.

Der Abend gehört ihm. Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder ohne Sie zum Abendessen oder irgendeiner Veranstaltung ausgeht. Versuchen Sie stattdessen, seine Welt voll Druck und Belastungen zu verstehen. Er braucht es wirklich, sich zu Hause zu erholen. Ihr Ziel sollte sein: Sorgen Sie dafür, dass ihr Zuhause ein Ort voller Frieden, Ordnung und Behaglichkeit ist, wo Ihr Mann Körper und Geist erfrischen kann.

Begrüßen Sie ihn nicht mit Beschwerden und Problemen.

Beklagen Sie sich nicht, wenn er spät heimkommt oder selbst wenn er die ganze Nacht ausbleibt. Nehmen Sie dies als kleineres Übel, verglichen mit dem, was er vermutlich tagsüber durchgemacht hat.

Machen Sie es ihm bequem. Lassen Sie Ihn in einem gemütlichen Sessel zurücklehnen oder im Schlafzimmer hinlegen. Halten Sie ein kaltes oder warmes Getränk für Ihn bereit.

Schieben Sie Ihm sein Kissen zurecht und bieten Sie ihm an, seine Schuhe auszuziehen. Sprechen Sie mit leiser, sanfter und freundlicher Stimme.

Fragen Sie ihn nicht darüber aus, was er tagsüber gemacht hat. Zweifeln Sie nicht an seinem Urteilsvermögen oder seiner Rechtschaffenheit. Denken Sie daran: Er ist der Hausherr und als dieser wird er seinen Willen stets mit Fairness und Aufrichtigkeit durchsetzen. Sie haben kein Recht, ihn in Frage zu stellen.

Eine gute Ehefrau weiß stets, wo ihr Platz ist.

AAAAAAAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!!!!

Sunny und das Handbuch einer guten Ehefrau

Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen! War es wirklich das, was Männer wollen? Und haben sie es sich heute nur abgewöhnt, weil wir Mädels das nicht mehr mitmachen? Einen Versuch war es doch bestimmt wert, den Mann an meiner emanzipierten Seite mal zu testen…..

Ich hielt das Frühstück für ihn bereit. Ich habe schon am Vorabend vorausschauend die leckeren Sachen im Kühlschrank nach vorne gepackt. Ich hätte vielleicht abends nicht mehr so viel Prosecco trinken sollen, denn der Gang zum Bäcker heute morgen, um die ersten warmen Croissants zu erwischen, war etwas beschwerlich. Aber ich wollte ihm zeigen, dass ich an ihn gedacht habe und mir seine Bedürfnisse am Herzen liegen. Er schlief noch, also bereitete ich mich auf den herzlichen Empfang vor.

Ich machte mich schick. Okay, ich versuchte es, nachdem ich auf dem Klo wieder eingeschlafen war. Nur das kribbelnde Gefühl in den Beinen weckte mich. Die Klobrille hatte die Blutzufuhr abgeschnitten. Nachdem ich wieder stehen konnte, wollte ich mir das verdammte Band in die Haare knüpfen. Ich hatte keine Bänder. Aber Not macht erfinderisch, also tut es auch ein Geschenkband von Weihnachten! Ich wollte adrett aussehen, schließlich war er mit einer Menge erschöpfter Frau zusammen.

Ich versuchte fröhlich zu sein, was nicht ganz einfach war, weil mein Kopf hämmerte. Die Kombi Prosecco und festgeschnürtes Paketband kündigte einen Migräneschub an.

Er schlief noch!

Also machte ich meinen Rundgang durch die Wohnung. Nachdem ich barfüßig auf zwei Legos meines Sohnes getreten war, hüpfte ich mit einem erstickten Schrei gegen die Zimmertür meiner schlafenden Tochter, die gleich darauf brüllte: „Mamaaaa, hier kommt Emmmmmmaaaaaa!!! Ißßß bin aufgesteht!“

Mein Mann schlief noch!!!!! (was er sich natürlich auch verdient hatte)

Ich schob das Aufräumen nach hinten und machte die Kinder schick. Also über Luke legte ich seinen Kommunionsanzug, weil er partout nicht aufstehen wollte und Emma verpasste ich wenigstens eine neue Windel.

Meine kleinen Schätze.

Er schlief noch!!!!!!!!!!!!

Ich kochte Kaffee, machte den Obstteller bereit, schnitt den Lachs in Herzform, streute Rosenblätter um seinen Teller, wärmte die Croissants noch einmal auf und freute mich darauf, ihm zuhören zu dürfen….

ER SCHLIEF NOCH!!!!!!!!!!

Ich ging ganz vorsichtig ins Schlafzimmer. Eine gute Ehefrau weckt ihren schlappen Mann nicht. Ich rückte seine Decke zurecht, streichelte seine Stirn und küsste ihn. Sein Urteilsvermögen und seine Rechtschaffenheit tropften ihm als Sabber aus dem Mundwinkel. Ich tupfte es vorsichtig mit einem weichgespülten Seidentuch ab.

„Schahatz?“

ER SCHLIEF WEITER!!!!!

„Liiieeebling?“

ER SCHNARCHTE!!!!!

„Babyyyy?“

ER DREHTE SICH UM!

„Verdammte Scheiße, heb´ deinen versoffenen Hintern endlich aus dem Bett! Ich habe mich schick gemacht, dir diese belämmerten Labbercroissants besorgt, die kleinen Terrorbiester ruhig gestellt, weil ich dir jetzt zuhören will!!!!!!! STEHHHH AUUUUFFFF!!!!!“

Kurzes Grummeln, die Augen werden halb geöffnet, Brauen genervt nach oben gezogen.

„Spinnst du, oder kriegst du deine Tage?“

Eine gute Ehefrau weiß stets, in welcher Schublade die scharfen Messer liegen!

© Sunny Möller

Alltagstauglich

Schneckenkost

Slow Food (engl. slow – langsam; food – Essen) ist ein Begriff, der von einer gleichnamigen Organisation als Ausdruck für genussvolles, bewusstes und regionales Essen geprägt wurde und eine Gegenbewegung zum Trend des uniformen, globalisierten und genussfreien Fast Food bezeichnet. Die ursprünglich aus Italien stammende Bewegung bemüht sich um die Erhaltung der regionalen Küche mit heimischen pflanzlichen und tierischen Produkten und deren lokale Produktion.
Nach Ansicht des Publizisten Matthias Horx ist „Slow Food“ einer von 18 Trends, die das Leben von morgen auf dem Gebiet der Ernährung beeinflussen werden. Slow Food steht in diesem Zusammenhang für Produkte mit authentischem Charakter (regional, saisonal), die auf traditionelle oder ursprüngliche Weise hergestellt und genossen werden.
Lebensmittel, die nach Slow-Food-Kriterien angebaut, produziert, verkauft oder verzehrt werden, sollen regionale Wirtschaftskreisläufe stärken und Menschen wieder mit Auge, Ohr, Mund und Händen an ihre Region binden. (Wikipedia)
Super, wieder was gelernt! Lassen wir die Welt der Anglizismen mal beiseite. Slow food??? Langsames Essen? Sprechen wir hier über den Verzehr von Tieren, die nicht so schnell voran kommen? Schnecken zum Beispiel, nebenbei bemerkt auch das Maskottchen der Organisation. Oder reden wir eher von dem weitestgehend bewegungsunfähigem Spinat? Food with handicap zuzusagen. Ist das nicht diskriminierend? Herr Horx erklärt es noch genauer. Slow food beinhaltet Produkte mit authentischem Charakter. Verstehe, eine Kohlroulade sollte schon davon überzeugt sein, eine Kohlroulade zu sein. Was machen wir aber mit Nahrungsmitteln, die in einer Identitätskrise stecken? Vielleicht möchte das Lamm von Biobauer Landgraf lieber eine Apfel sein. Und dann? Tut uns leid, multiple Persönlichkeiten kommen uns nicht in die Pfanne. Die Authentizität betrifft auch die Regionalität. Und die Pflanzen mit Migrationshintergrund? Die Tomate, der Paprika, selbst die allseits beliebte Kartoffel, sind irgendwann als Gastarbeiter aus Südamerika in unser Land gekommen. Oder betrifft es nur die kürzlich eingereisten Nahrungsmittel ohne Deutschkenntnisse? Und warum wollen sie mein Ohr an die Region binden? Glaubt ihr denn, wenn ich ein niedliches oink oink aus dem Stall höre, kann ich mein Schnitzel noch genießen?Und wieder ein Tag in der neuen Weltordnung, in der ich mich zurücksehne zu der Zeit als Slow Food noch Eintopf bei Oma war!!!

© Sunny Möller

Autorenquatsch

Im Kopf einer Autorin

Es ist viel los im ersten Stock. Da rennen sie wieder hin und her mit irgendwelchen Zetteln, der Szenenwechsel läuft dauernd gegen die Wand. „Hey, hat einer die Inspiration gesehen?“ Leises Getuschel, zaghaftes Gelächter. Der laute Gedanke brüllt: “Die knutscht draußen mit der Idee!“ Die Einfälle verstecken sich hinter der Grammatik. „Wie bitte?“ Der Roman tobt.

„Die Lyrik hat gerade gekündigt, weil sie ein Verhältnis mit dem Ausdruck hat und jetzt das? Die Belletristik steht schon vor der Tür und alles was wir haben ist eine ideenberauschte Inspiration?“ Die Absätze versuchen den Roman zu besänftigen. „Die ersten 5 Kapitel sind doch schon auf dem Weg nach unten und der Titel wird Madame Belletristik schon beruhigen.“ Der rote Faden brachte Wein.

© Sunny Möller